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Art Mûr - Leipzig

Galerie bei artports.com

Art Mûr - Leipzig

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17.06.2017 - 29.07.2017
Patrick Bérubé: Didactique du déjà-vu
Vernissage: 17.06.2017
Künstler: Patrick Bérubé

Pressemitteilung


Patrick Bérubé: Didactique du déjà-vu 17. Juni – 29. Juli 2017

Vom Versuch, dem Zyklus zu entfliehen

Text von Marie-Ève Levasseur



Die Zeit ist ein Kontinuum. Sie ist ein Zyklus, ein System von Relationen. Aus Zeit wird Geschichte; eine Sammlung von Intensitäten und deren Zeiträume. Von Naturkatastrophen zu politischen Misserfolgen, Geschichte wird kontinuierlich und subjektiv in Bildern und Texten geschrieben. Die Zeit verstreicht, und alles wiederholt sich, alles dreht sich im Kreis. Aber was speichern wir wirklich in unserem kollektiven Gedächtnis einer hyperinformatisierten Welt? Und was lernen wir davon?



Mit seiner Ausstellung Didactique du Déjà-vu kommentiert der kanadische Künstler Patrick Bérubé chaotisch, ironisch und humorvoll eine langsame Beobachtung verschiedener Phänomene und Muster, die mit dem Versagen der Kommunikation miteinander und zwischen Generationen zu tun haben. Er beschäftigt sich mit Geschichte und dem daraus entstehenden kollektiven Gedächtnis. Beim Betrachten seiner National-Geographic-Sammlung bemerkte der Künstler, dass die Menschheit sich über die Jahrzehnte hinweg mit den immer gleichen Problematiken auseinandersetzt. Wir drehen uns im Kreis und folgen einem Muster. Wie Moleküle verbleiben wir in einer sich wiederholenden Kreisbewegung von Anziehungen, Kombinationen, Kollaborationen und Trennungen. Die Geschichte wiederholt sich als wäre Evolution nicht mehr als eine Illusion. Ob wirklich ein klügeres Miteinanderleben daraus entsteht?



Zu Wiederholungen und Kreisen gehören allerdings auch Brüche. Diese befinden sich mit bestimmten Abstände in der Menschheitsgeschichte wie auch in Bérubés Ausstellung. Bérubé schöpft aus der Barockepoche alte Radierungen, die Naturkatastrophen abbilden als Bruchstellen in der Geschichte. Er überlagert diese mit einer Farbsequenz, die eigentlich bei Fernsehunterbrechungen im Falle von Signalverlust auftritt. Noch eine Arbeit, die sich mit Signalverlust beschäftigt ist Not loaded; sie zeigt ein Mondrian ähnliches Muster, das Google Image erzeugt, wenn die Verbindung fehlschlägt. Kollektives Gedächtnis wird immer für eine begrenzte Zahl an Generationen mit Details erhalten, es wird immer runder, es kommt immer noch eine Schicht Gegenwart drüber, bis es zu nur einem Satz, einem Bild, einem Kern wird. Wie ein Bonbon mit Schichtstufen verschiedener Geschmäcker der Zeit. Auch die versteinerte Brieftaube verweist auf den Moment, wo das Geschichteschreiben scheitert, wenn die Nachricht nicht immer das nächste Zeitalter erreicht.



Patrick Bérubé arbeitet in situ und arrangiert die verschiedenen gefundenen, gekauften oder modifizierten und miteinander neu kombinierten Objekte in einer vieldeutige und scheinbar gut geordnete Installation. Die verschiedenen Objekte bilden ein rizhomatisches System von Relationen ohne einschränkende zugeschriebene Lesart. Als Methode oder Richtlinie bedient sich der Künstler mathematischen oder natürlichen Sequenzen wie bei Fibonacci, musikalischen Variationen, Wiederaneignungen und sogar der Malerei von Mondrian. Auch lässt er sich driften zu chaotischen und zufälligen Zusammenfügungen. Der Betrachter ist dann frei dieses methodisch erlesene Chaos zu verbinden.



Von den Toile-de-Jouy, dem Turmbau zu Babel bis zur Muttergöttin Isis und Total Recall, Bérubé borgt sich Symbole aus verschiedenen Zeiten und arrangiert sie in seiner Installation neu. Der Schleier einer mutierten Isis wird zur Gardine, das Geklapper eines Storches wird vom Radio übertragen, alltägliche Materialien wie mit Melaminharz furnierte Spanplatten werden zu Displays, und begleiten 3D gedruckte Anamorphosen, die Stilllebenmuster wieder aufgreifen. Hier dienen Anamorphosen als Referenz des materialen Dehnungsphänomens in schwarzen Löchern. Manchmal einfache Symbole des Ursprungs, der Macht, der Reproduktion, des Todes und von Zyklus, die auf den ersten Blick oberflächlich wirken, werden zu komplex verbundenen Bedeutungssystemen arrangiert, die die gesamte Installation noch vielschichtiger machen.



Bérubés Arbeiten sind eine Einladung zum Delirieren, eine Art verrückter Vorschlag zur Flucht ins schwarze Loch, zur freiwilligen Verzerrung der Realität, zur Dehnung der Zeit, zu Kontrollverlust, zu Unterbrechung der Wiederholung und endlich zur Befreiung des Festgeschriebenen.


22.04.2017 - 27.05.2017
Nadia Myre: Code Switching
Vernissage: 22.04.2017
Künstler: Nadia Myre,


04.03.2017 - 15.04.2017
Karine Giboulo: Wellen
Vernissage: 04.03.2017 17:00-20:00
Künstler: Karine Giboulo

Pressemitteilung
KARINE GIBOULO: Wellen

Text von Christiane Fiebig



Aus der Distanz, über einen Zaun hinweg, fällt der Blick auf eine Gruppe von kleinen, bunt bemalten Figuren. Es ist die lebendige und farbenfrohe Darstellung eines Zuges von mehr als hundert Menschen, die zu Fuß durch den Raum ziehen. Aus verschiedenen Richtungen kommend, haben sie ein gemeinsames Ziel, das nicht zu sehen, aber bei näherer Betrachtung des Geschehens zu erahnen ist. Doch während die einen an geschlossener Grenze aufgehalten werden, haben sich andere in kleinen Lagern zusammengefunden. Frauen liegen auf dem Boden gekauert und sind umgeben von ihren schlafenden Kindern. Allen sind die Strapazen einer langen Reise ins Gesicht geschrieben und das wenige Hab und Gut, das sie bei sich tragen, zeugt von der Entscheidung, ihr bisheriges Lebens hinter sich gelassen zu haben.

In raum- und zeitübergreifenden Dioramen und Einzelszenerien stellt die Kanadierin Karine Giboulo Menschen in den Mittelpunkt ihrer Kunst, die Unterdrückung in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Form erleben. Sie erzählt von gegenwärtigen und vergangenen politischen und gesellschaftlichen Schieflagen in unserer Welt, die durch gewaltvolles Handeln oder wirtschaftlichen Druck entstanden sind und sich festgeschrieben haben. Immer wieder spielen auch verschiedene Aspekte von Migration eine Rolle. Die großen Fluchtbewegungen der letzten Jahre nach Europa, vor allem ausgelöst durch den Bürgerkrieg in Syrien, sowie deren mediale Präsenz haben das Thema in den Fokus ihrer Arbeit gerückt.



Ihre Installation „Wellen“, eine Art In-Situ-Diorama, das den Ausstellungsraum zu einer Bühne macht, handelt von der Flucht als „Zeit zwischen der Entscheidung der Menschen, ihr Land zu verlassen und ihrem Ankommen in einer neuen Gesellschaft, diesem speziellen Moment des Wandels“. Denn zu fliehen bedeutet nicht nur den physischen Verlust des eigenen Zuhauses, sondern auch von vertrauten sozialen, emotionalen und kulturellen Räumen. Die eigene Position in der Welt muss neu bestimmt werden. Dies ist von besonderem Interesse für Karine Giboulo, die immer wieder die Frage danach stellt, wie Orte das Individuum und eine Gemeinschaft in ihrem Selbstverständnis prägen und Gewissheit über eigene und kollektive Identität schaffen.



Mit viel Aufmerksamkeit und Empathie widmet sich die Künstlerin den ProtagonistInnen ihrer Erzählungen. Wenn möglich, reist sie zu den Menschen, deren Geschichten sich später in ihren Arbeiten wiederfinden und nutzt vor Ort gefundenes Material für ihre Installationen. Die Figuren, die ihre dreidimensionalen Miniaturen bevölkern, werden von ihr einzeln aus Modelliermasse geformt, bemalt und die individuellen Charakterzüge herausgearbeitet. Dabei ist es ihr wichtig, Menschlichkeit und Einzigartigkeit in ihnen sichtbar zu machen und Verletzlichkeit zu zeigen.



Die besondere Kraft in den Arbeiten Giboulos entwickelt sich aus dieser Aufrichtigkeit und der kontrastierenden Verspieltheit ihrer Inszenierungen. Die Figuren sind kindlich gezeichnet und bunt, oft sind sie in einer fantasievollen Architektur arrangiert, die einen spannungsvollen, skulpturalen Charakter entfaltet. Fantasie, Farbigkeit, Naivität – Karine Giboulo hat Spaß am Einsatz dieser Elemente. Sie nutzt sie bewusst, um die BetrachterInnen visuell zu reizen und dann mit der Ernsthaftigkeit der Situation zu konfrontieren. Sie versteht sich dabei auch als Reporterin, die mit den Mitteln der Kunst von ihrer Wahrnehmung und ihren Erfahrungen in einer globalen Gemeinschaft erzählt, aber auch als Aktivistin, die dazu auffordert, sich selbst und das eigene Handeln in dieser zu hinterfragen.

In die Ausstellung


14.01.2017 - 25.02.2017
ATLAB
Vernissage: 14.01.2017
Künstler: Laurent Lamarche

Pressemitteilung
Laurent Lamarche entwirft komplexe visuelle Phänomene. Mit Laser, digitaler Fotografie und Kunststoffen setzt er auf moderne Verfahren. Er arbeitet mit künstlerischen und wissenschaftlichen Methoden, inszeniert Schönheit und Geheimnis, verkehrt Größenverhältnisse. Einige Werkgruppen wirken wie Laborsituationen, physikalische und medizinische Experimente oder astronomische Untersuchungen. Die Objekte sind jedoch nicht eindeutig. Sie erscheinen uns vertraut. Aber wir wissen nicht, worum es sich im Einzelnen handelt, zumal sie sich mit Begriffen aus der Forschung tarnen.



Die organischen Formen bleiben in einem Schwebezustand. Bei näherer Sicht lösen sich manche Elemente in Mechanik, zum Beispiel in winzige Zahnräder auf. Nichts ist gewiss, das Biologische kann auch Technik sein. Und selbst Licht wird zum künstlerischen Werkstoff. Es umspielt transparente Kunststoffe. Die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen. Welches Potenzial haben Materialien? Wie damit umgehen?



Lamarches Medienkombinationen entwickeln Science-Fiction-Szenarien, die in einem attraktiven Rahmen Innovation vorführen, aber auch moralische Fragen aufwerfen. Seine Bilder führen auch in die Irre, denn wir wissen letztendlich nicht, was sich uns tatsächlich darbietet. Lebendiges und damit auch Verwundbares trifft auf Künstlichkeit. Ist die Wirklichkeit tatsächlich so, wie wir sie durch Hilfsmittel wahrnehmen? Was Natur ist, ist nur noch schwer erkennbar. Die Anmutung des Fortschritts wird mit Rätseln konfrontiert.


Bestand

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