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Martin-Gropius-Bau Berlin

Kunstinstitution bei artports.com

Martin-Gropius-Bau Berlin

Niederkirchnerstraße 7
D-10963 Berlin
Germany/Deutschland
Tel: 030 / 254 86-0
Fax: 030 / 254 86-107
post@gropiusbau.de
www.gropiusbau.de
Öffnungszeiten:
Mi-Mo 10-19 Uhr
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Hotels
Martin-Gropius-Bau Berlin

Ausstellungen

Aktuelle und kommende Ausstellungen


Martin-Gropius-Bau Berlin

12.04.2017 - 05.11.2017
Der Luthereffekt
500 Jahre Protestantismus in der Welt

Pressemitteilung
Erstmals illustriert eine Ausstellung die globale Vielfalt und Wirkungsgeschichte, aber auch die Konfliktpotenziale des Protestantismus zwischen den Kulturen. Welche Spuren hinterließ der Protestantismus in anderen Konfessionen, Religionen und Lebensentwürfen? Wie veränderte er sich selbst durch diese Begegnungen – und nicht zuletzt: Wie haben sich Menschen die evangelische Lehre angeeignet, sie geformt und gelebt? Die Ausstellung „Der Luthereffekt“ erzählt eine weltumspannende Geschichte von Wirkung und Wechselwirkung, die um 1500 einsetzt und bis in die Gegenwart reicht, exemplarisch dargestellt an Deutschland und Europa 1450–1600, Schweden 1500–1750, Nordamerika 1600–1900, Korea 1850–2000 und dem heutigen Tansania.

Das Deutsche Historische Museum präsentiert die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau auf ca. 3.000 qm und trägt hierfür herausragende Exponate von nationalen und internationalen Leihgebern zusammen, die vielfach bisher noch nie in Deutschland zu sehen waren. Umfangreiche Vermittlungsangebote sowie ein attraktives Rahmenprogramm ergänzen die Ausstellung. Begleitend erscheint ein reich illustrierter Katalog.

Die Schau des Deutschen Historischen Museums ist eine von vier Nationalen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsjubiläum 2017. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sind neben Berlin die Ausstellungsorte Torgau (2015), die Wartburg in Eisenach und Lutherstadt Wittenberg. Die Ausstellungen stehen unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband unterstützt die Ausstellung „Der Luthereffekt. 500 Jahre Reformation“ als Hauptsponsor. Weitere Projekte im Rahmen der Reformationsdekade werden von Institutionen der Sparkassen-Finanzgruppe in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen gefördert.

Foto:
Martin Luther im Kreise von Reformatoren, 1625/1650
© Deutsches Historisches Museum


Martin-Gropius-Bau Berlin

20.04.2017 - 03.07.2017
Juergen Teller. Enjoy Your Life!

Pressemitteilung
Juergen Teller, geboren 1964 in Erlangen, zählt international zu den gefragtesten Fotografen der Gegenwart. Seine Arbeiten, oft umfangreiche Serien, werden in Büchern, Zeitschriften, Magazinen und Ausstellungen veröffentlicht. Seit 1986 lebt er in London. Dort begann er für Musik-, Zeitgeist- und Modemagazine zu fotografieren. Bekannt wurde er 1991 als er die Band Nirvana fotografierte und seine Fotos von Kurt Cobain veröffentlichte. Juergen Tellers Arbeiten bewegen sich seitdem an der Schnittstelle zwischen Kunst und kommerzieller Fotografie. Rund 250 Bilder geben Einblicke in sein Gesamtwerk.

Foto: Juergen Teller, Eva Herzigova. Mit dem Teller nach Bonn Serie, 2016
© Juergen Teller


05.05.2017 - 09.07.2017
Foto.Kunst.Boulevard.

Pressemitteilung
Kunst als universelles Gut erobert zunehmend die Medienlandschaft. Die Ausstellung zeigt dokumentarische und inszenierte Fotografien, Zeitgeschichte und Alltag, Köpfe und Kurioses aus dem Boulevardjournalismus der letzten Jahre. 26 renommierte Fotograf*innen sind beteiligt: Lars Berg, Daniel Biskup, Michel Comte, Esther Haase, Attila Hartwig, Meiko Herrmann, Kiki Kausch, Tom Lemke, Kevin Lynch, Christoph Michaelis, Andreas Mühe, Konrad R. Müller, Peter Müller, Nigel Parry, Thomas Rabsch, Oliver Rath, Paul Ripke, Holde Schneider, Martin Schoeller, Florian Sommet, Andreas Thelen, Antoine Verglas, Wolfgang Volz, Ellen von Unwerth, Wolfgang Wilde, Frank Zauritz. Alle haben im Auftrag der Bildzeitung fotografiert. Es ist eine kleine Auswahl aus der Masse der Bilder, die uns tagtäglich das Wesen der Welt vermitteln. Subtiler als Texte erzählen sie von Politik, Gesellschaft, Kultur, Medien und Zeitgeist. Längst ist die Fotografie des Boulevards auch Teil unserer Kulturgeschichte geworden und etliche Aufnahmen haben Eingang in unser kollektives Gedächtnis gefunden. Die Ausstellung zeichnet die Geschichte dieser Bilder nach – und mit ihr jene Geschichten, die jedes von ihnen erzählt.

VERANSTALTER Stiftung für Kunst und Kultur e.V.


30.06.2017 - 28.08.2017
Franz Kafka. Der ganze Prozess


Martin-Gropius-Bau Berlin

30.06.2017 - 28.08.2017
Franz Kafka. Der ganze Prozess

Pressemitteilung
„Die quälende Angst, die uns aus diesem Buch anweht, ist in manchen Augenblicken fast unerträglich; denn wie sollte man sich der Empfindung erwehren: dieses gehetzte Wesen bin ich?“
André Gide

Mehr als 100 Jahre nach seiner Entstehung wird das gesamte Manuskript des berühmten Romans von Franz Kafka „Der Prozess“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt. Blatt für Blatt wird es in der Reihenfolge aufgeschlagen, die ihm Kafkas Freund, Nachlassverwalter und Herausgeber Max Brod gegeben hat. Die Berliner Präsentation geht auf die Ausstellung „Der ganze Prozess“ aus dem Jahr 2013/2014 im Literaturmuseum der Moderne in Marbach zurück, das Manuskript gehört zu den Sammlungen des Deutschen Literaturarchivs Marbach.

In der Stresemannstraße 111, in unmittelbarer Nähe des Gropiusbaus (Stresemannstr. 110, damals Königgrätzer Straße), stand einst das Hotel Askanischer Hof. Im Askanischen Hof fand am 12. Juli 1914 jenes legendäre Gespräch Kafkas mit Felice Bauer, ihrer Schwester Erna und Felices Freundin Grete Bloch statt, nach dem die Verlobung von Franz Kafka mit Felice Bauer wieder gelöst wurde. Wie einen „Gerichtshof im Hotel“ empfand Kafka das Treffen, so beschreibt er es später in einem Tagebucheintrag. So entwickelte sich die Idee zu seinem Roman.
Im August 1914, der Erste Weltkrieg war bereits ausgebrochen, begann er mit der Niederschrift, die im Januar 1915 weitgehend abgeschlossen war. Heute gilt Der Prozess als Hauptwerk von Franz Kafka. Die erhaltenen 171 Blätter des Manuskripts widersprechen der Vorstellung, ein Roman entstehe linear und werde von Anfang bis Ende erzählt. Kafka, im Brotberuf Jurist bei der „Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt“, schrieb in den rund sechs Monaten, die er am Prozess gearbeitet hat, Kapitel und Kapitelteile in zehn verschiedene, meist 40 Blätter umfassende Hefte im Quartformat. Erstmals erschien das Werk, herausgegeben von Max Brod aus dem Nachlass des 1924 Verstorbenen, 1925 im Berliner Verlag „Die Schmiede“.

Ergänzt wird die Ausstellung um Vorführungen der Verfilmung von Orson Welles aus dem Jahre 1962 und Fotografien aus der Sammlung Klaus Wagenbach. Die Auswahl der Fotografien haben Klaus Wagenbach und Hans-Gerd Koch kuratiert. Zudem werden Übersetzungen des Prozess in mehr als 35 Sprachen der Welt zu sehen sein.

Das kostbare Manuskript war 1988 in einer gemeinsamen Anstrengung von Bundesregierung, Kulturstiftung der Länder und Land Baden-Württemberg auf einer Londoner Auktion für rund 3,5 Millionen Mark erworben worden, damals das teuerste je auktionierte Manuskript.

Häufig arbeitete Kafka an mehreren Kapiteln zugleich in verschiedenen Heften, Seite an Seite mit Tagebucheinträgen und Entwürfen zu anderen Texten. Nur einen Tag nachdem er die Arbeit am Roman aufgenommen hatte, notierte er in sein Tagebuch: „Gar nicht geschlafen. Nachmittag drei Stunden schlaflos und dumpf auf dem Kanapee gelegen, in der Nacht ähnlich. Es darf mich aber nicht hindern.“

Seine zehn Manuskripthefte hat Kafka aufgelöst, mit Deckblättern (gefalteten bzw. halbierten Seiten aus einem Typoskript von „Der Heizer“, dem 1913 veröffentlichten Kapitel seines ebenfalls unvollendet gebliebenen Amerika-Romans „Der Verschollene“) eingeschlagen und zu 16 Konvoluten geordnet.

Im Januar 1915 brach Kafka die Arbeit am „Prozess“ ab. Im September 1915 veröffentlichte er einige Seiten in der jüdischen Wochenzeitung „Selbstwehr“. 1920 schenkte er das gesamte Manuskript seinem Freund Max Brod. Doch bereits 1921/22 bat er ihn, seine unveröffentlichten Texte „restlos und ungelesen zu verbrennen“.

Brod folgte diesem Wunsch nicht und veröffentlichte 1925, ein Jahr nach Kafkas Tod, eine Auswahl aus dem „Prozess“-Manuskript; weitere Ausgaben folgten 1935 und 1946. Er deutete den Teil „Jemand musste Josef K. verläumdet haben“ und die neun nur mit einem Deckblatt versehenen Konvolute als abgeschlossen, brachte sie in eine Reihenfolge, korrigierte im Manuskript vermeintliche Fehler, vereinheitlichte die Rechtschreibung und ergänzte Satzzeichen. Die anderen sechs in die Typoskriptseiten des Heizers eingeschlagenen Konvolute mit ihren insgesamt 19 Blättern ließ er als Fragmente unpubliziert.

Als Brod Mitte März 1939, nur wenige Stunden vor dem Einmarsch der Wehrmacht, Prag verließ, hatte er unter anderem das „Prozess“-Manuskript bei sich. Er reiste nach Palästina aus und schenkte die Handschrift nach dem Krieg seiner Sekretärin und Lebensgefährtin Esther Hoffe. 1988 entschloss sie sich zum Verkauf. In einer beispiellosen Spendenaktion konnte das Manuskript für das Deutsche Literaturarchiv Marbach erworben werden.

VERANSTALTER Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau
Eine Ausstellung des Martin-Gropius-Baus und des Deutschen Literaturarchivs, Marbach.


Martin-Gropius-Bau Berlin

01.07.2017 - 31.07.2017
Limits of Knowing

Pressemitteilung
„Limits of Knowing“ erkundet die äußersten Grenzen rationalen Wissens. Inspiriert von der Agnoseologie – der „Lehre der Unerkennbarkeit“ – lädt das interdisziplinäre Programm zum Gleiten zwischen Vernunft und Vorstellung ein: In unserer Wissensgesellschaft unpopuläre Kompetenzen wie Ahnung, Befremden und Verblüffung führen die Besucher*innen in Tiefen künstlerischer, wissenschaftlicher und philosophischer Fragen. Mithilfe neuester technischer Geräte, wie mit Sensoren ausgestatteter Kleidung, Smartphone Apps und VR-Brillen, oder analoger Methoden wie Szenografie oder Narrative Spaces verwandeln immersive Kunstwerke Ideen in sensorische Erfahrung, Konzepte in „empfundenen“ Sinn und hinterfragen unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit.


Martin-Gropius-Bau Berlin

01.07.2017 - 31.07.2017
Rimini Protokoll: Nachlass – Pièces sans personnes

Pressemitteilung
Was bleibt von einem Menschen? Wie lässt sich Erinnerung inszenieren?

Stefan Kaegi hat acht Menschen begleitet, die die Zeit, die ihnen bleibt, nutzen, um sich damit auseinanderzusetzen, was nach ihrem Ende zurückbleiben soll. In Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Dominic Huber entstanden so Räume, die in der Abwesenheit ihrer Protagonist*innen davon erzählen, was von einem Menschen bleibt, wenn er nicht mehr da ist: Eine EU-Botschafterin dokumentiert ihre Stiftung, mit der sie ihre Arbeit in Afrika nach ihrem Ableben fortsetzt. Ein Zürcher Muslim organisiert die Rückführung seines Leichnams in seine Heimatstadt Istanbul. Ein deutscher Bankier denkt am Ende seines Lebens über seine Position im Nationalsozialismus nach. Ein Demenzforscher wird sich darüber klar, dass er mit der Krankheit, die er ein Leben lang erforscht hat, selbst nicht leben will. Ein Base-Jumper schließt eine Risikolebensversicherung für seine Familie ab, damit im Falle seines Todes kein finanzieller Scherbenhaufen zurückbleibt. Und eine neunzigjährige Angestellte fragt sich, was Fotos von ihrem Leben erzählen werden.

„Nachlass“ zeigt Pyramiden oder Mausoleen des 21. Jahrhunderts, die von ihren späteren Besitzern selbst gestaltet wurden: Acht zeitgenössische Positionen dazu, was Hinterlassenschaft und Erbe heute bedeuten. Was möchten wir an die Menschen weitergeben, die wir lieben, und was an die Gesellschaft, in der wir leben? Das Publikum begibt sich in acht immersive Rauminstallationen und lässt sich von Stimmen, Objekten und Bildern an den Ort der Staffelübergabe zwischen den Generationen und die Grenzen der eigenen Existenz begleiten.

Teil des Programms Limits of Knowing

Konzept RIMINI PROTOKOLL (STEFAN KAEGI / DOMINIC HUBER)
Text STEFAN KAEGI
Szenografie DOMINIC HUBER
Video BRUNO DEVILLE
Dramaturgie KATJA HAGEDORN
Ton FRÉDÉRIC MORIER
Regieassistenz MAGALI TOSATO, DÉBORAH HELLE (Hospitanz)
Bühnenbildassistenz CLIO VAN AERDE, MARINE BROSSE (Hospitanz)
Technisches Konzept und Bau der Installation Théâtre de Vidy, Lausanne

Produktion Théâtre de Vidy, Lausanne
Koproduktion Rimini Apparat, Schauspielhaus Zürich, Bonlieu Scène nationale Annecy et la Bâtie-Festival de Genève dans le cadre du programme INTERREG France-Suisse 2014–2020, Maillon, Théâtre de Strasbourg–scène européenne, Stadsschouwburg Amsterdam, Staatsschauspiel Dresden, Caroline Performing Arts

Mit Unterstützung von Pro Helvetia – Fondation suisse pour la culture Fondation Casino Barrière, Montreux, Der Regierende Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten

Bild: Rimini Protokoll: „Nachlass – Pièces sans personnes“
© Samuel Rubio


Martin-Gropius-Bau Berlin

02.09.2017 - 14.01.2018
Wenzel Hablik – Expressionistische Utopien

Pressemitteilung
Malerei, Zeichnungen, Architektur
Wiederentdeckte Moderne II

Utopische Architekturentwürfe, expressionistisches Interieur, fantastische Farbwelten – all dies ist nur ein Teil des Werkes von Wenzel Hablik (1881–1934), der sich als Universalkünstler dem Gesamtkunstwerk verschrieb. Hablik gilt als einer der wichtigen Vertreter der deutschen expressionistischen Architektur- und Gestaltungsavantgarde. Scheinen die Wege der Kunst der Moderne weitgehend erforscht, so bietet sein Werk immer noch Überraschendes. Im Fokus der Berliner Ausstellung stehen seine Architekturvisionen und sein 1923 farbig gestaltetes Meisterwerk eines Raumkonzepts als Rekonstruktion. Sie werden durch die Präsentation von Malerei und Design ergänzt, denn erst in der Kombination wird der Grundgedanke des Gesamtkunstwerkes, wie Hablik es verfolgte, nachvollziehbar. Es ist die erste umfassende Einzelausstellung seines Werkes in Berlin.

Foto: Freitragende Kuppel, 1919. Aquarell, Farbstift, Bleistift, 64,9 x 50 cm
© Wenzel-Hablik-Stiftung, Itzehoe


Martin-Gropius-Bau Berlin

29.09.2017 - 10.12.2017
Ed Atkins
Old Food

Pressemitteilung
Ed Atkins (*1982, Oxford, GB) ist der Schöpfer einer forcierten Künstlichkeit, die in seinen computergenerierten Filmen Protagonisten zeigt, die ramponiert, entwaffnend nah und einsam gezeigt werden. Es sind vorfabriziert wirkende Animationen, die das Zeigen der neuen, digitalen Medien selbst zeigen, genauso wie das Synthetische der am Computer generierten Figuren und ihrer Welten. In Ed Atkins’ Arbeiten vergessen die Betrachter*innen nie ihr eigenes Betrachten eines Mediums – Bildstörungen und scheinbare Fehlfunktionen erinnern sie an den Vorgang der filmischen Repräsentation und ihrer Unzulänglichkeiten. Zugleich gehen Atkins’ Filme unmittelbar unter die Haut, genauso wie allein schon die Vorstellung von „altem Essen“ eine körperliche Reaktion hervorruft. Für seine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau „Old Food“ kreiert der Künstler eine neue Folge von Arbeiten, die Begehren, Konflikt, Lernen und Verdummen allegorisieren. Als Serie von eigenständigen Video- und Soundarbeiten ebenso wie als synchrones Ganzes zeigt „Old Food“ sich wiederholende Sequenzen einer „Dark Age CGI Piano Performance; elaboriert explodierte Diagramme von Sandwiches; Essen, Weinen und Sabbern in Zeitlupe ebenso wie wogende Armeen choreografierter Idioten“ (Ed Atkins).

Atkins hatte in den letzten Jahren Einzelausstellungen u.a. im MMK Frankfurt (2017); Castello di Rivoli, Turin (2016); The Kitchen, New York (2016); Stedelijk Museum, Amsterdam (2015) und der Serpentine Gallery, London (2014). Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

VERANSTALTER Berliner Festspiele / Immersion
KURATORIN Lisa Marei Schmidt

© Ed Atkins


Ausstellungsarchiv


Martin-Gropius-Bau Berlin

11.03.2017 - 11.06.2017
Friedrich Kiesler: Architekt, Künstler, Visionär. Wiederentdeckte Moderne I

Pressemitteilung
Friedrich Kiesler, geboren 1890 in Czernowitz, gestorben 1965 in New York, war ein austro-amerikanischer Architekt, Bühnenbildner, Designer, Künstler und Theoretiker. Sein die Grenzen der einzelnen Kunstgattungen sprengender künstlerischer Ansatz, sein Konzept eines endlos fließenden Raumes und seine ganzheitliche Designtheorie des Correalismus zählen zu den großen Visionen des 20. Jahrhunderts und erfreuen sich ungebrochener Aktualität. Darüber hinaus war Kiesler eine zentrale Figur im Netzwerk der Aesthetic Community in New York, und sein Freundeskreis liest sich wie ein Who-is-Who der Avantgarde.

Der Martin-Gropius-Bau widmet dem Universalkünstler Friedrich Kiesler eine Ausstellung, in der das vielschichtige Œuvre in all seinen Facetten erstmals auch in Deutschland vorgestellt wird. Anhand zentraler Projekte, wichtiger Künstlerfreundschaften und Gemeinschaftsarbeiten wird auch sein Umfeld skizziert, seine Bedeutung für die Architektur- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts aufgezeigt.
Berlin ist hierfür als Ort geradezu perfekt: Es ist die Stadt, in der Kiesler mit einem elektro-mechanischen Bühnenbild für Karel ?apeks W.U.R. (R.U.R.) Werstands Universal Robots 1923 seinen ersten großen Erfolg feiert und im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne der Avantgarde springt. Ein Jahr später sorgt er in Wien mit der Ausstellungsgestaltung für die von ihm auch kuratierte „Internationale Ausstellung neuer Theatertechnik“ und seiner Raumbühne als zentrales Ausstellungsstück ein weiteres Mal für Furore. 1925 wird er von Josef Hoffmann eingeladen, die österreichische Theatersektion für die „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ in Paris zu gestalten. Diesen Auftrag nutzt er, um seine Zukunftsvision einer frei schwebenden Stadt, die Raumstadt modellhaft als Ausstellungsstruktur zu präsentieren. 1926 geht er nach New York, um ein weiteres Mal eine „International Theatre Exposition“ zu organisieren.

Kiesler verlässt Europa mit avantgardistischen Projekten im Gepäck. Mit großen Erwartungen angekommen, bleiben sie anfänglich unerfüllt. Seine Ideen scheinen zu avantgardistisch für die Neue Welt. Kiesler arrangiert sich rasch mit der harten Realität im New York der 1920er Jahre und findet in der Gestaltung von Schaufenstern und Geschäftslokalen ein erfolgreiches Betätigungsfeld. Mit dem Film Guild Cinema schafft Kiesler 1929 in New York das erste 100% Cinema, eine Ikone der modernen Kinoarchitektur, die mit zusätzlichen Projektionen an die Seitenwände und Decke des Auditoriums ein frühes Beispiel der Virtual Reality darstellt.

Kiesler arbeitet in den 1930ern an Möbel- und Lampenentwürfen und errichtet 1933 in den Schauräumen der Modernage Furniture Company in New York das Space House, seine Vision eines Einfamilienhauses, als 1:1 Modell. Viele Kernthemen der Kiesler‘schen Entwurfs- bzw. Architekturtheorie, vor allem sein Konzept einer „Raum-Zeit-Architektur“, werden hier erstmals formuliert.

1934 beginnt Kiesler, nach einer zehnjähringen Unterbrechung wieder für das Theater zu arbeiten. Mit dem Bühnenbild für George Antheils Oper Helen Retires gelingt ihm ein erfolgreicher Einstand in der New Yorker Theaterszene, der zu einem Engagement an der Juilliard School of Music führt. An die 60 Ausstattungen entstehen dort während seiner 25-jährigen Lehrtätigkeit. Mit dem Woodstock Theater (1929) und dem Universal Theater (1959-62) schafft Kiesler zwei Prototypen multifunktionaler Kulturspielstätten, die allerdings nur als Modelle realisiert werden.

Von 1937 bis 1941 leitet Friedrich Kiesler das Laboratory for Design Correlation an der Columbia University in New York und entwickelt seine Correalismus-Theorie, einen ganzheitlichen Designansatz, der auf wissenschaftlicher Analyse gründet und in dessen Zentrum der Mensch steht. Im Zuge seiner Forschung beschäftigt sich Kiesler intensiv mit der menschlichen Wahrnehmung und entwickelt die Vision Machine, mit deren Hilfe er das menschliche Sehen als einen aktiven Prozess visualisieren möchte. Diese Studien bilden die Grundlage seiner späteren Ausstellungsgestaltungen. Im Laufe der 1940er Jahre arbeitet Kiesler außerdem an zwei umfangreichen Buchprojekten – einer Publikation seiner Designtheorie des Correalismus und an einer Kulturanthropologie der Architektur mit dem klingenden Titel „Magic Architecture“. Beide Schriften bleiben unpubliziert.

Zur selben Zeit gestaltet Kiesler mehrere spektakuläre Ausstellungsräume: Peggy Guggenheims Galerie „Art of This Century Gallery“ die „Russian American Exhibition”, eine „Hall of Ecology“ im American Natural History Museum, die Ausstellung „Bloodflames 1947”, sowie die „Exposition Internationale du Surréalisme”. Sie alle zeugen von seiner engen Beziehung zu den Surrealisten im New Yorker Exil. Kiesler ist ein Künstler für Künstler. Der Austausch sowie die Zusammenarbeit mit Künstlerkollegen waren für ihn von größter Bedeutung. Ganz besonders gilt dies für Marcel Duchamp. Kiesler veröffentlicht den ersten Artikel über Duchamps Großes Glas in einer amerikanischen Zeitschrift (Architectural Record, 1937), Duchamp wohnt ein knappes Jahr im Apartment der Kieslers, gemeinsam spielen sie Schach, teilen das Interesse an den Naturwissenschaften, technischen Innovationen und an den Wirkungsweisen der menschlichen Wahrnehmung. Sie arbeiten an Ausstellungen und gestalten Zeitschriften. Nach einem Streit innerhalb der Surrealistengemeinschaft in New York trennen sich jedoch ihre Wege.

Aus Teilen des surrealistisch anmutenden Bühnenbilds für die Oper The Poor Sailor (Le Pauvre Matelot) von Darius Milhaud fertigt Kiesler ein raumgreifendes Skulpturen-Environment, die sogenannte Rockefeller Galaxy, die 1952 in der Ausstellung „15 Americans” im MoMA gezeigt wird. Von dieser Skulptur ausgehend, erarbeitet Kiesler eine weitere Galaxy-Skulptur für Philip Johnsons Glass House in New Canaan. Es entstehen sogenannte Galaxy-Paintings: Cluster von Bildtafeln, die in minutiös definierten Abständen zueinander angeordnet werden, zum Teil an Böden, Wänden und Decken. Der zwischen den einzelnen Bildtafeln liegende Raum, der „Space in Between“, bekommt die gleiche Bedeutung wie die Malerei selbst.

Kiesler behauptet stets, dass jeder „eine gestalterische Grundidee hätte“ – für ihn selbst könnte die Arbeit mit dem „Raum“ als solche bezeichnet werden. Der Raum, insbesondere der endlos fließende Raum, zieht sich als Kernthema durch Kieslers Œuvre. 1950 schafft er erstmals ein kleines eiförmiges Modell für ein Endless House. Im Laufe der 1950er Jahre verfeinert er dieses Konzept und erhält 1958 ein Stipendium, um im Skulpturengarten des MoMA ein 1:1 Modell eines Endless House zu errichten. Wenngleich die Realisierung scheitert, zählt es unbestritten zu den Ikonen visionärer Architektur des 20. Jahrhunderts.

Das einzige tatsächlich realisierte Gebäude Kieslers wird 1965 in Jerusalem eröffnet: der Shrine of the Book, den Kiesler gemeinsam mit Armand Bartos plant. Das symbolisch stark aufgeladene Bauwerk – es beherbergt alttestamentarische Schriftrollen, die am Toten Meer gefunden wurden – sowie die nicht ausgeführte Grotto for Meditation in New Harmony, Indiana, zeugen vom großen Interesse an sakralen Räumen in Kieslers Spätwerk.

In den Jahren 1964/65 arbeitet Kiesler an großen Environments, die er aus einzelnen, aus Aluminium oder Bronze gegossenen Skulpturen zusammensetzt. Sowohl seine Skulptur Bucephalus, eine Referenz an das Streitross Alexander des Großen, als auch das große Environment Us, You, Me vereinen das gesamte Schaffen Kieslers. Die begehbare Skulptur Bucephalus, ein kleines Endless House, mythologisch und symbolisch aufgeladen, theatralisch mit Soundeffekten ausgestattet, stellt gewissermaßen eine Summe all seiner früheren Projekte dar. Kieslers bildhauerische Projekte sind heute kaum bekannt und können in der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau erstmals als wesentlicher Bestandteil seines umfangreichen Schaffens entdeckt werden.

VERANSTALTER Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien.

Foto: Friedrich Kiesler bei der Arbeit an seiner Skulptur „Bucephalus“ um 1964
Foto: Adelaide de Menil © Friedrich Kiesler Stiftung


09.12.2016 - 05.03.2017
Robert Doisneau – Fotografien

Pressemitteilung
Foto: Robert Doisneau: Le Baiser de l’hotel de Ville
© Atelier Robert Doisneau, 2016


18.11.2016 - 12.03.2017
Omer Fast
“Reden ist nicht immer die Lösung”

Pressemitteilung
Omer Fast (* 1972) gehört zu den markantesten Film- und Videokünstlern seiner Generation. Er kreiert in seinen Filmen eine Narration, die die Grenzen zwischen eigener und medialer Erzählung sowie aktueller und historischer Ereignisse in Frage stellt. Sein Werk verweist auf die Durchlässigkeit zwischen Dokumentation und Fiktion.

Der Martin-Gropius-Bau zeigt sieben seiner Projekte: „CNN Concatenated“ von 2002, „Godville“ von 2005, „Looking Pretty for God (nach G.W.)“ von 2008, „5000 Feet is the Best“ von 2011, „Continuity“ von 2012, „Spring“ von 2016 sowie ein für die Ausstellung entwickeltes weiteres Werk. Ausgangspunkt des in 3D aufgenommenen neuen Projektes sind Leben und Werk des bekannten Kölner Fotografen August Sander (1876–1964). In surrealen Traumsequenzen wird der Künstler am Ende seines Lebens vom Tod seines Sohnes und seiner fotografierten Figuren heimgesucht.

Omer Fast ist in Jerusalem geboren und lebt seit 2001 in Berlin. Sein Werk wurde auf der Documenta 13 (2012), der Biennale di Venezia (2011) und der Whitney Biennale (2008, 2002) gezeigt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2008 den Bucksbaum Award des Whitney Museum, New York, und 2009 den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst, Berlin.

Foto: 5000 Feet is the Best 2011 (30 Minuten, Ein-Kanal-Videoinstallation, im Loop), Courtesy Galerie Arratia Beer / gb agency / Dvir Gallery / James Cohan Gallery


21.10.2016 - 15.01.2017
Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft

Pressemitteilung


Anhand von internationalen und nationalen herausragenden Projekten zeigt die Ausstellung ökologisch-nachhaltige und aktuelle Positionen der Holz-Baukunst und modernen Holzarchitektur. Präsentiert werden spektakuläre Projekte von Toyo Ito, Shigeru Ban oder Frei Otto ebenso wie richtungsweisende urbane Holz-Wohnbauten, beispielsweise von Kaden & Klingbeil in Berlin/Prenzlauer Berg, sowie die neuesten Tendenzen des Bauens mit Holz über der Hochhausgrenze. Großformatige Modelle werden durch Pläne, Texte und Fotographien umfangreich begleitet.

Ein Baustoff, der seit Beginn der Moderne fast in Vergessenheit geraten ist, beginnt sich wieder im gegenwärtigen Baugeschehen und zunehmend im städtischen Bewusstsein zu etablieren. Galten lange Zeit Stahl, Glas, Ziegel und Beton als Inbegriff moderner Baukunst, so bereichert nun das wahrscheinlich älteste Konstruktionsmaterial die Architektur der Gegenwart. Die Renaissance des modernen Holzbaus begann Anfang der 1990er Jahre und scheint seit diesem Zeitpunkt kontinuierlich zu wachsen.

Ein vertrautes Material präsentiert sich in einer neuen Vielfalt. Laufende Forschung haben enorme Entwicklungen und Verbesserungen in Bautechnik und Anwendung bewirkt und computergestützte Berechnungs- und Fertigungsmethoden eröffnen völlig neue Formen der Gestaltung. Einer der ältesten Baustoffe der Menschheit liefert somit innovative und interessante Beiträge zur Architektur der Gegenwart.

Die Ausstellung zeigt diese aufsehenerregende Holzarchitektur, die überall auf der Welt entsteht und die bis vor kurzem so nicht denkbar war. Sie gibt klare Antworten auf drängende Fragen des Klimawandels. So wird anhand von zahlreichen Grafiken aufgezeigt wie Holzbauten das klimarelevante Gas Kohlendioxid speichern und durch die Verwendung des nachwachsenden Rohstoffes energieintensive konventionelle Baustoffe ersetzt werden können. Anhand von vergleichenden Ökobilanzierungen bereits ausgeführter Bauten wird dies noch weiter untermauert. Es wird klar, dass Holz zum Symbol für Nachhaltigkeit und ressourcenschonendem Bauen geworden ist. So wird in kaum einen anderen Baustoff mehr Hoffnung auf die Lösung umweltrelevanter Probleme der Bauindustrie gelegt.

Die Geschichte der Ausstellung beginnt im Wald. Seine Bedeutung für Umwelt und Gesellschaft wird erklärt und warum es sinnvoll ist, den faszinierenden Rohstoff primär stofflich zu verwerten. Komplettiert wird der Rundgang mit der Darstellung der zunehmenden Bedeutung von alternativen Holzarten wie beispielsweise dem Laubholz das besonders für zukünftige Baugeschehen relevant sein wird.

In der Ausstellung wird die Faszination eines Werkstoffes deutlich, der praktisch vor der Haustür wächst und wie kein anderer vielfältig verwendbar ist. Ein Material das von großen Tragwerken bis zu Möbeln schon seit Jahrhunderten seine Eignung bewiesen hat und nach wie vor für viele Menschen mit großem Wohlbehagen verbunden ist.

Kuratiert wird die Ausstellung von Professor Hermann Kaufmann in Zusammenarbeit mit Professor Winfried Nerdinger von der Technischen Universität München. Durchgeführt wird sie in Kooperation mit dem Deutschen Architektur Zentrum DAZ in Berlin und gefördert durch die DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt, den DHWR Deutschen Holzwirtschaftsrat e. V., den GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e. V. und proHolz Bayern.

Foto:
Bauen mit Holz
© Gassner Redolfi KG


08.10.2016 - 09.01.2017
Der Britische Blick: Deutschland – Erinnerungen einer Nation

Pressemitteilung
Der Britische Blick: 200 Objekte und Kunstwerke skizzieren 600 Jahre deutsche Geschichte, darunter hochkarätige Museumsstücke wie Albrecht Dürers Rhinocerus von 1515, höchste Goldschmiedekunst wie das Astrolabium von Johann Anton Linden von 1596, der Hut Napoleons von 1815, Ernst Barlachs berühmter Schwebender oder Obskures wie ein Neopren-Anzug, getragen bei einem gescheiterten Fluchtversuch über die Ostsee aus der ehemaligen DDR. Die Ausstellung des British Museum im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Foto: Albrecht Dürer, Rhinocerus (Das Rhinozeros), 1515. Holzschnitt mit Typendruck, 24 x 29 cm
© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett


30.09.2016 - 08.01.2017
+ultra. gestaltung schafft wissen

Pressemitteilung
Gestaltung ist Forschung und Forschung ist Gestaltung. Anhand von Modellen, Werkzeugen und Bildern zeigt die Ausstellung erstmalig die fundamentale Bedeutung gestalterischer Prozesse für die Wissenschaft. Vom Faustkeil bis zum 3D-gedruckten Organ, von bio-mimetischen Materialien bis zu fühlenden Prothesen präsentiert +ultra. gestaltung schafft wissen den Erkenntniswert und die Konsequenzen der menschlichen Umformung von Natur. Der Natur als bereits durch Menschenhand gestaltet tritt eine Welt gegenüber, in der die Grenzen zwischen Natur und Kultur, organisch und anorganisch, Materie und Geist zunehmend durchlässig werden. In raumgreifenden Installationen und anhand von Steuerungsbildern, in denen Realität und Simulation verschmelzen, erlebt der Besucher dieses Spannungsverhältnis.

Foto: David Georges Emmerich, Structure autotendante
© Collection FRAC Centre, Orléans / Photographie: François Lauginie


16.09.2016 - 09.01.2017
Pina Bausch und das Tanztheater

Pressemitteilung
„Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt.“
Pina Bausch

Pina Bausch (1940–2009) gilt als Pionierin des modernen Tanztheaters und als eine der einflussreichsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von ihrem 2007 im Rahmen der Kyoto-Preis-Verleihung gehaltenen Workshop-Vortrag, ermöglicht die Ausstellung Einblicke in die Arbeit von Pina Bausch. Im Mittelpunkt steht nicht nur das Werk in Form der auf die Bühne gebrachten Stücke. In den Fokus gerückt werden vielmehr vor allem die Grundlagen ihrer Arbeit, ihre Vorgehensweise, die wesentlichen Aspekte und die Menschen, die sie auf diesem (Arbeits-)Weg begleitet haben. Objekte, Installationen, Fotografien und Videos stammen aus den einzigartigen Beständen des Pina Bausch Archivs; Herzstück der Ausstellung ist ein Nachbau der „Lichtburg“ – jenes legendären Proberaums in einem alten Wuppertaler Kino, in dem Pina Bausch den größten Teil ihrer Stücke gemeinsam mit ihren Tänzerinnen und Tänzern entwickelt hat. Fremden wird nur selten Zutritt zu diesem intimen Raum gewährt. Im Lichthof des Martin-Gropius-Bau aber wird er zum Raum der Begegnung mit Mitgliedern des Tanztheaters, die den Besuchern Bewegungsqualitäten und kleine Bewegungssequenzen vermitteln; Performances, Tanz-Workshops, öffentliche Proben, Gespräche, Filme und mehr lassen ihn zum lebendigen Erfahrungsraum für die Besucher werden.

Foto:
Jochen Viehoff: Pina Bausch tanzt ein Solo in Danzón (Ausschnitt), Fotografie
© Foto: Jochen Viehoff


16.07.2016 - 26.09.2016
Gegenstimmen. Kunst in der DDR 1976-1989

Pressemitteilung
Die Ausstellung zeigt repräsentative Werke zum Schwerpunktthema „Geist und Macht“.
Abstandshaltungen und die Versuche der Distanznahme zum DDR-Machtapparat hatten vielerlei Kunst-Gestalt.
Die Kernfrage, die die Kuratoren im Rahmen einer Präsentation dieser „anderen“ Kunst aus der DDR zu klären versuchen, lautet daher: Wie wird das Gedächtnis nach all den nationalen Ost-West-Vergleichen wieder frei für Geschichte? Wer sind in ihr die eigentlichen Helden?
Vorgestellt wird Bildkunst, die auf einem vielzelligen, vitalen, angstlos agierenden Netzwerk selbstbewusster Maler, Dichter, Performer, Aktionisten, Super-8-Filmer, Jazz- und Rockmusiker aufbaut, die auf der staatsabgewandten Seite nach Freiräumen suchten.

Foto: © Detlev Pusch


01.07.2016 - 03.10.2016
Berenice Abbott – Fotografien

Pressemitteilung
„Fotografie bringt dir nicht bei, wie du deine Gefühle ausdrückst, sie bringt dir bei zu sehen.“
Berenice Abbott

Berenice Abbott (1898 – 1991) zählt zu den wichtigen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Sechs Jahrzehnte fotografierte sie. Der Martin-Gropius- Bau widmet ihr nun eine Ausstellung mit rund 80 Aufnahmen. Gezeigt werden ihre berühmten ikonischen Bilder der Serie „Changing New York“, frühe Portraits und ihre Pionierarbeiten als Wissenschaftsfotografin.

Geboren in Springfield, Ohio, studiert Berenice Abbott zunächst Journalismus an der Ohio State University, Columbus, bevor sie im Jahre 1918 nach New York zieht, um in das Fach Bildhauerei zu wechseln. Sie gehört zur New Yorker Bohème, teilt sich ein Appartement mit der Schriftstellerin Djuna Barnes und lernt die Dadaisten Marcel Duchamp und Man Ray kennen, die im Begriff sind, in die Hauptstadt der Moderne, nach Paris, zu ziehen.
1921, damals 22-jährig, zieht auch Abbott nach Paris, um dort weiter Bildhauerei zu studieren. Mittellos trifft sie Man Ray, der just für sein Portraitstudio einen Assistenten oder eine Assistentin sucht. Abbott beginnt für ihn zu arbeiten und entdeckt ihr Talent als Fotografin. Ihre erste Einzelausstellung hat sie 1926 in der Pariser Galerie „Le Sacre du Printemps“ mit Portraits von Künstlern und Literaten der Pariser Avantgarde.

Durch Man Ray lernt sie auch ihr großes Vorbild, Eugène Atget, kennen, der das alte Paris in Bildern festhält. Seine Aufnahmen zeigen die Stadt in ihren unterschiedlichen Facetten und ermöglichen eine besondere Sicht auf Paris und seine Bewohner um die Jahrhundertwende. Sie unterscheiden sich von denen seiner Kollegen, die über die streng bauliche Dokumentation nicht hinausgehen, durch ihren Motivreichtum und durch eigenständige gestalterische Lösungen. Seine Tätigkeit fällt mit dem Bewusstsein zusammen, an einer Zeitenwende zur Moderne zu stehen. Man Ray, der wie Atget am Montparnasse wohnt, erwirbt etwa vierzig Aufnahmen und veröffentlicht 1926 vier von ihnen in „La Révolution surréaliste“.

Berenice Abbott besucht den Fotografen mehrfach und kauft von ihm Abzüge. Nach seinem Tod 1927 erwirbt sie etwa 1.500 Negative und 10.000 der im Atelier verbliebenen Abzüge. Auf der Suche nach einem Verleger für ein Buch über ihr Vorbild kehrt sie 1929 zurück nach New York. Ihr ist es zu verdanken, dass Atgets Fotografien einen beträchtlichen Einfluss auf amerikanische Fotografen wie Walker Evans oder Lee Friedlander haben.

New York ist ebenso wie Paris im Transformationsprozess. Alte Viertel verschwinden und werden von einer rasant wachsenden Skyline ersetzt. Abbott wendet sich von der Portraitfotografie ab hin zur Dokumentation und bleibt in New York. Sie orientiert sich an Atgets Parisbildern und dokumentiert die sich verändernde Metropole: Zum Bildthema werden Ruinen und Abbruchhäuser, die gleichberechtigt neben neuen Wolkenkratzern stehen, Werbeschriftzüge als Signatur der modernen Großstadt, aber auch Verfall und Armut. Abbott nutzt dabei die Bildsprache der Moderne. Sie bevorzugt einen einfachen, aber dynamischen Stil mit Drauf- und Untersichten, Ausschnitten, starken Kontrasten und dramatischen Kanten. „Changing New York“ nennt sie die Chronik, die zwischen 1935 und 1939 entsteht und die sie in einem Buch 1939 veröffentlicht.

In den 1940er Jahren wendet sich Berenice Abbott der Wissenschaftsfotografie zu und ist rund 20 Jahre als Bildredakteurin der „Science Illustrated“ tätig. Abbott arbeitete bis zu ihrem Tod im Jahre 1991 als Fotografin.

Die Ausstellung gibt Einblick in das Œuvre einer großen Künstlerin.

VERANSTALTER Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau. In Zusammenarbeit mit diChroma photography, Madrid
KURATORIN Anne Morin

Foto: Berenice Abbott, Flatiron Building, 1938
© Berenice Abbott / Commerce Graphics, courtesy Howard Greenberg Gallery, NY.


11.06.2016 - 18.09.2016
Thomas Struth
Nature and Politics

Pressemitteilung
Thomas Struth ist einer der bekanntesten Fotografen der Gegenwart. Erstmals sind seine Arbeiten im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. Gezeigt werden etwa 35 zum Teil großformatige Fotografien aus den Jahren 2007 bis 2015. Die Motive sind industrielle Produktionsanlagen, Operationssäle und Forschungslabore, aber auch Alltagsarchitektur oder Erlebnisparks. Struth untersucht in seinen Bildern der letzten Jahre, wie Ehrgeiz und menschliche Vorstellungswelten zu räumlicher, objekthafter Wirklichkeit werden. Sachlich und nüchtern zeigen sie uns hochkomplexe Apparaturen, Strukturen und Konstruktionen, die unsere Gegenwart prägen, aber dem Blick der Öffentlichkeit meist unzugänglich sind.

Foto:
Thomas Struth: Tokamak Asdex Upgrade Interior 2. Max Planck IPP, Garching 2009
© Thomas Struth


12.05.2016 - 21.08.2016
NO, IT IS! William Kentridge

Pressemitteilung
Der Südafrikaner William Kentridge gehört zu den international bedeutenden zeitgenössischen Künstlern. Er ist nicht nur bildender Künstler, sondern auch Filmemacher, Regisseur und ein großer Erzähler. Seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten bewegt sich sein umfassendes Schaffen durch unterschiedliche künstlerische Disziplinen. Sein interdisziplinäres Gesamtwerk wird erstmals von den Berliner Festspielen präsentiert.

In seiner Performance-Reihe „Drawing Lessons“ erzählt der Künstler von seiner speziellen Art zu arbeiten und aus seinem politischen Umfeld von der Apartheid bis heute. Die „Drawing Lessons“, die William Kentridge in einem Marathon selbst aufführen wird, sind autobiographische Lectures, hybride Kunstwerke zwischen Theater, Film und Zeichnung und Quintessenz seiner transdisziplinären Arbeitsweise und der Nucleus des in Berlin präsentierten Werkes. Sie bilden den Ausgangspunkt für die große Solo-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, die entlang dieser autobiographischen, künstlerischen und politischen Erzählung Werke und Themen seines Oeuvres von den Anfängen bis heute versammelt.

Im Haus der Berliner Festspiele im Rahmen des Festivals Foreign Affairs und im Martin-Gropius-Bau wird William Kentridge sowohl seine performativen Arbeiten als auch sein bildnerisches Werk präsentieren. Das Spektrum der Arbeiten reicht von den frühen Zeichnungen über die berühmten Méliès- und Soho-Animationsfilme, Raum-Installationen (wie dem documenta-Projekt „The Refusal of Time“) bis hin zu Großprojektionen, wie der viele Meter langen Filmarbeit „More Sweetly Play the Dance“, die im Martin-Gropius-Bau und an der Fassade des Hauses der Berliner Festspiele zu sehen sein wird. Theatrale Arbeiten - vom Schubertliederabend „Winterreise“ über seine Arbeiten mit der Handspring Puppet Company bis zur Kammeroper - bespielen den Martin-Gropius-Bau genauso wie das Haus der Berliner Festspiele.

William Kentridge wurde 1955 in Johannesburg geboren, begann zunächst für vier Jahre ein Studium der afrikanischen Politik und wechselte dann zu den Künsten: Anschließend studierte er freie Kunst an der Johannesburg Art Foundation und Schauspiel und Theaterwissenschaften an der École Jacques Lecoq in Paris. Seit den späten 1970er Jahren lebt und arbeitet Kentridge in Johannesburg.

William Kentridge and Philip Miller, Paper Music, 2014, video still from projections
© courtesy the artist


12.05.2016 - 21.08.2016
NO IT IS ! William Kentridge

Pressemitteilung


Der Südafrikaner William Kentridge (* 1955) gehört zu den international bedeutenden zeitgenössischen Künstlern. Er ist nicht nur bildender Künstler, sondern auch Filmemacher, Regisseur und ein großer Erzähler. Seit mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten bewegt sich sein umfassendes Schaffen durch unterschiedliche künstlerische Disziplinen. Sein interdisziplinäres Gesamtwerk wird erstmals in Berlin von den Berliner Festspielen präsentiert: im Martin-Gropius-Bau (12. Mai bis 21. August 2016) und im Haus der Berliner Festspiele im Rahmen des Festivals Foreign Affairs (5. bis 17. Juli 2016).

Im Mittelpunkt seines Denkens steht die bildnerische Arbeit. Sie ist Ausgangspunkt für die große, von Wulf Herzogenrath kuratierte Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Das Spektrum der hier ausgestellten Werke reicht von den Zeichnungen über die berühmten Georges Méliès gewidmeten Animationsfilme von 2003 und Drawings for Projection (1989 – 2011) bis hin zu dem monumentalen filmischen Fries More Sweetly Play the Dance (2015) und der Rauminstallation The Refusal of Time, die 2012 erstmals auf der documenta zu sehen war. Die beiden im Martin-Gropius-Bau zu begehenden Wunderkammern führen in die Atmosphäre des Studios, an den Ort des Schaffens: Arbeiten aus Kentridges Sammlung, darunter Radierungen von Goya, Dürer und Hopper, sind seine Inspirationsquelle und korrespondieren mit seinen Skizzen, Collagen, Bildern, die im Schaffensprozess verschiedene Medien durchwandern und dabei immer komplexer werden.

Der Ausstellungstitel NO IT IS ! beschwört den Widerspruch der Bilder herauf. Er führt auch über das Museum hinaus zu den Lecture-Performances Six Drawing Lessons (2012), einer autobiografischen, künstlerischen und politischen Erzählung, die Themen des Œuvres von den Anfängen bis heute versammelt und mit ihren Themen beide Spielorte – den Martin-Gropius-Bau und das Haus der Berliner Festspiele – wie eine Klammer verbindet. In den Lectures und den beiden Wunderkammern verdichten sich das Werk und die Arbeitsprozesse seiner Entstehung.

So wie die Performance in das Museum getragen wird (zu sehen sind Paper Music (2014) und A Guided Tour of the Exhibition: For Soprano with Handbag (2016)), kann man weiteren Werken Kentridges beim elftägigen Festival Foreign Affairs begegnen.

William Kentridge studierte zunächst Politikwissenschaften und Afrikanistik und wechselte dann zu den Künsten. Er studierte Kunst, Schauspiel und Theaterwissenschaften in Johannesburg und Paris. Ein zentraler Begriff für die Ausstellung ist ‚Uncertainty’, Unsicherheit – er entlastet die künstlerische Praxis, die sich eben nicht auf ein bestimmtes Medium festlegen lässt und die Bilder ‚auf dem Weg’, das heißt, in ständiger Verwandlung und im Übergang, zeigt. Kentridge wählt Bildthemen, die immer auch die Unsicherheit des Lebens im Zentrum haben. Dies macht sein Werk heute aktueller denn je.

Foto: William Kentridge: WEIGHING …and WANTING, 1998
Videoinstallation, Länge: 6‘20‘‘, 35 mm, transferiert auf Video (Farbe, Ton)
© Courtesy the artist, Marian Goodman Gallery (New York, Paris, London); Goodman Gallery (Johannesburg, Cape Town) and Lia Rumma Gallery (Naples, Milan)


12.04.2016 - 07.08.2016
Die Maya – Sprache der Schönheit

Pressemitteilung
Von den großartigen künstlerischen Ausdrucksformen der Maya erzählt diese Ausstellung. Mit einer Sammlung an Kunstwerken, darunter viele Nationalschätze, zeigt die Ausstellung „Die Maya. Sprache der Schönheit“ einen grundlegenden Aspekt der prähispanischen Kunst: den Körper. Die Maya stellten ihre Vision des Lebens mit verschiedenen Materialien und Techniken in ihren Alltags-, Prunkbauten und Kunstwerken dar. Sie beschrieben ihr Verhältnis zu den Göttern, ihr tägliches Leben, ihr Schrifttum, ihre Astronomie, ihre Musik und ihre Tänze. In diesen Werken dominiert eine oft idealisierte Menschenfigur, mit der die Maya nicht nur ihr Menschenbild und Schönheitsideal, sondern auch die Verortung des Menschen im Kosmos festhielten.

Veranstalter: Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau. Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds. Eine Ausstellung des Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH), Mexiko. Gefördert durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten von Mexiko und die Botschaft Mexiko in Berlin.

Bildlegende: Monument 114
Spätklassik, 600–900 n. Chr., Toniná, Chiapas, Kalkstein
© INAH. Museo Regional de Chiapas, Tuxtla Gutiérrez, Chiapas


12.04.2016 - 07.08.2016
Die Maya – Sprache der Schönheit

Pressemitteilung
Die Maya sind eine der ältesten Kulturen der Welt. Von den großartigen künstlerischen Ausdrucksformen der Maya erzählt diese Ausstellung. Mit einer Sammlung von etwa 300 Kunstwerken, darunter viele mexikanische Nationalschätze, zeigt sie den grundlegenden Aspekt der prähispanischen Kunst: den Körper. Die Maya stellten ihre Vision des Lebens mit verschiedenen Materialien und Techniken in ihren Alltags-, Prunkbauten und Kunstwerken dar. Sie beschrieben ihr Verhältnis zu den Göttern, ihr tägliches Leben, ihr Schrifttum, ihre Astronomie, ihre Musik und ihre Tänze. In diesen Werken dominiert eine oft idealisierte Menschenfigur, mit der die Maya nicht nur ihr Menschenbild und Schönheitsideal, sondern auch die Verortung des Menschen im Kosmos festhielten.

Foto: Fahnenträger
Endklassik / frühe Postklassik, 800–1250 n. Chr., Chichen Itzá, Yucatán, Stein
© INAH. Museo Regional de Antropología. Palacio Cantón, Mérida, Yucatán


09.04.2016 - 26.06.2016
Isa Genzken: Mach Dich hübsch!

Pressemitteilung
Isa Genzken (1948) zählt zu den bemerkenswertesten Künstlerinnen Deutschlands. Ihr Werk hat seine Wurzeln im Medium Skulptur und zeichnet sich durch eine sich ständig entfaltende visuelle Sprache und den ungezwungenen Einsatz von Medien aus. Genzkens Werk umfasst Skulptur, Installation, Film, Video, Malerei, Werke auf Papier, Kollagen und Fotografie. In den 1970ern produzierte sie mit dem Computer entworfene Skulpturen bezogen auf den amerikanischen Minimalismus und Konzeptkunst. Die Retrospektive bietet einen dynamischen Rahmen für Genzkens unorthodoxe Vision der Welt, die uns umgibt. Die Ausstellung beleuchtet Themen wie Modernität, der menschliche Körper, Portrait, urbane Kultur und Architektur.

Foto: sa Genzken: Nofretete, 2014
© Isa Genzken, Galerie Buchholz, Köln/Berlin


19.03.2016 - 12.06.2016
Lee Miller – Fotografien

Pressemitteilung
Lee Miller (1907-1977) ist eine der vielseitigsten US-amerikanischen Fotografinnen und Fotojournalistinnen des 20. Jahrhunderts. Sie hat in ihrem Werkschaffen gegensätzliche Genres wie den Surrealismus, Mode-, Porträt-, Reisefotografie sowie und Kriegsberichterstattung vereint. Die Ausstellung führt durch die verschiedenen Lebensstationen der Fotografin von New York, über Paris und Ägypten bis nach Deutschland.


16.03.2016 - 06.06.2016
Günter Brus. Störungszonen

Pressemitteilung
Seit Günter Brus (geb. 1938 – lebt in Graz) mit dem Wiener Spaziergang 1965 als „Aktionist“ in der Öffentlichkeit auftrat, hat er ein mannigfaches Œuvre erarbeitet. Es ist die erste Ausstellung des Künstlers in Berlin, wiewohl der Künstler lange Zeit dort lebte und die Kunstszene der Stadt maßgeblich beeinflusste. Die umfassende Schau führt unter dem Titel „Störungszonen“ durch sein Gesamtwerk, setzt aber Schwerpunkte dazu.


21.01.2016 - 16.05.2016
Kunst der Vorzeit
Felsbilder der Sammlung Frobenius

Pressemitteilung
Die Felskunst ist die älteste überlieferte Form menschlichen, künstlerischen Schaffens. Oft an unzugänglichen Orten, in Höhlen oder Wüsten zu finden, wurden diese geritzten oder gemalten Bilder einer breiten Öffentlichkeit in den europäischen und amerikanischen Metropolen in Form von großformatigen gemalten Kopien bekannt. Rund 100, darunter viele großformatige und wandfüllende Felsbildkopien des Frobenius-Institutes sowie fotografisches und archivalisches Material zeigen die abenteuerliche Entstehungsgeschichte der Felsbilder in Europa, der zentralen Sahara, den Savannen Simbabwes oder dem australischen Outback. Welche Wirkung diese zuvor ungesehenen Bilder auf die Moderne hatte und wie sie Künstlerinnen und Künstler inspirierten, ist Thema dieser Ausstellung.

Foto:
Rote Malerei (Detail). Simbabwe, Chinamora Reserve, Chipuku Höhle. 8.000-2.000 v.Chr.
© Frobenius-Institut Frankfurt am Main


29.10.2015 - 13.12.2015
Russland und Deutschland. Von der Konfrontation zur Zusammenarbeit

Pressemitteilung
Es sind viele und facettenreiche Ereignisse, die die Annäherungen zwischen Deutschen und Russen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestimmten. Die Ausstellung, eine Zusammenarbeit zwischen dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst und dem Staatsarchiv der Russischen Föderation, greift Wegmarken des Annäherungsprozesses der ehemaligen Kriegsgegner seit 1945 auf.


29.10.2015 - 13.12.2015
Russland und Deutschland
Von der Konfrontation zur Zusammenarbeit

Pressemitteilung
Eine Ausstellung zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges


18.09.2015 - 04.10.2015
Orfeo

Pressemitteilung
Nach Claudio Monteverdi

Regie SUSANNE KENNEDY, BIANCA VAN DER SCHOOT, SUZAN BOOGAERDT
SOLISTENENSEMBLE KALEIDOSKOP

Orfeo HUBERT WILD
Mit SUZAN BOOGAERDT, INDRA CAUWELS, MARIE GROOTHOF, ANNA MARIA STURM, BIANCA VAN DER SCHOOT, FLOOR VAN LEEUWEN

Komposition CLAUDIO MONTEVERDI
Musikalische Konzeption und Umsetzung TILMAN KANITZ, MICHAEL RAUTER

Bühne KATRIN BOMBE
Kostüme LOTTE GOOS
Licht JÜRGEN KOLB
Video RODRIK BIERSTEKER
Konzeption und Elektronische Klanggestaltung OLE BROLIN
Dramaturgie MARIT GRIMSTAD EGGEN, JEROEN VERSTEELE

Orpheus und Eurydike: das erste Künstlerpaar, er der Überlebende, sie das Opfer. Er verwandelt Schmerz in Kunst. Sie schweigt und stirbt. Orpheus steigt zu Eurydike hinab, um sie in das Leben, in sein Leben, zurückzuholen. Eurydike ist fassungslos. Bislang ist es immer um Orpheus gegangen. Keiner hat Eurydike ernsthaft gefragt, ob sie eigentlich zurück will mit ihm, zu ihm.

„Orfeo“ in der Regie von Susanne Kennedy, Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot ist als individuell begehbarer Parcours konzipiert. Die Zuschauer werden in Gruppen von maximal acht Personen durch unterschiedliche Räume geführt: Stationen in Orfeos Abstieg und seinem Versuch, die Geliebte für sich zurück zu gewinnen.

Musikalisch weicht diese Kreation von Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ ab. Versatzstücke der Originalpartitur erklingen übereinander oder in minimalen zeitlichen Verschiebungen. Das musikalische Material wird mit Techniken der Collage, mit Looping und Sampling durch das Solistenensemble Kaleidoskop bearbeitet und aufgeführt.

In diesem Parcours ist der Zuschauer Zeuge der Reise Orpheus’ durch das Reich der Geister, der Halbtoten. Eurydike wird nicht von einer, sondern von mehreren Schauspielerinnen gespielt. Sie hat keine fassbare Gestalt, sie tritt in unterschiedlichen Formen auf. Die Figuren sind in einer Hülle gefangen, in einer künstlichen, aufgezwungenen, niemals komfortablen Identität. Ihre Seelen sind tief verborgen.

Eine Produktion der Ruhrtriennale – Festival der Künste und dem Solistenensemble Kaleidoskop.
Koproduziert von Berliner Festspiele und Toneelgroep Oostpool.
Die Produktion wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes


11.09.2015 - 10.01.2016
Von Hockney bis Holbein
Das Museum Würth in Berlin

Pressemitteilung
Die Sammlung Würth zählt zu den größten Privatsammlungen Europas. Sie umfasst mehr als 16.800 Kunstwerke. Die bedeutendsten Künstler der klassischen Moderne sind in der Sammlung vertreten aber auch Meisterwerke aus dem Mittelalter und Klassiker der zeitgenössischen Kunst. Die außergewöhnliche Ausstellung bereichert den Kunstherbst in Berlin. In nie gezeigtem Umfang wird die Kollektion mit 400 Kunstwerken von internationalem Rang auf 5.000 Quadratmetern im Martin-Gropius-Bau präsentiert.
Ab 11. September 2015 heißt es dort: „Von Hockney bis Holbein. Die Sammlung Würth in Berlin“.

Analog zur Geschichte der Sammlung Würth erzählt die Schau Kunstgeschichte rückwärts. Überraschungen sind garantiert. So werden etwa David Hockneys Jahreszeiten-Zyklus, ein internationaler Skulpturenschwerpunkt von Eduardo Chillida bis Henry Moore, Meisterwerke der Klassischen Moderne von Pablo Picasso bis Edvard Munch, herausragende Kunstkammerobjekte und eine Auswahl der Alten Meister der Sammlung Würth, darunter eines der bedeutendsten Gemälde des 16. Jahrhunderts, die „Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen“ von Hans Holbein d. J. zu sehen sein. Ein weiteres Highlight ist die 25-teilige monumentale Installation „The Last Judgement Sculpture“ des britischen Bildhauers Anthony Caro im spektakulären Lichthof des Martin-Gropius-Baus.

Damit setzt der Sammler Reinhold Würth, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, sein Engagement in der Bundeshauptstadt fort. Mit der Einrichtung einer Kunstkammer im wiedereröffneten Bode-Museum hatte dies im Jahr 2006 seinen Anfang genommen.

Über Emil Nolde hatte Reinhold Würth einst den Einstieg in das Sammeln von Kunst gefunden. Zu seinen ersten Erwerbungen gehörte aber auch eine Arbeit des dänischen Konstruktivisten Robert Jacobsen. Dieser führte den Sammler in die Welt der Pariser Nachkriegsmoderne ein, rund um die legendäre Galerie Denise René. Die Welt von Jean Arp, Sonja Delaunay-Terk, Serge Poliakoff, Aurélie Nemours, Fernand Léger, Günter Fruhtrunk, Jean Dewasne, Auguste Herbin, Victor Vasarely, Jesús Rafael Soto und anderen, doch lenkte er seinen Blick auch auf die zeitgenössische Bildhauerei, die fortan als feste Größe in der noch jungen Sammlung installiert und zu einem differenzierten bildhauerischen Schwerpunkt zusammenwachsen konnte. Dadurch entstanden ganze Werkblöcke mit Arbeiten des Dänen Robert Jacobsen, des Basken Eduardo Chillida, des Österreichers Alfred Hrdlicka, des Schweizers Max Bill, des Briten Anthony Caro, des Wahlamerikaners Christo und seiner Frau Jeanne-Claude, die 1995 den Berliner Reichstag sowie das Museum Würth in Künzelsau verhüllt hatten.

Das Museum Würth erwarb jedoch auch bedeutende Einzelwerke der modernen Bildhauerei von Barbara Hepworth, Henry Moore oder Magdalena Abakanowicz, Richard Deacon, Barry Flanagan, Antony Gormley, Eduardo Paolozzi, Erwin Wurm, Jaume Plensa oder Tony Cragg. Die Sammlung folgt keinem kanonischen Konzept im engen Sinn, sondern bewahrt sich eine Offenheit, die sich in ihrem Facettenreichtum widerspiegelt. Reinhold Würths Fähigkeit liegt im Finden – gerne bei den Künstlern selbst – und im Verbinden, weshalb ihn auch Werkkomplexe reizen, die andere zusammengebracht haben.

Ein Sammler von Sammlungen also, die er dann aber spektakulär ergänzt. In charakteristischen Auszügen werden die verwandelten Konvolute dem Berliner Publikum vor Augen geführt.

So vertreten rund 50 Werke den Surrealisten Max Ernst als eine der zentralen Figuren der Sammlung, die eine nahezu lückenlose Kollektion seiner Grafiken und Künstlerbücher mit Originalcollagen sowie eine großartige Reihe von Gemälden und Skulpturen aufweist. Hier finden sich Max-Ernst-Inkunabeln wie die bemalten Türen aus dem Haus von Paul Eluard in Eaubonne von 1923 oder der originale Gips seines jungen Mannes mit klopfendem Herzen aus dem Kriegsjahr 1944. Dank des breiten Spektrums Würth’scher Sammellust hielten auch die magischen Bilder der mexikanischen Moderne von Rufino Tamayo bis Francisco Toledo Einzug in die Sammlung.

Bedeutende Positionen der Klassischen Moderne, insbesondere des deutschen Spätimpressionismus und Expressionismus markieren ein weiteres Sammelgebiet, aus dem Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Max Liebermann und Edvard Munch herausragen. Stattliche Werkgruppen, in denen das Prozesshafte von Geschichte, Gedächtnis und Erinnerungen Bild werden, fallen Georg Baselitz und Anselm Kiefer zu. Dem erotisch prallen Spätwerk Pablo Picassos wird David Hockneys eindrucksvoller Zyklus zu den vier Jahreszeiten mit der Poesie des Malens in freier Natur in einem eigenen Raum in der Ausstellung antworten.

Als weitere Sammlung in der Sammlung ragen schließlich die Alten Meister hervor. Wichtige Impulse entstanden durch den Erwerb der spätmittelalterlichen Sammlung Alter Meister aus dem Donaueschinger Schloss. In der Sammlung Würth haben sie, prominent ergänzt, den Anschluss an die Neuzeit und schlüssige plastische Pendants in den Werken von Tilman Riemenschneider, Daniel Mauch und anderen gefunden.

Manifester Ausdruck einer Sammelleidenschaft ist die Vorliebe für hochkarätige Preziosen der Kunstkammern des 17. und 18. Jahrhunderts. Zu den bedeutendsten Goldschmiedearbeiten der deutschen Hochrenaissance gehört der Erbschenkenpokal des Grafen von Limpurg aus dem Jahr 1562. Er steht im Gesamtverzeichnis national wertvollen Kulturguts und national wertvoller Archive und hat einen besonderen Bezug zum süddeutschen Raum.

Das Kuratorenteam der Ausstellung setzt sich zusammen aus den Kuratoren der Sammlung Würth sowie den Mitgliedern des Kunstbeirat der Würth-Gruppe mit Christoph Becker, Thomas W. Gaehtgens, Fabrice Hergott und Martin Roth unter Federführung von Peter-Klaus Schuster. Ein umfangreiches museumspädagogisches Begleitprogramm wird die Sammlung für die unterschiedlichen Besuchergruppen erschließen.

Veranstalter Museum Würth und Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau
Partner WALL, ALEXA, Bouvet Ladubay, AXA, Yorck Kino, Berlin Tourismus & Kongress GmbH
Medienpartner Weltkunst, Cicero, G/Geschichte, Exberliner, rbb fernsehen, radioeins, radio Teddy


04.09.2015 - 06.12.2015
Piet Mondrian. Die Linie

Pressemitteilung
Piet Mondrian (1872–1944) zählt mit seinem Werk zu den Begründern der abstrakten Malerei. Er ist ein Meister der Komposition von Farbflächen. Mit seiner strengen Reduktion auf die Grundelemente der Malerei schuf er Ikonen der klassischen Moderne. Doch Mondrian begann, was weniger bekannt ist, um 1900 im impressionistischen Stil der Haager Schule zu malen, probierte verschiedene Kunststile bis die Linie, die Organisation von Bildflächen sein künstlerisches Werk dominierte. Diese Entwicklung im Werk Mondrians will die vom Gemeentemuseum Den Haag gemeinsam mit dem Martin-Gropius-Bau entwickelte Ausstellung aufzeigen.

Mit rund 50 Gemälden und Zeichnungen entsteht ein Bild von Mondrians Suche nach dem eigenen künstlerischen Weg. Es ist die erste große Mondrian gewidmete Ausstellung in Berlin seit der Eröffnungsausstellung der Neuen Nationalgalerie 1968.
Die Ausstellung zeigt eine große Auswahl an Werken des Gemeentemuseum Den Haag, das die weltweit umfassendste Sammlung von Mondrians Werken besitzt. Benno Tempel, der Direktor des Gemeentemuseum Den Haag hat dieses Vorhaben ermöglicht. Der Mondrian-Experte, Hans Janssen, Kustos am Gemeentemuseum, hat die Ausstellung kuratiert.

„Das erste, was ich in meiner Malerei veränderte, war die Farbe“, notierte Mondrian 1941. Dabei überging er, dass er bereits zuvor drastisch reduzierende Schritte in seinen Zeichnungen vorgenommen hatte, indem er schrittweise die Beziehungen und rhythmischen Strukturen zwischen vertikalen und horizontalen Linien und Elementen hervorhob. Dies übertrug sich auf seinen Umgang mit Farbe. Er entwickelte sich vom Traditionalisten zum Protagonisten der Moderne.

Piet Mondrian wird am 7. März 1872 in der Stadt Amersfoort in der Provinz Utrecht in Holland als Sohn eines Volksschullehrers geboren. In der Familie wird ein strenger Calvinismus gepflegt. Mondrian studiert an der Rijksakademie van beeldende Kunsten in Amsterdam und interessiert sich für die Maler der Haager Schule und ihre Maltechnik.

Seine Motive sind vor allem Felder, Bauernhöfe, Windmühlen und immer wieder Bäume und Flusslandschaften. Um 1905 beginnt er zu experimentieren. An seinen Motiven erprobt er wechselnde Malstile und Maltechniken je nach Lichtmodulation: Für eine Landschaft im Sonnenlicht wählt er einen impressionistischen Malstil, für eine im Abendlicht einen fauvistisch-expressionistischen. Kritiker werden auf ihn aufmerksam. 1910 formiert sich die Gruppe „Moderne Kunst Kring“ (Zirkel der modernen Kunst) mit den Künstlern Jan Toorop, Jan Sluyters und Piet Mondrian. 1911 stellen sie zusammen mit französischen Avantgardekünstlern, darunter Cézanne, Braque, Picasso in der Ausstellung „Moderne Kunst Kring“ im Amsterdamer Stedelijk Museum aus.

Im selben Jahr ist Mondrian mit einer Arbeit im „Salon des Indépendants“ in Paris beteiligt. 1912 zieht er nach Paris. Der Kubismus beeinflusst ihn, wobei sein künstlerisches Interesse eher der Struktur und Organisation von Bildflächen gilt. Mondrian formuliert sein Streben „nach der Harmonie durch die Gleichwertigkeit von Linien, Farben und Flächen“. Landschaften werden schematisiert. Das Naturmotiv wird zur abstrakten Komposition; dabei setzt er die Linie mehr und mehr als Vertikale und Horizontale ein. 1913 ist er in Berlin in Herwarth Waldens Ausstellung „Erster Deutscher Herbstsalon“ vertreten. 1914 besucht Mondrian seinen kranken Vater und kehrt erst nach dem Ersten Weltkrieg wieder nach Paris zurück. Er betreibt weiter die Auflösung des Figurativen. Seine Werke bezeichnet er als „Komposition“, wendet sich der Theosophie zu und nennt später seinen Stil „Neoplastizismus“.

In den 1920er und 1930er Jahren stellt er an vielen Orten aus – in Den Haag, Amsterdam, Rotterdam, Stockholm, Paris, New York, Dresden, Berlin, Potsdam, Wien. Doch der finanzielle Erfolg lässt auf sich warten. Um zu überleben, malt er weiterhin Blumenaquarelle und übernimmt andere Auftragsarbeiten.

Als Kunsttheoretiker und Mitbegründer der Künstlervereinigung „De Stijl“, die 1917 niederländische Maler, Architekten, Designer, Grafiker und Dichter gegründet hatten, verfasst Mondrian unter anderem Le Néo-Plasticisme. 1925 erscheint die Schrift in deutscher Übersetzung als Bauhausbuch Nr. 5 unter dem Titel Neue Gestaltung. Neo-Plastizismus, Nieuwe Beelding.

Mondrian arbeitet weiter an seinen ,Kompositionen’, indem er sein Linienspiel bis zum Äußersten vereinfacht oder zu einer komplexen Gitterstruktur rhythmisiert und durch wenige Farbflächen ergänzt. Wegen des aufkommenden Zweiten Weltkriegs zieht er 1938 nach London und 1940 weiter nach New York.

In den USA, besonders in New York stößt seine Arbeit auf großes Interesse. Viele aus Europa geflüchtete Künstler leben in den 1940er Jahren in New York. Neu entstehende Werke lockerte Mondrian nun mosaikartig mit Primärfarben auf und überwand so seine früheren strengen Kompositionen zugunsten einer neuen, fast musikalisch zu bezeichnenden Rhythmisierung des Motivs. Mondrian stirbt in New York am 1. Februar 1944 an den Folgen einer Lungenentzündung.

Die lakonische Struktur seiner späten Bilder fand und findet ihren Niederschlag noch heute in Architektur, Mode, Werbung und Populärkultur.einklappen

VERANSTALTER Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Stichting Gemeente-museum Den Haag und des Martin-Gropius-Bau. Mit Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande in Berlin.
KURATOR Hans Janssen
PARTNER Wall, visit Berlin, Alexa, Bouvet Ladubay
MEDIENPARTNER Tagesspiegel, Zeit, Weltkunst, ExBerliner, Aviva-berlin.de, rbb fernsehen, kulturradio, inforadio


28.06.2015 - 08.08.2015
Tino Sehgal

Pressemitteilung
Erstmals ist Tino Sehgals Arbeit umfassend in Berlin zu sehen. Er präsentiert seine Kunst in zwei Häusern: mit einer Werkschau im Martin-Gropius-Bau und einer Arbeit, die während des internationalen Performing Arts Festival Foreign Affairs im Haus der Berliner Festspiele gezeigt wird.

Wie kein anderer Künstler seiner Generation steht der Berliner Tino Sehgal für eine radikale Neubestimmung der Kunst und ihrer Erfahrung. Sehgal konstruiert Situationen anstatt materielle Objekte. Sein Medium sind die menschliche Stimme, körperliche Bewegungen und soziale Interaktion. Interpreten treten über Gespräche, Gesang und Choreographie in Kontakt mit Besuchern und Zuschauern, die auf diese Weise in die Arbeiten einbezogen werden. Obgleich sie sich nie in einem Objekt materialisieren, entsprechen Sehgals Arbeiten allen Konventionen von Ausstellungskunst: Sie sind während der gesamten Öffnungszeiten der Institution präsent; sie werden ge- und verkauft wie konventionelle materielle Kunstobjekte, und sie gehen in museale und private Sammlungen ein. In dieser Praxis realisiert sich ein grundlegend neues Verständnis des Kunstwerks, das dauerhaft besteht obgleich es sich nur in Körpern materialisiert; das seiner Umgebung kein Objekt hinzufügt und dennoch intensiv und nachhaltig auf sie einwirkt.
Nachdem Sehgals Arbeiten in den letzten 10 Jahren weltweit in den unterschiedlichsten Museen und Ausstellungshäusern gezeigt wurden (darunter die bereits legendäre Bespielung des Guggenheim Museum New York und der Turbine Hall der Tate Modern, London), wird im Sommer diesen Jahres seine erste große Einzelausstellung in Berlin, im Martin-Gropius-Bau stattfinden. Sehgals Arbeitsweise entwickelte sich in den 1990er und frühen 2000er Jahren wesentlich unter dem Einfluss von interdisziplinären Praktiken der Berliner Tanz-, Theater- und Kunstszene, die an Orten wie etwa dem Podewil, der Staatsbank oder auch in den Inszenierungen Einar Schleefs am Berliner Ensemble eine besonders ausgeprägte Verbindung von Aufführungsgeschehen und Kunstanspruch herausgebildet hatte.

Im Martin-Gropius-Bau wird Tino Sehgal das Erdgeschoss des Ausstellungshauses mit einer Inszenierung bestehend aus fünf Werken vom 28.6. – 8.8.2015 bespielen.

Darüber hinaus ist im Haus der Berliner Festspiele im Rahmen des internationalen Theater-und Tanzfestivals Foreign Affairs das Werk „This Progress“ vom 25.6. – 5.7.2015 (außer 29.6.) in der Zeit von 17-21 Uhr zu sehen.

Tino Sehgal wurde 1976 in London geboren, studierte Volkswirtschaftslehre und Tanz in Berlin und Essen. Sein Werk wurde vielfach in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien ausgestellt. An der Biennale von Venedig nahm er 2003 und 2005 (als jüngster Teilnehmer gestalte er den deutschen Pavillon zusammen mit Thomas Scheibitz) Er nahm 2006 an der Berlin Biennale teil, 2008 an der Yokohama-Triennale und 2010 an der Gwangju Biennale. 2012 wurde seine Arbeit auf der documenta in Kassel gezeigt. 2013 wurde er auf der 55. Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet.

Einzelausstellungen in Museen fanden statt im Van Abbemuseum in 2004, Fundacao Serralves, Porto, 2005, Kunsthaus Bregenz, 2006, MMK in Frankfurt in 2007; im ICA London in den Jahren 2005, 2006, 2007; Walker Art Center, Minneapolis, 2007, Villa Reale/ Fondazione Trussardi 2008, im Kunsthaus Zürich 2009; im Guggenheim Museum New York 2010; im Kunsternes Hus in Oslo 2011; in der Tate Modern 2012, Ullens Center, Beijing, 2013 und CCBB, Rio de Janeiro sowie Pinacoteca, Sao Paulo in 2014. Momentan findet eine ein Jahr lang andauernde Überblicksausstellung mit monatlich wechselnden Werken im Stedelijk Museum, Amsterdam statt.

Veranstalter: Berliner Festspiele / Martin-Gropius-Bau. Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds.
Partner: Wall
Medienpartner: Tagesspiegel, Weltkunst, Die Zeit, Monopol, Exberliner, zitty


06.05.2015 - 23.08.2015
Fassbinder – JETZT

Pressemitteilung
Das Deutsche Filmmuseum Frankfurt am Main zeigt vom 6. Mai bis 23. August 2015 die Ausstellung Fassbinder – JETZT im Martin-Gropius-Bau Berlin in neun Räumen anlässlich des 70. Geburtstags von Rainer Werner Fassbinder am 31. Mai. Die Präsentation setzt neue Impulse für die Auseinandersetzung mit einem der bedeutendsten deutschen Regisseure.

Neben der Arbeitsweise des Filmemachers veranschaulicht Fassbinder – JETZT die Kohärenz seines filmischen Werks und dessen Einfluss auf die zeitgenössische Kunstproduktion. Die Ausstellung nimmt damit eine doppelte Perspektive ein: historisch und gegenwartsbezogen. Sie spürt die ästhetischen, politischen und medialen Zusammenhänge auf, die unsere Gegenwart von Fassbinders Zeit distanzieren und zugleich mit ihr verbinden.

Die Präsentation beginnt mit einer Gegenüberstellung: Schlagzeilen und Texte spiegeln die damalige Rezeption der Persona Fassbinder und seines Werks in der Öffentlichkeit wider. Auf neun Monitoren mit Ausschnitten aus Fernsehinterviews, erläutert Fassbinder sein Filmverständnis – und verdeutlicht implizit auch die Methoden seiner Selbstinszenierung.

Diesem öffentlichen Image Fassbinders wird im ersten Teil der Ausstellung ein anderes gegenübergestellt: Originaldokumente und persönliche Gegenstände aus seinem Nachlass gewähren den BesucherInnen detaillierte Einblicke in das Lebensumfeld und die Projekte des Regisseurs. Notizen, Briefe, Kalkulationen, Skripte, Drehbücher und -pläne legen Fassbinders Arbeitsweise sowie seine persönliche Haltung dar und verdeutlichen sein strategisches und strukturiertes Vorgehen. Eine Bildschau zeigt den Regisseur hochkonzentriert bei der Inszenierungsarbeit mit seinem Team. An Medienstationen mit digitalisierten Dokumenten, wie beispielsweise vollständigen Drehbuchmanuskripten, können die BesucherInnen virtuell durch das Arbeitsarchiv Fassbinders blättern oder das Diktat zu seinem Opus Magnum BERLIN ALEXANDERPLATZ (1979/80) anhören. Ergänzend wird das Augenmerk auf die Arbeit Fassbinders mit der Kostümbildnerin Barbara Baum gelegt. Neben ihren Kostümen, wie dem spektakulären Silberlamé-Kleid, das Hanna Schygulla in „Lili Marleen“ (1980) trägt, und den Matrosen-Uniformen aus „Querelle“ (1982), werden Skizzen aus ihrem Privatbesitz präsentiert.

Der zweite Teil der Ausstellung veranschaulicht die durchgängigen Themen und ästhetischen Mittel in Fassbinders Filmen und stellt sie Arbeiten von zeitgenössischen KünstlerInnen gegenüber, die sich direkt oder indirekt auf diese beziehen. So sind auf einer frei im Raum schwebenden Leinwand Filmausschnitte mit Fassbinders 360°-Kameradrehungen zu sehen, darunter auch die berühmte Szene aus „Martha“ (1973). Es folgt Runa Islams Videoinstallation „Tuin“ (1998), in welcher sie diese Kameradrehung zitiert.

Eine Kompilation mit Ausschnitten aus Fassbinders Filmen führt auf drei großen Leinwänden in die wichtigsten Themen seines Œuvres ein und verdeutlicht zudem stilistische Mittel, wie Licht, Rahmung und Blickführung, die seine Filme prägen.

Ästhetische Strategien, Themen und Motive aus Fassbinders Filmen haben auch Jeroen de Rijke / Willem de Rooij, Tom Geens, Maryam Jafri, Ming Wong sowie der kanadische Fotograf Jeff Wall in ihren Arbeiten aufgegriffen. Die Künstler verbinden diese mit ihrer eigenen Haltung. Ihre Arbeiten eröffnen eine neue Sichtweise auf Fassbinders Werk, sie legen dar, welche Aspekte heute von besonderer Relevanz sind und demonstrieren übergeordnet, wie das Kino aktuelle künstlerische Medien prägt. Umgekehrt liefern die Videoarbeiten Interpretationsimpulse für die heutige Fassbinder-Rezeption.

Das Projekt findet in Kooperation mit der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Berlin statt und wird durch den Hauptstadtkulturfonds gefördert.

Foto:
Rainer Werner Fassbinder bei Dreharbeiten zu „Händler der vier Jahreszeiten“ im Jahr 1971
Quelle: DIF © Peter Gauhe


27.03.2015 - 21.06.2015
Tel Aviv Museum of Art visits Berlin

Pressemitteilung
Aus Anlass des 50jährigen Jahrestages der Aufnahme der deutsch-israelischen Beziehungen entsendet das Tel Aviv Museum of Art etwa 70 Meisterwerke erstmals nach Europa, nach Berlin. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt in der Moderne und wird ergänzt durch zeitgenössische Medienkunst aus Israel. Die künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts sind durch Gemälde, Skulptur und Grafik vertreten. Arbeiten von Alexander Archipenko, Max Beckmann, Marc Chagall, Edgar Degas, Erich Heckel, Alberto Giacometti, Wassily Kandinsky, Jackson Pollock, Ludwig Meidner, Pablo Picasso, Mark Rothko, Egon Schiele und Lesser Ury werden zu sehen sein. Den Klassikern werden kontrapunktisch Videoarbeiten und Installationen von Künstlern aus Israel gegenübergestellt.

In ihrer Gesamtheit spiegelt die Schau alle wichtigen Strömungen der figurativen und abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts wider. Sie berücksichtigt ebenso zeitgenössische Tendenzen der Video- und Installationskunst. Unter ihnen Positionen von Künstlern wie Yael Bartana, Guy Ben-Ner, Nevet Yitzhak, Nira Pereg, Michal Helfman, die sich mit persönlichen, sozialen und politischen Themen befassen. Der Dialog zwischen klassischer Moderne und zeitgenössischer israelischer Kunst erstreckt sich über alle Räume und ist Teil des kuratorischen Konzeptes. Kuratiert wird die Ausstellung von Suzanne Landau, Irith Hada, Ellen Ginton und Raz Samira.

Die an der Ausstellung beteiligten Künstler sind:
Alexander Archipenko; Avigdor Arikha; Arie Aroch; Yael Bartana; Max Beckmann; Guy Ben-Ner; Marc Chagall; Zoya Cherkassky; Jean-Baptiste Camille Corot; Edgar Degas; Marcel van Eeden; James Ensor; Max Ernst; Nir Evron; Alberto Giacometti; Arshile Gorky; Juan Gris; Raafat Hattab; Abraham Tzion Hazan; Erich Heckel; Michal Helfmann; Eva Hesse; Hans Hofmann; Marcel Janco; Alexej von Jawlensky; Wassily Kandinsky; Henri Laurens; Max Liebermann; El Lissitzky; André Masson; Ludwig Meidner; Claude Monet; Giorgio Morandi; Edvard Munch; Felix Nussbaum; Max Pechstein; Nira Pereg; Pablo Picasso; Jackson Pollock; Dante Gabriel Rossetti; Mark Rothko; Reuven Rubin; Issachar Ryback; Salomé (Wolfgang Ludwig Cihlarz); Egon Schiele; Karl Schmidt-Rottluff; George Seurat; Paul Signac; Chaim Soutine; Jakob Steinhardt; John Stezaker; Yves Tanguy; Lesser Ury; Maurice de Vlaminck; Nevet Yitzhak; Tamir Zadok.

Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet, der im Prestel Verlag erscheinen wird. Das Centrum Judaicum Berlin wirkt an der Erstellung der deutschsprachigen Ausgabe des Kataloges mit.

Über das Museum
Gegründet wurde das Tel Aviv Museum of Art 1932 durch den damaligen Oberbürgermeister Tel Avivs, Meir Dizengoff, in seinem Privathaus am Rothschild-Boulevard. Gründungsdirektor war der Berliner Kunsthistoriker, Karl Schwarz. Er leitete das Tel Aviv Museum of Art von 1933 bis 1947, besuchte Künstler und wichtige Sammler, um sie um Werke für das neue Museum zu bitten.

Heute umspannt die Sammlung Arbeiten aller wichtigen Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts beginnend beim Impressionismus über den deutschen Expressionismus bis hin zu verschiedenen Formen der geometrischen Abstraktion und des Surrealismus; Vertreter des europäischen Informell sind dort ebenso zu finden wie des amerikanischen abstrakten Expressionismus und der Pop Art. Sie beinhaltet frühe Arbeiten des russischen Avantgardekünstlers Alexander Archipenko, geschaffen zwischen 1908 und 1921; Gemälde von Marc Chagall, Meisterwerke von Wassily Kandinsky; Arbeiten verschiedener Perioden von Pablo Picasso; bemerkenswerte Werke von Mark Rothko und Jackson Pollock, zudem Arbeiten von israelischen Künstlerinnen und Künstlern. Ein Großteil der Sammlungen geht auf Schenkungen von Künstlern, Mäzenen und Stiftern zurück. Die Bestände werden ergänzt durch Werke und Sammlungen engagierte Sammler und Freunde aus der ganzen Welt.

Heute erstreckt sich das Tel Aviv Museum of Art auf drei Gebäude und zeigt jährlich bis zu 30 Ausstellungen. Zu den kuratorischen Abteilungen des Museums gehören die Abteilungen Israelische Kunst, moderne und zeitgenössische Kunst, Grafik und Zeichnungen, Fotografie, Architektur und Design sowie Alte Meister.

Über den Anlass
Die im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigte Ausstellung des Tel Aviv Museum of Art ist wichtiger Teil des Programms aus Anlass des fünfzigjährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland. Diese begannen am 12. Mai 1965.

Ermöglicht wurde die Ausstellung „Tel Aviv Museum of Art visits Berlin“ durch die großzügige Unterstützung des Israelischen Außenministeriums, Abteilung für Wissenschaft und Kultur und durch die freundliche Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Foto:
Pablo Picasso: Frauentorso, 1953. Öl auf Holz, 91,5 x 72,5. Tel Aviv Museum of Art. Nachlass von Marya Rubinstein Bernard-Adir, in Erinnerung an Dr. Bernard Bernard, 1978
© Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2014


21.03.2015 - 08.06.2015
ZERO
Die internationale Kunstbewegung der 1950er und 60er Jahre

Pressemitteilung


„Manchmal bleiben die wirklichen Revolutionen in der Kunst unsichtbar, bis sie längst vergangen sind, doch die unterirdischen Schockwellen können sich über Generationen fortsetzen.“
Daniel Birnbaum, ZERO aus heutiger Sicht, 2014

Über 50 Jahre nach Gründung der ZERO-Bewegung widmet sich die Ausstellung sowohl den ersten Gründungskünstlern Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker, den ZERO nahestehenden internationalen Künstlern wie Yves Klein und Lucio Fontana, als auch den in Vergessenheit geratenen Künstlern wie Hermann Goepfert, Oskar Holweck oder Hans Salentin.

Die ausgewählten 40 Künstler, darunter 11 Positionen aus Deutschland, verbindet der formale und konzeptionelle Bezug zu den Ideen der ZERO-Gründer. Zum ersten Mal werden in großem Umfang Hauptwerke der internationalen Bewegung von 1957 bis 1967 zusammen gezeigt. Gleichzeitig präsentiert die ZERO Foundation in Berlin mit rund 200 Werken die bisher umfassendste ZERO-Ausstellung seit Bestehen der Bewegung.

Die Idee eines absoluten Neubeginns der Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg fand viele begeisterte Anhänger. Eine neu gewonnene Freiheit im Hinblick auf Materialien führte dazu, dass die Themen Licht, Raum, Bewegung, Reflexion, Vibration, Struktur und Farbe heterogene Formen annahmen. Die Ausstellung zeigt wie Licht in Medien wie Malerei, kinetischer Kunst, Installationen, Performances, Filmen und Publikationen eingesetzt wurde.

Im Rahmen der Ausstellung wird das öffentliche Begleitprogramm DYNAMO – neben der ästhetischen Erfahrung mit den ZERO-Werken in der Ausstellung – einen synästhetischen Zugang zu Kunst und Kultur bieten. Ein wissenschaftliches Symposium, gemeinsam mit der Akademie der Künste konzipiert, wird von sinnlich‐ästhetischen Programmen mit Musik, Film, Tanz und Poesie flankiert. Die Zeitung DYNAMO read mit Beiträgen von Künstlern, Theoretikern, Architekten und Musikern schlägt eine Brücke von der Nachkriegsavantgarde in unsere Zeit.

Teilnehmende Künstler sind u.a. Bernard Aubertin (F), Hermann Bartels† (D), Pol Bury† (B), Enrico Castellani (I), Gianni Colombo† (I), Lucio Fontana† (I), Hermann Goepfert† (D), Gotthard Graubner † (D), Hans Haacke (D), Oskar Holweck† (D), Yves Klein† (F), Yayoi Kusama (JP), Adolf Luther† (D), Heinz Mack (D), Piero Manzoni† (I), Almir Mavignier (BRA), Christian Megert (CH), Henk Peeters† (NL), Otto Piene† (D), Uli Pohl (D), Hans Salentin† (D), Jan Schoonhoven† (NL), Jésus Rafael Soto† (VEN), Jean Tinguely† (CH), Günther Uecker (D), Jef Verheyen† (B), Herman de Vries (NL), Nanda Vigo (I)

Foto: Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker anlässlich der Ausstellung NUL. Stedelijk Museum Amsterdam,1962
Foto: Raoul Van den Boom © Raoul Van den Boom / ZERO foundation


18.03.2015 - 14.06.2015
Tanz der Ahnen
Kunst vom Sepik in Papua-Neuguinea

Pressemitteilung


Erstmals stehen Kunstwerke aus Ozeanien im Zentrum einer Ausstellung des Martin-Gropius-Bau. Sie kommen aus einem Gebiet am Mittel- und Unterlauf des Flusses Sepik in Papua-Neuguinea. Etwa 220 Kunstwerke von zwölf Leihgebern – die bedeutendsten Museen Europas sind beteiligt – werden zu sehen sein. Die Ästhetik der Kunst der Sepikregion hat schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts europäische Wissenschaftler und Künstler fasziniert. Berlin war mit Basel ein Zentrum der Sepik-Forschung.

Zwar sprachen ethnologische Entdecker früh von „Kunst des Sepik“, doch die Kunstwelt war zurückhaltend, formulierte eher Theorien des „‚Primitivismus‘ – noch bis weit in die 1980er Jahre. Die große Ausstellung „‚Primitivism‘ in 20th Century Art – Affinity of the Tribal and the Modern“(1984) des Museum of Modern Art in New York erinnerte an diese lange Diskussion. Heute ist es selbstverständlich, jene als ‚primitivistisch‘ deklarierten Kunstwerke, so auch die der Sepikregion, aus ihrer eigenen ästhetischen Qualität heraus zu betrachten und zu beurteilen. Dazu bietet diese Ausstellung Gelegenheit.

Die Sepikebene ist ein großes Wasser- und Sumpf-Gebiet. Entlang des Sepik, der sich über fast 1.200 Kilometer erstreckt, leben Gruppen von Menschen, die über hundert verschiedene Sprachen sprechen. Allein am Mittel- und Unterlauf des Sepik werden über neunzig verschiedene Sprachen gesprochen. Man darf sich also die Region des Sepik nicht als ein relativ homogenes Siedlungsgebiet vorstellen. Kaum war der Sepik entdeckt, der dann 1886 von den deutschen Kolonisatoren „Kaiserin Augusta-Fluss“ genannt wurde und nach damaliger Nomenklatur in die Bismarck-See mündete, erregte die höchst elaboriert gestaltete materielle Kultur die Aufmerksamkeit von Sammlern und Museumsleuten aus aller Welt.

Die Taten der Ahnen haben die Welt der Menschen geschaffen. Ihre Verwandlungen manifestieren sich in der Umwelt und in den kulturellen Zeugnissen. Die Ahnen, so denkt man, haben das breite Flussbecken des Sepik geschaffen, auf dessen Uferdämmen die Wohnhäuser und die Männerhäuser stehen. Von zentraler Bedeutung sind die Tanzplätze vor den Männerhäusern; auf ihnen treten die Ahnenfiguren auf und erinnern an die Taten der mythischen Zeit. Die Tänzer verkörpern mit ihrem reichen Schmuck und ihren farbenprächtigen Maskenfiguren diese Ahnen und werden eins mit ihnen.

Beim Durchschreiten verschiedener ‚Räume‘ eines Dorfes spiegelt deren Ordnung die soziale Organisation wider: eine deutliche Trennung zwischen der Welt der Frauen und derjenigen der Männer, zwischen einer öffentlichen Sphäre, wo jeder frei ist, sich zu bewegen, und einer Sphäre, die den initiierten Männern vorbehalten ist. Die Frauen sind innerhalb des Dorfes vor allem den Wohnhäusern zugeordnet, die Gegenstände sind sichtbar. Die Männer hingegen sind auf die großen Männerhäuser und die Tanzplätze ausgerichtet. Die Gegenstände sind verborgen und geheim und werden nur bei den Riten sichtbar.

Im Vordergrund der hier gezeigten Auswahl an ethnologischer Kunst steht auch deshalb das Motiv der menschlichen Figur, die allen Kulturen gemeinsam ist: der oder die Gründer-Ahnen von Siedlungen, menschlichen Gemeinschaften und ihrer natürlichen Umwelt. In den Gesellschaften des Sepik zeigt sich diese Ahnenfigur nicht unmittelbar. Sie entschlüsselt sich immer nur stückweise in ihrer ganzen Komplexität. Der Verlauf der Ausstellung wird den Besuchern erlauben, die unterschiedlichen Formen und Variationen zu verstehen, unter denen sich diese Ahnenfiguren manifestieren, beginnend mit ihren mehr öffentlichen Formen bis hin zu jenen eher geheimen.

Die Werke faszinieren wegen ihrer überaus reichen Verzierung auf kleinen und großen Gegenständen und durch die Vermischung der in Europa strikt getrennten Gattungen (Malerei, Skulptur) des Gestaltens: Eine Kombinationen von Skulpturen in Menschenform und Oberflächenverzierung, von Ornamenten auf Palmblattstielen und Zeremonialhäusern, von modellierter, figürlich ausgestalteter Keramik, genutzt zur Aufbewahrung oder Zubereitung von Nahrungsmitteln.

Zu sehen ist ein großes Auslegerboot und ein Einbaum, reich verzierte Pfosten von Männerhäusern, gewaltige Schlitztrommeln, kräftige Ahnenfiguren und prächtig geschmückte Maskengestalten. Die Flussebene ist ein Mosaik von linguistischen Gruppen. Die etwa neunzig Sprachen erklären zu einem Teil auch die Verschiedenheit der hergestellten Objekte. Neben den Reichtum an Riten tritt eine bemerkenswerte Fülle von Objekten, deren formale Gestaltung häufig überraschend, faszinierend und exotisch wirkt.

Der Sepik war lange Zeit von den europäischen, amerikanischen und australischen Entdeckern und Reisenden übersehen worden. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde seine Mündung entdeckt und der Fluss von einem deutschen Schiff („Ottilie“) befahren. Es sollte jedoch noch Jahre dauern, bis wissenschaftliche Expeditionen organisiert wurden. Vor allem große deutsche Institutionen bereiteten Forschungsreisen vor, so von Hamburg aus 1909 und von Berlin aus 1912-13. Das damalige Königliche Museum für Völkerkunde in Berlin richtete eine umfassende interdisziplinäre Expedition aus, deren Ergebnisse teilweise erst heute veröffentlicht werden können. Einer der Protagonisten dieser Forschungen entdeckte die Quellen des Sepik-Flusses, als schon der Erste Weltkrieg 1914 auch in der Südsee ausgebrochen war. Australien eroberte und übernahm 1914 die deutsche Kolonie „Deutsch-Neuguinea“ (1899-1914).

Diese Ausstellung, hundert Jahre nach jener Berliner Expedition veranstaltet, leistet einen wichtigen Beitrag, auch dieses große Berliner Unternehmen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, denn erst seit dieser mehrjährigen Expedition ist das Sepikgebiet eine der bedeutendsten Regionen der ethnographischen und wissenschaftlichen Forschungen in der Südsee geworden.

Schon 1911 erkannte ein Berliner Museumsmitarbeiter den außerordentlich hohen ästhetischen Wert der Schnitzwerke vom Sepik. In der Folge haben zahlreiche Sammler aus der ganzen Welt diese Werke auf den immer abenteuerlichen Reisen auf dem Fluss und seinen zahlreichen Nebenarmen eingetauscht und erworben. Bald wurden die Masken, Figuren und Malereien Teil der Kunstgalerien, die in den zwanziger Jahren in Europa und später auch in Amerika die Kunst der „Primitiven“ neben der Kunst der Moderne anboten. Die Schnitzwerke vom Sepik waren so Teil des Bildinventars, das den Künstlern der Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Verfügung stand. Sie waren aber auch Anlass für zahlreiche weitere Forschungen, die im Verlauf dieses Jahrhunderts noch stattfinden sollten, um nähere Auskünfte über die Bedeutung und Ikonographie von Objekten zu erhalten. Die Ausstellung zeigt eine Synthese dieses Kunstgebietes, die auch die Forschungsreisen der letzten fünfzig Jahre auswertet.


Foto: Maske, Kambrambo, unterer Sepik. Papua Neuguinea. Vor 1920
© Museum der Kulturen Basel, Foto: Claude Germain


21.02.2015 - 19.04.2015
Liu Xia – Fotografin aus China

Pressemitteilung
Foto: Liu Xia: Ohne Titel
© Guy Sorman


21.01.2015 - 16.05.2015
Kunst der Vorzeit.
Felsbilder aus der Sammlung Frobenius


Pressemitteilung
Rund 100, darunter viele großformatige und wandfüllende Felsbildkopien des Frobenius-Institutes sowie fotografisches und archivalisches Material verweisen auf die abenteuerliche Dokumentationsgeschichte der Felsbilder in europäischen Höhlen, der zentralen Sahara, den Savannen Simbabwes oder dem australischen Outback.


05.12.2014 - 06.04.2015
WChUTEMAS - Ein russisches Labor der Moderne. Architekturentwürfe 1920 – 1930

Pressemitteilung
WChUTEMAS, oftmals als ‚russisches Bauhaus’ bezeichnet, war eine legendäre Kunstschule der Moderne in den 1920er Jahren. Erstmals zeigt eine Ausstellung in Deutschland einen wichtigen Ausschnitt – mit dem Schwerpunkt Architektur - aus dem Wirken von WChUTEMAS. Mit etwa 250 Werken: Skizzen, Zeichnungen, Malerei und Modellen von Lehrern und Studierenden.

Abbildung: W. Krinski: Experimentell-methodische Studienarbeit zum Thema „Farbe und räumliche Komposition“, 1921 © Staatliches Schtschussew Museum für Architektur Moskau


17.10.2014 - 15.12.2014
MemoryLab: Die Wiederkehr des Sentimentalen. Fotografie konfrontiert Geschichte

Pressemitteilung
Zentrale Ausstellung des 6. Europäischen Monats der Fotografie Berlin


11.09.2014 - 05.01.2015
Pasolini Roma

Pressemitteilung
Die Ausstellung „PASOLINI ROMA“ beschäftigt sich mit dem italienischen Schriftsteller und Filmemacher Pier Paolo Pasolini (1922 – 1975) mit Blick auf seine Beziehungen zu Rom. Pasolini in Rom: das heißt Poesie, Politik, Begeisterung für das Großstadtleben, Sex, Freundschaft und Kino.

Pier Paolo Pasolini ist eine der herausragenden und schillerndsten Persönlichkeiten des intellektuellen Europas der Nachkriegszeit. Als Lyriker in der Sprache seiner friaulischen Heimat, als Autor von Romanen und kulturkritisch-politischen Essays und Kolumnen, als Regisseur polarisierender Filme, aber auch als Zeichner und Maler richtete sich sein Blick in erster Linie auf zeitlose, archaische Themen: das Schicksal des Menschen, das bäuerliche Leben, die Religion, die Sexualität, der Tod. Dabei bewegte er sich stets außerhalb gängiger Normen, fand Bilder von außergewöhnlicher Klarheit und Schärfe und wurde dabei zum größten Provokateur der italienischen Gesellschaft.

Foto: Pier Paolo Pasolini am Set von „Accattone“, 1961
© Reporters Associati – Roma


11.09.2014 - 05.01.2014
Pasolini Roma

Pressemitteilung
Pier Paolo Pasolini (1922 – 1975) gilt als einer der bedeutendsten „poetischen Realisten“ des europäischen Films der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung zeigt anhand zahlreicher Dokumente, Briefe, Fotos, Zeitungen und Filminstallationen den vielgesichtigen Pasolini – den „melancholischen Narziss“ der frühen Lyrik, den unorthodoxen Marxisten der 1950er und 1960er Jahre wie auch den Gesellschaftskritiker und Kirchenprovokateur, der mit seinem letzten und bis heute umstrittenen Film „Die 120 Tage von Sodom“ den dramatischen Schlusspunkt seines Leinwandlebens setzte. Gezeigt wird auch das schriftstellerische Werk Pasolinis. Er gilt als herausragender europäischer Intellektueller, der die radikal-aufklärerische und selbstkritische Suche nach Wirklichkeit in der filmischen Sprache fortschrieb. In seinen Werken hat der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Pasolini die Liebe und die Leidenschaft und die sozialen Verhältnisse in seinem Land verarbeitet, wobei er in den „einfachen Menschen“, dabei ähnlich irrend wie später die 68er Studentenrevolte, eine „revolutionäre Gegenkraft“ sah.

Foto: Pier Paolo Pasolini am Set von „Accattone“, 1961.
© Reporters Associati – Roma


10.09.2014 - 04.01.2015
Die Welt der Wikinger

Pressemitteilung
Furchterregende Krieger und Eroberer, welterfahrenene Seefahrer, Handelsleute, Bauern und hoch spezialisierte Handwerker prägen das Bild der Wikinger. Vom 9. bis zum 11. Jahrhundert dominierten sie den Nord- und Ostseeraum, reisten nach Russland und bis ins Byzantinische Reich, gründeten Siedlungen an den Küsten Grönlands und Nordamerikas. Skandinavier, Briten und Iren sehen die Wurzeln ihrer Nationen in der Wikingerzeit. Mit der Christianisierung ihrer Königreiche begann ihre Integration in das mittelalterliche Europa.

Im Zentrum der Ausstellung steht das größte bekannte Kriegsschiff der Wikinger mit einer Länge von 37 Metern. Zusammen mit acht weiteren Wikingerschiffen 1997 im Hafen des dänischen Roskilde gefunden, wird es erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Das Schicksal des Schiffes bestimmt die vier Themenbereiche der Ausstellung: Kulturen im Kontakt, Expansion und Krieg, Macht und Glanz, Glaube und Ritual.

Die letzte große internationale Ausstellung zur Kultur der Wikinger liegt nunmehr zwanzig Jahre zurück. Ein Forscherteam des Nationalmuseums Kopenhagen, des Britischen Museums London und der Staatlichen Museen zu Berlin kam nun zusammen, um berühmte alte und sensationelle neue archäologische Funde für ein breites Publikum zu präsentieren.

Foto: Schiffsfibel. Bronze, 9./10. Jahrhundert n. Chr.Tjørnehøj II, Fünen, Dänemark
Foto: Nationalmuseum Kopenhagen


01.08.2014 - 02.11.2014
Die Welt um 1914: Farbfotografie vor dem Großen Krieg

Pressemitteilung
Albert Kahn, Sergej M. Prokudin-Gorskii, Adolf Miethe.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die bislang fast vergessenen Farbfotografien und Filme, die der französische Bankier Albert Kahn in Auftrag gegeben hat und die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden sind. Begeistert vom farbfotografischen Verfahren der Gebrüder Lumière beauftragte er in einer Zeit, als die Nationen Europas bereits zum Großen Krieg rüsteten, Fotografinnen und Fotografen, um mit Farbbildern aus aller Welt die Archives de la planète aufzubauen. In diesem Bildarchiv haben sich über 70.000 Farbbildaufnahmen erhalten. Sie stellen einen immensen ethnografischen Schatz dar und sollten zugleich eine Friedensmission erfüllen: Die Fremde in die Nähe zu holen. Seine Aktivitäten sollten den langst brüchig gewordenen Frieden sichern helfen. Die Ausstellung bringt den Bilderschatz einer längst versunkenen Welt ans Licht.

Foto: Albert Kahn, Les Archives de la planete. Stephane Passet. China, Peking, Palast des himmlischen Friedens, vierter Hof, östlicher Anbau, ein Hohepriester in zeremoniellem Gewand, 26. Mai 1913
© Musee Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine


25.07.2014 - 09.11.2014
Walker Evans – Ein Lebenswerk

Pressemitteilung
Walker Evans (1903 – 1975) gehört zu den großen Persönlichkeiten der Fotografiegeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein Stil wird als „dokumentarischer“ Stil bezeichnet. Erstmalig wird in Berlin eine solch umfangreiche Retrospektive mit seinen Arbeiten präsentiert. Das über fünfzig Jahre entstandene Werk wird mit weit über 200 Originalabzügen aus den Jahren 1928 bis 1974 vorgestellt, die aus der bedeutenden Privatsammlung von Clark und Joan Worswick stammen, begleitet von einigen Werkgruppen deutscher Sammlungsprovenienz. Alle Schaffensphasen von Evans werden beleuchtet, die Kontinuität seines Arbeitsansatzes verdeutlicht und ein neu reflektierter Rezeptionsweg beschritten. Über Jahrzehnte hinweg bis in die Gegenwart gewann das umfangreiche photographische Werk von Walker Evans zunehmend Vorbildcharakter. In den fünf Dekaden seines Schaffens hat der Fotograf mit nüchtern registrierenden Aufnahmen ein einzigartig authentisches Bild Amerikas aufgezeichnet und wie kein anderer vor ihm mit besonderem Empfinden für das Alltägliche und Subtile – das American Vernacular – identitätsstiftende und geschichtsträchtige Momente ins Bewusstsein gebracht.


20.05.2014 - 10.08.2014
David Bowie

Pressemitteilung
Vom 20. Mai bis zum 10. August 2014 ist die internationale Ausstellung David Bowie im Martin-Gropius-Bau der Berliner Festspiele zu sehen, veranstaltet von der Avantgarde GmbH (München). Damit kommt die spektakuläre Show des Victoria and Albert Museum, London (V&A) an die Spree.

Erstmals wurde Kuratoren der Zugang zum bisher verschlossenen „David Bowie Archive“ gewährt. Sie wählten rund 300 Objekte aus, die nun in Berlin zu sehen sind: handschriftliche Texte, Originalkostüme, Fotografien, Filme und Musikvideos, Set-Designs sowie Bowies Instrumente, Album-Cover und persönliche Sammlungsstücke. Ebenso wirft sie ein Schlaglicht auf David Bowies Schaffensphase von 1976-1979 in Berlin. Die Exponate belegen die visionäre Kraft eines der einflussreichsten Künstler der Popkultur und jüngeren Musikgeschichte. Sie zeigen, wie Bowie spielerisch Grenzen zwischen Traum, Realität, Genre und Gender überwindet. Veranstalter der Ausstellung ist die Kommunikationsagentur Avantgarde.

Bitte beachten Sie die Sonderöffnungszeiten: Der Martin-Gropius-Bau hat während der Bowie-Ausstellung täglich, einschließlich dienstags, von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet!

Bild: Aufnahme von David Bowie für das Albumcover von Aladdin Sane, 1973, Fotografie von Brian Duffy, Foto Duffy © Duffy Archive & The David Bowie Archive


03.04.2014 - 07.07.2014
Ai Weiwei – Evidence

Pressemitteilung
Ai Weiwei ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Von seinem Studio in Peking aus entwickelt er für den Martin-Gropius-Bau in Berlin seine bisher größte Ausstellung. Die Mehrzahl der Installationen und Arbeiten werden eigens für Berlin entwickelt. Keines der Werke wurde bisher in Deutschland gezeigt. Ai Weiweis Arbeiten sind immer von großer ästhetischer Qualität. Zugleich ist es ein Bestreben des Künstlers, Aussagen über die Wirklichkeit zu vermitteln.

Foto: Ai Weiwei. 2012
© Gao Yuan


27.03.2014 - 30.06.2014
Hans Richter - Begegnungen

Pressemitteilung
Man betreibt mit Kunst auch Politik.
Alles was ändernd in die Vorgänge des Lebens eingreift, ist Politik.
Hans Richter

Hans Richters (1888-1976) Lebenswerk umspannt fast 70 Jahre. In Berlin geboren, ist er einer der bedeutendsten Protagonisten der Moderne. Berlin, Paris, München, Zürich, Moskau und New York sind Stationen seines Lebens. Er ist Maler und Zeichner, Dadaist und Konstruktivist, Filmemacher und Theoretiker und auch ein großer Lehrer. Seine großen Rollbild-Collagen sind heute Ikonen der Kunstgeschichte. Wie bei kaum einem anderen Künstler des 20. Jahrhunderts findet sich in seinem Werk eine große Durchlässigkeit zwischen künstlerischen Disziplinen. Die Verbindung von Film und Kunst ist sein großes Thema. Viele der berühmtesten Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren seine Freunde.

Foto: Hans Richter: Justitia Minor. 1917/1960s
© 2013 Hans Richter Estate, Photo: © 2013 Museum Associates / LACMA


15.03.2014 - 22.06.2014
Wols Fotograf. Der gerettete Blick

Pressemitteilung
Wolfgang Schulze, genannt Wols, wurde 1913 in Berlin geboren. Der Maler und Grafiker gilt als wichtiger Wegbereiter des Informel. Erstmals präsentiert der Martin-Gropius-Bau in Berlin das weitgehend unbekannte fotografische Œuvre von Wols. In diesen Arbeiten lässt sich die Entwicklung hin zum Gegenstandslosen bereits erahnen.

Wols wächst in Dresden auf, wo er durch ein Praktikum im Atelier der Dresdner Fotografin Genja Jonas schon früh professionell mit der Fotografie in Kontakt kommt. Nach kurzem Aufenthalt im Umkreis des sich bereits in Auflösung befindlichen Berliner Bauhausʼ, bricht der junge Wols künstlerisch ambitioniert 1932 nach Paris auf.

Foto: Wols: Selbstportrait. 1937/1938
© VG Bild-Kunst, Bonn 2014


16.11.2013 - 09.03.2014
Barbara Klemm. Fotografien 1968 – 2013

Pressemitteilung
Wie kaum eine andere deutsche Fotografin hat Barbara Klemm das Zeitgeschehen der letzten Jahrzehnte mit der Kamera begleitet. Ihre Aufnahmen zeigen Ereignisse von historischem Wert. Schlüsselbilder, die Wendepunkte und Epochen vergegenwärtigen. Für den Martin-Gropius-Bau entwickelt die renommierte Fotografin eine große retrospektive Werkschau. Arbeiten aus fünf Jahrzehnten stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Sie umfasst etwa 300 Exponate und stellt das gesamte Spektrum ihres Schaffens seit 1968 vor: politische Ereignisse, Studentenunruhen und Bürgerinitiativen, Szenen aus dem geteilten und aus dem wiedervereinigten Deutschland, Alltagsszenen und Straßensituationen aus allen Erdteilen, einfühlsame Portraits von Künstlern, Schriftstellern, Musikern und Menschen im Museum.


18.10.2013 - 06.01.2014
Auf den Spuren der Irokesen

Pressemitteilung
Nur wenige der in die Hunderte zählenden indigenen Völker Nordamerikas beschäftigten die europäische Vorstellung in dem Ausmaß, wie es die Irokesen taten. Diese Faszination gründet sich vor allem auf die herausragende Rolle, die die fünf (später sechs) irokesischen Nationen im kolonialen Nordamerika des 17. und 18. Jahrhunderts spielten. Im Verband einer schlagkräftigen Stammesliga galten sie als gefürchtete Krieger und geschickte Diplomaten – ein Ruf, der seinen Niederschlag nicht zuletzt auch in der Romanliteratur fand. Das europäische Interesse an den Irokesen ging aber schon immer weit über die Beschäftigung mit ihren politischen und militärischen Leistungen hinaus. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit der irokesischen Kultur prägte nicht nur die Geschichte der Ethnologie, sondern inspirierte auch die Friedens- und Frauenbewegung und hinterließ nachhaltige Spuren in der Populärkultur.

Die Ausstellung zeichnet die Entwicklung der irokesischen Kultur von ihren Ursprüngen bis hin zu ihrer lebendigen Artikulation im heutigen Kanada und den Vereinigten Staaten nach. Sie folgt der wechselvollen Geschichte der Irokesen durch die von Krieg, Handel und christlicher Missionierung gekennzeichnete Kolonialzeit bis zum Auseinanderbrechen der Irokesenliga im Zuge der Amerikanischen Revolution, durch das von Landverlust, Isolation auf Reservationen und Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft geprägte 19. Jahrhundert bis zu den Autonomiebestrebungen und dem Wiedererstarken indigener kultureller Identität im 20. und 21. Jahrhundert.
Mit über 500 Exponaten führt die groß angelegte Ausstellung Auf den Spuren der Irokesen erstmals historische Gemälde und Zeichnungen, kostbare ethnografische Objekte und herausragende Beispiele irokesischer Gegenwartskunst der bedeutendsten Sammlungen Europas, der Vereinigten Staaten und Kanadas zusammen.

Die Konzeption der Ausstellung beruht auf umfassenden Vorgesprächen mit irokesischen Künstlern, Kuratoren und Intellektuellen und strebt nach einer vielschichtigen Darstellung der irokesischen Kultur und ihrer Veränderungen, in der auch zeitgenössische indigene Interpretationen irokesischer Geschichte und kultureller Identität zu Wort kommen.

Abbildung: Lithografie von J. Honegger. Zürich 1840


16.08.2013 - 06.01.2014
Meret Oppenheim – Retrospektive

Pressemitteilung
Erstmals ist Meret Oppenheim eine große Retrospektive in ihrer Geburtsstadt Berlin gewidmet. Am 6. Oktober dieses Jahres 2013 wäre die berühmte Künstlerin 100 Jahre alt geworden. Der spielerisch-humorvolle Umgang ihrer Werke mit Alltagsmaterialien, die in immer neue Sinnzusammenhänge transferiert werden, ist ein besonderes Charakteristikum ihrer künstlerischen Arbeit. Dies verbindet sie auch mit ihren Künstlerfreunden Max Ernst, Alberto Giacometti, Hans Arp oder Man Ray. Jene Fotografien der Serie „Érotique voilée“ (1934) , in denen Man Ray einst sein Modell Meret Oppenheim inszenierte, gehören heute zu den bedeutendsten Werken des Surrealismus, in dessen Kreisen in Paris die Künstlerin hoch anerkannt war. Noch 1983 war die diskursive Kraft ihres Surrealismus spürbar, als auf dem Waisenhausplatz in Bern unter heftigster öffentlicher Debatte ihr „Oppenheimbrunnen“ eingeweiht wurde, den zu besichtigen dringend empfohlen sei.
Die Rezeption von Meret Oppenheims äußerst vielseitigem, von Experimenten und Umbrüchen, von Metamorphosen und dem „Traumhaften“ geprägtem Schaffen hatte es nicht immer einfach. Auf Einheitlichkeit oder Wiedererkennbarkeit verzichtete die Künstlerin zugunsten einer Experimentierfreudigkeit, mit der sie sich über die Grenzen eines künstlerischen Stils, einer Gattung oder einer linearen Entwicklung hinwegsetzte.

Sprache und Mythen, Spiele und Träume dienten ihr ebenso als Ausgangspunkt wie literarische Vorlagen und die Psychoanalyse C.G. Jungs. „Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen“, resümierte Oppenheim 1975.

Ihre emanzipatorische, nonkonformistische Haltung sowie ihre kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Festschreibungen und zugewiesenen Geschlechterrollen machten sie zu einer zentralen Identifikationsfigur für nachfolgende Generationen von Künstlerinnen.

Die Ausstellung präsentiert das gesamte Spektrum von Meret Oppenheims Oeuvre, das in seiner Unabhängigkeit und Vielgestaltigkeit bis heute wegweisend ist. Der künstlerischen Verfahrensweise Oppenheims folgend, die bestimmte Topoi über lange Zeiträume hinweg immer wieder neu aufgriff und bearbeitete, legt die Schau einen Parcours thematischer Verdichtungen quer durch die Schaffensperioden der Künstlerin: magische Objekte, Traumszenen und Mythen, Darstellungen des Unsichtbaren, Cadavre-exquis und das Spiel als künstlerische Methode, Identitätssuche, Metamorphosen zwischen den Geschlechtern, zwischen Mensch und Tier, Natur und Kultur. Ausgehend von ihren viel beachteten Frühwerken im Umkreis der Surrealisten bis hin zu ihrem weniger bekannten poetischen Spätwerk sind ihre Zeichnungen, Gemälde, Objekte und Collagen ebenso zu sehen wie ihre Dichtung und Traumaufzeichnungen sowie ihre humorvoll-fantastischen Design-, Schmuck- und Kleiderentwürfe. „Jeder Einfall wird geboren mit seiner Form. Man weiß nicht, woher die Einfälle einfallen: sie bringen ihre Form mit sich, so wie Athene behelmt und gepanzert dem Haupt des Zeus entsprungen ist, kommen die Ideen mit ihrem Kleid.“

1982 wurde Meret Oppenheim mit dem Großen Preis der Stadt Berlin geehrt. Im gleichen Jahr nahm sie an der documenta 7 teil. Kurz vor ihrem Tod wurde sie Mitglied der Berliner Akademie der Künste. Sie starb 1985 in Basel.

Die Retrospektive entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Familie der Künstlerin sowie mit dem Kunstmuseum Bern, in dem sich das Archiv Meret Oppenheim befindet und das mit dem Legat der Künstlerin die bedeutendste Sammlung Meret Oppenheims besitzt.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Kunstforum Wien erarbeitet.

Abbildung:
Meret Oppenheim: Porträt mit Tätowierung, 1980. Kunstmuseum Bern, Hermann und Margit Rupf Stiftung
Foto: Heinz Günter Mebusch, Düsseldorf
© VBK, Wien, 2012/13 / VG Bild-Kunst, Bonn, 2012/13


14.06.2013 - 16.09.2013
Horst Antes
Malerei 1958 – 2010

Pressemitteilung
Horst Antes ist einer der international bedeutendsten figurativen Künstler der letzten Jahrzehnte. Wie wenige andere deutsche Künstler hat er zum globalen Kunstdialog beigetragen. Dreimal war er auf der documenta vertreten. Auf den Biennalen in Venedig und Sao Paolo war er präsent. In allen wichtigen europäischen, amerikanischen und japanischen Museen und Sammlungen sind seine Werke zu sehen.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau konzentriert sich auf sein malerisches Schaffen und wird alle Epochen dieses Schaffens über einen Zeitraum von fünf Jahrzehnten vorstellen – von den informellen Anfängen um 1958 bis zu den spektakulär großen und strengen ‚Haus’-Bildern der letzten Werkphase. Die Schau im Martin-Gropius-Bau wird die erste große Einzelausstellung der Gemälde nach fast zwei Jahrzehnten sein. Gezeigt werden rund 90 Bilder. Ergänzt werden sie durch zwei eng mit dem malerischen Werk verknüpfte Skulpturen, vier sogenannte „Votive“ und die Präsentation einiger von Horst Antes gestalteter Bücher und Mappen.

VERANSTALTER Berliner Festspiele. Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds.

KURATOR Joachim Sartorius


18.05.2013 - 24.11.2013
Kapoor in Berlin

Pressemitteilung
Anish Kapoor ist einer der weltweit bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Seit seinen ersten Skulpturen - einfache, auf dem Boden ausgebreitete Formen mit farbigen Pigmenten - hat Kapoor ein facettenreiches Werk aus verschiedenen Materialien wie Stein, Stahl, Glas, Wachs, PVC-Häuten und High-Tech-Material entwickelt. In seinen Objekten, Skulpturen und Installationen verwischen die Grenzen zwischen Malerei und Bildhauerei. Für seine erste große Ausstellung in Berlin wird er das gesamte Erdgeschoß des Martin-Gropius-Baus bespielen, einschließlich des grandiosen Lichthofs. Etliche Arbeiten entwirft er eigens für das Haus. Die Schau bietet mit etwa 70 Werken auch einen Überblick über das abstrakt-poetische Werk des Turner-Preisträgers von 1982 bis heute.
Kapoor, 1954 in Bombay geborenen, zählt zu den prominentesten Vertretern der British Sculpture. 1973 kam er nach London, wo er seither lebt und arbeitet. Kapoor studierte an der Hornsey School of Art Bildhauerei. Hornsey war damals die radikalste unter den Kunsthochschulen Londons – am offensten für Einflüsse der marcuseschen Revolutionen, die zu jener Zeit die Studentenbewegungen erfasst hatten. 1990 vertrat er auf der Biennale von Venedig Großbritannien und erhielt den begehrten Preis „Premio 2000“ der internationalen Jury. 1991 wurde ihm der renommierte Turner-Preis verliehen. Seit den frühen 1980er-Jahren wird sein vielfach prämiertes Werk weltweit ausgestellt.

Charakteristisch für Kapoors Arbeiten sind seine unbegrenzte Fähigkeit, die künstlerische Sprache sowohl in der monumentalen wie auch in der intimen Dimension immer wieder neu zu erfinden, und die vielen Dualitäten, die in seiner Suche nach den ästhetischen Kräften sowohl in der Perfektion also auch im Chaos zu Tage treten. Seine Arbeiten sind aus natürlichen und künstlichen Materialien geschaffen. Sie dienen Kapoors unendlich einfallsreicher und suggestiv abstrakter Metaphorik. Einige Werke der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau seien hier kurz vorgestellt:
Arbeiten mit Farbpigmenten stehen bei Kapoor seit den 1970er-Jahren immer wieder im Fokus. In „White Sand, Red Millet, Many Flowers“ von 1982 etwa, stellt Kapoor Bezüge zu seinem Geburtsland Indien her: Objekte, die an Schmuckelemente indischer Tempel oder buddhistischer Stupas erinnern, überzog er mit stark deckendem, leuchtendem Pigmentpulver in rot, gelb und schwarz.

Ende der 1980er-Jahre bearbeitet Kapoor Stein. „Wound“ ist eine solche Arbeit: Kapoor schlägt eine Schneise in die Innenseiten zweier Steine und füllt sie mit tiefrotem Pigment. Die Schneise setzt sich an der Stirnseite der Wand fort, dort laufen die Steine V-förmig zusammen. Die tiefrote Färbung betont das Organische. Sein Werktitel ruft vor dem inneren Auge vielfältige Bilder wach und lenken die Lesart.

Im Universum des Anish Kapoor gibt es viele schwarze Löcher. Einer der Höhepunkte der documenta IX war Kapoors Raum „Descent into Limbo“ (1992): In der Mitte eines begehbaren Kubus’ öffnete sich ein schwarzes Loch von scheinbar unendlicher Tiefe in den Erdboden und zog den Betrachter förmlich in sich hinein. Eine Neukonzeption dieser Arbeit findet sich im Martin-Gropius-Bau.

Kapoors konkave oder konvexe Spiegelgebilde stellen die Welt auf den Kopf. Im Widerschein der blankpolierten Oberflächen erkennt der Betrachter sich und den Raum verzerrt wieder. Die schimmernden Edelstahl-Spiegel lassen die Ordnung von Zeit und Raum aus den Fugen geraten. Der Betrachter wird auf sich selbst zurückgeworfen. In „Vertigo“, entstanden 2008, erscheinen mehrere Perspektiven simultan in einer Spiegelung. Der Besucher sieht sich wie durch ein Brillenglas nah und zugleich in weiter Ferne. Gemeinsam ist all seinen Spiegelobjekten das Spiel mit der Wahrnehmung. Trotz ihres Minimalismus’ wirken sie niemals hermetisch verschlossen, sondern offen und zugänglich. Sie laden den Betrachter ein, ein modernes Wunderland zu betreten und damit zum Akteur zu werden.

Bei Kapoors Wachsarbeiten wird der ausharrende Zuschauer zum Beobachter eines sich stetig verwandelnden Objekts. Wachs ist dank seiner Formbarkeit für Entwürfe spontaner Bildhauerideen geeignet und wurde in der Skulptur seit jeher für das Modellieren von Entwürfen, für Abdrucke und Gussverfahren verwendet. Kapoor nimmt dem Material seine Blässe und stellt es ins Zentrum seiner bildhauerischen Idee.

Kapoor lässt sich in kein Schema pressen. Typisch für ihn ist auch, dass jedes von ihm neu geschaffene Werk das Verhältnis zwischen Malerei und Bildhauerei zur Architektur neu definiert. Für den Lichthof des im Stil der Neorenaissance erbauten Ausstellungshauses gestaltet Kapoor eine neue Skulptur. Ihre Form und Materialität soll bis zur Eröffnung unbekannt bleiben. Sie wird in der Tradition von El Lissitzky, dem großen russischen Konstruktivisten, stehen, der in den 1920er Jahren für eine Aufführung von Malewitschs berühmter Oper „Der Sieg über die Sonne“ (Uraufführung 1913) eine Serie von Lithografien erarbeitete. El Lissitzky erfand mit „Proun“ eine neue Welt, die er selbst als „Umsteigestation von Malerei zu Architektur“ bezeichnete.

Abbildung:
Symphony for a Beloved Sun, 2013
Mixed media
Dimensions variable
Installation view: Martin-Gropius-Bau, 2013
Photo: Jens Ziehe
Courtesy the artist
© Anish Kapoor / VG Bildkunst, Bonn, 2013


28.04.2013 - 26.05.2013
Die Bilderkammer des Bruno Schulz

Pressemitteilung
Mobile Installation von Benjamin Geissler
VERANSTALTER Benjamin Geissler Filmproduktion

BRUNO SCHULZ (1892 – 1942)
Der Schriftsteller und Maler wurde als Österreicher geboren, lebte als Pole und starb als Jude. Mit seinen Erzählbänden „Die Zimtläden“ und „Das Sanatorium zur Todesanzeige“ erlangte er in Polen Berühmtheit. Er gilt als einer der einflussreichsten und doch kaum bekannten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Opus Magnum „Der Messias“ ist bis heute verschollen.
Unter deutscher Besatzung mußte Bruno Schulz 1942 die „Bilderkammer“ als „Leibjude“ für den Wiener SS-Hauptscharführer und „Blutordensträger“ Felix Landau gestalten.

Benjamin Geissler entdeckte die Wandmalereien 2001 bei Dreharbeiten im heute ukrainischen Drohobycz wieder. Doch bereits kurze Zeit später wurde sie durch die Entnahme einzelner Fragmente durch die Gedenkstätte Yad Vashem und später durch das ukrainische Kulturministerium zerstört. Das Vorgehen löste eine weltweite Kontroverse aus. Nach jahrelangen Bemühungen rekonstruiert Benjamin Geissler das letzte Werk des Genies in einer erstmals maßstabsgetreuen Multimedia-Installation.

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit Texten und zahlreichen Illustrationen erhältlich.


24.04.2013 - 29.07.2013
Kosmos Farbe. Itten-Klee

Pressemitteilung
Johannes Itten und Paul Klee sind in der Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts mit ebenso bedeutenden wie prominenten Farbenlehren hervorgetreten. Beide sind geprägt von der Vorstellung, dass die Ordnung der Farben als in sich geschlossener Kosmos der Farbe gesetzmässig strukturiert ist. Neue Quellen zeigen, dass sich beide Künstler auf gemeinsame geistesgeschichtliche, teilweise auch esoterische Quellen bezogen haben und sich gegenseitig anregten. Beide haben ihre Überlegungen zur Farbe in jahrzehntelanger Reflexion und Arbeit entwickelt und umfassend in ihren künstlerischen Werken berücksichtigt.

Die Ausstellung ermöglicht durch die Präsentation von etwa 170 Arbeiten – darunter Gemälde, Zeichnungen und Grafiken – einen neuen Blick auf zwei zentrale Künstler der Klassischen Moderne im deutschen Sprachraum.
In chronologischer Gliederung und in acht großen Etappen gruppiert zeigt die Ausstellung prominente Schlüsselwerke von Johannes Itten und Paul Klee. Der Fokus liegt dabei auf ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema der Farbe. Es werden jeweils unterschiedliche Aspekte herausgearbeitet, wie die Themenkomplexe Farbe und Esoterik, Farbaura, Farbharmonie, Farbe und Abstraktion, Farbe und Natur, Teilung der Farbe.

Erstmals kann dabei gezeigt werden, dass nicht nur Klee Itten, sondern auch Itten Klee inspirierte und dass beide aus gemeinsamen Quellen schöpften. Die Lebenswege und Schaffensbahnen beider aus dem Kanton Bern stammenden Künstler haben sich mehrfach gekreuzt: So hat Johannes Itten seine ersten künstlerischen Impulse vom Vater Paul Klees erhalten, umgekehrt ist Paul Klees Berufung ans Weimarer Bauhaus massgeblich von Johannes Itten befördert worden. Beide Künstler haben ihre lebenslange Auseinandersetzung mit den Fragen der Farbenlehre und der Ordnung des Farbkosmos nahezu gleichzeitig im Jahre 1914/1915 begonnen, Klee auf seiner Tunisreise, Itten unter dem Eindruck der Farbenlehre Adolf Hölzels in Stuttgart. Beide Künstler haben über Jahre hinweg ihre künstlerische Arbeit wechselseitig wahrgenommen und auch Werke ausgetauscht.

Umso überraschender ist es, dass Johannes Itten und Paul Klee bislang nicht in einer monographischen Ausstellung im künstlerischen Paarlauf gezeigt worden sind.
Biographische Asymmetrien mögen hierfür verantwortlich sein: Kurz nach dem Eintreffen Klees in Weimar 1921 hat Itten das Bauhaus 1923 verlassen. Erst Ende 1938 ist Itten in die Schweiz zurückgekehrt. Während Paul Klee schon im Jahre 1940 verstarb, hat ihn Johannes Itten um mehr als zweieinhalb Jahrzehnte überlebt. Ittens monumentale Publikation zur Kunst der Farbe ist erst 1961 erschienen, und lange Zeit war über Ittens Reflexion zur Farbe aus den vorausgehenden Jahrzehnten nur wenig bekannt. Das hat sich nun durch neue Quellenfunde aus dem Nachlass Johannes Ittens geändert, so dass die Chronologie und die Stationen seiner Auseinandersetzung mit der Farbe anhand farbprächtiger Tagebuchseiten rekonstruiert werden können.

Paul Klee nahm 1913 am „Ersten Deutschen Herbstsalon“ teil und 1918 wurde der Sturm-Bildband III Paul Klee gewidmet. Beide haben in der Galerie „Der Sturm“ von Herwarth Walden im Berlin der 1920er Jahre ausgestellt. Johannes Itten betrieb 1926 bis 1934 eine Kunstschule in Berlin, die ab 1929 als "Itten-Schule" in der Konstanzerstrasse 14 in Berlin beheimatet war. Gründe genug, die Ausstellung in Berlin zu zeigen.

Abbildung: Johannes Itten, Die Begegnung (1916); Kunsthaus Zürich © VG Bild-Kunst, 2013


22.03.2013 - 09.06.2013
Von Beckmann bis Warhol - Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Sammlung Bayer

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Die Sammlung Bayer zählt zu den ältesten Firmensammlungen Deutschlands. Als Bildungsmaßnahme für die Mitarbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts initiiert, umfasst sie heute 2.000 Werke. Obgleich die Werkliste keinen systematisch enzyklopädischen Charakter hat, liest sie sich wie das Who is Who des 20. und 21. Jahrhunderts. Arbeiten der großen Expressionisten wie Beckmann, Kirchner, Pechstein befinden sich ebenso darunter wie Grafiken und Gemälde von Pablo Picasso, Sam Francis, Joan Miró, Gerhard Richter, Andy Warhol, Andreas Gursky, Imi Knoebel, jungen Künstlern und ars viva-Preisträgern. Die Ausstellung präsentiert mit über 240 Arbeiten von 89 Künstlerinnen und Künstlern ein Stück Kunst- und Unternehmensgeschichte. Aus Anlass des 150-jährigen Firmen-Jubiläums wird die Sammlung erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Sammlungskonvolut kann grob in vier kunstgeschichtliche Bereiche unterteilt werden. Sie präsentiert den deutschen Expressionismus mit Arbeiten von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff. Die École de Paris umfasst die gesamte in Paris beheimatete Kunstszene der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wird mit Werken der Künstler George Braque, Marc Chagall, Joan Miró, Pablo Picasso repräsentiert.
Als Vertreter der Nachkriegs- und informellen Kunst ist Ernst Wilhelm Nay in der Sammlung vertreten. Mit seinen freien und spontanen Zeichnungen und seinen intuitiven Farbsetzungen nimmt der

Teilnehmer der documenta 2 und 3 eine Schlüsselposition in der deutschen Nachkriegskunst ein. Den Schwerpunkt bildet die Kunst von den 1970er-Jahren bis zur Gegenwart. Hier öffnet sich die Sammlung für amerikanische Künstler der Westküste wie David Hockney, Sam Francis und Ed Ruscha. Vertreten sind auch Leinwand-Arbeiten der deutschen Künstler Gerhard Richter, Albert Oehlen, Martin Kippenberger, Jan Voss sowie Fotografien von Thomas Ruff, Candida Höfer und großformatige Polaroids von Marina Abramović und Ulvi Ulay.

Den Grundstock der heutigen Sammlung legte Carl Duisberg, der von 1912 bis 1925 den Konzern als Generaldirektor leitete. 1909 beauftragte er Max Liebermann, ihn zu portraitieren. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurde gekauft, was gefiel und nicht zu teuer war. Ziel war es nicht, Kunst als Wertanlage zu kaufen und somit Geld befristet zu binden, sondern Mitarbeitern Kunstwerke zur Ausstattung ihrer Büros zur Verfügung zu stellen. Heute werden bestehende Sammlungslücken schrittweise geschlossen und so gesammelt, dass die vorhandenen Positionen verstärkt und neue Akzente gesetzt werden können. Erstmals wird ein Teil der ältesten privaten Kunstsammlungen Deutschlands außerhalb Leverkusens gezeigt.

In der Ausstellung sind Arbeiten folgender Künstler zu sehen:
Marina Abramović, Pierre Alechinsky, Karel Appel, Undine Bandelin, Ernst Barlach, Max Beckmann, Hubert Berke, Georges Braque, William Brauhauser, Werner Büttner, Ernst Caramelle, Marc Chagall, Eduardo Chillida, Roberto Cordone, John Coplans, Guillaume Corneille, Karl Fred Dahmen, Lynn Davis, Jan Dibbets, Otto Dix, Joseph Fassbender, Lyonel Feininger, Günther Förg, Sam Francis, Lee Friedländer, Giovanni da Bologna, Marven Graf, Andreas Gursky, Erich Heckel, Georg Herold, Sebastian Herzau, David Hockney, Candida Höfer, Gerhard Hoehme, Max Kaus, Martin Kippenberger, Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Klimsch, Imi Knoebel, Henning Kürschner, Henri Laurens, Zoe Leonard, Silke Leverkühne, Sol LeWitt, Max Liebermann, Adolf Luther, Gerhard Marcks, Ewald Mataré, Georg Meistermann, Mario Merz, Manolo Millares, Joan Miró, Ernst Mollenhauer, Henry Moore, Otto Mueller, Esther Müller, Michael Morrill, Ernst Wilhelm Nay, Martin Noel, Emil Nolde, Albert Oehlen, Markus Oehlen, Max Pechstein, Pablo Picasso, Otto Piene, Juan Hernández Pijuan, Gerhard Richter, Christian Rohlfs, James Rosenquist, Thomas Ruff, Ed Ruscha, Karl Schmidt-Rottluff, Tomas Schmit, Eva Schön, Werner Scholz, Bernard Schultze, Martin Schuster, Sean Scully, David Shapiro, Beate Slansky, Frank Stella, Antoni Tàpies, Hildegard Tolkmitt, Hann Trier, Ulvi Ulay (Gemeinschaftsarbeit mit M. Abramović), Jan Voss, Andy Warhol, Mario Weinberg, Zao Wou-Ki, Michelle Zalopany

Abbildung: Max Beckmann, "Orchideenstillleben mit grüner Schale" (© VG Bild-Kunst, Bonn 2012)


18.01.2013 - 14.04.2013
Margaret Bourke-White. Fotografien 1930 – 1945

Pressemitteilung
Margaret Bourke-White (1904-1971) war in der männlich dominierten Welt der Fotografen Amerikas ein Medienstar. Ihr Portrait in Fliegermontur während eines Bombereinsatzes, die Kamera lächelnd in der linken Hand, war ein beliebtes Motiv bei den Soldaten. Margaret Bourke-White musste für ihre Karriere stets kämpfen. Von verschlossenen Türen ließ sie sich nicht beeindrucken. Das Titelfoto der allerersten Life-Ausgabe vom November 1936 stammte von ihr, und der Einfachheit halber hatte sie auch gleich die Geschichte dazu geschrieben.

Die Ausstellung präsentiert das Werk der Fotografin mit 154 Aufnahmen, Briefen und Zeitschriften. Den Schwerpunkt bilden ihre Arbeiten, die in den 1930er und 40er-Jahren in der ehemaligen Sowjetunion, der ehemaligen Tschechoslowakei, Deutschland, England und Italien entstanden sind. Zudem werden die für Bourke-White charakteristischen Fotografien gezeigt, wie jene, die sie im Auftrag von Eastern Airlines und der Chrysler Corporation aufnahm. Im Dokumentationsteil werden einige ihrer Wort-Bild-Strecken der Fotomagazine

Fortune und Life zu sehen sein sowie Auszüge ihrer Briefwechsel mit Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, wie Winston Churchill und Georgia O’Keeffe.
Ihre Bilder zeugen von ihrem „unstillbaren Wunsch dabei zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird“, wie sie es selbst formulierte. Bourke-White wollte das „Auge der Zeit“ sein. Für das Life-Magazin, damals eines der bekanntesten und ambitioniertesten Magazine für Fotojournalismus, bereiste sie die ganze Welt.
Ihre Karriere begann 1927 in Cleveland. Dort fotografierte sie die Stahlgießereien der Stadt. Sie reiste nach Russland als der erste Fünfjahresplan umgesetzt wurde, sie dokumentierte die Dürrekatastrophen 1934 in den USA, die deutsche Invasion in Russland im Jahr 1941 und das Bombardement der Alliierten auf Deutschland. Als Auftragsarbeit für die Zeitschrift Life hielt sie im Sommer 1945 die zerstörten deutschen Städte fest. Bourke-White war bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zwangsarbeitslagers Leipzig-Mockau vor Ort. Ihr Foto „Die lebenden Toten von Buchenwald" ging um die ganze Welt.
Ihre Bilder zierten oft die Titelseiten der Magazine Fortune und Life, für die sie jahrelang arbeitete. Manchmal stand sie selbst in den Schlagzeilen, als etwa das Magazin Life am 22. Januar 1943 ihren Bericht über den Luftangriff auf den Flugplatz El Aouina in Tunis – den wichtigsten Luftwaffenstützpunkt der Deutschen für den Nachschub von Truppen aus Sizilien – unter dem Titel „Life`s Bourke-White goes Bombing“ veröffentlichte. Ihre Bilder stehen für eine Epoche.

(Foto: Margaret Bourke White / Masters by Getty Images © Time & Life / Getty Images)


12.01.2013 - 01.04.2013
Michael Schmidt – Lebensmittel

Pressemitteilung
Die Fähigkeit von Michael Schmidt, scheinbar widersprüchliche Elemente in seiner Fotografie in eine gültige Form zu übersetzen, weist ihm eine herausragende Position in der aktuellen Fotografie zu. Während er mit seiner immer neuen Herangehensweise an fotografische und gesellschaftliche Fragestellungen eine singuläre Stellung einnimmt, gelten sein innovatives projekthaftes Arbeiten und sein extremes Engagement als Vorbild für eine Generation jüngerer Fotografen.

Mit der Serie „Lebensmittel“ schließt der 1945 in Berlin geborene Michael Schmidt die Reihe seiner großen Projekte ab. Im Frühjahr 2012 wird nach fünf Jahren der Planung und Realisierung das fotografische Essay zur Verarbeitung von Lebensmitteln in Europa erstmals veröffentlicht.

Schmidt fotografiert seit 2006 in den Fischfarmen Norwegens, in Großbäckereien in Deutschland oder der apfelverarbeitenden Industrie in Italien. Ähnlich wie in der Serie „Irgendwo“, für die Schmidt die süddeutsche Provinz bereiste und den „Verlust von Zuhause als Ort von Identität“ (Schmidt) thematisierte, kommt es dabei auch in den Bildern des Projektes „Lebensmittel“ nicht auf den konkreten Ort der Aufnahme an: Der weitgehende Verlust des lokalen Bezuges der Produktion, Weiterverarbeitung und Konfektionierung von Lebensmitteln macht es für den Betrachter unmöglich zu entscheiden, ob sich zum Beispiel ein Schlachtbetrieb in Spanien, Frankreich oder England befindet.

Die Fotografien belegen im Gegensatz zu manchen älteren Serien des Künstlers keine Haltung von Wut oder Anklage. Vielmehr ist die Sichtweise Schmidts von äußerster Klarheit und Härte gekennzeichnet. Der Blick in die Brotkörbe, in die Käfige der Fischfarmen oder Apfelwaschanlagen erinnert in seiner seriellen Analytik bisweilen an die sachliche Fotografie der 1920er Jahre. Doch gerade der Widerspruch zwischen der latent optimistischen Haltung der klassischen Fotografen, die ihre Motive aus der industriellen Produktion in einer perfekten Ästhetik in Szene setzten, und der realistischen Sichtweise Schmidts hinterlässt bei der Gesamtschau auf das Projekt einen verstörenden Eindruck: Das Einzelbild fordert die sachliche Betrachtung, während die Serie durch ihre Komposition von Wiederholungen, Akzentuierungen und Taktungen sowie den vielfältigen Bezügen zwischen den Fotografien der scheinbar dominanten Sachlichkeit nachhaltig den Boden entzieht.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Snoeck Verlag
264 Seiten, Format 32 x 30 cm, 174 Abb. in Duoton und Farbe
An der Museumskasse: € 59,–
Im Buchhandel mit Schmuckschuber:
Subskriptionspreis € 97,– (bis 30. März 2012), danach € 128,–

Foto: Michael Schmidt: Ohne Titel, # 167
aus: LEBENSMITTEL
2006 – 2010
Fotografie, 54,1 x 81,8 cm
© Michael Schmidt


16.10.2012 - 06.01.2013
Regina Schmeken. Unter Spielern – Die Nationalmannschaft

Pressemitteilung
Für Regina Schmeken ist die Darstellung von Bewegung ein Schwerpunkt ihrer künstler-ischen Arbeit. Ihre seriellen Fotografien konzentrieren sich auf den entscheidenden Moment zwischen Stillstand und Aktion in Fußball, Tanz, Stabhochsprung oder Fechten. Die durch-trainierten Körper der Akteure gewinnen durch das Schwarz-Weiß der Aufnahmen eine skulpturale Qualität, die durch eine ungewöhnliche Komposition und Lichtführung verstärkt wird.

Seit 2004 fotografiert Regina Schmeken Fußballer bei Bundesliga- und Länderspielen in deutschen Stadien. Dabei konzentriert sie sich ganz auf die Akteure, auf grafisch klare Zei-chen und auf den entscheidenden Moment, der aus den komplexen Handlungsabläufen des Ballspiels isoliert wird.

Oliver Bierhoff, ehemaliger Nationalspieler und Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, zeigte sich beim Besuch einer Ausstellung der Künstlerin überrascht von diesem anderen Blick auf »seine« Disziplin. So ergab sich ein gemeinsames Projekt: Seit März 2011 begleitet die Fotografin die Nationalmannschaft zu internationalen Spielen, auch zur Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Die Ausstellung zeigt die Be-gegnung und das Spiel der Männer mit dem Ball wie eine Choreografie – gesehen aus einer besonderen Perspektive. Die ausgestellten Fotografien umfassen die Zeitspanne März 2011 bis Juni 2012.

Regina Schmeken fotografiert Schwarz-Weiß seit 1976. Von 1980 an stellt sie ihre Arbeiten regelmäßig aus und erhielt nationale und internationale Preise: Unter anderem 1978 den Prix de la Critique der Rencontres Internationales de la Photographie in Arles, Frankreich, und 1996 den Erich Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie.
Ihre Fotoarbeiten befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen, unter anderem in der Bibliothèque Nationale in Paris, im Museum of Modern Art in New York, der Pinakothek der Moderne und dem Lenbachhaus in München, sowie dem Museum für Fotografie in Berlin. Seit 1986 dokumentiert sie das Zeitgeschehen für die Süddeutsche Zeitung.

Foto: Deutschland-Niederlande, 3:0, Hamburg, 15.11.2011, Toni Kroos © Regina Schmeken


29.09.2012 - 03.12.2012
AES+F. Die Trilogie. Videokunst aus Russland

Pressemitteilung
Aus Anlass des Deutsch-Russischen Jahres präsentiert der Martin-Gropius-Bau eine im Jahr 2005 begonnene und 2011 beendete Video-Trilogie der Künstlergruppe AES+F aus Moskau. Das Werk besteht aus den Arbeiten Last Riot [Der Letzte Aufstand] (2005/2007), The Feast of Trimalchio [Das Gastmal des Trimalchio] (2009) und Allegoria Sacra [Religiöse Allegorie] (2011). Erstmals wird die Arbeit als Trilogie in Deutschland präsentiert.

Der erste Teil: Die Hölle
Der erste Teil der Trilogie entspricht der Hölle, deren Bildvorrat aus Gemälden der Barock-zeit und Videospielen stammt. Der Letzte Aufstand wurde als Beitrag Russlands auf der Biennale in Venedig 2007 gezeigt. Die Arbeit sorgte für großes Aufsehen und viele Diskussi-onen: Verschneite Berge neben trostlosen Stränden, neonfarbene Drachen auf Bohrinseln, Flugzeuge stoßen ohne Explosion zusammen und eine Gruppe attraktiver Teenager tut sich gegenseitig Gewalt ohne Auswirkungen an.

Der zweite Teil: Das Paradies
Das Gastmahl des Trimalchio wurde 2009 erstmals auf der Sydney Biennale präsentiert. Das Werk bezieht sich auf den fragmentarisch überlieferten Roman Satyricon des römischen Au-tors Petronius. Er schildert darin ein Gastmahl mit Luxus, Völlerei und Protz, zu dem der ehemalige, zu unermesslichem Reichtum gelangte Sklave Trimalchio lädt. Das Video-Werk, zu dessen Entstehung 120 Personen in Szene gesetzt wurden, zeigt eine Insel, ein hybrides Urlaubsparadies mit Sandstrand, Skipiste, exotisch-klassizistischer Architektur. Gäste aller Altersstufen erscheinen als Vertreter einer internationalen Oberschicht. Sie werden von ei-nem Heer überwiegend afrikanischer und asiatischer Diener in exotischen Uniformen be-dient. Von post-sowjetischer Ikonographie beeinflusst, findet mitunter ein Rollentausch zwi-schen Gästen und Dienern statt.

Der dritte Teil: Das Fegefeuer
Von Giovanni Bellinis Gemälde Allegoria Sacra wurde die Künstlergruppe bei der gleichna-migen Arbeit inspiriert, dem dritten Teil der Trilogie. Sie wurde auf der 4. Moskauer Biennale 2011 erstmalig vorgestellt und versinnbildlicht das Fegefeuer.

Bellinis Gemälde (Uffizien, Florenz) zeigt Maria wie auch Figuren aus christlicher und klassi-scher Mythologie. Der Heilige Sebastian, ein Zentaur, kleine Kinder, ein Muslim, ein Mann mit einem Schwert, der an den Apostel Paulus erinnert, zwei vornehme Damen, von denen eine die Heilige Katharina sein könnte, bevölkern die Videoinstallation. Sie alle sind auf einer Terrasse versammelt und schauen über einen See, der von Hügeln umgeben ist. Bellinis Werk stellt vielleicht das Fegefeuer am Ufer des Flusses Styx dar. Dort warten die Seelen auf das Jüngste Gericht. AES +F transferiert das Gemälde in einen futuristischen Cyber-space. Die gezeigten Charaktere agieren als Passagiere auf einem internationalen Flugha-fen.


AES+F

AES wurde als Gruppe 1987 von den Konzeptarchitekten Tatiana Arzamasova und Lev Ev-zovich und dem Designer Evgeny Svyatsky gegründet. 1995 kam der Fotograf Vladimir Frid-kes hinzu. AES+F arbeitet an der Schnittlinie zwischen Fotografie, Videokunst und Digital-technologie. Seit mehr als zehn Jahren werden ihre Werke weltweit auf Festivals wie der ARS Electronica (Linz), der Mediacity Seoul und der Video Zone (Tel Aviv) präsentiert sowie auf Biennalen in Adelaide, Gwangju, Istanbul, Lille, Melbourne, Sydney, Taipei, Toronto, Ve-nedig. Ihre Arbeiten sind in Sammlungen der großen europäischen Museen vertreten, wie dem Moderna Museet (Stockholm), der Tate Modern (London) und dem Centre Georges Pompidou (Paris).

Abbildung: AES+F, Allegoria Sacra, 2011. Courtesy Triumph Gallery


20.09.2012 - 19.12.2012
Dennis Hopper - The Lost Album. Vintage-Fotografien aus den 1960er Jahren

Pressemitteilung
Die Ausstellung zeigt ein spektakuläres Konvolut von über vierhundert Vintage-Fotografien von Dennis Hopper – entstanden in den 1960er Jahren. In fünf Kisten, vergessen und verborgen, sind sie nach seinem Tod ans Licht gekommen. Es gibt keinen Zweifel, dass diese Arbeiten definitiv jene sind, die Hopper aus der unendlichen Fülle der Fotografien, die zwischen 1961 bis 1967 entstanden sind, für seine erste große Fotografieausstellung persönlich ausgewählt hat. Die Aufnahmen doku-mentieren, wie er mit Henry T. Hopkins, dem damaligen Museumsdirektor, genau jene Arbeiten im Jahr 1969 im Fort Worth Art Center Museum, Texas, installiert. Noch nie sind diese Arbeiten in Europa gezeigt worden. Das nun aufgetauchte Kon-volut ist ein Schatz. Kleine Tafeln, manchmal rückseitig nummeriert, mit kurzen Notizen von Hoppers Hand und Spuren des Gebrauchs. Aufgezogen auf Karton, ohne Rahmen, ohne Glas, waren sie, befestigt durch kleine Holzleisten, direkt an die Wand montiert.

Es sind legendäre Bilder, spontan, intim und poetisch wie dezidiert politisch, scharf beobachtend; Dokumente einer aufregenden Epoche, ihrer Protagonisten und
Milieus. Diese Fotografien spiegeln die Atmosphäre jener Zeit. Sie sind illustre Zeugnisse der dynamischen kulturellen Szene Amerikas in den sechziger Jahren. Auf den Betrachter haben sie eine unwiderstehliche Anziehungskraft und nehmen ihn mit auf eine Reise in die Vergangenheit, oft in seine eigene Geschichte.

Viele dieser Bilder sind heute Ikonen: die Portraits von Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Paul Newman oder Jane Fonda. Darüber hinaus gibt es eine Fülle von The-men. Dennis Hopper ist interessiert an allem. Wo immer er ist, in Los Angeles, New York, London, Mexiko oder Peru, mit großem Einfühlungsvermögen, enthusiastisch und voller Neugierde beobachtet er aufmerksam. Er sucht und liebt den „essentiellen Moment“. Hopper hält die Genies seiner Zeit mit der Kamera fest: Schauspieler, Künstler, Musiker, Familie, Hells Angels und Hippies. Eindrucksvoll fotografiert er das „street life“ in Harlem, Friedhöfe in Mexiko und Stierkämpfe von Tijuana. Hopper begleitet Martin Luther King auf dem Marsch von Selma nach Montgomery/Alabama, und er transformiert in Bildern von großer Schönheit und Stille den Abstrakten Ex-pressionismus der Malerei in die Sprache der Fotografie.

Dennis Hopper
Dennis Hopper, geboren 1936 in Dodge City/Kansas, gestorben 2010 in Venice/Kalifornien, ist eine Kultfigur: Schauspieler, Regisseur, Künstler, Fotograf und Autor. In Filmen wie Easy Rider (1969), The Last Movie (1971) oder Out of the Blue (1980) trat er als Schauspieler auf. In zweien davon war er selbst Regisseur.
Als Sammler spielte er eine einflussreiche Rolle in der jungen Kunstszene von Los Angeles um Ed Kienholz, Ed Ruscha, Larry Bell oder Wallace Berman; kalifornische Avantgarde und Hollywoods Filmwelt begegneten sich durch ihn. Und Dennis Hopper war Fotograf. In der relativ kurzen Periode von 1961 bis 1967 entstanden Tausende von Fotografien.

(Foto: Paul Newman, 1964 (c)The Dennis Hopper Trust, Courtesy of the Dennis Hopper Trust)


31.08.2012 - 07.01.2013
Mythos Olympia - Kult und Spiele

Pressemitteilung
Erstmals stellt das Olympia-Museum aus Olympia über 600 wertvolle archäologische Werke in Berlin aus. Die Ausstellung ist dem antiken Olympia und seiner Geschichte wie Forschungsgeschichte gewidmet.

Foto: Statuenbasis mit Sportdarstellungen. Ausschnitt. Foto: National Archaeological Museum Athens


22.06.2012 - 24.09.2012
Diane Arbus

Pressemitteilung
Diane Arbus (New York, 1923–1971) hat die Kunst der Fotografie revolutioniert. Mit ihren kühnen Sujets und ihrem fotografischen Zugang schuf sie ein Werk, das in seiner Unverfälschtheit und im unentwegten Zelebrieren der Dinge, so wie sie sind, oftmals schockiert. Ihre Gabe, die uns besonders vertraut erscheinenden Dinge in etwas Fremdes zu verwandeln und das Vertraute im Exotischen aufzudecken, erweitert unser eigenes Selbstverständnis.

Die meisten ihrer Sujets findet Arbus in New York – einer Stadt, die sie sowohl wie etwas Vertrautes als auch wie ein fremdes Land erkundet und dabei die Menschen fotografiert, denen sie in den 1950er und 60er Jahren begegnet. Für sie ist die Fotografie ein Medium, das sich mit den Fakten anlegt. Ihre zeitgenössische Anthropologie – ihre Porträts von Paaren, Kindern, Jahrmarktartisten, Nudisten, Mittelklassefamilien, Transvestiten, Eiferern, Exzentrikern und Prominenten – stellt eine Allegorie der menschlichen Erfahrungen dar, eine Erkundung der Beziehung zwischen Schein und Identität, Einbildung und Glauben, Theater und Realität.

In dieser ersten großen Retrospektive zeigt der Martin-Gropius-Bau eine Auswahl von zweihundert Fotografien, die es ermöglichen, die Ursprünge, den Umfang und das Streben einer ganz originellen Kraft in der Fotografie zu kennenzulernen. Die Ausstellung enthält neben den berühmten Aufnahmen auch zahlreiche Bilder, die noch nie öffentlich ausgestellt wurden.

Dabei zeugen selbst die frühesten Arbeiten von der unverwechselbaren Sensibilität der Künstlerin: in einem Gesichtsausdruck, einer Körperhaltung, dem Lichteinfall und der persönlichen Bedeutung von Objekten in einem Raum oder einer Landschaft.
All diese Aspekte, belebt durch die einzigartige Beziehung zwischen der Fotografin und ihren Sujets, ziehen die Zuschauer mit der Kraft einer persönlichen Begegnung in den Bann.

Katalog
Diane Arbus: Revelations
Schirmer Mosel Verlag, Englisch / Hardcover
Buchhandelsausgabe € 58,00
ISBN: 978-3-8296-0089-7

Foto: Junger Mann mit Lockenwicklern zu Hause in der West 20th Street, N.Y.C., 1966
© The Estate of Diane Arbus


05.04.2012 - 09.07.2012
Baumeister der Revolution.
Sowjetische Kunst und Architektur 1915–1935
Mit Fotografien

Pressemitteilung
Die Ausstellung „Baumeister der Revolution“ lenkt den Blick auf einen Bereich der sowjetischen Avantgarde, der in Europa und darüber hinaus relativ unbekannt geblieben ist: die Architektur. Auch in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind die Namen der meisten Architekten weitestgehend vergessen. Ihre Bauten sind nicht in dem Maße Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden, wie es das „Neue Bauen“ im Westen ist.

Die Ausstellung stellt dieses beeindruckende Kapitel der Avantgarde auf ungewöhnliche Weise vor, indem sie drei inhaltliche Ebenen miteinander verschränkt. Ausgewählte Werke der frühen Avantgarde, u.a. von El Lissitzky, Gustav Kluzis, Ljubow Popowa, Alexander Rodtschenko oder Wladimir Tatlin zeigen die intensive Beschäftigung der Künstler seit 1915 mit Fragen von Form, Raum und Materialität.
Nach der Revolution engagierten sie sich in verschiedenen Gremien für die Umsetzung dieser Ideale wie 1919–20 in der Kommission für die Synthese von Malerei, Bildhauerei und Architektur.
Die Architekten Nikolai Ladowski, Wladimir Krinski, aber auch der Maler Rodtschenko schufen dort erste Entwürfe für die Stadtplanung und für Kommune-Häuser.

Tatlin projektierte 1919 das berühmte „Denkmal der III. Internationale“ – eine komplizierte Ingenieurskonstruktion mit beweglichen Räumen. Obwohl nicht gebaut, hat es mit seinem visionärem Potential und seiner dynamischen Formensprache die spätere Architektur des Konstruktivismus beeinflusst. Während die beeindruckenden Bilder und Zeichnungen aus der Sammlung Costakis aus Thessaloniki deutlich machen, welche Rolle das Architektonische bereits in den frühen künstlerischen Entwürfen spielte, geben Vintageprints aus dem Staatlichen Wissenschaftlichen Forschungsmuseum für Architektur A.W. Schtschussew in Moskau einen Eindruck vom architektonischen Aufbruch einige Jahre später. Die historischen Fotografien zeigen, dass die neuen Bauten nicht nur typologisch, sondern auch in ihren Dimensionen eine neue Zeit verkörperten: Sie überragten die alten urbanen Strukturen und waren ein Fanal der kommenden Industrialisierung und Umwälzung des Landes. Die Fotografien des renommierten britischen Architekturfotografen Richard Pare wiederum führen den Betrachter in die Gegenwart. Pare hatte 1993 begonnen, diese „verlorene Avantgarde“ wiederzuentdecken. Auf mehreren Reisen nach Moskau und nach St. Petersburg sowie durch die ehemaligen Sowjetrepubliken dokumentierte er, was von den Gebäuden noch erhalten ist. Seine Aufnahmen spüren deren Schönheit und den Erfindungsreichtum ihrer Erbauer auf und zeigen zugleich die Spuren des Verfalls. Damit zeichnen sie auch ein Bild der postsowjetischen Gesellschaft, die sich ihres außergewöhnlichen Erbes nicht bewusst ist.

Neu waren bei dieser Architektur nicht nur die Formensprache, sondern auch die Bauaufgaben: So entstanden mit dem Aufbau der neuen Gesellschaft Arbeiterclubs, Gewerkschaftshäuser, kollektive Wohnanlagen, Sanatorien für die Werktätigen, staatliche Großkaufhäuser, Partei- und Verwaltungsbauten, aber auch Kraftwerke und Industrieanlagen, um das Land zu modernisieren.

Der erste wichtige Bau nach der Revolution war der Schabolowka-Radioturm von Wladimir Schuchow. Er wurde von 191922 aus sechs übereinander montierten Hyperboloiden errichtet und war mit 150 Metern zu jener Zeit der höchste Turm in dieser Bauweise. Seine elegante, filigrane Struktur wurde Symbol der Überwindung des Alten und Schweren. Rodtschenkos bekannte Fotos des Radioturmes – heute Ikonen der Avantgardefotografie – betonen die Dynamik von unten nach oben. Pares Aufnahmen des Turmes zielen stärker auf die Details und rücken damit die Bauweise jener Zeit ins Blickfeld.

Die Leistungen russischer Ingenieure wie Schuchow beeinflussten mit ihren neuartigen technischen Konstruktionen die Entwicklung der Architektur, die den Funktionen entsprechend klare, geometrische Formen verwendete. Im Verlaufe der 1920er Jahre zeichneten sich dann zwei entscheidende architektonische Strömungen ab: der Rationalismus und der Konstruktivismus. Die Vertreter der ersten Strömung gründeten 1923 die Assoziation neuer Architekten (ASNOVA), ihr Hauptvertreter war Ladowski. Bei den Konstruktivisten spielte neben Alexander Wesnin Moisei Ginsburg eine große Rolle. 1925 vereinigten sich die konstruktivistischen Moskauer Architekten in der Gesellschaft moderner Architekten (OSA). Daneben gab es auch andere Strömungen und herausragende Einzelgänger wie Konstantin Melnikow. Trotz polemischer Auseinandersetzungen zwischen den Strömungen hatte sich bis Ende der 1920er Jahre ein modernes Bauen konsolidiert.

Im Zuge der Industrialisierung des Landes im Rahmen des ersten Fünfjahrplanes 1928–32 wurde die Entstehung neuer Städte vorangetrieben. Damit waren Fragen des Konzepts der Großstadt verbunden, für die unterschiedliche Lösungen vorgeschlagen wurden wie die „horizontalen Wolkenkratzer“ für Moskau von El Lissitzky oder die „Parabel“ als Grundschema der Stadtentwicklung von Ladowski. Etliche der von Pare fotografierten Gebäude wurden für kollektives Wohnen entwickelt. Der von Ginsburg und Ignati Milinis 1930 in Moskau errichtete Narkomfin-Wohnblock war eins der experimentellsten Projekte jener Ära. Er enthielt neben Wohnungen auf zwei Etagen auch eine gemeinschaftlich betriebene Kantine, eine Kindertagesstätte, eine Sporthalle und eine Waschküche. Weitere Bautypen zur Durchsetzung der kollektivistischen Lebensweise waren Großküchen, von denen drei im damaligen Leningrad von einer Gruppe um Josif Meerzon, Vertretern des Rationalismus, erbaut wurden. Arbeiterklubs und Kulturpaläste dienten vielfältigen Bildungsangeboten und symbolisierten im Stadtraum mit ihren dynamischen Formen die Rolle der neuen Klasse.

Als sich Mitte der 1930er Jahre das politische Klima in der Sowjetunion gravierend änderte und damit eine monumentale, sich am Klassizismus orientierende Bauweise protegiert wurde, endete dieses spannende Kapitel der Avantgarde und geriet in Vergessenheit.

Foto: Richard Pare, Shabolovka Radio Tower, 1998
Fotografie, 154,8 x 121,9 cm
© Courtesy Richard Pare and Kicken Berlin


23.03.2012 - 22.06.2012
ARTandPRESS

Pressemitteilung
Cézanne, Warhol, Picasso, Braque, Beuys und viele andere Künstler haben sich mit dem Medium Zeitung auseinandergesetzt, das ihre Werke beeinflusste oder inspirierte. Wie gehen Künstler heute damit um? Die Ausstellung ARTandPRESS im Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert wichtige Vertreter der aktuellen internationalen Kunstszene, die sich in ihren Arbeiten intensiv mit der heutigen Situation der Zeitung bei der täglichen Meinungsbildung und Informationsvermittlung und den damit in Zusammenhang stehenden Fragen von Wahrnehmung, Wirklichkeit und Wahrheit beschäftigen. Sie dokumentiert den vielfältigen Umgang von Künstlern mit dem Medium, zeigt Wechselwirkungen zwischen Kunst und Zeitung und versucht, die unterschiedlichen Wahrheitsbegriffe zu erfassen.

Rund 30 Künstler haben für ARTandPRESS Arbeiten aus ihrem Œuvre ausgewählt oder eigens für die Ausstellung realisiert. Hierzu gehören Positionen von Gilbert & George, Damien Hirst, William Kentridge, Anselm Kiefer und Gerhard Richter. Ebenso beschäftigen sich Künstler wie Christian Boltanski, Marlene Dumas, Olaf Metzel, Farhad Moshiri, Elisabetta Benassi, Rirkrit Tiravanija und Erwin Wurm mit der Thematik. Ein historischer Teil, präsentiert in digitaler Form, ergänzt die Ausstellung mit einer Dokumentation von Werken ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

ARTandPRESS ist ein Projekt der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn unter der künstlerischen Leitung von Walter Smerling. Zum wissenschaftlichen Beirat gehören Götz Adriani, Heiner Bastian, Siegfried Gohr, David Hornemann von Laer, Peter Iden und Norman Rosenthal. Verantwortlich für die Koordination ist Hans-Joachim Petersen.

Unterstützt wird ARTandPRESS vom Sponsor RWE AG. Als Medienpartner begleitet BILD in besonderer Weise das Thema und stellt umfangreich die Künstler und ihre Arbeiten vor.

Ein umfassender Katalog zur Ausstellung erscheint im Wienand Verlag.

Foto: Olaf Metzel: Und dann noch das Wetter, 2010
© VG Bildkunst Bonn, 2012, Foto: Roman Mensing artdoc


15.03.2012 - 10.06.2012
Pacific Standard Time
Kunst in Los Angeles 1950 – 1980

Pressemitteilung
Das Ausstellungsprojekt „Pacific Standard Time – Kunst in Los Angeles 1950-1980“ zeigt Entwicklungsprozesse der Kunstszene im Los Angeles der Nachkriegszeit. Die Stadt am Pazifik zeigt eine beeindruckend vielfältige und äußerst agile West-Coast-Kunstszene. Sie belegt damit, dass sie mehr ist als Hollywood und eine große Stadt im Land der Sonne und der Palmen. „Pacific Standard Time“ lenkt den Blick auf international vielbeachtete Künstler wie John Baldessari, David Hockney, Edward Kienholz oder Ed Ruscha als auch auf weniger bekannte Protagonisten wie die abstrakten Maler Helen Lundeberg und Karl Benjamin, Keramiker wie Ken Price oder John Mason oder Bildhauer wie DeWain Valentine.

Die Megaschau – in Los Angeles waren über 60 Institutionen und Galerien beteiligt – kommt mit den beiden wichtigsten Kernausstellungen des Getty Museum und Getty Research Institute nach Europa. Einzige europäische Station ist der Martin-Gropius-Bau in Berlin.

Jener Ausstellungsteil, der in Los Angeles im Getty-Museum unter dem Titel „Crosscurrents in L.A. - Painting and Sculpture 1950-1970“ zu sehen war, präsentiert Malerei und Skulptur. Im zweiten Teil, in Los Angeles zu sehen unter dem Titel „Greetings from L.A. – Artists and Publics 1950-1980“, werden Poster, Künstlerkataloge, Postkarten, Einladungskarten, und andere Memorabilia gezeigt, die einen tieferen Einblick in die Netzwerke der Kunstszene jener Zeit in Los Angeles erlauben. Für Berlin wird die Schau um Fotografien von Julius Shulman ergänzt. Seine Architekturaufnahmen prägten in den 1950 Jahren entscheidend das Bild des kalifornischen Lebensstils. Seine Sensibilität, sein intuitiver und unvergleichlicher Sinn für Komposition und den „entscheidenden Augenblick“ brachten ihm den Ruf eines Meisters seines Faches ein.

Erster Teil: Gegenströmungen
Der erste Teil der Berliner Schau vereint mehr als 70 Werke von über vierzig Künstlern. Er zeichnet den Aufstieg der südkalifornischen Kunstszene zwischen 1945 und 1980 nach. Die Namensliste liest sich wie das Who-is-who der heute international vielbeachteten Künstler. Künstler wie John Baldessari, David Hockney, Edward Kienholz, Bruce Nauman oder Ed Ruscha begannen dort ihre Karriere.

Die Ausstellung ist sowohl chronologisch als auch thematisch aufgebaut und umfasst sechs Abteilungen, die das gesamte Spektrum der in Los Angeles simultan vorkommenden Kunstrichtungen widerspiegeln. Abstrakte Arbeiten – Keramik-Skulpturen und nüchtern-klare Gemälde – sind in der ersten Abteilung zu sehen. Die zweite zeigt Assemblage-Plastiken und Collagen von Künstlern wie George Herms, Wallace Berman und Ed Bereal, die diesen künstlerischen Ansatz in den 1950er Jahren den Weg bereitet haben, und ihren Nachfolgern darunter viele afro-amerikanischen Künstler. Die dritte Abteilung belegt den Aufstieg von Los Angeles zu einem wichtigen Kunstzentrum, die vierte zeigt Gemälde von heute weltweit anerkannten Künstlern aus Los Angeles, wie Richard Diebenkorn, David Hockney und Ed Ruscha. Hier wird deutlich, dass Südkalifornien schon in den 1960er Jahren eines der führenden Zentren für großformatige Popkunst und abstrakte Malerei war. Der fünfte Bereich untersucht, wie Künstler in einer Zeit, da Malerei an der Atlantikküste der USA zunehmend an Bedeutung gewann, begannen, ihre Vorstellungen von traditioneller Malerei und Plastik zu erweitern. Wahrnehmungsphänomene und materielle Prozesse künstlerischer Produktion rücken in den Vordergrund. Hier finden sich auch Werke, die aus dem Aufeinandertreffen von Kunst und Technik entstanden. So etwa eine Plastik von DeWain Valentine, der Industriematerial wie Polyestergussharz verwendet oder eine Leinwand von Mary Corse, in die kleinste, hochgradig reflektierende Glaskugeln eingearbeitet sind. Vorgestellt wird auch eine Gruppe von Künstlern, deren Arbeiten Spuren ihrer Entstehung zeigen, wie von Joe Goode, Allan McCollum und Ed Moses, eine Gussharzarbeit von Peter Alexander oder eine Glasfaserskulptur von Bruce Nauman.

Zweiter Teil: Grüße aus Los Angeles
Im zweiten Teil der Ausstellung, erarbeitet vom Getty Research Institute, zeigt der Martin-Gropius-Bau über 200 Objekte – Fotografien, Künstlerkataloge, Bücher, Poster, Postkarten, Einladungen, Briefe, Kunstwerke, von denen viele zum ersten Mal öffentlich zu sehen sind. Veranschaulicht wird wie kalifornische Künstler durch Einbeziehung eines breiten Publikums Kunst und öffentliches Leben aufeinander bezogen. Auch wird aufgezeigt, mit welcher Intensität die internationalen Netzwerke der Künstlergruppen funktionierten.

„Greetings from L.A.“ beginnt mit „Making the Scene“ und beschreibt die Galerienszene in Los Angeles von den 1950er Jahren bis in die 1970er. Kunsthändler und Sammler werden vorgestellt, wie sie sich zum Beispiel am Le Cienega Boulevard zusammengefunden haben – Rolf Nelson, Riko Mizuno und Betty Asher. Auf diesem Boulevard, der den von Ed Ruscha verewigten Sunset Boulevard kreuzt, wurde der Ruf von Los Angeles als Stadt der modernen und zeitgenössischen Kunst mit begründet.

„Public Disturbances“ (Politische Störungen), die zweite Abteilung der Schau, ist drei wichtigen Ausstellungen gewidmet, die zu heftiger Kritik und sogar zu Verhaftungen führten. Die Ausstellung von Wallace Berman in der Ferus Gallery von 1957 wurde von der Polizei geschlossen. Heftige Kontroversen gab es über die Ausstellung „War Babies“ (1961) in der Huysman Gallery. Intensiv waren die Auseinandersetzungen zwischen dem Los Angeles County Museum of Art (LACMA) und dem Los Angeles County Board of Supervisors über die Einbeziehung von Kienholz’ Installation „Back Seat Dodge `38“ (1964) in seine große Retrospektive 1966.

Der Ausstellungsteil „Private Assembly“ (Private Ansammlungen), konzentriert sich auf die von Wallace Berman, George Herms, Charles Brittin und ihrem Zirkel in den 1950er und 1960er Jahren geschaffenen Werke. Die Intimität dieser Objekte erklärt sich nicht nur aus den unverwechselbaren Spuren der künstlerischen Handschrift, die sie tragen, sondern auch daraus, dass sie nur einem ausgewählten, nicht-öffentlichen Publikum zugänglich waren. Vorrangig außerhalb des kommerziellen Galeriebetriebs tätig, konzentrierte diese Gruppe von Assemblage-Künstlern ihre Energie auf private Kunstwerke, die sie als Zeichen der Freundschaft persönlich überreichten oder per Post zusandten.

Die vierte Abteilung „Mass Media“ stellt Künstler vor, die als Modell für ihre eigene künstlerische Praxis eher Massenmedien wählten. Ed Ruscha, Allen Ruppersberg und Chris Burden beschäftigten sich mit der Populärkultur und der Massenproduktion als alternative Produktions- und Distributionsmittel. Sie verwendeten unpersönliche Formen, wie z.B. kommerziell produzierte und als Konsumgüter verkaufte Objekte oder Werbemittel. Unter Umgehung konventioneller Ausstellungsräume erreichten diese Künstler ein neues Publikum. Sie traten häufig anonym auf, wodurch die Identität von Künstler und Werk sekundär wurde.

„Art School as Audience“ (Kunstschule als Publikum), der fünfte Abschnitt der Ausstellung, beleuchtet die wichtige Rolle der Kunstschulen in der Entwicklung zeitgenössischer Kunstformen. Sie dienten als ruhende Pole. Dort waren Künstler, das Publikum anderer Künstlerkollegen. CalArts und deren Vorgänger, das Chouinard Art Institute, waren zentrale Orte wichtiger Künstlergruppen, wie es an den Arbeiten von Studenten wie Ed Ruscha und Joe Goode und von Lehrern wie John Baldessari, Miriam Schapiro und Judy Chicago erkennbar ist. Andere wichtige Foren waren neue Fakultäten für Kunst, die an Hochschulen und Universitäten im County Los Angeles entstanden. Besonders auf dem Campus von Irvine oder San Diego fand sich ein stimulierendes Publikum für die Experimente von Künstlern wie Martha Rosler, Barbara Smith und Eleanor Antin.

Die letzte Abteilung, „The Art of Protest“ (Die Kunst des Protests), untersucht, wie gesellschaftliche und politische Entwicklungen die Künstler mobilisierten, ihre Arbeiten auf der Straße zu zeigen. In den 60er Jahren wurde Los Angeles Schauplatz der ersten von Künstlern angeführten Proteste gegen den Vietnamkrieg. Daraus entstand 1966, noch vor der Entstehung der Galerienstraße am La Cienega Boulevard, ein Peace Tower (Turm des Friedens). Im folgenden Jahrzehnt war es der Feminismus, der viele Künstler zu gesellschaftlichen Interventionen veranlasste, wie man an der Arbeit von Suzanne Lacy und Leslie Labowitz-Starus „In Mourning and in Rage“ von 1977 sieht, einer vielbeachteten, auf den Stufen des Rathauses aufgeführten Protestperformance.

„Greetings from L.A.“ bietet einen neuen Blick auf die Kunst in Südkalifornien, indem sie zeigt, wie Künstler dieser Region die konventionellen Beziehungen zwischen Kunst und Publikum änderten und Alternativen für eine öffentliche Rolle der Kunst und ihren Platz in der Gesellschaft entwickelten.

Die Ausstellung gibt Einblicke in einige erst kürzlich erworbenen Archive wie die von Betty Asher, Hal Glicksman, George Herms, Wolfgang Stoerchle, des Magazins „High Performance“, der Galerien von Rolf Nelson, Mizuno und Jan Baum sowie in die Papiere von Charles Brittin und Edmund Teske. Ergänzt werden diese durch Material aus Archiven, die nicht immer mit Südkalifornien in Verbindung gebracht werden, wie die Papiere der Kunstkritiker Irving Sandler, Barbara Rose und Lawrence Alloway aus New York, der Gründerin und Kuratorin des New Museum Marcia Tucker sowie der Kasmin Gallery in London.

Dritter Teil: Julius Shulman
Der letzte Teil der Berliner Ausstellung zeigt über 50 Fotografien von Julius Shulman – dem bedeutendsten Architekturfotografen der amerikanischen Nachkriegsfotografie. Mehr als dreißig Jahre fotografierte er Häuser der Moderne, von Richard Neutra, Frank Lloyd Wright, Frank O’Gehry – viele machte er dadurch zu Ikonen der Architektur. Die Ausstellung zeigt Schlüsselwerke seines Schaffens.

Liste der beteiligten Künstler
Peter Alexander, John Altoon, John Baldessari, Larry Bell, Billy Al Bengston, Karl Benjamin, Ed Bereal, Wallace Berman, Cameron, Vija Celmins, Judy Chicago, Mary Corse, Ronald Davis, Richard Diebenkorn, Melvin Edwards, Frederick Eversley, Lorser Feitelson, Llyn Foulkes, Sam Francis, Joe Goode, Robert Graham, Frederick Hammersley, George Herms, David Hockney, Stephan von Huene, Craig Kauffman, Edward Kienholz, Helen Lundeberg, John Mason, Allan McCollum, John McCracken, John McLaughlin, Ron Miyashiro, Ed Moses, Lee Mullican, Bruce Nauman, Helen Pashgian, Ken Price, Noah Purifoy, Ed Ruscha, Betye Saar, Henry Takemoto, DeWain Valentine, Peter Voulkos, Gordon Wagner, Norman Zammitt

Foto: David Hockney. A Bigger Splash, 1967, Acryl auf Leinwand, 96 x 96“ © David Hockney, Collection: Tate Gallery, London, 2011


15.10.2011 - 18.03.2012
Ai Weiwei in New York – Fotografien 1983-1993

Pressemitteilung
Der Martin-Gropius-Bau zeigt erstmals in Deutschland über 220 Fotografien aus der Zeit von 1983 bis 1993, die der chinesische Künstler Ai Weiwei in New York verbrachte. Über 10.000 Aufnahmen entstanden damals. Ai hat eine Auswahl getroffen und die Ausstellung kuratiert. Für den jungen Ai, geboren 1957, war der lange Aufenthalt in den USA stilprägend für seine weitere künstlerische Laufbahn. Aus New York kehrte Ai erst wieder nach China zurück, als sein Vater, der in China hochberühmte Schriftsteller Ai Qing – jedes Schulkind lernt seine Gedichte auswendig – im Sterben lag.

Heute ist Ai Weiwei der bekannteste chinesische Künstler der Gegenwart. In New York war er befreundet mit Allen Ginsberg. Viele der heute in China berühmten Künstler besuchten ihn damals dort. Ai fotografierte sie. Er lernte die Arbeiten von Joseph Beuys kennen, dessen Vorstellungen von Sozialer Plastik im heutigen Werk von Ai erkennbar ist. Andy Warhol beeinflusste ihn.

In New York, Ai war damals noch nicht berühmt, lebte er in einer winzigen Wohnung im Stadtteil East Village. Er war aktives Mitglied der chinesischen Künstler- und Intellektuellengemeinde in der Avantgarde-Szene des Viertels. In den 1980er Jahren war New York für die Künstler aus China auch ein Ort der Befreiung von jenen Repressionen, denen sie in ihrer Heimat ausgesetzt waren. Nach dem Tod von Mao Tse-tung im Jahre 1976 wurden die Verhältnisse für die Künstler Chinas zwar etwas freier, doch noch immer regier(t)en im Land rigide Vorstellungen von dem, was Kunst zu sein und wem Kunst zu dienen habe.

Mit seiner Kamera fing Ai das Leben im New York der 1980er Jahre ein. Einzigartige Dokumente einer künstlerisch und politisch aufregenden Zeit entstanden, wahrgenommen mit den Augen eines Künstlers aus China. Auch Anfänge der Konzeptkunst Ai Weiweis sind in den Aufnahmen erkennbar. Die Sujets sind vielfältig wie das Leben in New York: Bilder von Straßenschlachten im Tompkins Square Park, Transvestiten beim Wigstock-Festival, Porträts von chinesischen und amerikanischen Künstlern, Intellektuellen und Freunden.

Viele Jahre schienen die Fotografien vergessen. Tausende oft nicht entwickelte Negative schlummerten in einem alten Karton.1993, nach Ai Weiweis Rückkehr nach China erzählte er dem chinesischen Künstler Rong Rong von deren Existenz und es ist ihm zu verdanken, dass Ai einer Ausstellung im Three Shadows Photography Art Centre Beijing im Jahr 2009 zustimmte. Im Sommer 2010 erschien eine erste unter Mitwirkung von Christophe W. Mao und der Mattawin Company geförderte Publikation in China.

Die erste Präsentation in Beijing wurde von Ai Weiwei kuratiert – assistiert von Rong Rong und der Künstlerin inri – und auf der zweiten Station in New York unverändert gezeigt. Der Martin-Gropius-Bau Berlin übernimmt die Austellungsinszenierung von Ai Weiwei. Die Fotografien fügen sich zu einer Künstlerinstallation zusammen, die persönliche Erfahrungen, Gedanken und Eindrücke des Künstlers nachzeichnet.

Über Ai Weiwei
Ai Weiwei wird 1957 als Sohn des Schriftstellers Ai Qing geboren. Als dieser 1958 bei der kommunistischen Regierung in Ungnade fällt, wird er nach Xinjiang in die Verbannung geschickt. Ai erlebt die Demütigung des Vaters in dieser von Peking 3.000 Kilometer entfernten Provinz. Erst 1978 wird Vater und Sohn erlaubt, nach Beijing zurückzukehren. Ai schreibt sich im gleichen Jahr an der Filmakademie in Beijing ein, wo er gemeinsam mit den heute vielbeachteten Filmregisseuren wie Chen Kaige und Zhang Yimou studiert. Er gründet 1979 mit anderen die avantgardistische Künstlergruppe „Stars Group“, die von offizieller Staatskunst in jener Zeit der Reformen nichts wissen will. Ai beteiligt sich auch an jener berühmten „Mauer der Demokratie“, die 1978 mitten in Beijing entsteht. Der damals 28jährige Wei Jingsheng, der heute im Exil in den USA lebt, forderte in Wandzeitungen eine „fünfte Modernisierung“ – mehr Demokratie und mehr individuelle Freiheiten. Die „Mauer“ wurde jedoch schon Ende 1979 verboten, weil die kommunistische Partei um ihr Machtmonopol fürchtet. Wei wurde zu 15 Jahre Gefängnis verurteilt. Erst auf Druck der USA erlaubte man ihm 1997 die Ausreise ins Exil. Ai lebt zwischen 1981 und 1993 in den USA und studiert in New York an der Parsons School of Design. 1993 kehrt Ai nach Peking zurück, wo er seitdem lebt. Die kritische Haltung seiner frühen Jahre hat Ai nie aufgegeben. Als Liu Xiaobo, der 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, weil er in der Charta 08 ebenfalls mehr Demokratie und mehr individuelle Freiheiten forderte, 2010 den Friedensnobelpreis erhielt, lobte Ai, der mit Liu gut bekannt ist, die Entscheidung als Ermutigung für alle in China, die sich für die elementaren Menschenrechte einsetzen.

Seine Kunst hat Ai immer als politisch verstanden: Konzeptkunst, Performance, Fotografie – die Breite seiner künstlerischen Ausdrucksformen halfen, ihn zum wichtigsten Künstler Chinas zu machen. Duchamp, Dadaismus, Soziale Plastik und Andy Warhol beeinflussten ihn. Sein Blog ist als erfolgreiches Buch auf dem Markt in Europa und Amerika. Seine Ausstellungen in USA, Europa und Asien sind legendär. Seine Beteiligung an der documenta 12 im Jahr 2007 machte ihn in Deutschland populär. Sein Werk ist in vielen wichtigen Museen der Welt vertreten: in der Tate Modern in London, im Museum of Modern Art New York, in den Staatlichen Museen zu Berlin, in San Francisco und Los Angeles.

Als Ai Weiwei im April am Flughafen Beijing wegen seiner künstlerisch-subversiven Aktivitäten verhaftet und für über 80 Tage in einem geheimen Gefängnis festgehalten wurde, ging ein Aufschrei durch die Kunstwelt. Eine vom Guggenheim Museum New York initiierte Unterschriftenliste wurde von über 140.000 Personen gezeichnet. Der von Alexander Ochs und Freunden initiierte Berliner Appell „Freiheit für Ai Weiwei“ wurde in Deutschland von über 4000 Personen, darunter Günter Grass, Durs Grünbein, Rosemarie Trockel, Norbert Bisky, Tobias Rehberger sowie vielen anderen Schriftstellern, Künstlern und Museumsleuten unterschrieben. Die Akademie der Künste in Berlin wählte Ai zum Mitglied. Prominente Künstler wie Daniel Buren, Olafur Eliasson, Luc Tuymans und Anish Kapoor setzten sich für seine Freilassung ein. Mittlerweile hat man Ai Weiwei erlaubt, in seinem Studio in Beijing zu leben, aber er darf weder mit der Presse reden noch die Stadt verlassen. Frei ist Ai Weiwei noch immer nicht. Wei Jingsheng kommentierte die Situation auch der Künstler in China kürzlich in der New York Times: noch immer regiere in China nicht das Gesetz sondern die Willkür der Staatsmacht.

Katalog
Die Ausstellung mit Ai’s Fotografien aus seiner New Yorker Zeit zeigt den Beginn einer großen künstlerischen Karriere.
Der Katalog erscheint im Distanz Verlag als Softcover mit Leinenbezug, 28 x 28 cm, Deutsch/Englisch/Chinesisch und umfasst 336 Seiten mit Bildtafeln aller ausgestellten Fotografien, Essays und Interviews. Der Katalog kostet in der Ausstellung 28 €, im Buchhandel 39,95 € (ISBN 978-3-942405-50-8).


25.09.2011 - 27.11.2011
W. Eugene Smith – Fotografien
Eine Retrospektive

Pressemitteilung
W. Eugene Smith, geboren 1918 in Wichita / Kansas und gestorben 1978 in Tucson / Arizona, hat sich seit den 1940er Jahren als politisch und sozial engagierter Fotojournalist in den USA einen Namen gemacht. Viele seiner Bildreportagen sind bei Life erschienen, dem wichtigen Magazin für Fotojournalismus, das 1936 in New York gegründet wurde. Smith sah in der Fotografie mehr als nur die Illustration zu einem Text und hat oft bei den Redakteuren mehr Mitsprache beim Gestalten eines Fotoessays eingefordert. Seine immens aufwendig recherchierten und emotional bewegenden Reportagen setzten in den 1940er und 1950er Jahren neue Maßstäbe für die fotojournalistische Praxis.

Bereits als Fünfzehnjähriger begann Smith zu fotografieren, angeregt von seiner Mutter, einer passionierten Hobbyfotografin. Nach dem Selbstmord seines Vaters in Folge der Wirtschaftskrise, studierte Smith zunächst 1936 an der University of Notre Dame, Indiana. Er träumte davon, Fotograf zu werden und zog nach New York. Dort besuchte er das New York Institute of Photography. Seinen beruflichen Einstieg fand er 1937 als Fotoreporter bei Newsweek.

Ein Jahr später wurde er freier Mitarbeiter für die Agentur Black Star und seine Aufnahmen erschienen bei Harper’s Bazaar, Collier’s, Time und bei Life. Mit Life entwickelte sich daraufhin eine mehrjährige, umfangreiche Zusammenarbeit.

Nach Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg fertigte Smith zunächst für das Magazin Parade Propagandaaufnahmen zur Unterstützung der US-amerikanischen Truppen. Dann, als Korrespondent des Magazins Flying, nahm er an Aufklärungsflügen teil und fotografierte aus der Luft. 1944 wurde er erneut bei Life - dieses Mal als Kriegskorrespondent - angestellt und hielt die Schlacht von Saipan und die Landungen der Amerikaner auf den Inseln Iwojima und Okinawa fest. Im Zuge der Kämpfe veränderte sich der Stil seiner Aufnahmen: Statt enthusiastischer Darstellungen zeigte er das immense Leid der Zivilbevölkerung und entwickelte eine Bildperspektive, die den Betrachter emotional einbezog. Smith wurde am 22. Mai 1945 selbst schwer verletzt und musste bis 1947 mehrere Operationen über sich ergehen lassen.
Den symbolischen Neubeginn verkörperte für ihn das erste Foto nach seiner Verwundung. A Walk to Paradise Garden zeigt seine beiden jüngeren Kinder beim Betreten einer sonnendurchfluteten Lichtung. „Während ich meinen Kindern ins Unterholz und zu der Gruppe höherer Bäume folgte - wie sie sich an jeder ihrer kleinen Entdeckungen erfreuen konnten! – und sie betrachtete, wusste ich auf einmal, dass ich trotz alledem, trotz aller Kriege und aller Niederlagen an diesem Tag, in diesem Augenblick ein Sonett auf das Leben und auf den Mut, es weiterzuleben, anstimmen wollte.“ (1954)

Nach seiner Genesung arbeitete er erneut für Life. Besonders Dokumentationen, die das engagierte Wirken einfacher Menschen zeigten, beeindruckten die Leser. In The Country Doctor (erschienen 1948) begleitete er mehrere Wochen einen jungen Landarzt aus der Nähe von Denver bei seiner Arbeit. Sein Beitrag Nurse Midwife (erschienen 1951) über die schwarze Hebamme Maud Callen entstand vor dem Hintergrund von Rassendiskriminierung und des aktiven Wirkens des Ku-Klux-Klans im Süden der USA. Smith veränderte beim Entwickeln der Abzüge die Lichtregie, um die emotionale Atmosphäre - zum Beispiel während einer Geburt - zu verdichten und um Anteil an der aufopfernden Arbeit der Hebamme zu wecken. Sein soziales Engagement fand jedoch nicht immer Zustimmung wie bei der unveröffentlichten Reportage (1950) über die Kampagne zur Wiederwahl von Clement Atlee, dem Kandidaten der britischen Labourpartei. Life gedachte mit dem Bericht indirekt die Position der Liberalen zu stärken, indem die Folgen der staatlichen Wirtschaftspolitik unter Atlee kritisch dargestellt würden. Smiths Berichterstattung weckte jedoch Sympathie für Atlees Programm und den Kandidaten selbst. Mit der Reportage Spanish Village (erschienen 1951) hatte Smith mehr Erfolg. Er wollte einen Eindruck von den Lebensverhältnissen in einem faschistischen Regime vermitteln. Nach Erhalt der nötigen Fotoerlaubnis recherchierte er zwei Monate vor Ort und wählte ein abgeschiedenes Dorf in der Extremadura für die Aufnahmen aus. Etliche der Fotografien erinnern mit ihrem strengen Helldunkel und ihrer klar gebauten Komposition an malerische Vorbilder und vermitteln mittels dieser Stilisierung ein Gefühl für die Schwere und auch die Schönheit des dortigen Lebens.

Smiths Beitrag über Albert Schweitzers Wirken in Lambaréné sollte der letzte für Life werden: Die fehlende Mitsprache bei Bildauswahl und Layout waren für ihn nicht mehr hinnehmbar und er verließ die Zeitschrift nach Erscheinen des Essays A Man of Mercy im November 1955.

Eine berufliche Alternative bot die Mitgliedschaft bei Magnum, der 1947 gegründeten Agentur für Fotografen. Im Auftrag von Stefan Lorant begann Smith eine umfassende Reportage über die Stadt Pittsburgh und ihre Eisenhütten, die ihn die nächsten Jahre beschäftigte und an seine finanziellen und persönlichen Grenzen brachte. Statt der mit Lorant verabredeten 100 Abzüge entstanden 13.000 Aufnahmen, aus denen er einen Essay komponierten wollte, der ganz seinen Überzeugungen entsprach. 1958 wurden 88 Fotografien im Popular Photography’s Annual publiziert, als Gesamtwerk ist der Essay nie erschienen.

1957 hatte sich Smith, der für seinen exzessiven Arbeitsstil bekannt war, von seiner Familie getrennt und war in die Sixth Avenue, 821, in New York gezogen. In dem Haus verkehrten und probten viele bekannte Jazzmusiker und Smith, der ein begeisterter Musikliebhaber war, fotografierte und dokumentierte während der nächsten Jahre dieses kreative Umfeld. So zeichnete er die Arbeitsatmosphäre auch auf 1740 Tonbändern auf, die erst 1998 in seinem Nachlass gefunden wurden. Außerdem fotografierte er von seinem Fenster aus Straßenszenen und arbeitete zeitgleich über den Bau einer psychiatrischen Klinik in Haiti.

Ein Auftrag der Cosmos PR Agentur, das Unternehmen Hitachi Ltd. zu fotografieren, führte Smith 1961 für ein Jahr nach Japan. In seinem 1963 erschienenen Buch stellte er den Kontrast zwischen dem modernen Japan und den tief verwurzelten Traditionen in den Mittelpunkt. Ein Jahrzehnt später widmete er sich mit der erschütternden Serie über die Minamata-Krankheit erneut der forcierten Modernisierung Japans und ihren schwerwiegenden Folgen. Grund für die Erkrankungen war die vom Chemiekonzern Chisso verursachte Umweltverschmutzung: Der Konzern hatte quecksilberhaltiges Abwasser in der Nähe der Stadt Minamata ins Meer geleitet. Das Komitee zur Verteidigung der Opfer beauftragte Smith, die humane und ökologische Katastrophe zu dokumentieren und der Fotograf, der sich persönlich sehr für dieses Projekt engagierte, zog mit seiner zweiten Frau, Aileen Mioko Smith, nach Minamata. Während seiner Recherchen wurde er vom Werkschutz verprügelt und schwer verletzt. Mit seinen Bildern, die bei Life und in seinem Buch A Warning to the World ... Minamata veröffentlicht wurden, trug er wesentlich zur Publikmachung und Aufklärung des Falles bei.

Smith fotografisches Werk wurde mit Beginn der 1970er Jahre zunehmend museal gewürdigt. Sein Foto A Walk to Paradise Garden hatte Edward Steichen für die Ausstellung The Family of Man (1955) als symbolgebendes Schlussbild gewählt, doch erst 1971 fand die erste Retrospektive Let Truth Be the Prejudice im Jewish Museum in New York statt. 1977 zog der schwer kranke Smith nach Tucson / Arizona und übernahm an der dortigen Universität im letzten Lebensjahr eine Lehrtätigkeit.
Im Center of Creative Photography in Tucson ist sein Nachlass archiviert. Das International Center of Photography, New York, vergibt seit 1980 in Anerkennung von Smiths humanen Engagement das W. Eugene Smith Memorial Fund-Stipendium.


23.09.2011 - 09.01.2012
Polen – Deutschland. 1000 Jahre

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Das Warschauer Königsschloss erarbeitet gemeinsam mit dem Martin-Gropius-Bau Berlin die Ausstellung „Polen – Deutschland. 1000 Jahre“, die vom 23. September 2011 bis 9. Januar 2012 in Berlin gezeigt wird. Anlass ist die polnische EU-Ratspräsidentschaft, die im Juli des Jahres 2011 beginnt. Die Ausstellung wird durch das Ministerium für Kultur und Nationales Erbe der Republik Polen und den Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien ermöglicht. Das Ausstellungsprojekt wird von einem wissenschaftlichen Beirat unter der Leitung von Prof. Wladyslaw Bartoszewski inhaltlich begleitet. Chefkuratorin ist die polnische Kunsthistorikerin Anda Rottenberg, die bereits als Kuratorin zahlreicher international beachteter Ausstellungen und als langjährige Leiterin der Nationalgalerie für moderne Kunst Zacheta in Warschau tätig war.

Polen und Deutschland blicken auf eine gemeinsame, mehr als 1000-jährige Geschichte zurück. Die komplexe Geschichte dieser Nachbarschaft ist vor allem von bedeutenden politischen Ereignissen geprägt, welche die grundlegenden kulturellen Gemeinsamkeiten zwischen beiden Ländern oft in den Hintergrund treten ließen. Zahlreiche gegenseitige Einflüsse zeigen sich in Wirtschaft, Kultur, Religion und Sprache. Sowohl das deutsche als auch das polnische kulturelle Gedächtnis sind bisweilen von Emotionen und Vorurteilen bestimmt. Dennoch herrscht auf beiden Seiten der Oder Einigkeit darüber, dass vor 20 Jahren ein neuer Prozess des gegenseitigen Kennenlernens begonnen hat, der die Grundlage für eine beständige Freundschaft sein wird. Die Ratspräsidentschaft Polens in der Europäischen Union bietet eine außergewöhnliche Gelegenheit, diesen für Europa wichtigen Dialog durch eine Ausstellung in der deutschen Hauptstadt zu vertiefen. Zum ersten Mal wird darin die 1000-jährige Geschichte der wechselseitigen Beziehungen von Polen und Deutschland umfassend dargestellt.

Die Ausstellung „Polen – Deutschland. 1000 Jahre“ wird im Martin-Gropius-Bau Berlin, einem der führenden internationalen Ausstellungshäuser, gezeigt. In 20 Sälen, die das gesamte Erdgeschoss des Gebäudes einnehmen und eine Gesamtfläche von 3200 Quadratmetern umfassen, werden etwa 800 Exponate ausgestellt – darunter etwa 250 Gemälde, 30 Skulpturen, 60 Inkunabeln, 80 Handschriften und 60 Grafiken. Neben diesen traditionell als Kunstwerke verstandenen Exponaten werden zusätzlich etwa 70 Dokumente, 100 kunsthandwerkliche Objekte, 150 Fotografien, Filmmaterial, Bücher und Beispiele aus der Musik gezeigt. Die Leihgaben sind dabei Zeugnisse der zivilisatorischen, geistig-wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklungen Polens und Deutschlands und verdeutlichen die Einbettung beider Staaten in einen europäischen Kontext. Die Exponate stammen aus bedeutenden Museen und privaten Sammlungen aus Polen, Deutschland und vielen europäischen Ländern.

Jährlich werden im Martin-Gropius-Bau zwischen 15 und 20 Ausstellungen präsentiert. Museen in aller Welt, staatliche Institutionen und private Leihgeber öffnen ihre Schatzkammern und schicken ihre bedeutendsten Werke auf die Reise nach Berlin. Seit 2001 wurden über 4,9 Millionen Besucher in 112 Ausstellungen gezählt. Außergewöhnliche Themenausstellungen zur Kulturgeschichte und spektakuläre archäologische Ausstellungen mit neuesten Forschungsergebnissen bilden mit den Bereichen Kunst und Fotografie die wichtigen Säulen im Programm des Martin-Gropius-Baus. Zu nennen sind hierbei die großen Projekte „Moskau – Berlin / Berlin – Moskau 1900 – 1950“ (1995), „Marianne und Germania 1789 – 1889. Frankreich und Deutschland. Zwei Welten – Eine Revue“ (1996), die Europaratsausstellung „Europas Mitte um 1000“ (2001) sowie „Ägyptens versunkene Schätze“ (2006) und „Teotihuacan. Mexikos geheimnisvolle Pyramidenstadt“ (2010). Das Werk hervorragender Künstlerinnen und Künstler wurde vorgestellt: „Sophie Calle“ (2004), „Günther Uecker – Zwanzig Kapitel“ (2005), „Rebecca Horn: 1964 – 2006“ (2006), „Frida Kahlo – Retrospektive“ (2010) und „Olafur Eliasson: Innen Stadt Außen“ (2010).

Katalog
Zur Ausstellung „Polen – Deutschland. 1000 Jahre“ erscheint eine umfangreiche Publikation in deutscher und polnischer Sprache unter der wissenschaftlichen Redaktion der polnischen Kunsthistorikerin Prof. Malgorzata Omilanowska. Der etwa 800seitige, reich illustrierte Katalog wird Essays herausragender Fachleute aus Deutschland und Polen sowie von bekannten Gastautoren aus anderen Ländern enthalten. Wir bemühen uns um Beiträge unter anderem von W?adyslaw Bartoszewski, Norman Davies und Maria Janion.


26.08.2011 - 24.10.2011
Hokusai – Retrospektive

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Zum ersten Mal ist dem weltweit berühmten japanischen Künstlers Hokusai (1760–1849) in Deutschland eine große Retrospektive gewidmet. Sein wohl bekanntestes Bild ist ein Holzschnitt: „Die große Welle bei Kanagawa“ aus der Serie: „36 Ansichten vom Berg Fuji“ (1823–29). Über 350 Leihgaben, die bis auf wenige Ausnahmen aus Japan kommen, werden in der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen sein. Seiji Nagata, der bedeutendste japanische Kenner des Werkes von Hokusai, kuratiert die Ausstellung, die exklusiv nur in Berlin zu sehen ist.

Werke aus allen Schaffensperioden, Holzschnitte und Zeichnungen, illustrierte Bücher und Malerei werden gezeigt. Mit einer Umfrage erkundete im Jahre 2000 das Magazin Life, wer die bedeutendsten Künstler der Kunstgeschichte weltweit seien. Hokusai kam auf Platz 17, noch vor Picasso. In der Ausstellung, welche die gesamte, mehr als 70jährige kreative Zeit Hokusais umfasst, kann man sich von der Genialität dieses großen Künstlers überzeugen. Über dreißig Künstlernamen gab er sich im Laufe seines Lebens. Unter einem dieser Namen – Hokusai – ist er heute weltbekannt. Sein vollständiger Name war Hokusai Katsushika.

Im Jahre 1760 wird Hokusai in Honjo, einem Stadtteil von Edo geboren. Honjo ist heute ein Teil des Stadtbezirks Sumida in Tokyo. Edo hatte man nach der Meiji-Restauration 1868 in Tokyo umbenannt. Die Stadtverwaltung von Sumida plant, dem weltberühmten Künstler, der den größten Teil seines Lebens in Edo verbracht hat, ein neues Museum zu widmen. Teile jener für das Museum vorgesehenen Sammlung sind nun für einige Wochen in Berlin zu sehen. Viele der Werke haben Japan noch nie verlassen.

Hokusais Vater kam aus jenem Ort Uraga in der Nähe von Edo, vor dessen Küste im Juli 1853, vier Jahre nach Hokusais Tod, der amerikanische Commodore Perry mit seinen „Schwarzen Schiffen“ auftauchen sollte, um die seit 1635 bestehende Abschließungspolitik (Sakoku) Japans mit Gewalt zu beenden. Adoptiert wird Hokusai zeitweise von seinem Onkel, einem Spiegelmacher, der für den Hof des Shogun arbeitet. Mit sechs kann er zeichnen. Mit zwölf arbeitet er in einer der vielen Bibliotheken von Edo, die gedruckte Bücher verleihen. Bereits mit achtzehn ist er ein Meister im Holzschnitt. Der vielfarbige Farbholzschnitt, der Druck eines Blattes mit drei und mehr Druckplatten, wird in Japan seit den 1740er Jahren angewandt und in den 1790er Jahre einen ersten Höhepunkt erreichen – Hokusai hat einen großen Anteil daran. Mit bis zu 70 Farb-Platten für einen einzigen Holzschnittdruck arbeiten einige Künstler damals. Doch mit 22 Jahren will Hokusai eher Zeichner als Holzschneider sein. Die japanischen Papierhersteller und Verleger hatten sich klugerweise damals auf die Herstellung von nur zwei Papierformaten (oban und chuban) geeinigt – ein Rationali¬sierungsschub, der hohe Druckauflagen zu sinkenden Preisen ermöglichte.


23.06.2011 - 12.09.2011
Schnee in Samarkand – Ansichten aus dem Hinterland der Kriege
Fotografien von Daniel Schwartz


11.06.2011 - 11.09.2011
Polen – Deutschland. 1000 Jahre
André Kertész – Fotografien

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André Kertész hat mit Aufnahmen wie „Schwimmer unter Wasser“ (1917), „Chez Mondrian“ (1926) oder „Gabel“ (1929) einen festen Platz in der Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts. Es sind nicht nur seine formal herausragenden Kompositionen, die ihm große Wertschätzung einbrachten, sondern seine surreal inspirierte Poesie, mit der er scheinbar einfache Dinge und Situationen erfasst. Sein innovatives fotografisches Gespür hat viele seiner Kollegen inspiriert: Brassaï hat bei ihm gelernt und Henri Cartier-Bresson wurde von ihm beeinflusst.

Der Martin-Gropius-Bau zeigt in Berlin mit über 300 Fotografien eine große Retrospektive von André Kertész, der in Ungarn geboren wurde und in Budapest, Paris und New York lebte.

Die Ausstellung ist thematisch ausgerichtet und folgt den großen Leitmotiven seines Schaffens, wie der immer wiederkehrenden Beobachtung von Schatten, Dächern und Schornsteinen oder der metaphorischen Darstellung von Gefühlen wie Melancholie. Darüber hinaus rückt sie bisher weniger bekannte Werkgruppen ins Blickfeld: Frühe Aufnahmen, die während seines Militärdienstes im Ersten Weltkrieg entstanden und die Polaroidbilder der letzten Jahre in New York. Besondere Aufmerksamkeit wird Kertészs Einfluss auf die Entstehung der Foto-Reportage in Paris ab 1928 gewidmet. Mehrere Ausgaben von „VU“, „Art et Médecine“, „Paris Magazine“ sowie verschiedene Ausgaben seiner Reportage über das Kloster der Trappisten in Soligny-la-Trappe werden in der Ausstellung zu sehen sein.

André Kertész, der am 2. Juli 1894 in Budapest als Andor Kertész in einer bürgerlichen jüdischen Familie geboren wurde, träumte schon als Kind davon, zu fotografieren. Mit 18 Jahren kaufte er seine erste Kamera, eine ICA Box, die mit 4,5 x 6 cm Platten zu bedienen war. Aus dieser Frühphase stammt das Foto eines schlafenden Jungen. Während seiner Militärzeit bei der österreichisch-ungarischen Armee dokumentierte er in lakonischen Bildern den Alltag des Soldatenlebens, die langen Märsche, das Warten in den Schützengräben, die Verlorenheit des Einzelnen. Im September 1915 verwundet, entstand während seiner Genesung in Esztergom 1917 das berühmte Foto „Schwimmer unter Wasser“. In ihm scheint er mit dem von Lichtreflexen überzogenen, optisch verzerrten Körper spätere Arbeiten vorwegzunehmen. Die Ästhetik der Reflexion sollte erst ein Jahrzehnt später am Bauhaus populär werden.

Nach dem Krieg fotografierte Kertész, der an der Börse arbeitete, in seiner Freizeit vor allem Alltagsmotive wie seinen Bruder Jenö beim Sport, doch bot Budapest nicht das geeignete Umfeld für seine künstlerischen Ambitionen. 1925 entschloss er sich, nach Paris zu gehen und reiht sich damit in eine große Gruppe ungarischer Künstler und Fotografen ein, die nach dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und der niedergeschlagenen Räterepublik in den zwanziger Jahren Ungarn verließen und - wie László Moholy-Nagy, Robert Capa, Germaine Krull und Brassaï - entweder nach Paris oder nach Berlin auswanderten.

In Paris knüpfte Kertész bald Kontakte zur künstlerischen Avantgarde am Montparnasse: zu Piet Mondrian, Fernand Léger, Ossip Zadkine und Alexander Calder. In dieser Zeit nahm er zahlreiche Portraitaufnahmen in der Art der carte postale auf. Als Flaneur durchstreifte Kertész die große Metropole und fotografierte in den Straßen und Parks, auf den Dächern und am Seine-Ufer von Paris. Er verstand Fotografie als visuelles Tagebuch, als Instrument, um das Leben zu beschreiben: „Ich interpretiere meine Empfindung in einem bestimmten Augenblick. Nicht was ich sehe, sondern was ich empfinde.“

Mit seinen Aufnahmen aus der Nah- und Vogelperspektive und seinem Blick für die geometrische Struktur des Raumes, aber auch für Schatten, Reflexionen und Silhouetten fand er bald Anerkennung. 1927 zeigte die Galerie Au Sacre du Printemps eine erste große Werkbilanz und 1929 nahm er an der internationalen Ausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart und in Berlin teil. Ab 1928 arbeitete Kertész mit einer Leica, der ersten Kleinbildkamera. In den folgenden Jahren wurden bei „VU“ mehr als 30 Fotoessays von ihm veröffentlicht. 1933 entstand die ungewöhnliche Serie „Distortions“ – hier führen durch Spiegel verzerrte weibliche Körper ein Eigenleben zwischen Karikatur und Erotik.

Außerdem erschienen Bücher wie „Enfants“ (1933), „Paris vu par André Kertész“ (1934) und „Nos amies les bêtes“ (1936). Im selben Jahr folgte Kertész einem Angebot der Keystone Agentur und siedelte nach New York über, doch kündigte er den Vertrag bald und wurde freischaffend.

Die Zeit in den USA war zunächst von existentiellen Schwierigkeiten geprägt und 1949 nahm er eine Arbeit (bis 1962) für das Magazin „House and Garden“ an. Auf einer Reise nach Paris 1963 entdeckte er einen Großteil seiner Negative wieder, die ihn zu neuer künstlerischer Arbeit inspirierten und internationale Anerkennung brachten. 1964 stellte er im Museum of Modern Art in New York aus. In seiner letzten Schaffensphase und vor allem, als er seine Wohnung nicht mehr verlassen konnte, fotografierte er vom Fenster seines Apartments aus den Washington Square. In dem Buch „From my Window“ (1981) veröffentlichte er Polaroidaufnahmen von fein komponierten Stillleben – sie zeigen ihn erneut als Meister des Lichts mit den einfachsten Mitteln.

Als André Kertész am 28. September 1985 starb, hinterließ er ein Archiv von 100.000 Negativen.


18.03.2011 - 30.05.2011
Wenn der Vorhang fällt
Margarita Broich – Fotografien

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Als Schauspielerin zählt Margarita Broich zu den Großen, als Fotografin ist sie für viele eine Neuentdeckung. Erstmals zeigt der Martin-Gropius-Bau eine Werkgruppe der Künstlerin mit über 60 Künstlerportraits, darunter Ben Becker, Kate Winslet, Veronika Ferres, Klaus Maria Brandauer, Christoph Schlingensief, Thomas Quasthoff u.v.m. Margarita Broichs hält darin flüchtige Momente fest, wenn die Rolle den Künstler verlässt in den Pausen oder wenige Minuten nach dem Ende der Vorstellung. Die Rolle steht den Spielern noch ins Gesicht geschrieben, die Welt der Kulissen und Spiegel umgibt sie noch, aber sie spielen nicht mehr. Sie befinden sich in Garderoben, in Theaterfluren oder beim Maskenbildner. Sie schminken sich ab, sind umgeben von den Utensilien ihrer Verwandlung.

Broich portraitiert die Künstler mit dem Instinkt einer Kollegin. Ihre Fotografien fangen renommierte und zu ihrem Bekanntenkreis gehörende Künstler in jenen Momenten ein, da sie aus ihrer eben gespielten Rolle von der Bühne zurückkehren. So nüchtern die äußere Situation der Aufnahmen bisweilen erscheint, so besitzt jede Fotografie doch ihren eigenen Charme. Dem Betrachter geben die Fotografien Blicke frei, die zu den intimsten im Bühnengeschäft gehören: Martin Wuttke mit blonder Warhol-Mähne und Pudel Taxi, rauchend nach der Vorstellung von „Gretchens Faust“. Klaus Maria Brandauer nach 10-stündigem Wallenstein-Epos auf einem Hocker mit Bierflasche sitzend. Es sind Momentaufnahmen voller Spannung.

Margarita Broich, 1960 in Neuwied geboren, studierte zunächst Fotodesign in Dortmund und arbeitet als Theaterfotografin am Bochumer Schauspielhaus unter Claus Peymann, bevor sie selbst Schauspiel an der Hochschule der Künste in Berlin studierte. Seitdem ist sie an zahlreichen deutschsprachigen Bühnen und in Fernsehfilmen präsent und arbeitet mit Regisseuren wie Claus Peymann, Robert Wilson und früher mit Christoph Schlingensief zusammen.


11.03.2011 - 29.05.2011
Kompass
Zeichnungen aus dem Museum of Modern Art New York
The Judith Rothschild Founda

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Die „Judith Rothschild Foundation Contemporary Drawings Collection” ist eine umfassende Sammlung von etwa 2600 Arbeiten auf Papier von über 600 Künstlerinnen und Künstlern. Sie ging als Schenkung im Mai 2005 an das Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Die Ausstellung „Kompass“ zeigt nun erstmals eine umfangreiche Auswahl von über 250 Arbeiten von 120 Künstlerinnen und Künstlern.

Die Sammlung wurde zwischen 2003 bis 2005 mit der Zielsetzung zusammengetragen, einen allgemeinen und umfassenden Überblick über die Zeichnung als künstlerisches Medium in all seinen materiellen Ausdrucksformen zu vermitteln: Studien, Skizzen, vollendete Monumentalarbeiten, akribische Konstruktionen, die mit technischen Hilfsmitteln wie Linealen angefertigt wurden; spontane Gekritzel ohne Absicht der Vollendung, narrative und figurative Arbeiten sowie abstrakte Zeichnungen. Techniken und Materialien dieser Arbeiten reichen von verschiedenen Drucktechniken, Assemblagen, Collagen sowie Frottagen und traditionellen Medien wie Bleistift, Wasserfarben und Gouache hin zu Material wie Erde, Pigment, Pflanzenextrakten, Ruß, Nahrungsmitteln oder Körperflüssigkeiten.


04.11.2010 - 16.01.2011
László Moholy-Nagy – Die Fotografien

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Moholy-Nagy, gleichermaßen Theoretiker wie Praktiker, wollte immer ein ganzheitlicher Künstler sein. Er ging sein Schaffen – Malerei, Fotografie, Werbung und Industriedesign, Film, Bildhauerei, Bühnengestaltung – von den verschiedensten Seiten aus an und praktizierte es als radikales, extremes Experiment, indem seinen höchst unterschiedlichen Werken keinerlei ästhetische Hierarchie zubilligte. Er räumte außerdem der Bildung grundsätzliche Bedeutung ein, weshalb er, auf Bitten von Walter Gropius, in diesem Bereich für das Bauhaus in Weimar (1923–1925) und in Dessau (1925–1928) arbeitete. In Chicago, wo er sich 1937 niederließ, übernahm er erneut Lehrverpflichtungen. Er gründete das ‚New Bauhaus‘, das die Programme des deutschen Bauhauses in den USA zu verwirklichen versuchte. Kurze Zeit danach gründete er das Institute of Design in Chicago, wo er bis zu seinem Tode 1946 tätig war. Das Institut wurde später in das Illinois Institute of Technology übernommen. Dort kann man noch heute studieren.

Von Weimar bis hin nach Chicago bewahrte sich Moholy-Nagy den Glauben an sein pädagogisches Ideal, das für ihn nicht nur Lehre bedeutete, sondern die moralische Erziehung von Menschen. Er glaubte an die Erziehung als Mittel zur Entwicklung aller in den Studenten schlummernden Fähigkeiten und als Mittel, dem „neuen, totalen Menschen“ den Weg zu ebnen.

Alle theoretischen Beiträge Moholy-Nagys entstanden in Zusammenhang mit seinem künstlerischen und pädagogischen Schaffen. In seinen zahlreichen Texten legt er Schritt für Schritt seine Ideen dar und entwickelt damit eine vollständige künstlerische und pädagogische Ästhetik. Sein Essay „Malerei, Fotografie, Film“ von 1925 wird ein Meilenstein. Darin entwickelt er eine ästhetische Theorie des Lichts – Licht als Matrix der Kunst und Kunst als Lichtkunst. Er wendet seine ästhetische Lichttheorie auf Malerei, Fotografie und Film an, aber auch auf Bühnengestaltung und Design.

Von da an wird Licht zum Fundament für Moholy-Nagys praktisches und theoretisches Wirken. Für ihn erhält jede Kunst nur dann Sinn und Bedeutung, wenn sie Licht reflektiert. Auch die Malerei wird mit diesem Kriterium neu interpretiert. Seine Entwicklung als Maler bezeichnet Moholy-Nagy als Verlagerung vom „Malen von Transparenz“ zu einem Malen, das frei ist von jeglichem darstellerischen Zwang und die Fähigkeit eröffnet, „nicht mit Farben, sondern mit Licht“ zu malen. Diese Theorie entfaltet ihre maximale Bedeutung in der Fotografie und im Film. Die Etymologie des Wortes „Fotografie“ bedeutet „Schreiben mit Licht“. Beim Film besteht die künstlerische Essenz in der Darstellung von „Bewegungsverhältnissen bei Lichtprojektionen“. Zwar war er nicht für die Fotografieklassen am Bauhaus verantwortlich, aber hier schrieb er „Malerei, Fotografie, Film“ und setzte seine fotografischen Erfahrungen um. Er erfindet das „Fotogramm“, eine reine Lichtgrafik, und demonstriert die Fähigkeit zur Herstellung von Fotografien zeitgleich mit der Erfindung des „Rayogramms“ durch Man Ray in Paris. Er sieht die Fotografie als völlig autonomes Mittel, dessen Potenzial erst noch zu entdecken ist. Er kritisiert die „Bildhaftigkeit“ und propagiert innovative, kreative und produktive Fotografie. Er betrachtet die Serialität als eines der wesentlichen Merkmale fotografischer Praxis und wendet sich gegen die „Aura“ des einmaligen Werkes im Gegensatz zur ad-infinitum-Vielfalt des fotografischen Klischees, womit er Walter Benjamins These vorwegnimmt.

Die Unterscheidung zwischen Produktion und Reproduktion ist ein Grundthema seines Schaffens. Ein Hauptaspekt jeden Werkes ist seine Fähigkeit zur Integration des Unbekannten. Werke, die nur bekannte Beziehungen wiederholen oder reproduzieren, werden als „reproduktiv“, Werke hingegen, die neue Beziehungen schaffen oder produzieren, als „produktiv“ bezeichnet. Die Fähigkeit eines Kunstwerks zur Schaffung von etwas Neuem (ein Grundelement der Moderne) ist für Moholy-Nagy ein zentrales Kriterium. Er postuliert für die Malerei, die Fotografie und den Film einen moralischen und ästhetischen Imperativ – das Neue. Die Kunst muss sich neuen Zeiten und einer industriellen Zivilisation stellen. In der konsequenten Umsetzung dieser These wird 1926 zum Jahr, in dem seine Bildproduktion umfangreicher ist als seine Arbeiten in anderen Bereichen, aber 1927 kommt es zu einer wahren Flut fotografischer, szenographischer, kinetischer und filmischer Produktionen. Die Malerei gibt er nie auf. Er beschließt, die aus der Vergangenheit überkommene gegenständliche Malerei fallenzulassen und sich stattdessen der nichtgegenständlichen oder „reinen“ Malerei zu widmen. Mit dem Entstehen der Fotografie hat die Malerei einen perfekten Anlass gefunden, sich von allen figurativen oder repräsentativen Imperativen zu befreien. Künstler müssen sich nicht für das eine oder das andere Medium entscheiden, sondern sollen nur, unter Nutzung aller Medien, eine optische Kreation einfangen und beherrschen.

Die Schau wird gemeinsam kuratiert von Circulo de Bellas Artes (Madrid), dem Martin Gropius Bau (Berlin) und dem Geemetemuseum (Den Haag).


04.10.2010 - 01.11.2010
Freiheits- und Einheitsdenkmal

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Ausstellung aller Wettbewerbsarbeiten im Rahmen des nichtoffenen Gestaltungswettbewerbes für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin 2010

Das Preisgericht hat nach zweitägiger Sitzung einstimmig entschieden, neben zwei Anerkennungen drei gleichrangige Preise zu vergeben. Das Preisgericht empfiehlt dem Auslober – also BKM in Zusammenarbeit mit dem BMVBS -, diese drei preisgekrönten Beiträge einer Überarbeitung zuzuführen, bei der insbesondere die Hinweise des Preisgerichts berücksichtigt werden sollen. Im Anschluss daran wird eine Entscheidung für die Realisierung einer dieser drei Arbeiten getroffen.

Das internationale Teilnehmerfeld des Gestaltungswettbewerbs umfasste namhafte Künstler und Architekten. Die drei Preise wurden an Prof. Stephan Balkenhol, Prof. Andreas Meck sowie Milla und Partner in Zusammenarbeit mit Sasha Waltz vergeben. Zwei Anerkennungen erhielten Xavier Veilhan in Zusammenarbeit mit BP architectures, Paris und realities:united (Jan und Tim Edler in Arbeitsgemeinschaft mit Bjarke Ingels Group, Kopenhagen).

Das Denkmalprojekt geht auf einen Beschluss des Deutschen Bundestags vom 9. November 2007 zurück. Dieser sieht vor, dass die Bundesrepublik Deutschland zum Gedenken an die friedliche Revolution im Herbst 1989 und an die Wiedergewinnung der staatlichen Einheit Deutschlands ein Denkmal der Freiheit und Einheit errichtet. Als Standort wurde der Sockel des ehemaligen Nationaldenkmals für Kaiser Wilhelm auf der Schlossfreiheit festgelegt. Für das Denkmal stehen 10 Mio. Euro zur Verfügung.

Das Wettbewerbsverfahren bestand aus einem offenen Bewerberverfahren, an das sich ein beschränkter Wettbewerb anschloss. Für das vorgeschaltete Bewerberverfahren konnten sich die Teilnehmer mit Referenzwerken bewerben. Aus 386 Bewerbungen wählte ein unabhängiges Expertengremium besonders qualifizierte Teilnehmer für den nachfolgenden Wettbewerb aus. 28 Künstler haben Entwürfe für das Freiheits- und Einheitsdenkmal eingereicht.

Auslober des Wettbewerbs war der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Die Koordination und Durchführung des Verfahrens übernahm das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.

In der Jury vertreten waren neben den Fachpreisrichtern auch Abgeordnete des Deutschen Bundestages, die Bundesregierung und das Land Berlin sowie die Initiative Freiheits- und Einheitsdenkmal.


02.10.2010 - 17.01.2011
Pierre Soulages

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Pierre Soulages, geboren am 24.12.1919 in Rodez, einem kleinen Ort nördlich zwischen Toulouse und Montpellier gelegen, verweigerte sich der Ausbildung auf der „Ecole nationale superieure des beaux arts“ in Paris. Er konnte mit der für ihn rückwärtsgewandten Kunstvermittlung nichts anfangen. Im Jahre 1939 widmete er sich daher in Paris vor allem Ausstellungsbesuchen, in welchen er die Werke von Picasso und Cézanne kennenlernte. Im selben Jahr verließ er Paris und ging in den Süden nach Montpellier, um dort die „Ecole des Beaux-Arts“ zu besuchen. Er lernte in jener Zeit Sonia Delaunay kennen, die ihm in Katalogen jene Kunst zeigte, die gemäß den damaligen Machthabern „entartete Kunst“ war. Das war für Soulages eine besondere Legimitation abstrakt zu arbeiten. Nach dem Krieg zog er nach Paris, stellte im Salon der Surindépendants aus und hatte mit seinen Werken Erfolg.

Er schloss Bekanntschaft mit Francis Picabia und Hans Hartung sowie mit der amerikanischen Szene und ihren Vertretern Marc Rothko, Robert Motherwell und Wilhelm de Kooning. Drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, 1948, beteiligte Pierre Soulages sich an der damals wegbereitenden Ausstellung „Französische abstrakte Malerei“, die u.a. in Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf zu sehen war. Er war der jüngste einer Gruppe von Meistern der abstrakten Kunst: Kupka, Doméla, Herbin. Durch seine Teilnahme an der documenta I, II und III erreichte er Anerkennung. Sein eigenwilliger Stil, der durch seine fast ausschließliche Beschränkung auf die Farbe Schwarz gekennzeichnet ist, lässt sein Werk im Kunstbetrieb singulär stehen. Der Amerikaner Robert Motherwell kam übrigens wie Soulages in einigen Werken auf ähnliche Ergebnisse. Nur Soulages jedoch hatte die Konsequenz, seine Arbeiten durch Jahrzehnte der Farbe Schwarz und letztlich dem Licht zu widmen.

Seine Technik des „outrenoir“, eine Bezeichnung, die Soulages sich für die Verwendung von Schwarz in seinem Werk ausdachte, schluckt das Licht ganz besonders in den Papierarbeiten und erzielt eine besondere Tiefenwirkung. Pierre Soulages ist vom Phänomen des Lichts fasziniert. Er sucht akribisch nach Möglichkeiten, Licht in der Farbe Schwarz arbeiten zu lassen. Arbeiten, in denen sich zu Schwarz auch eine zweite Farbe wie Blau oder Rot gesellt, bleiben in seinem Werk Ausnahmeerscheinungen.

Die eigene Handschrift, verdeutlicht in breiten, kräftigen Linien und teilweise kalligraphisch anmutenden Passagen, ist ein wichtiges Gestaltungsprinzip in seinen Arbeiten. „Ich fand kleine Pinsel nur für das exakte Arbeiten, so wie es im 19. Jahrhundert und davor in der Kunst notwendig wichtig war – auch Picasso selbst hat noch in seinen frühen Werken mit zarten Pinseln gearbeitet. Für mich kam das aber überhaupt nicht infrage. Ich wollte etwas gänzlich anderes probieren und so ging ich in Paris in ein Farbengeschäft und kaufte mir breite Pinsel wie zum Ausmalen von Räumen, Walzen und große Bürsten.“ In Kombination mit einer dunklen Nussbeize, der sogenannten „brou de noix“ schuf er seine ersten Meisterwerke, von welchen eines bereits 1948 vom Museum of Modern Art in New York angekauft wurde.

Seine Gemälde befinden sich in den Sammlungen von über 100 Museen weltweit: So im Solomon R. Guggenheim Museum, New York; Australian National Gallery, Canberra; Eremitage, St. Petersburg; Musée national d’Art moderne, Paris; Staatsgalerie Stuttgart; Instituto Valenciano de Arte Moderno, Valencia; Museum of Modern Art, Toyama; Tate Gallery, London; Museum of Fine Arts, Houston; Musée d’Art contemporain, Montréal, um nur einige, wenige zu nennen.

Soulages erhielt vielfache Auszeichnungen, darunter den Grand Prix des Arts der Stadt Paris, den Rembrandt-Preis der Stadt Hamburg sowie in Japan den Praemium Imperiale.

Die Stadt Rodez widmet Pierre Soulages ein eigenes Museum. Es soll 2012 eröffnet werden.


24.09.2010 - 09.01.2011
WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaft in Berlin

Pressemitteilung
Berliner Wissenschaftsgeschichte ist eine Geschichte von bedeutenden Gelehrten, Nobelpreisträgern, wegweisenden Erfindungen und Errungenschaften: Gottfried Wilhelm Leibniz wirkte in Berlin als mutmaßlich letzter großer Universalgelehrter. Albert Einstein vollendete hier seine allgemeine Relativitätstheorie. Karl Richard Lepsius brachte Schätze aus Ägypten in die Stadt. Die Elektronenmikroskopie wurde in Berlin erfunden, Konrad Zuse baute hier den ersten Computer, Jacob und Wilhelm Grimm schrieben in Berlin ihre berühmte „Geschichte der deutschen Sprache“ und erst vor zwei Jahren erhielt ein Berliner, Gerhard Ertl, den Nobelpreis für Chemie. In Berlin war es auch, wo Frauen als Forscherinnen der Wissenschaft neue Impulse gaben und sich einen Platz in dieser männlichen Domäne eroberten: Lise Meitner forschte hier zu den Grundzügen der Radioaktivität. Und für ihre Erfolge in der Tuberkuloseforschung erhielt Lydia Rabinowitsch-Kempner 1912 als erst Frau Berlins einen Professorentitel. Weltberühmt sind die Berliner Sammlungen, von Rudolf Virchows anatomisch-pathologischen Präparaten über die Bestände des Botanischen Museums bis hin zu jenen des Naturkundemuseums und der Antikensammlung der Staatlichen Museen. „WeltWissen“ vereint übergreifend diese und viele andere Themen in einer großen, Disziplinen übergreifenden Schau.

Die Ausstellung zum Jubiläumsjahr 2010 stellt die Berliner Wissenschaften in Bezug zur Welt: Denn erst im dynamischen Wechselspiel von lokaler Prägung und weltweiter Vernetzung wird in Berlin seit 300 Jahren Wissen über die Welt hervorgebracht, das dann wieder in die Welt geht. „WeltWissen“ zeigt dabei nicht nur Erfolgsgeschichten, sondern thematisiert auch Brüche und Irrwege. So wird auf Wissenschaftler wie den Nobelpreisträger Fritz Haber eingegangen, der mit seinen Experimenten zur Ammoniaksynthese die Lebensmittelproduktion weltweit revolutionierte, gleichzeitig aber als Pionier der chemischen Kriegsführung gilt. Am Beispiel von Rahel Hirsch wird die ganze Tragweite der Vertreibung der jüdischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach 1933 deutlich. Die Ausstellung zeigt diesen Exodus der Wissenschaft im Nationalsozialismus und den Versuch ihres Wiederaufbaus in West und Ost. Im Lichthof des Martin-Gropius-Baus wird eine große Installation, eine Gemeinschaftsprojekt von „WeltWissen“, den Gestaltungsbüros space4 und Teamstratenwerth sowie dem US-amerikanischen Künstler Mark Dion, die Besucher begrüßen. Mark Dion ist ein passionierter Sammler. Aus dieser obsessiven Leidenschaft heraus entwickelt er Objekte und Skulpturen und arrangiert sie zu Installationen, die an naturkundliche Schauräume erinnern. In seinen berühmten Inszenierungen – etwa bei den Skulptur.Projekte Münster, in der Tate Britain, London, oder dem Museum of Modern Art, New York – kombiniert er in kunstvoll arrangierten Szenarien naturkundliche Phänomene. Die Lichthofinstallation wird die Vielzahl und Vielfalt aus 300 Jahren Berliner Wissenschaft präsentieren, aber auch die Ausschnitthaftigkeit aufzeigen, von der die Neugierde auf die Welt immer begleitet ist.

Neben Führungen präsentieren im umfangreichen Veranstaltungsprogramm der Ausstellung Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fächer ihre Zugänge zu Themen aktueller Forschung in Vorträgen, Diskussionen und Präsentationen. Videobustouren führen vom Martin-Gropius-Bau durch die Wissenschaftsstadt Berlin. Ein didaktisches Programm für Kinder und Jugendliche sowie Angebote für Schulen wie die „Schülerlabore“ begleiten die Ausstellung.


01.07.2010 - 10.10.2010
Teotihuacan – Mexikos geheimnisvolle Pyramidenstadt

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung von Consejo Nacional para la Cultura y las Artes (CONACULTA) und Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH), México D.F. Mit Unterstützung der Fundación Televisa A.C. In Zusammenarbeit mit dem Musée du Quai Branly, Paris, dem Museum Rietberg, Zürich und dem Martin-Gropius-Bau, Berlin. Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds. Unterstützt von der Botschaft von Mexiko in Berlin.
Kurator Felipe Solís Olguín
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb radioeins, Der Tagesspiegel
Kooperationspartner Wall AG
Der Martin-Gropius-Bau präsentiert vom 1. Juli bis 10. Oktober die Ausstellung „Teotihuacan – Mexikos geheimnisvolle Pyramidenstadt“. Mehr als 450 herausragende Objekte, die erstmals in Europa einen umfassenden Einblick in Kunst, Alltag und Religion dieser rätselhaften Kultur geben, werden zu sehen sein. Unter anderem monumentale Architekturelemente, filigrane Gefäße und Figuren, kostbare Steinarbeiten, Masken, Götterstatuen und Tierdarstellungen sowie Beispiele symbolreicher Wandmalereien, die ihre leuchtenden Farben seit ihrer Entstehung von ca. 2000 Jahren bewahrt haben. Die 15 großformatigen Fragmente von Wandgemälden haben ein erstes (und wohl letztes) Mal die Erlaubnis erhalten, ins Ausland zu reisen. Zahlreiche Ausstellungsstücke kamen erst bei jüngsten Ausgrabungen ans Licht.

Teotihuacan war in der Klassischen Epoche (100 v. Chr. bis 650 n. Chr.) die erste, die größte und die einflussreichste Metropole auf dem amerikanischen Kontinent. Als die Azteken rund tausend Jahre später, im 14. Jahrhundert, die verlassene Ruinenstadt entdeckten, gaben sie ihr den Namen Teotihuacan – „der Ort, an dem die Menschen zu Göttern werden“ – und siedelten hier ihren eigenen Schöpfungsmythos an.

Archäologische Stätte
Teotihuacan, knapp 50 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt, zählt seit 1987 zum UNESCO-Welterbe und ist die meistbesuchte der 170 zugänglichen archäologischen Stätten Mexikos. Die Pyramidenstadt liegt in einem weiten Tal, das seit Urzeiten besiedelt war. Zwischen dem ersten Jahrhundert v. Chr. und etwa 650 n. Chr. schufen die Bewohner ein einzigartiges Zeremonialzentrum, orientiert an astronomischen Beobachtungen. Die wichtigsten Pyramiden sind die 63 Meter hohe Sonnenpyramide (Pirámide del Sol) mit einer Seitenlänge von 215 Metern. Die Mondpyramide (Pirámide de la Luna) am nördlichen Ende der zwei Kilometer langen Straße der Toten (Calle de los Muertos) erreicht 48 Meter Höhe. Das südliche Ende der Anlage, von der nur ein Bruchteil ausgegraben und erforscht ist, dominiert die von den Spaniern so genannte „Zitadelle“ (Ciudadela) mit dem Tempel der Gefiederten Schlange (Templo de la Serpiente Emplumada), Quetzalcoatl, und des Regengottes Tlaloc, der mit 365 Skulpturen dieser Gottheiten geschmückt war. In diesem Komplex und unter der Mondpyramide wurden die Archäologen in den letzten Jahrzehnten fündig. Begräbnisse und Opfergaben machten unter anderem deutlich, dass Kriege, Gefangennahme und Opferungen in Teotihuacan zum Alltag gehörten.

Die Stadtanlage
Bis zum rätselhaften Ende im 7. Jh., begleitet von einem verheerenden Brand, war Teotihuacan politisch, militärisch, wirtschaftlich und kulturell ein mächtiges Zentrum, das ganz Mesoamerika beeinflusste, besonders in Architektur und Kunst. Die Ausdehnung der Stadt, die zu ihrer Blütezeit über 160 000 Menschen beherbergte und in jener Epoche eine der größten Städte der Welt war, betrug rund 20 Quadratkilometer. Die Stadt war durch breite Straßen gegliedert, verfügte über ein effektvolles Abwassersystem und eine funktionierende Wasserversorgung. Die imposanten Pyramiden, Tempelbauten und prächtigen Paläste waren mit Stuck verkleidet und mit Wandmalereien in leuchtenden Farben geschmückt. Es gab öffentliche Gebäude, Verwaltungsbauten und diverse Wohnviertel. Besonders bemerkenswert sind eigene Quartiere und Werkstätten für auswärtige Künstler, Handwerker und Händler, unter anderem aus Oaxaca oder den Städten der Maya, die zum Reichtum der Stadt beitrugen.

Die Ausstellung
Schätze aus bedeutenden mexikanischen Museen sind in der Ausstellung vereint. Die meisten Werke kommen aus dem Anthropologischen Nationalmuseum in Mexiko-Stadt und den beiden Museen in Teotihuacan. Zudem hat erstmals das von Diego Rivera für seine Sammlung präspanischer Skulpturen erbaute Anahuacalli-Museum wertvolle Stücke ausgeliehen.

Die Ausstellung ist in neun Bereiche gegliedert. Den Auftakt des Rundgangs machen der Jaguar von Xalla, eines der jüngeren Fundstücke aus einem Palastbezirk und ein charakteristisches Beispiel der dekorativen Monumentalarchitektur. Der Einführung in die Entwicklung der Stadt und der Geschichte ihrer Archäologie folgt ein Schwerpunkt zu Architektur und Stadtplanung, vertreten durch Skulpturen, Friese und Wandgemälde. Die gesellschaftlichen Themen Politik, Hierarchien, Ökonomie, Krieg und Handel werden durch eine Fülle an Objekten dargestellt, darunter Steinskulpturen, Tongefäße und Jadeschmuck. Obsidian etwa war der Stoff aus dem die Waffen sind: Teotihuacan war eine große Waffenschmiede. Spektakulär ist die Rekonstruktion eines Grabes, wie es bei einer Grabungskampagne 1998–2004 unter der Mondpyramide gefunden wurde. Die Originalobjekte werden in Vitrinen gezeigt. Eine besondere Kategorie bilden die „Wirtsfiguren“, die in ihrem Innern wie in einem Setzkasten winzige, facettenreich gestaltete Figürchen beherbergen. Religion, Götter und Rituale, urbaner Alltag und soziales Leben, Kunst, Kunsthandwerk und Werkstätten sowie der kulturelle Austausch sind weitere Themen der einzigartigen Schau, die eine Fülle neuer Erkenntnisse ausbreitet.

Zum Gedenken an Felipe Solís Olguin (1944–2009)
Initiator und Kurator dieser Ausstellung war Felipe Solís Olguín, der 2003 bereits die „Azteken“ nach Berlin brachte. Der Direktor des weltberühmten „Museo Nacional de Antropología“ in Mexiko-Stadt starb im April 2009, wenige Wochen bevor die große Schau in Mexiko-Stadt eröffnet wurde. Seinem Gedenken ist die Ausstellung gewidmet.

Mexiko feiert Bicentenario
2010 feiert Mexiko ein doppeltes Jubiläumsjahr: Das „Bicentenario“, die 200-Jahr-Feier, erinnert an den Beginn des Unabhängigkeitskampfes im Jahr 1810; ein Jahrhundert oder „Centenario“ später begann die Mexikanische Revolution. Die Ausstellungen „Frida Kahlo – Retrospektive“ (30. April bis 9. August) und „Teotihuacan – Mexikos geheimnisvolle Pyramidenstadt“ (1. Juli bis 10. Oktober) im Martin-Gropius-Bau sind Teil des kulturellen Jubiläumsprogramms, das Mexiko im Rahmen dieser Feierlichkeiten im Ausland präsentiert.

Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung „Teotihuacan. Geheimnisvolle Pyramidenstadt“.


30.04.2010 - 09.08.2010
Frida Kahlo – Retrospektive

Pressemitteilung
Weltweit wurde die Künstlerin Frida Kahlo an ihrem hundertsten Geburtstag im Jahr 2007 gefeiert. Sie erlangte Kultstatus indem sie die Repräsentation der farbigen, lebensfrohen Kultur Mexikos mit der Zurschaustellung ihrer von traumatischen Erfahrungen geprägten Persönlichkeit verband. Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ragt sie als berühmteste Künstlerin heraus. Trotz ihrer Bekanntheit war ihr Werk in Deutschland äußerst selten im Original zu sehen. Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau wird mit über 120 Arbeiten (Malerei und Zeichnungen) Frida Kahlos die umfassendste Werkschau sein. Es werden nie zuvor gezeigte und verschollen geglaubte Arbeiten präsentiert. Ein besonderer Höhepunkt wird das letzte Werk Frida Kahlos sein, das bisher noch nie zu sehen war. Zudem wird eine umfangreiche Präsentation von annähernd 70, zum Teil bislang unveröffentlichten Zeichnungen die unbekannten Seiten der Künstlerin offen legen. So zeigt sie in den Metamorphosen der Landschaften ihrer Zeichnungen die sexuellen Phantasien und die humorvollen Seiten in raffinierten Wort- und Bildspielen. Die rätselhafte Verschlüsselung ihrer Bilder durch Zahlen und Wortspiele werden anschaulich erläutert.

Frida Kahlos künstlerische Entwicklung wird von der Neuen Sachlichkeit, dem mexikanischen Estridentismus bis hin zum Surrealismus und ihrem ganz eigenen Realismus umfassend dargestellt. Begleitend wird eine Fotoschau aus dem Besitz der Familie und nahestehender Freunde ungewöhnliche Einblicke in ihre Zeit eröffnen. Dieser Teil der Ausstellung wird von Frida Kahlos Großnichte, der Fotografin Cristina Kahlo betreut.

Die Leihgaben kommen aus mexikanischen Privatsammlungen, nordamerikanischen Museen und prominenten Sammlungen der USA.

Ein umfangreicher Katalog erscheint im Prestel-Verlag.

Veranstalter
Berliner Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Kunstforum Wien
Kuratorin Helga Prignitz
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio


28.04.2010 - 09.08.2010
Olafur Eliasson: Innen Stadt Außen

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele
Gefördert vom Hauptstadtkulturfonds.
Mit freundlicher Unterstützung der EnBW Energie Baden-Württemberg AG und Montana Møbler.
Kurator Daniel Birnbaum
Medienpartner rbb Kulturradio, rbb radioeins, Der Tagesspiegel, Exberliner
Kooperationspartner Wall AG
Innen Stadt Außen ist die erste Einzelausstellung des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson in einer Berliner Institution. Thematischer Ausgangspunkt der speziell für den Martin-Gropius-Bau konzipierten Ausstellung ist Olafur Eliassons enge Beziehung zu Berlin – der Stadt, in der er seit vielen Jahren lebt und arbeitet und in der er ein ungewöhnlich facettenreiches Atelier etabliert hat, das Recherche, Produktion und Lehre gleichsam miteinander verbindet.

Nach zahlreichen internationalen Übersichtsausstellungen und Projekten – u.a. in London, New York, Kanazawa und Sydney – wird diese Ausstellung davon profitieren, dass Berlin Olafur Eliasson als Ort für Experimente mit Architektur und urbanen Strukturen offen steht. Durch zahlreiche neue, speziell für die Ausstellung realisierte Installationen wird der Martin-Gropius-Bau zum Schauplatz von Olafur Eliassons Praxis.

Innen Stadt Außen beschäftigt sich intensiv mit dem Verhältnis von Museum und Stadt, Architektur und Landschaft, sowie von Raum, Körper und Zeit. Die Entwicklung ortsbezogener Arbeiten für den musealen Kontext wird durch ephemere Projekte im öffentlichen Raum erweitert und kommentiert und verknüpft so den Martin-Gropius-Bau mit unterschiedlichen Orten innerhalb der Stadt.

Kuratiert wird die Ausstellung von Daniel Birnbaum, Kritiker, Ausstellungsmacher und Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, Frankfurt a.M., und des angegliederten Portikus. 2009 leitete er die 53. Internationale Kunstausstellung der Biennale Venedig. Künstler und Kurator verbindet eine langjährige Zusammenarbeit an Buchpublikationen, Ausstellungen und Projekten im öffentlichen Raum, die bis in die 90er Jahre zurückreicht. Die Ausstellung Innen Stadt Außen ist bisher ihre umfassendste Kooperation.


14.04.2010 - 06.06.2010
Gabriele Münter Preis 2010

Pressemitteilung
Veranstalter
Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer (GEDOK), Frauenmuseum in Bonn. Der GABRIELE MÜNTER PREIS wird ausgelobt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio


17.03.2010 - 06.06.2010
Schätze des Aga Khan Museum. Meisterwerke der islamischen Kunst

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung der Aga Khan Foundation.
Kurator Benoît Junod
Medienpartner rbb Kulturradio, rbb radioeins, Der Tagesspiegel
Kooperationspartner Wall AG
Erstmals wird in Deutschland die Sammlung des Aga Khan ausgestellt. Mehr als 200 Meisterwerke dokumentieren mehr als 1000 Jahre Kulturgeschichte. Die im Martin-Gropius-Bau in Berlin ausgestellten Werke stammen aus der Sammlung des Aga Khan Trust for Culture. Karim Aga Khan IV ist das geistige Oberhaupt der Ismailiten. Er gilt zugleich als direkter Nachkomme des Propheten Mohammed. Seine Sammlung gilt als eine der größten und wertvollsten Sammlungen islamischer Kunst und wird ab dem Jahr 2013 im neuen Aga Khan Museum in Toronto beheimatet sein.

Die Berliner Ausstellung zeigt einige der weltweit bedeutendsten Kunstwerke aus islamisch geprägten Ländern. Darunter Seiten aus dem persischen Heldenepos „Shahnama“, dem so genannten „Buch der Könige“, des Dichters Firdawsi. Die Miniaturen zählen weltweit zu den bemerkenswertesten. Ferner das bisher älteste, arabische und erst später übersetzte Manuskript des „Kanons der Medizin“ von Ibn Sina (Avicenna). Abu Ali Ibn Sina war Philosoph und Arzt. Sein Hauptwerk diente über 500 Jahre als medizinisches Standardwerk und Lehrbuch für Ärzte in Europa. Als herausragende Kulturgüter gelten auch ein sehr gut erhaltenes mongolisches Seidendamastkleid aus dem 13. Jahrhundert sowie eine Doppelseite des „Blauen Korans“ aus dem 9. Jahrhundert. Die blauen Pergamentbögen sind in goldenen Lettern im kufischen Duktus geschrieben und zählen zu den kostbarsten und aufwendigsten Koranmanuskripten der Welt.

Allgemein machen die ausgestellten Kunstwerke – Gemälde, Zeichnungen, Buchillustrationen, Manuskripte, Inschriften, Metallgefäße, Keramiken, Holzarbeiten – aufmerksam auf die außergewöhnliche Vielfalt und den überwältigenden Reichtum eines vom Islam geprägten Kulturraumes, der sich vom Maghreb und der Iberischen Halbinsel bis nach China erstreckt, in einer zeitlichen Dimension vom 8. bis zum 18. Jahrhundert.

Die Ausstellung ist in zwei Hauptstränge gegliedert: Unter „Das Wort Gottes“ werden Koranmanuskripte, illustrierte Blätter und Objekte präsentiert, die die Pilgerfahrt nach Mekka oder den islamischen Mystizismus thematisieren. Für viele Künstler und Architekten waren sie Quelle der Inspiration. Unter „Die Route der Reisenden“ nimmt die Ausstellung den Besucher mit auf den Weg durch die islamisch geprägte Welt. Diese erstreckte sich von Al-Andalus, dem muslimischen Teil der Iberischen Halbinsel, zum Maghreb und Sizilien weiter zum fatimidischen und mamlukischen Ägypten, zum ottomanischen Konstantinopel, umayyadischen Damaskus und ayyubidischen Bagdad und setzt sich fort bis Persien, Zentralasien und dem indischen Mogulreich. Die in dieser Zeit entstandenen Werke zeugen von der Kunstfertigkeit und Kreativität der jeweiligen Gesellschaften und verweist auf die verschiedenen Einflüsse Asiens und Europas.

Ferner ist ein Ausstellungsteil dem oft mit Homer verglichenen Dichter Firdawsi (940/41–1020) gewidmet. Vor genau 1000 Jahren beendete er das persische Königsbuch (Buch der Könige), eines der berühmtesten Werke der persischen Literatur. Es befasst sich mit der Geschichte des antiken Persiens vor der muslimischen Eroberung. Das Shahnama umfasst mehr als 50.000 Verse und ist damit mehr als doppelt so umfangreich wie Homers Epen. Es wurde zum Handbuch der Schahs und Sultane, die um die aufwendig illustrierten Kopien miteinander wetteiferten. Zwei dieser Bücher wurden digitalisiert und können erstmalig von Besuchern virtuell umgeblättert werden.

Katalog
Schätze des Aga Khan Museum. Meisterwerke der islamischen Kunst
Benoît Junod (Hg.)
288 Seiten, 217 farbige Abbildungen
24 x 29,7 cm, Klappenbroschur
Nicolai Verlag
ISBN 978-3-89479-603-7
Buchhandelsausgabe € 34,95
Museumsausgabe € 26,00


06.03.2010 - 11.04.2010
Köln in Berlin
Nach dem Einsturz: Das historische Archiv

Pressemitteilung
Veranstalter
Stadt Köln und Berliner Festspiele
Als das Historische Archiv der Stadt Köln am 3. März 2009 einstürzte, ging ein Aufschrei durch das Land. Menschen kamen ums Leben. 90 Prozent des wertvollen Archivguts wurde verschüttet.

Archive sind das Gedächtnis des Gemeinwesens und das Kölner Archiv galt lange Zeit als Flaggschiff unter den kommunalen Archiven. Erstmals wurde es im Jahr 1322 erwähnt, da passte das Archiv noch in eine Kiste. Schriftgut aus 800 Jahren wurde dort bewahrt, restauriert und erforscht. Es beheimatet Ratsprotokolle seit anno 1320, Nachlässe von Komponisten wie Jacques Offenbach und Max Bruch, der Fluxus-Künstlerin Mary Bauermeister, des Malers Wilhelm Leibl und des Schriftstellers Heinrich Böll, um nur einige wenige zu nennen.

Im Martin-Gropius-Bau gibt das Archiv mit ca. 100 Leihgaben erstmals Einblicke in die Schätze des Archivs: Zusehen sind u.a. die bedeutende Handschrift aus dem Jahr 1258 „Liber de animalibus“ von Albertus Magnus, die Partitur „Les cinq soeurs“ von Jacques Offenbach, ein Musikmanuskript von Hans Werner Henze, Dokumente aus der Amtszeit Konrad Adenauers als Kölner Oberbürgermeister sowie frühe Manuskripte des Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll. Ferner dokumentiert die Ausstellung den durch den U-Bahn Bau herbeigeführten Einsturz des Archivs.


20.11.2009 - 14.03.2010
F.C. Gundlach. Das fotografische Werk

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung der Deichtorhallen Hamburg – Haus der Photographie – Aktuelle Kunst.
Kuratoren Klaus Honnef, Hans-Michael Koetzle, Sebastian Lux, Ulrich Rüter
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen


12.11.2009 - 17.01.2010
Istanbul Modern Berlin

Pressemitteilung
Eine Ausstellung aus Anlass der 20jährigen Städtepartnerschaft Berlin – Istanbul. Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Istanbul Next Wave“


05.11.2009 - 18.01.2010
Taswir – Islamische Bildwelten und Moderne

Pressemitteilung
Die Berliner Festspiele zeigen im Martin-Gropius-Bau mit der Ausstellung „Taswir – Islamische Bildwelten und Moderne“ eine aktuelle Sicht auf Ausdrucksformen islamisch geprägter Bildwelten. Die Ausstellung ist nach drei großen Themen strukturiert: Kalligraphie, Ornament und Miniatur. Sie stellt die klassischen Exponate islamischer Kunst in ein Bezugsfeld moderner und zeitgenössischer Positionen in Graphik, Zeichnung und Malerei, Fotografie, Video-Kunst, Installation, Klang und Skulptur.

Kalligraphie: Die Ausstellung präsentiert islamische Schriftformen vor allem unter visuellen Aspekten und thematisiert das Phänomen des Schreibens, der Notation und der Bewegung. Vorrangig ist dabei die visuelle und performative Eigenständigkeit der Schrift als Kunstform. Gezeigt werden klassische Exponate aus Koranmanuskripten verschiedenster Provenienz, persische und osmanische kalligraphische Blätter und Skizzenbücher aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Diese stellt die Ausstellung in ein Bezugsfeld künstlerischer Ausdrucksformen der europäischen Moderne und zeitgenössischer Positionen aus Ost und West, wie etwa Pablo Picasso, Max Ernst, Maliheh Afnan, Etel Adnan, Wolfgang Laib, William Forsythe, Song Dong und Rebecca Horn.

Ornament: Das Themenfeld erkundet geometrische Grundfigurationen des Ornaments in Architektur, Bau-Dekor und Kunsthandwerk. Es werden Architektur- und Musterzeichnungen gezeigt, die das kosmische, mathematische Formprinzip des Ornamentalen nicht nur als Grundprinzip der Baukunst, sondern auch als soziales und politisches Ordnungsprinzip erweisen. Eine Reihe von kritischen zeitgenössischen Positionen, Mona Hatoum, Susan Hefuna, Parastou Forouhar, Hale Tenger u.a. beleuchten in ihren Arbeiten die Ambivalenz von Hierarchie und Ordnung, Perfektion und Macht, Symmetrie und Asymmetrie, Ohnmacht und Gewalt.

Bildwelten in Miniatur und Malerei: Die Ausstellung betrachtet die figurative Bildsprache persischer, indischer und osmanischer Miniaturmalerei in enger Anlehnung an Poesie und Dichtung, vor allem der großen persischen Epen und Dichtung, wie etwa der berühmten Liebenden, „Yussuf und Suleika“, „Leila und Majnun“ oder „Khosrow und Shirin“. Daneben zeigt die Bildsprache der traditionell überlieferten „Himmelfahrt des Propheten“ und der indischen Moghul-Malerei eine Migration der narrativen Formen auf, die biblische, persische, arabische und europäische Erzählstränge erkennbar werden lassen und eine große Offenheit islamisch geprägter Bildwelten.

Unter dem Titel „Prophet und Porträt / Who is Afraid of Representation“ widmet sich ein weiterer Bereich der bildlichen Präsentation Muhammads in osmanischer, persischer und moghul-indischer Buchillustration und assoziiert dazu zeitgenössische Arbeiten zum Problem der Repräsentierbarkeit des menschlichen Antlitzes. Die gesamte Ausstellung folgt einem poetischen Parcours, in dem sich Ost und West, klassische und zeitgenössische Positionen, Islam und Moderne neu berühren. Die Kuratoren entwerfen dabei ein lebendiges Kaleidoskop visueller und akustischer Bezüge, unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksformen und zeitlicher Bezüge. Dem Mnemosyne-Atlas des Hamburger Kunsthistorikers Aby Warburg verpflichtet, stellt die Ausstellung persische, arabische und osmanische Bildtraditionen ins Licht zeitgenössischer künstlerischer Positionen. Sie fragt nach einer Neubestimmung hermetischer Grenzziehungen zwischen „Orient“ und „Okzident“ und lädt zugleich zu einem kritischen Blick auf die Wurzeln des in Europa tradierten Selbstverständnisses des „Westens“ ein.

Bedeutende nationale und internationale Bibliotheken und Museen – wie die Eremitage Sankt Petersburg, British Museum und British Library London, die Bibliothèque nationale de France, oder das Gulbenkian Museum Lissabon und das Islamische Museum SMB – stellen kostbare Objekte islamischer Kunst als Leihgaben zur Verfügung.

Über dreißig Künstlerinnen und Künstler aus der internationalen Kunstszene haben zugesagt, mit wichtigen Werken, teilweise erstmals in Deutschland, an der Ausstellung teilzunehmen (Stand Juni 09)

Abdulnasser Gharem (Saudi-Arabien)
Ali Kaaf (Syrien, Deutschland)
Buthayna Ali (Syrien, Kanada)
Etel Adnan (Libanon, Frankreich)
Hale Tenger (Türkei)
Joseph Semah (Niederlande)
Maliheh Afnan (Palästina, Großbritannien)
Marwan (Syrien, Deutschland)
Moataz Nasr (Ägypten)
Mona Hatoum (Libanon, Großbritannien)
Murat Morova (Türkei)
Nalini Malani (Indien)
Nja Mahdaoui (Tunesien)
Parastou Forouhar (Iran, Deutschland)
Rebecca Horn (Deutschland)
Sadegh Tirafkan (Iran, Kanada)
Shady El Noshokaty (Ägypten)
Shahzia Sikander (Pakistan, USA)
Sobhi al-Zobaidi (Palästina, Kanada)
Susan Hefuna (Ägypten, Deutschland)
Taysir Batniji (Palästina, Frankreich)
Joshua Borkovsky (Israel)
Timo Nasseri (Deutschland)
Wolfgang Laib (Deutschland)


03.10.2009 - 13.12.2009
Harald Schmitt – Sekunden, die Geschichte wurden

Pressemitteilung
Der Martin-Gropius-Bau präsentiert im Herbst 2009 erstmals die beeindruckenden Aufnahmen des Fotoreporters Harald Schmitt. Es werden 120 Fotografien gezeigt mit politischen und gesellschaftlichen Schwerpunkten. Vorwiegend entstanden sie in der ehemaligen DDR, in der Sowjetunion, der ehemaligen CSSR, Polen, Lettland, Litauen und China.

Bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts glichen die Länder Osteuropas einem großen monolithischen Block. Sie alle waren der Vorherrschaft der Sowjetunion unterworfen, zwangsvereint in einem Militärbündnis, regiert von ähnlichen politischen Kasten, beherrscht von einer Weltanschauung und drangsaliert von der Zensur. Dann aber kam es in diesem gewaltigen Imperium an immer neuen Schauplätzen zu Eruptionen und schließlich zur Erosion des gesamten Ostblocks.

Fotos dieser Umbrüche waren im Westen gefragt, aber schwer zu bekommen. Die eindrucksvollsten druckte der stern. Oft stammten sie von Harald Schmitt. Kaum ein Fotoreporter war in den achtziger Jahren so nah am Geschehen: ob bei den großen Inszenierungen der Macht oder den kleinen Momenten des Widerstandes. In Schmitts Aufnahmen der Menschen im Staatssozialismus und in den Orten des Umbruchs sind die großen Veränderungen dieser Zeit spürbar. Immer wieder hielt er jene Sekunden fest, die dann Geschichte wurden.

Harald Schmitt, geboren am 2. März 1948 in Hausen/Mayen, arbeitete nach seiner Ausbildung zum Fotografen bei der Trierischen Landeszeitung. Im Anschluss war er drei Jahre Sportfotograf bei Dieter Frinke in München bis zu den Olympischen Spielen in München 1972. Im selben Jahr wechselte er zur Fotoagentur Sven Simon, Springer jun., nach Bonn und begann Politik- und Wirtschaftsthemen zu fotografieren. 1974 ging der Fotograf für ein Jahr nach Paris und Nizza, fotografierte bei Dreharbeiten und Homestories bei Schauspielern, kehrte jedoch zu seiner vormaligen Agentur nach Bonn zurück. Hier konzentrierte er sich verstärkt auf eigene Projekte wie den Wahlkampf in Amerika mit dem späteren Präsidenten Carter, Streiks in England, den Beginn der Sozialistischen Internationale in Spanien, Italien, Portugal, Kriegsschauplätze in Vietnam, Kambodscha, Rhodesien, Südwestafrika und Irland. Seit 1977 arbeitete Schmitt als Fotoreporter des stern und lebte von da an sechs Jahre als akkreditierter Fotograf in Ost-Berlin. In dieser Zeit begleitete er Erich Honecker nach Japan und Sambia, machte Reportagen über die sozialistischen Nachbarländer. Im Jahr 1983 wurde das Visum von der DDR-Regierung nicht mehr verlängert.

Harald Schmitt hat über 110 Länder bereist und Reportagen zu den verschiedensten Themen fotografiert. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählen u. a. sechs World Press Photo Awards. Heute ist Harald Schmitt von Hamburg aus tätig, im Dienst des stern.

In den begleitenden Texten zur Ausstellung erschließt sein Kollege, stern-Autor Peter Sandmeyer, historische Zusammenhänge und erzählt die Geschichten hinter den Bildern.


02.10.2009 - 11.01.2010
Sprachen des Futurismus

Pressemitteilung
Die künstlerischen Ausdrucksformen des Futurismus

Anlässlich des 100. Geburtstages des Futurismus veranstaltet der Martin-Gropius-Bau in Zusammenarbeit mit dem Italienischen Kulturinstitut und dem Museo d’Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto (Mart) eine Ausstellung, die die künstlerischen Ausdrucksformen des Futurismus in ihrer ganzen Breite – von der Malerei und Architektur bis hin zur Literatur – würdigt.

Die Ausstellung besteht vorwiegend aus Leihgaben des Mart, in dessen Sammlung sich über 4000 Futuristische Werke befinden, darunter Meisterwerke von Carrà, Severini, Russolo und Balla, und das über ein umfangreiches Archiv von Dokumenten und Büchern der wichtigsten Vertreter der Avantgarde verfügt. Zum Museum und Studienzentrum gehört auch das Casa Museo Depero, erstes futuristische Museum Italiens, das von Fortunato Depero selbst begründet und in Zusammenarbeit mit der Stadt Rovereto 1959 eröffnet wurde.

Im Fokus der Berliner Ausstellung steht die Präsentation und Würdigung des Projekts Kunst-Leben, das der Futurismus in seinen Manifesten theoretisiert und konsequent durch ein Programm in die Praxis umsetzte, das die Beteiligung aller Künste an der Konstruktion einer neuen Ästhetik des Alltäglichen vorsah.

Am 20. Februar 1909 hatte Filippo Tommaso Marinetti (1876–1944) in der Tageszeitung Le Figaro in Paris das Futuristische Manifest publiziert und damit die avantgardistische Kunstbewegung Futurismus begründet. Marinetti propagierte in seinem elf programmatische Punkte umfassenden Manifest eine neue, alle Lebensbereiche umfassende Kultur. Seine Thesen richteten sich gegen die künstlerische Tradition, sie verherrlichten Geschwindigkeit, Gewalt und Krieg. Die Worte des jungen, im ägyptischen Alexandria geborenen Schriftstellers, lösten eine Revolution aus, sie trafen den empfindlichsten Punkt der Sehnsucht nach einer radikalen Erneuerung, welche die italienische Kunst seit einiger Zeit suchte.

Nur wenige Jahre zuvor hatte Marinetti in Mailand die Zeitschrift Poesia gegründet, die zum Sprachrohr jener jungen Schriftsteller wurde, die eine radikale Veränderung der italienischen Literatur forderten. Nun trug er als Pendler zwischen Paris und Mailand den Futurismus nach ganz Europa. Er teilte mit zahlreichen Künstlern die in den theoretischen Manifesten enthaltenen revolutionären Ideen, die ab 1910 auch die Signatur von Umberto Boccioni, Luigi Russolo, Carlo Carrà, Gino Severini, Giacomo Balla und später von Antonio Sant’Elia, Fortunato Depero, Enrico Prampolini, Ardengo Soffici und vielen anderen trugen, unter ihnen Tullio Crali, Renato Bertelli und Ernesto Thayath.

Marinetti, ohne Zweifel der erste große Meister von medialen Kommunikationsstrategien, bekämpfte – wie alle dem Futurismus nahestehenden Maler – die Vergangenheit, die Geschichte, die Erinnerung. Unter den Axthieben seiner Pamphlete und theoretischen Manifeste fielen nach und nach „Kultobjekte“ der Vergangenheit.
Er verurteilte die Kunst der Renaissance ebenso wie den Tango oder die Musik Wagners und Spaghetti, genauso wie das romantische Venedig und die Liebe zum Mondschein. Der Name der Bewegung, der seine Erfindung war, war gut geeignet, um den absoluten Glauben an die neuen Technologien, insbesondere das Automobil und das Flugzeug, auszudrücken.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ermöglichte der Futurismus der italienischen Kunst, sich in die bedeutendsten avantgardistischen Strömungen einzureihen, die in Europa – insbesondere in Frankreich und Deutschland – bereits existierten. Mit seinem Interesse an einer Revolutionierung aller Künste, von der Malerei zur Architektur, von der Poesie zur Literatur, vom Design zum Theater war der Futurismus für Italien einerseits eine künstlerische Bewegung, doch zugleich eine neue Art, das kulturelle Leben eines Landes zu konzipieren, das sich zu Beginn des zwanzigsten Jahrhundert in einer Situation starker sozialer und wirtschaftlicher Rückständigkeit und tiefer Gegensätze befand.

Die Berliner Ausstellung beginnt mit einem einleitenden Teil, der sich den Umwälzungen in der Malerei zuwendet, die von der historischen Kerngruppe der Futuristen um Boccioni, Balla, Severini, Russolo, Soffici und Carrà vorangetrieben wurden. Der Schwerpunkt der Ausstellung wird jedoch auf die Innovationen gelegt, die nach Boccionis Tod im Jahre 1916 eine neue, außerordentlich kreative Epoche des Futurismus kennzeichneten.
Malern wie Severini, Balla, Depero, Prampolini, Crali, um nur einige der bekanntesten Namen zu nennen, gelang es, stets mit Unterstützung und Zustimmung Filippo Tommaso Marinettis, der künstlerischen Aktion einen neuen Sinn zu verleihen. Sie öffneten den Weg für einen experimentellen Umgang mit den Sprachen der Kunst, Poesie, Literatur, Innenarchitektur, Mode, Design, Fotografie und Bühnenbild, der auch die Grundlage für die Ästhetik der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhundert bildete. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von Werken, die das Gefühl dieser „Ausdehnung“ der ästhetischen Dimension auf das Leben und der „Grenzüberschreitung“ der verschiedenen künstlerischen Disziplinen am deutlichsten darstellen.
Dabei bietet sie die Möglichkeit, etwas über jene Aspekte des Futurismus zu erfahren, die weniger bekannt, aber sicher nicht geringer zu schätzen sind als die verbreiteten Ausprägungen des Futurismus in der Malerei.

In Berlin dem Futurismus eine Ausstellung zu widmen ist nicht zuletzt deswegen von besonderer Bedeutung, da Berlin für die Futuristen und die Verbreitung ihrer revolutionären Ideen in Deutschland durch das Engagement Herwarth Waldens (1887–1941) eine wichtige Rolle spielte. 1912 wurde das Futuristische Manifest in der von Herwarth Walden und Alfred Döblin begründeten Zeitschrift Der Sturm publiziert, kurze Zeit später fand in Waldens gleichnamiger Galerie in der Tiergartenstraße 34a die erste Futurismus Ausstellung in Deutschland statt (12.4.–31.5.1912). Sie war zuvor in Paris in der Galerie Bernheim Jeune (5.–27.2.1912) und in London in der Sackville Gallery (1.3.–4.4.1912) präsentiert worden und zeigte in Berlin 35 Bilder der Futuristen Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Luigi Russolo und Gino Severini. Weitere Auftritte der Futuristen in Waldens Zeitschrift und Galerie folgten, wie eine Auswahl von Dokumenten in der Ausstellung im Martin-Gropius-Bau veranschaulichen.


22.07.2009 - 04.10.2009
Modell Bauhaus

Pressemitteilung
Erste gemeinsame Ausstellung der drei deutschen Bauhaus-Institutionen zum 90-jährigen Jubiläum der Gründung des Bauhauses.

Im Jahre 2009, anlässlich des 90. Geburtstages der Gründung des Staatlichen Bauhauses 1919 in Weimar und 20 Jahre nach der Wende werden die drei Bauhaus-Institutionen erstmals eine gemeinsame Ausstellung präsentieren. Unter dem Titel „Modell Bauhaus“ erarbeiten
– das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung Berlin
– die Stiftung Bauhaus Dessau und
– die Klassik Stiftung Weimar
als die sammlungsführenden und forschenden Institute Deutschlands diese große Ausstellung zur Geschichte und Wirkung des Bauhauses. Sie wird vom 22. Juli 2009 bis 4. Oktober 2009 im Martin-Gropius-Bau gezeigt wird.

Die Ausstellung verfolgt das Ziel, die Geschichte des Bauhauses in einer umfassenden Präsentation der Arbeiten seiner Meister und Schüler neu darzustellen. Sie zielt darauf ab, die Kenntnis über die Bedeutung des Bauhauses für die Entwicklung und Globalisierung der Moderne zu stärken. In dieser Hinsicht wird die Ausstellung insbesondere auch die Nachwirkungen des Bauhauses thematisieren.

Zum historischen Hintergrund
Das Bauhaus – 1919 in Weimar gegründet, seit 1925 in Dessau ansässig, 1933 in Berlin von den Nationalsozialisten geschlossen – ist bis heute der wirkmächtigste und erfolgreichste ‚Exportartikel‘ deutscher Kultur des 20. Jahrhunderts. Der Ruf dieser interdisziplinär arbeitenden internationalen Schule für Kunst, Architektur, Design und Bühne ist mehr als 70 Jahre nach ihrer Schließung weltweit von ungebrochener Aktualität. Die Gründung des Museum of Modern Art in New York Ende der 1920er Jahre wurde vom Bauhaus beeinflusst.

Modern ist das Bauhaus bis heute, weil es konsequent nach der gesellschaftlichen Wirkung von Kreativität und Gestaltung fragte, weil es konsequent die traditionellen Gattungsgrenzen überschritt und damit interdisziplinär ansetzte, weil es in seiner von Beginn an internationalen Ausrichtung systematisch nach einer Weltsprache der Gestaltung suchte. Die Ausstrahlung und Wirkung des Bauhauses während seiner Arbeit in Deutschland und nach seiner Auflösung 1933 zeigen zugleich, dass das Bauhaus als Laboratorium und Werkstatt der Moderne zwar in politischer Absicht zerstört, sich in der Folge aber in seiner globalen Wirkung erst eigentlich entfalten konnte.

Kooperationspartner ist das Museum of Modern Art, New York, das die Ausstellung im Anschluss an Berlin aus Anlass seines 80. Geburtstag unter dem Titel „Bauhaus 1919–1933: workshops for modernity“ vom 8. November 2009 bis 18. Januar 2010 in veränderter Form zeigen wird.


17.07.2009 - 01.11.2009
Herlinde Koelbl – Fotografien

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen


09.07.2009 - 05.10.2009
Le Corbusier: Kunst und Architektur

Pressemitteilung
Le Corbusier (1887–1965) gilt als einer der bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Sein Werk hat bis heute einen beträchtlichen Einfluss auf Architektur und Städtebau. Die Ausstellung wird einerseits eine ausdrücklich zeitgenössische Sicht auf Le Corbusier vertreten und jüngste Forschungsergebnisse mit einbeziehen und versuchen den immer wiederkehrenden Diskurs über Le Corbusier gerecht zu werden. Andererseits soll sie als Einführung in das Werk des Architekten gelesen werden – insbesondere von jenen jüngeren Generationen, für die Le Corbusier bereits Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts ist.

Aufgeteilt in drei relativ unabhängige Bereiche Contexts, Privacy and Publicity sowie Built Art, wird die Schau Leitthemen von Corbusiers Werk herausgreifen: seine Faszination für die moderne Großstadt, sein Interesse am Mediterranen und dem Orient, seine Hinwendung zu organischen Formen in den dreißiger Jahren, aber auch sein Interesse an neuen Technologien und Medien. Erst die Zusammenfügung dieser und anderer Aspekte ermöglicht das ganzheitliche Verständnis seines Œuvre, das sich in einem zunehmend intensiveren Zusammenspiel von Architektur, Städtebau, Malerei, Design, Film und anderen Disziplinen manifestierte. Den Kern der Ausstellung wird eine Auswahl von Exponaten aus der Fondation Le Corbusier in Paris bilden.

Darunter sind Originalgemälde, Skulpturen, zahlreiche Originalmöbel, Originalzeichnungen und -pläne, Erstausgaben von Le Corbusiers Büchern sowie zahlreiche Kleinobjekte aus der privaten Sammlung des Architekten, die ihm als Inspiration, Vorlage und Demonstrationsobjekte dienten. Da für ein umfassendes Verständnis von Le Corbusier auch die wechselseitige Beeinflussung mit zahlreichen Zeitgenossen berücksichtigt werden muss, zeigt die Ausstellung erstmals auch zahlreiche Exponate von Zeitgenossen, mit denen er in enger Verbindung stand, darunter Originalmöbel von Charlotte Perriand und Jean Prouvé sowie Gemälde von Robert Delaunay, Fernand Léger, Georges Braque, André Bauchant. Mit dieser Vielfalt unterschiedlichster Ausstellungsmedien soll die Ausstellung die historischen Vorbilder Le Corbusiers veranschaulichen und zugleich die technischen, formalen und philosophischen Hintergründe seiner Werke deutlich machen.

Die Ausstellung wird vom Vitra Design Museum erarbeitet.

Katalog
Es erscheint ein Begleitband zu der Ausstellung „Le Corbusier – The Art of Architecture“. Er umfasst Beiträge von Stanislaus von Moos, Arthur Rüegg, Beatriz Colomina, Jean-Louis Cohen, Niklas Maak, Juan José Lahuerta und Mateo Kries.

Hardcover, 22 x 31 cm, 398 Seiten
500 Abb., davon 233 Abb. farbig, 267 Duplex
Herausgeber: Alexander von Vegesack, Stanislaus von Moos, Arthur Rüegg, Mateo Kries
ISBN 978-3-931936-71-6 (Deutsche Ausgabe)
ISBN 978-3-931936-72-3 (Englische Ausgabe)
Verkaufspreis € 79,90

Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Vitra Design Museums, Weil am Rhein in Zusammenarbeit mit dem RIBA, London und NAI Rotterdam.
Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und der Schweizerischen Botschaft, Berlin
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen


09.04.2009 - 10.08.2009
Gandhara. Das buddhistische Erbe Pakistans. Legenden, Klöster und Paradiese

Pressemitteilung
Die buddhistische Kunst Gandharas erscheint dem westlichen Blick seltsam vertraut, ihr westliches Erbe offenkundig. Gandhara bezeichnet eine historische Region im heutigen Pakistan und Afghanistan, die in ihrer Blütezeit von Baktrien über den Hindukusch bis in das zentrale Nordindien verlief. Sie wurde einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als die in Fels gehauenen größten Buddhastatuen der Welt in Bamiyan von den Taliban im März 2001 gesprengt wurden.

Die Kunst Gandharas ist vorwiegend dem Buddhismus gewidmet. Der Buddha selbst wurde ab dem 1. Jahrhundert nach Christi erstmals bildhaft dargestellt. Zuvor gab es keine derartigen Darstellungen des „Erleuchteten“, man verehrte ihn in Symbolen.

Die Ausstellung wurde von der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn erarbeitet und lässt das außergewöhnliche kulturelle Erbe dieser Region, einem Schmelztiegel der Kulturen, vor unseren Augen aufleben. Die Verbindung zahlreicher Kulturen erfolgte durch den Handel zwischen dem Römischen Reich sowie Ost- und Südasien entlang der Seidenstraße. Auf diesem Weg verbreitete sich auch der aus Indien kommende Buddhismus. Zudem begründeten die großräumigen Eroberungen Alexanders des Großen den Einfluss der griechischen Kultur. So finden sich in der Gandhara-Kunst zahlreiche griechische und römische Einflüsse.

Rund 300 einzigartige Objekte, darunter handwerklich meisterlich gefertigte Steinskulpturen, filigran ausgearbeitete Reliefs, kostbare Münzen und prachtvoller Goldschmuck entführen in die Blütezeit der Kunst Gandharas vom 1. bis 5. Jahrhundert nach Christi. Der Großteil dieser Objekte kommt aus den Museen in Pakistan, mit deren großzügiger Unterstützung die Realisierung dieses Projektes möglich wurde.

Die Ausstellungsarchitektur ist einem für Gandhara typischen buddhistischen Klosterhof nachempfunden. Den zentralen Mittelpunkt bildet ein Stupa: ein Monument auf dem die spirituelle Entwicklung eines Buddha in 36 Reliefs dargestellt ist. Die weiteren Ausstellungsräume geben Einblick in die kulturellen Hintergründe und die Architektur von Gandhara.

Ein besonderes Ereignis wird dem Besucher mit der Möglichkeit geboten, die zerstörten Buddhastatuen aus Bamiyan virtuell zu erkunden. Gemeinsam mit den Fachbereichen Informatik/Telekommunikation und Architektur der RWTH Aachen werden ganz neue Wege der Ausstellungspräsentation beschritten. Die zerstörten Buddhastatuen aus Bamiyan leben mittels modernster 3D-Rekonstruktion wieder auf. Seit mehreren Jahren bemühen sich internationale Experten um die dauerhafte Sicherung der verbliebenen Originalfragmente. Jetzt ist es gelungen, durch modernste Dokumentationstechniken die Geometrie des Denkmals mit einer speziellen Lasertechnologie zu erfassen. Die Messdaten werden in der Ausstellung in einer Stereoprojektion dreidimensional dargestellt und so für den Besucher mit Hilfe von speziellen Brillen in einzigartiger Weise sichtbar gemacht.

Die Ausstellung ist vom 21. November 2008 bis 15. März 2009 in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn zu sehen.

Veranstalter
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen


05.04.2009 - 28.06.2009
Eine Frau mit Kamera: Liselotte Grschebina. Deutschland 1908 – Israel 1994

Pressemitteilung
Der Martin-Gropius-Bau präsentiert die erste Retrospektive der Fotografin Liselotte Grschebina (1908-1994). Gezeigt werden 100 Fotos, die zwischen 1929 und den 1940er Jahren in Deutschland und Palästina von der Künstlerin aufgenommen wurden. Liselotte Grschebina war in der Ausstellung „Die Neuen Hebräer. 100 Jahre Kunst in Israel“ (2005) mit ausgewählten Fotografien im Martin-Gropius-Bau vertreten.

Die jüdische Deutsche Liselotte Grschebina wurde 1934 gezwungen aus Deutschland zu emigrieren. Sie ging nach Palästina, wo sie bis zum Ende ihres Lebens blieb. Die Arbeiten der Fotografin entdeckte Grschebinas Sohn, Beni Gjebin, erst nach ihrem Tod. Im Jahr 2000 schenkte er die etwa 1.400 Fotos umfassende Sammlung der Fotoabteilung des Israel Museum Jerusalem. Dieses ungeordnete, undatierte und nur mit sehr knappen Begleitinformationen vorliegende Material wurde bearbeitet.

Das Leben und Wirken von Liselotte Grschebina war bis dahin kaum erforscht. Nur wenige Fotos von ihr, die in Zeitungen und in einem Kalender von 1938 veröffentlicht wurden, waren bis zum Eintreffen der Sammlung im Israel Museum bekannt.

Liselotte Grschebina, geborene Billigheimer, kam als Tochter eines Kaufmanns in Karlsruhe am 2. Mai 1908 zur Welt. Als sie sechs Jahre alt war, fiel ihr Vater im Ersten Weltkrieg als Soldat an der Front. Von 1925 bis 1928 studierte sie an der Badischen Landeskunstschule der Bildenden Künste Karlsruhe (heute Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe). Nach Abschluss ihres Studiums 1929 unterrichtete sie dort bis 1931 selbst Fotografie. Ein Jahr später eröffnete sie unter dem Namen „Bilfoto“ ein eigenes Atelier, mit dem sie sich auf Werbefotos und Kinderporträts spezialisierte. Ihre Unabhängigkeit war nicht von langer Dauer, da sie durch die Machtergreifung der Nazis gezwungen war, ihr Studio zu schließen. Gemeinsam mit ihrem Mann kam sie im März 1934 nach Palästina und ließ sich in Tel Aviv nieder.

Die ihr nun gewidmete Retrospektive offenbart die Kunst einer jungen Frau, die in den Tagen der Weimarer Republik von der Neuen Sachlichkeit inspiriert wurde. Die Kunst der Neuen Sachlichkeit zeichnet sich insbesondere durch klare Formen, Strukturen und die Schönheit der einfachen Dinge aus. Zugleich besitzt sie einen dokumentarischen Charakter, der sich auf das Wesentliche im Objekt konzentriert. Grschebina entwickelte diesen Stil in ihrer neuen Heimat Palästina weiter und integrierte ihre Arbeit in die einflussreiche Gruppe deutscher Fotografen, die mit der fünften Einwanderungswelle (Hebr. Aliyah) kam und sich vor allem in Tel Aviv ansiedelte.

Nach ihrer Ankunft in Palästina eröffnete Grschebina gemeinsam mit Ellen Rosenberg ein Atelier. Diese Zusammenarbeit war für Liselotte Grschebina eine Quelle großer Inspiration. Sie nannten ihr Studio „Ishon“, was auf Hebräisch „Augapfel“ oder auch „kleiner Mensch“ bedeutet und warben insbesondere mit ihrer Spezialisierung auf Kinderfotos.

1936 übernahm Liselotte Grschebina die Position ihrer Partnerin Rosenberg als offizielle Fotografin der Women`s International Zionist Organization (WIZO), nachdem jene das Land verlassen hatte. Mit Courage und bescheidenen finanziellen Mitteln wurde kurze Zeit später unter Beiteilung Grschebinas der erste Fotografenverband des Landes, der „Verband der Berufsfotografen“ gegründet. Die Zusammenkünfte fanden in den Cafés Tel Avivs statt. Bei diesen Treffen unterstützten sich die Mitglieder gegenseitig bei der Bewältigung des beruflichen Lebens in Israel und beim Verleih ihrer Fotos sowohl in Israel als auch im Ausland. 1941 initiierten sie eine Gruppenausstellung des Verbandes in der Logos-Galerie in der Ben Yehuda Street in Tel Aviv.

Katalog
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein dreisprachiger Katalog (Englisch-Deutsch-Hebräisch), ca. 150 Seiten, mit 100 Foto-Reproduktionen Liselotte Grschebinas und Beiträgen von Yudit Caplan, James S. Snyder, Professor Christoph Stölzl. Herausgeber ist die Kuratorin Yudit Caplan.

Veranstalter
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Israel Museums Jerusalem.
Ermöglicht durch den Verein zur Förderung des Israel-Museums in Jerusalem e.V.
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen, taz


04.04.2009 - 29.06.2009
Hannes Kilian – Fotografien

Pressemitteilung
Hannes Kilian ist einer der bedeutendsten Fotografen Deutschlands. Die Ausstellung Hannes Kilian zeigt mit etwa 320 schwarz/weiß Fotografien einen Querschnitt seiner Arbeiten von 1937–1987. Kilians Sichtweise auf die Dinge und sein Talent Situationen festzuhalten und Schicksale in ihrer gesamten Vielschichtigkeit aufzuspüren sind virtuos. Kilian inszenierte seine Aufnahmen nicht, er nutzte sie als Spiegel seiner ganz persönlichen Wahrnehmung. Viele Bilder offenbaren seine große Begabung, Bewegung mit der Kamera festzuhalten, wie unter anderem seine Ballettaufnahmen zeigen. Neben eindrucksvollen Fotos vom zerbombten Stuttgart, die Kilian 1944 trotz Fotografieverbot aufnahm, zeigt die Ausstellung Szenen aus der Geschichte Berlins vor und nach dem Mauerbau. Zudem werden Bilder präsentiert, die im Kontext von Kilians Arbeit als Fotojournalist stehen. Portraits von Politikern wie Ludwig Erhard, Reinhold Maier und Ernst Reuter, von Schauspielern wie Gina Lollobrigida und Gary Cooper sowie von vielen Künstlern ergänzen den Ausstellungsrundgang.

Hannes Kilian, am 13. November 1909 in Ludwigshafen am Bodensee geboren, absolvierte nach der Handelschule eine dreijährige Fotografenlehre in der Schweiz. Nach Aufenthalten in Neapel und Paris kehrte Kilian 1938 nach Deutschland zurück und arbeitete als freischaffender Fotojournalist. 1941 als Kriegsberichterstatter eingezogen, setzte Kilian vier Jahre später seine freie fotojournalistische Arbeit fort. Er fotografierte unter anderem für das Time Magazine, die Picture Post, die ZEIT, die Stuttgarter Illustrierte, den Spiegel, den Stern, die Vogue und die Bunte.

Seine Reportagen thematisieren die Not der Bevölkerung in der Nachkriegszeit und informieren über kulturelle Ereignisse ebenso wie über Reisen und Sport. Kilian liebte die Unabhängigkeit und zog daher die freie Arbeit als Bildjournalist einer Festanstellung vor. Ab den 1960er Jahren machte sich Kilian einen Namen als geschätzter Ballett- und Theaterfotograf. Seine Fotos trugen maßgeblich dazu bei, dass Stuttgarter Ballet weltberühmt zu machen. Auf seinen Reisen, die ihn unter anderem nach Spanien, Ägypten, Russland, Rumänien, in den Libanon und die USA führten, hielt der Fotograf Landschaften, Architektur und die Kultur ferner Länder fest. Hannes Kilian starb am 1. Dezember 1999 kurz nach seinem 90. Geburtstag in Wäschenbeuren. Bis zu seinem Tode veröffentlichte Kilian zahlreiche Bücher.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben von Klaus Honnef.

Veranstalter
Berliner Festspiele. Gefördert durch den Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes.
Kurator Klaus Honnef
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen


28.11.2008 - 23.03.2009
Robert Lebeck-Retrospektive

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele
Kuratorin Gisela Kayser
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen

Der Martin-Gropius-Bau widmet dem deutschen Fotoreporter Robert Lebeck eine große Werkschau. Er fotografierte für Revue, Kristall und Stern und war Chefredakteur des Magazin GEO. Mit seiner Reportage Afrika im Jahre Null, 1960, wurde er bekannt. Das Foto eines jungen Afrikaners, der bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit des Kongo König Baudouins Degen stahl, ging um die Welt und ist noch heute seine „Visitenkarte“.

Robert Lebeck wurde 1929 geboren und gehört damit zu jener Generation die jung in den Krieg zog. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und kam an die Ostfront, wo er 1945 in Gefangenschaft geriet. Was Todesangst ist, aber auch welch Überlebenswillen in ihm steckte, das erfuhr er als Fünfzehnjähriger an der Oder hinter einem Maschinengewehr auf das russische Panzer zurollten.

Er entkam dem Tod, aber nicht dem Zusammensturz der Welt und der Auflösung jeder Ordnung. Dies wird in seinen Bildern sichtbar: in der leisen Trauer, die viele seiner Fotografien prägen, in der Skepsis gegenüber allen Fassaden, in der inneren Distanz zu den Menschen, die er doch so nah und so deutlich zeigt.

Vier Monate nachdem er 1952 angefangen hatte zu fotografieren erschien das erste Lebeck-Foto auf der Frontseite einer Zeitung. Es war ein Bild von Konrad Adenauer in der Heidelberger „Rhein-Neckar-Zeitung“. Lebeck war 23 Jahre alt. Er fotografierte Hochzeiten, Fußball, Karneval, Kinder, Huren, Oberbürgermeister, Jazzclubs, Studenten und Krüppel. Die Sujets waren zahlreich.

Dass das Bild in sich „stimmte“, dies war immer das oberste Gebot in Lebecks Arbeit und Grund seines Erfolges. Der Durchbruch zum Ruhm gelang ihm wenige Jahre später, als er 1960 für die in Hamburg erscheinende „Kristall“ drei Monate lang durch Afrika reiste. Endlich war er dem „Rätsel der Urwaldhölle“, der Sehnsucht seiner frühen Jugend, auf der Spur. Die Realität sah anders aus als. Afrika war ein politischer Hexenkessel. Es war das Jahr, in dem die europäischen Mächte ihre einstigen Kolonien in die Unabhängigkeit entließen. In Leopoldville versammelte sich die Weltpresse um die Unabhängigkeitsfeiern von Belgisch-Kongo, des größten Landes Schwarzafrikas, zu erleben. König Baudouin fuhr, im offenen Wagen stehend, durch die Stadt. Ein Schwarzer entriss ihm plötzlich den Säbel und lief, die erbeutete Waffe im Triumph schwingend, davon. Lebeck schoss das Bild des Jahres. Ein Symbol für den Niedergang der Macht des weißen Mannes und für die blutigen Wirren, in denen der Kongo alsbald versinken sollte.

„Ohne Glück kannst du nichts werden“, meint Lebeck dazu, tatsächlich ist ihm das Reporterglück auf eine fast penetrante Art immer treu geblieben. Aber nur Glück? Er selbst weiß es besser. Es gehört zu diesem Beruf, zu dieser Kunst, eine spezifische Wachheit, die nichts zu tun hat mit jener aufgeregten Umtriebigkeit, die Fellini in der Figur des Paparazzo so drastisch karikiert hat. Die Wachheit des guten Reporters ist von einer leisen, unaufdringlichen Art. „Der entscheidende Augenblick“ ist immer nur der Bruchteil einer Sekunde. Fotografie, auch journalistische Fotografie, kann pathetisch sein, brutal, obszön, sentimental. Lebecks Fotografie ist nichts von alledem. Sie ist auf eine irritierende Weise nüchtern. Seine Bilder haben immer etwas von dem sezierenden Blick eines Chirurgen. Manchen mag dies als Kälte erscheinen und in der Tat wirkt seine emotionslose Art, Dinge und Menschen zu sehen, zuweilen provozierend. Doch gerade das Kühle, Unbeteiligte, die innere Distanz zum Objekt und zum Vorgang, machen die Wirkung von Lebecks Arbeiten aus. Er gibt keine Antworten und will keine geben. Er lässt seine Bilder Fragen stellen, und manche dieser Bilder bohren sich wie mit Widerhaken im Gedächtnis fest.

Das was man üblicherweise „Sensationen“ nennt, fehlt bei Lebeck – von Ausnahmen abgesehen. Er überlässt das anderen. Über seinem ganzen Werk liegt ein Hauch von augenzwinkernder Ironie, die Haltung eines Mannes, der das ganze Getriebe durchschaut hat und es gerade deshalb reizvoll findet. „Nun macht bloß nicht so viel Theater“, scheint er zu denken, während er das Theater fotografiert.

Es wird die bisher umfangreichste Präsentation von Bildern Robert Lebecks sein. Zu sehen sind zudem gedruckte Reportagen, die einen umfangreichen Einblick über die Zeitschriftenlandschaft der Nachkriegszeit geben. 300 bekannte und unbekannte Fotografien erinnern anlässlich seines 80. Geburtstages (am 21.3.2009) an die aktiven Jahre (1955–2005) des ehemaligen Stern-Reporters, der 2007 als erster Fotograf den Henri-Nannen-Preis für sein Lebenswerk erhielt.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation im Steidl Verlag.


30.10.2008 - 12.01.2009
Blick nach vorn. Ankäufe aus der Sammlung
Zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland
19

Pressemitteilung
Veranstalter
Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen


19.10.2008 - 19.01.2009
Richard Avedon – Fotografien 1946–2004

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Louisiana Museum for Moderne Kunst (Humlebœk bei Kopenhagen) und der Richard Avedon Foundation (New York)
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen

Mehr als 50 Jahre lang war Richard Avedon einer der bedeutendsten Fotografen in der Modeindustrie. Er hatte einen Starstatus, den er über viele Jahre hinweg bewahren konnte. Er machte sich bereits Anfang der 1950er Jahre einen Namen als führender Modefotograf der Welt und arbeitete zunächst bei der amerikanischen Modezeitschrift „Harper`s Bazaar“ und später bei der „Vogue“, bis er 1992 der erste Hausfotograf der Wochenzeitschrift „The New Yorker“ wurde.

Avedon revolutionierte zusammen mit dem Fotografen Irving Penn die Porträtfotografie des 20. Jahrhunderts, indem er dunkle, emotional aufgeladene Porträts schuf, darunter eine große Folge von Porträtaufnahmen von Staatsmännern, Künstlern, Schauspielern und Schauspielerinnen: Katherine Hepburn, Audrey Hepburn, Humphrey Bogart, Brigitte Bardot, Marilyn Monroe, Buster Keaton, Charlie Chaplin, Karen Blixen, Truman Capote, Henry Kissinger, Dwight D. Eisenhower, Edward Kennedy, die Beatles und Francis Bacon.

Die Ausstellung
Die Ausstellung „Richard Avedon: Fotografien 1946-2004“ ist die erste Retrospektive des amerikanischen Starfotografen in Deutschland. Zu sehen sind zahlreiche seiner epochalen Aufnahmen: das Bild des berühmten Models Dovima zwischen Elefanten auf Sägemehl und Heu (1948), das 10 x 3 m große und berühmte Gruppenporträt „Andy Warhol and Members of the Factory“ (1969), das Foto von Charlie Chaplin, der als Abschiedsgeste für die USA der McCarthy-Ära die Hände zu Teufelshörnern geformt an die Stirn legt. Für den Ausstellungsort Berlin, 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, ist Avedons Serie „Brandenburg Gate“ über die Silvesternacht 1989 besonders interessant. Avedon war damals nach Berlin gekommen, um dieses außergewöhnliche historische Ereignis und die Reaktion der Menschen zu fotografieren.

Die Retrospektive zeigt über 200 Fotografien. Die erste in der Ausstellung gezeigte Aufnahme stammt von 1946, als Avedon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nach Rom und Sizilien reiste; die letzte Aufnahme zeigt die Sängerin Björk, aufgenommen knapp vier Monate vor Avedons plötzlichem Tod im Jahre 2004.

Die Fotografien werden in der Ausstellung chronologisch präsentiert. Gezeigt werden auch Aufnahmen einer Reportageserie „Leben in New York“ von 1949. Sie entstanden im Auftrag der Zeitschrift „Life“. Avedon lieferte sie damals jedoch nicht ab und zeigte eine erste Auswahl erst vierzig Jahre später in seinem Buch „An Autobiography“. Die Serie verweist auf andere Reportagen, die in der Ausstellung gezeigt werden, sowie Porträtserien, für die Avedon später berühmt wurde: „In the American West“, Fotos aus 17 Staaten des amerikanischen Westens aus den Jahren 1979-84, eine Arbeit im Auftrag des Amon Carter Museum in Fort Worth, Texas. 1991 erhielt Richard Avedon den schwedischen Hasselblad-Preis für Fotografie.


12.09.2008 - 05.01.2009
Die Tropen. Ansichten von der Mitte der Weltkugel

Pressemitteilung
Veranstalter
Eine Ausstellung des Goethe-Instituts und des Ethnologischen Museums – Staatliche Museen zu Berlin in Zusammenarbeit mit dem Museum für Asiatische Kunst
Ermöglicht durch die Kulturstiftung des Bundes
Kuratiert von Alfons Hug, Peter Junge und Viola König
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
www.goethe.de/tropenausstellung

Zwanzig Jahre nach der wegweisenden Schau Les Magiciens de la Terre in Paris unternimmt die Ausstellung „Kunst aus den Tropen“ im Martin-Gropius-Bau abermals den Versuch, in spannungsreichen Zeiten die Energieströme und feinen Störungen zwischen den Hemisphären aufzuspüren, zu zeigen, welche kulturellen Kräfte zusammen und welche gegeneinander wirken. Die Ausstellung will einen unbestechlichen, krisenresistenten Bildervorrat anlegen, der eine nichthierarchische Betrachtung der Welt erlaubt.

Generell geht es um eine Reästhetisierung der Rede über die Tropen, die dazu beitragen soll, angesichts der übermächtigen politischen und ökonomischen Diskurse das kulturelle Gewicht der tropischen Naturräume in die Waagschale zu werfen. Eindimensionalen Armutsdebatten (Hunger, Gewalt, politische Krisen) oder groben Banalisierungen werden die künstlerische Komplexität und der ästhetische Überschuss der Tropen gegenübergestellt, letztlich auch mit dem Ziel, den Nord-Süd-Dialog neu zu bestimmen. Der Süden wird somit aus der Falle eines chronischen Defizitdiskurses befreit, während der Norden seine Welterklärungsmodelle, die auf ökonomischen Parametern fußen, relativiert, damit eine echte kosmopolitische und mehrperspektivische Weltsicht im Sinne Humboldts möglich wird. Die Ausstellung ist damit auch eine Etappe auf dem Weg zum Humboldt-Forum, das künftig in der Mitte Berlins die außereuropäischen Kulturen zu einem Zwiegespräch mit den Meisterwerken Europas auf der Museumsinsel einladen will.

Der Begriff der Tropen war von Beginn an ein kulturelles Konstrukt, und zwar nicht nur jenseits der Wendekreise. Zwischen der tropischen Natur und ihrer Wahrnehmung durch die Menschen lagen immer wieder Vorstellungen aus der Literatur und der bildenden Kunst. Deutungen und Lesarten der Tropen gleichen einer imaginären Bibliothek und einem erfundenen Museum, in denen unsere Träume und geheimen Wünsche aufgehoben sind. Bis heute prägen die Künstler unsere Vorstellung der Tropen.

Die Ausstellung setzt an der europäischen Projektion der Tropen an, sie versucht aber zugleich, dieses Konstrukt zu reflektieren. Diese Ambivalenz zeigt sich in den verschiedenen Ansätzen der drei Kuratoren. Alfons Hug zeigt nicht nur Werke von zeitgenössischen Künstlern aus den Tropen, sondern bezieht auch Werke von Künstlern ein, die nicht aus den Tropen stammen, diese aber zum Thema machen. Viola König gruppiert Objekte innerhalb des Themas „Farben und Klänge der Tropen“ und ermöglicht so, Gemeinsamkeiten bestimmter Aspekte der Kunst aus den Tropen nachzugehen. Peter Junge stellt Beispiele der Kunst aus den Tropen zu drei grundsätzlichen Themen menschlicher Gesellschaften vor, deren Gemeinsamkeit zunächst nur darin besteht, dass sie Kulturen zugeordnet sind, die dem geographisch definierten Bereich der Tropen angehören. Aspekte der europäischen Vorstellung von den Tropen spiegeln sich in diesen Werken nicht. Ob sie als Teile eines Korpus tropischer Kunst Gemeinsamkeiten haben, die sie von Kunstwerken außerhalb dieser Region fundamental unterscheiden, ist eine Frage, die die Ausstellung nur aufwerfen, aber nicht endgültig beantworten kann. Für den Diskurs über die Tropen ist diese offene Situation positiv. Sie trägt dazu bei, den von Europa konstruierten Begriff der Tropen zu dekonstruieren, – die Voraussetzung einer neuen, adäquateren Betrachtung dieses Themas.

Rund zweihundert Exponate aus Afrika, Asien, Ozeanien und dem tropischen Amerika aus den Sammlungen des Ethnologischen Museums in Berlin, die weltweit zu den wichtigsten gehören, treten in einen Dialog mit Werken von dreißig zeitgenössischen Künstlern aus Brasilien, Südamerika, Europa, Afrika und Asien. Alte und neue Kunst finden räumlich zusammen. In der zeitgenössischen Kunst reichen die Sujets von Indonesien bis Kuba, von Westafrika bis Brasilien.

Die Ausstellung schlägt zum ersten Mal eine Brücke zwischen Werken, die in vormoderner Zeit entstanden, und zeitgenössischen Positionen. Die Moderne wird dabei bewusst übersprungen, da die Bezüge etwa Picassos zur afrikanischen Kunst oder der deutschen Expressionisten zur melanesischen Skulptur bereits hinreichend beleuchtet worden sind.

Die vormoderne Kunst zeigt uns die Tropen, bevor sie ihre Unschuld verloren und zur so genannten Dritten Welt wurden. Dem Stigma des heutigen Ausschlusses antwortet sie mit Erhabenheit und Sammlung. Bestechend sind ihre unwiderstehliche Formensprache, der plastische Reichtum, der spirituelle Gehalt und die Fähigkeit, den Betrachter in ein Zwiegespräch zu verwickeln. Die Stärke der zeitgenössischen Kunst liegt dagegen im hohen Reflexionsgrad und kritischen Potenzial. Gleichzeitig ist bei den heutigen Künstlern aber auch ein Wiederaufleben individueller Mythologien zu beobachten. Anknüpfungspunkte ergeben sich insofern, als sich nicht wenige zeitgenössische Künstler Elemente alter Kulturen systematisch aneignen und in ihren Werken auch anthropologische oder ethnologische Erkenntnisse verarbeiten.

Neben etwa 200 alten Kunstwerken von zumeist anonym gewordenen Künstlern aus Ghana, Nigeria, der Demokratischen Republik Kongo, Indien, Thailand, Sri Lanka, Myanmar, Indonesien, Papua New Guinea, Hawaii, Samoa, Brasilien, Guatemala, Mexiko, Panama, Peru, Bolivien sind u.a. Werke von folgenden zeitgenössischen Künstlern geplant:

Mauricio Dias/Walter Riedweg (Brasilien), Paulo Nenflidio (Brasilien), Beatriz Milhazes (Brasilien), Caio Reisewitz (Brasilien), Fernando Bryce (Peru), Sandra Gamarra Heshiki (Peru), David Zink Yi (Peru), Guy Tillim (Südafrika), Pieter Hugo (Südafrika), Theo Eshetu (Äthiopien), Sherman Ong (Singapur), Mark Dion (USA), REA (Australien), Jitish Kallat (Indien), Vong Phaophanit (Laos), Dinh Q. Lê (Vietnam), Roberto Cabot (Frankreich/Brasilien), Franz Ackermann (Deutschland), Andreas Gursky (Deutschland), Thomas Struth (Deutschland), Candida Höfer (Deutschland), Hans Christian Schink (Deutschland), Marcel Odenbach (Deutschland).


22.08.2008 - 09.11.2008
The Collections of Barbara Bloom

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele
Medienpartner rbb Inforadio, rbb Kulturradio, rbb Fernsehen

Der Martin-Gropius-Bau zeigt eine Ausstellung mit Arbeiten der amerikanischen Künstlerin Barbara Bloom. In einer mit Bildern überfüllten Welt kreiert Barbara Bloom visuell reiche Kunstwerke, die Formen des Betrachtens untersuchen. International bekannt für ihre Arbeiten, die präzise, detailliert und makellos ausgeführt sind, zeigt Barbara Bloom nur selten ein einzelnes Bild oder Objekt. Stattdessen beschäftigt sie sich mit der Beziehung zwischen Objekt und Bild sowie der impliziten Bedeutung ihrer Anordnung und Zusammenstellung. Ihre Kunst nimmt die Schönheit als Prämisse, um Illusion, Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit zu erforschen.

Bloom gehört neben Cindy Sherman, Richard Prince und Barbara Kruger zu den herausragenden Künstlern der postmodernen Generation. Sie ist besonders für ihre geistreichen und eleganten Arbeiten bekannt, bei denen sie gesammelte Objekte mit selbst hergestellten kombiniert. Die Schau vereint viele Komponenten früherer Arbeiten, so die bedeutenden Werke The Reign of Narcissism und Esprit de l’Escalier, neben aktuellen Arbeiten, wie Exemplare ihrer umfangreichen persönlichen Sammlung von Eintagsfliegen und Objekten unterschiedlichsten Ursprungs. Bloom ordnet jede Arbeit neu an oder fügt Elemente hinzu; dies nicht nur um die Grenzen zwischen „selbstgemachtem“ und gefundenem Material, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu verwischen, sondern auch um zu zeigen, dass Bedeutung erst durch einen Kontext entsteht.

Wie der Titel nahe legt, zeigt die Ausstellung Sammlungen und reflektiert diese. Es handelt sich um eine hybride Ausstellungsform: eine Kombination aus einer selbst kuratierten – in der Mitte der Karriere stehenden – Retrospektive, einem Nachlass verkauf und einem Selbstportrait. Bloom gründet ihre Karriere auf der Infragestellung von Erscheinungen und der Untersuchung des Besitzstrebens. Dabei hinterfragt sie konventionelle Wahrnehmungsformen mit ironischen Kommentaren zum Wertewandel, den Praktiken des Sammelns und den Normen einer Retrospektive.

Zu den vielen ungewöhnlichen Objekten, die präsentiert werden, gehören ein Playboy-Magazin in Blindenschrift, Briefmarken, auf denen Arbeiten zeitgenössischer Künstler gezeigt werden, ein Polsterstuhl, auf dessen Stoff eine Röntgenaufnahme der Zähne der Künstlerin zu sehen ist, ein pornografisches Bild, das auf einem Reiskorn aufgedruckt wurde, zerbrochene Keramikkrüge, deren Risse mit Gold repariert wurden und ein Teppich, auf dem die Titelseite der Erstausgabe des Romans Lolita von Vladimir Nabokov dargestellt wird.

Die Ausstellung ist in elf Sammlungsbereiche gegliedert: Innuendo, Framing, Doubles, Broken, Songs, Naming, Charms, Blushing, Belief, Reading In, und Stand Ins. Diese eigenwilligen Kategorien enthalten notwendigerweise viele Anspielungen. Sie agieren als Schlüssel und Wegweiser, die es dem Betrachter ermöglichen sollen, sich durch Blooms Bilder und Objekte einen Weg zu bahnen. Sie veranlassen zu einem Dialog und öffnen den Blick für Blooms einzigartige Vision. Ergänzend zur Ausstellung wurde von der Künstlerin ein umfassend illustrierter Katalog mit Texten von Dave Hickey und Susan Tallmann herausgegeben. The Collections of Barbara Bloom kann als Installation und Künstler-Retrospektive, der Katalog als Künstlerbuch und catalogue raisonné bezeichnet werden.

Barbara Bloom wurde 1951 in Los Angeles geboren. Sie studierte am Bennington College und zusammen mit John Baldessari am California Institute of the Arts. Mehrere Jahre lebte und arbeitete die Künstlerin in Amsterdam und Berlin. Ausgestellt wurden ihre Werke u. a. im Museum of Modern Art in New York, im Museum of Contemporary Art in Los Angeles, im MAK in Wien, in der Serpentine Gallery, London, im Kunstverein München, in der Kunsthalle Zürich und anderen internationalen Institutionen, wie auf der Biennale in Venedig, wo sie den Due Mille Preis erhielt. Sie ist Preisträgerin der Guggenheim-Stiftung, des Wexner Center of Art und des Getty Research Institute. Zurzeit lebt und arbeitet sie in New York City.


27.06.2008 - 28.09.2008
Malerei für die Ewigkeit. Die Gräber von Paestum

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele in Zusammenarbeit mit dem Bucerius Kunst Forum, Hamburg
Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds
Schirmherrschaft Die Ausstellung steht unter dem Alto Patronato des italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
Die Stadt Paestum ist mit seinen drei großen dorischen Tempeln durch die Stiche Piranesis (1777/78) und die eindrucksvolle Beschreibung Goethes in seiner Italienischen Reise (1787) schon früh berühmt geworden. Die Stadt in Süditalien bewahrt zugleich einen der größten Schätze antiker Freskomalerei auf. In den 1960er Jahren wurden bei Ausgrabungen rund 200 reich bemalte Gräber aus der Zeit der Lukaner (4. Jh. v. Chr.) entdeckt.

Der Martin-Gropius-Bau widmet diesen seltenen Beispielen antiker Grabkunst nun eine Ausstellung. Insgesamt 43 bemalte Grabplatten aus dem Museo Archeologico Nazionale di Paestum werden in Berlin präsentiert, darunter sieben vollständige Gräber. Die aus jeweils vier tonnenschweren Einzelplatten bestehenden Steingräber werden in der Ausstellung wieder zu ihrer ursprünglichen Form zusammengesetzt und frei im Raum aufgestellt. Anders als im Museum von Paestum, wo die Malereien nur als Einzelplatten zu betrachten sind, wird damit die räumliche Einheit der Darstellungen wieder hergestellt. Die Fresken zeigen Kampfszenen, Wettkämpfe sowie Bestattungsriten des italischen Volksstammes der Lukaner, der im 5. Jh. v. Chr. die ehemals griechische Kolonie Paestum besiedelte.

Im Unterschied zu den Pyramiden der Pharaonen, den Grabstelen der Griechen und römischen Sarkophagen waren die Gräber der Lukaner nicht für die Nachwelt gedacht. Sie wurden gleich nach dem Begräbnis verschlossen. Die Bilder waren den Blicken der Lebenden entzogen und dazu bestimmt, den Toten ins Jenseits zu begleiten. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Grabfresken über 2400 Jahre bis heute erhalten geblieben sind. Sie bieten damit einen seltenen Einblick in die Bildkunst jener Zeit, denn die griechischen Malereien, die den Künstlern von Paestum als Vorbild dienten, sind heute weitgehend verloren. Paestum wird daher nicht allein als Stätte berühmter griechischer Tempel begriffen, sondern auch als Ort der umfassendsten „Pinakothek“ antiker Malerei.

Die Malereien der Paestaner überraschen durch ihre Lebendigkeit und erzählerische Vielfalt. Während Frauengräber die Aufbahrung mit Klagefrauen, Musikanten und Opferszenen darstellen, feierte man in Männergräbern die Verstorbenen als siegreiche Kämpfer. Häufig wiederkehrende Motive sind heimkehrende Männer zu Pferde und Frauen, die sie mit einem Willkommenstrunk begrüßen, aber auch Jagdszenen und Leichenspiele mit Wagenrennen, Lanzenstechen und Faustkämpfen. Fabeltiere wie Sphinx und Greif sind ebenso dargestellt wie Nereiden, die auf Seepferden reiten – eine Anspielung auf die Inseln der Seligen. Die vielen von den Malern beobachteten Details geben Aufschluss über das aristokratische Leben in der antiken Stadt Paestum. Neben dem Bilderschmuck der Grabkammern wurden den Toten auch zahlreiche Grabbeigaben mit auf den Weg gegeben. Kostbare Vasen, Rüstungen und andere Objekte, die in den Gräbern gefunden wurden, belegen eindrucksvoll, wie die Lukaner ihre Toten ehrten.
Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Darstellung der antiken Tempel von Paestum in den bildenden Künsten von 1750 bis 1850. Eine konzentrierte Auswahl von etwa 55 Gemälden, Radierungen, Zeichnungen und Aquarellen stellt facettenreiche Ansichten des seit Mitte des 18. Jahrhunderts zum europäischen Bildungsgut avancierten Paestum vor Augen.

Das Spektrum reicht von den Veduten Antonio Jolis bis hin zu den berühmten Radierungen Giovanni Battista Piranesis, einschließlich seiner Vorzeichnungen, die in einer Auswahl erstmals in Deutschland gezeigt werden. Es umfasst Impressionen, die der Deutsch-Römer Jakob Philipp Hackert, Goethes künstlerischer Mentor Christoph Heinrich Kniep oder der französische Romantiker Hubert Robert in ihren Gemälden verarbeiteten, gefolgt von den präzisen architektonischen Aufnahmen, die Friedrich von Gärtner und Leo von Klenze, Thomas Major und Saint-Non in ihren Reisejournalen, Stichpublikationen und Architekturtraktaten veröffentlichten. Drei Architekturmodelle der Tempel von Paestum ergänzen die Präsentation und schaffen einen eindrucksvollen Hintergrund für die Gräber der Lukaner.

Das Konzept der Ausstellung Malerei für die Ewigkeit. Die Gräber von Paestum erarbeitete der bedeutende Archäologe Prof. Dr. Bernard Andreae, ehemaliger Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, der bereits 2006 die Ausstellung Kleopatra und die Caesaren und 2004 die erfolgreiche Etrusker-Ausstellung im Bucerius Kunst Forum kuratiert hat. Dr. des. Nina Simone Schepkowski, wissenschaftliche Volontärin am Bucerius Kunst Forum, konzipierte den zweiten Ausstellungsteil zur Rezeptionsgeschichte der antiken Tempel von Paestum in den bildenden Künsten des 18. und 19. Jahrhunderts.


13.06.2008 - 18.08.2008
Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele in Kooperation mit La Fábrica und dem Man Ray Trust, New York.
Kuratoren Noriko Fuku und John Jacob
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
Die Ausstellung „Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ umfasst Zeichnungen, Fotos, Gemälde und Plastiken aus der Sammlung des Man Ray Trusts in Long Island, New York. Die Sammlung des Man Ray Trusts ist nie zuvor gezeigt worden. Durch das Nebeneinanderstellen von Man Rays künstlerischen Arbeiten, seinen Werkzeugen, Dokumenten, den Gegenständen und Bildern, aus denen er seine Inspiration schöpfte, schafft die Ausstellung einen unverwechselbaren Kontext für das Erleben und die Würdigung seiner breit gefächerten künstlerischen Arbeiten.

Die Sammlung Man Ray Trust
Nach dem Tode von Man Ray 1976 ging der Nachlass des Künstlers auf seine Frau Juliet über, die zu dessen Bewahrung und Pflege gemeinsam mit ihren Brüdern den Man Ray Trust ins Leben rief. Ein Teil des Nachlasses wurde den französischen Nationalmuseen gestiftet, während der Trust für die amerikanische Sammlung Kunstwerke und Objekte sowie Dokumente und persönliche Gegenstände für einen umfassenden Überblick über das mehr als 60 Jahre währende kreative Leben Man Rays auswählte.

Der Trust hat bisher über 2000 Werke katalogisiert und ihre Echtheit bestätigt, insgesamt ist die Sammlung aber noch immer nicht in allen Facetten erforscht. „Man Ray: Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ ist die erste Ausstellung, die einen umfassenden Einblick in die Sammlung ermöglicht. Die Sammlung des Trusts ist deshalb einzigartig, weil sie Bestände aller Schaffensphasen Man Rays umfassen, darunter auch wenig bekannte Frühwerke, Dokumente aus seinem Privatleben, Skizzen für größere Arbeiten und deren Dokumentation sowie zahlreiche Meisterwerke. Wie in einem Artikel der Zeitschrift „ArtNews“ über den Trust im Juni 2002 konstatiert wurde, ist die Sammlung „perfekt“.

Die Ausstellung
„Unconcerned But Not Indifferent“ (Unbekümmert, aber nicht gleichgültig) lautet die Inschrift auf Man Rays Grabstein, die für den Titel der Ausstellung gewählt wurde. Mit über 300 Stücken ist sie die erste ihrer Art, die Man Rays künstlerische Arbeiten mit den Gegenständen und Bildern in Beziehung setzt, aus denen er seine Inspiration schöpfte – seine Melone und sein Spazierstock, Gegenstände aus den Regalen seines Studios in der Rue de Ferou in Paris, seine Sammlung erotischer Fotografien und die Objekte, die er für seine bekannten Rayografien verwendete.

Wegen der Fülle des Materials, das im Man Ray Trust zur Verfügung stand, beschäftigt sich die Ausstellung mit der Entwicklung zahlreicher Motive von den Skizzen bis zum Meisterwerk und zeigt Man Rays gelegentliche Nutzung fotografischen Materials für Gemälde und Grafiken. In der Ausstellung hat der Besucher auch die Möglichkeit sich ein Bild von Man Rays Leben und seinen schöpferischen Prozessen zu machen. So werden persönliche Gegenstände wie Schmuckstücke, die Man Ray für seine Frau Juliet anfertigte, private Briefe, Zeichnungen und Manuskripte, darunter zwei frühe Entwürfe von Man Rays Autobiografie, eine Formel für Fotochemikalien und eine Patentanmeldung für ein magnetisches Schachspiel gezeigt. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung bisher noch nie gezeigte Dokumente, die Man Ray als Quellenmaterial für seine Gemälde und Drucke verwendete, sowie Probeabzüge mit Anmerkungen Man Rays für sich selbst und seine Drucker. Diese Gegenstände werden den fertigen Werken zugeordnet, auf die sie sich beziehen, und bieten somit eine neue Sicht auf sein Leben und künstlerisches Schaffen.

Der Aufbau von „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ folgt den vier Schaffensperioden von Man Ray: New York (1890–1921), Paris (1921–1940), Los Angeles (1940–1951), Paris (1950–1976). Den Auftakt bildet New York mit einer Sammlung von Abzügen aus Man Rays persönlichen Karteien, in denen er seine Frühwerke dokumentierte. Diese Karteien, deren Originale nach Man Rays Tod aus seinem Studio gestohlen wurden und nicht wieder auftauchten, waren Gegenstand beträchtlicher Kontroversen und sind nie zuvor gezeigt worden. Soweit möglich, werden sie den Arbeiten zugeordnet, die sie dokumentieren. Aus den Jahren in Paris werden u. a. Man Rays Dokumentation seiner eigenen Werke und die anderer Künstler, darunter Duchamp, Picasso, Miro und Leger gezeigt sowie ein kleines Buch, das Man Ray von Rousseaus Werk anfertigte. Durch dessen Werk erlernte Man Ray das Fotografieren und fand in den 1920er Jahren Zugang zur Pariser Kunstwelt. Auch diese Arbeiten sind größtenteils unbekannt.

Es werden zahlreiche Werke aus jeder Lebensperiode Man Rays gezeigt. Viele der vorgestellten Arbeiten sind gut bekannt, jedoch seit seinem Tod nicht mehr zu sehen gewesen. Als Ergebnis gründlicher Recherchen in den nicht katalogisierten Beständen des Trusts zeigt die Ausstellung erstmals eine Auswahl aus folgenden bislang gänzlich unbekannten Werkserien:

* Fotografische Platten von „Les Mains Libres“ mit Schnittspuren Man Rays, datiert 1936 und 1937
* Dokumentaraufnahmen aus Frankreich aus den 1920er Jahren
* ein bislang unbekanntes Dokument von Marcel Duchamps „Large Glass“
* Kontaktabzüge mit Man Rays Schnittspuren aus allen Schaffensperioden, schwarz-weiße Polaroid-Abzüge aus den frühen 1960er Jahren
* eine Sammlung gerahmter Farbdias aus der Zeit, als Man Ray mit Farbfotografie experimentierte
* eine aus vier „frottages“ bestehende Gemeinschaftsarbeit von Man Ray und Max Ernst.


17.05.2008 - 14.07.2008
gute aussichten – junge deutsche fotografie 2007/2008

Pressemitteilung
Veranstalter
gute aussichten//Stefan Becht
Tel +49 (0)69 57 20 55 | Fax +49 (0)69 57 30 34
E-Mail stefan@stefanbecht.de
www.guteaussichten.org
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
„gute aussichten – junge deutsche fotografie 2007/2008“ ist ein Nachwuchsförderungsprojekt, das 2004 als private Initiative von Josefine Raab und Stefan Becht und gegründet wurde. Den Kern des Projekts bildet ein jährlich stattfindender Wettbewerb für Abschlussarbeiten aus allen deutschen Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien, die den Studiengang Fotografie anbieten. Jede Hochschule kann maximal fünf Bewerber ins Rennen schicken.

Die Jury, bestehend aus Josefine Raab (Initiatorin), Luminita Sabau (Kuratorin), Thomas Demand (Künstler und Fotograf), Mario Lombardo (Art Director) und Ingo Taubhorn (Kurator) hat 11 Gewinner(innen) mit 10 Arbeiten für das Nachwuchsförderungs-Projekt „gute aussichten – junge deutsche fotografie 2007/2008“ ausgewählt. Wie immer gibt es bei „gute aussichten“ kein Preisgeld und keine Rangliste, sondern „nur Gewinner(innen)“ streng nach ABC geordnet:
Zwei Personen in einem Raum, verschiedene Requisiten und das Vorhaben, jeden Tag ein Bild entstehen zu lassen: Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler, die bereits seit geraumer Zeit gemeinsame Projekte realisieren, waren für ihre Arbeit „Um was es nicht geht“ die Versuchspersonen ihres eigenen Experiments. Das Ergebnis ist ein bunter Mix aus Fotografie, Typographie und Installation, in dem sich kreative Spielfreude und spontane Eingebung mit einem ausgeprägten Formwillen auf das Beste vereinen.

Annette Grotkamp begibt sich in ihrer Serie „innerwald“ in Räume künstlicher oder kultivierter Natur, in denen sie die klaren Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen realer und erschaffener Landschaft aufhebt zugunsten poetischer, naturhafter Kompositionen, in denen der Betrachter ohne Bezug zu Zeit und Raum zu schweben scheint.

Jon Adrie Hoekstra betätigte sich für seinen „Nachtrecorder“ zunächst als Nachtreporter, der über einen bestimmten Zeitraum zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens die Vorgänge auf einer Hauptverkehrsstraße in Münster/Westfalen in Wort und Bild festhielt. Das Aufgezeichnete wurde den Anwohnern als Ausstellung präsentiert und als Zeitung herausgegeben womit das Geschehene wieder in die Gemeinschaft zurückgetragen wurde.

Margret Hoppe beschäftigt sich in „Die verschwundenen Bilder“ mit Kunstwerken in der ehemaligen DDR und damit, was nach dem Fall der Mauer mit diesen kulturellen Hinterlassenschaften geschah und noch geschieht.

Andrej Krementschouk spürt in „An Deinem Haus“ in melancholischen Bildern seiner alten, vom Verschwinden bedrohten Heimat in einem russischen Dorf nach und stellt damit die immer wieder aktuelle Frage nach Erinnerung und Verlust, nach emotionaler Verwurzelung und kultureller Identität.

Belaid le Mharchi unternimmt in „Portraits #1-#5“ den Versuch, eine bildliche Übersetzung für jenes Grauen zu finden, das der Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki sowohl bei den Betroffenen als auch in der Welt hinterlassen hat.

Agata Madejska erkundet in „kosmos“ die Welt der Spielplätze und lässt dabei magische Orte und Bilder entstehen, die den Betrachter in eine längst vergessene Welt der Kindheitsträume entführen.

Caterina Micksch bannt in „Gretchen“ mit fast lapidarem Blick Orte ins Bild, an denen im Jahr 2006 getötete Säuglinge aufgefunden wurden. Wie in den Portraits von Belaid le Marchi erzeugt auch hier die dokumentarische Sachlichkeit der Bilder erst im Kontext mit dem Wissen um das Geschehen das grausige Entsetzen.

Jörg Obernolte unternimmt in „Vater Land und Mutter Erde“ eine 778 km lange Reise auf der Bundesstraße 1 von West nach Ost, die er in einem fotografischen Reisetagebuch dokumentiert und kommentiert.

Christian Tiefensee, begibt sich in „Refugium“ auf eine Reise ins Innere – in jenes seelische Gefüge, das als offene, bewegliche und ambivalente Struktur die Grundlage menschlicher Existenz abbildet.

Die diesjährige Ausstellung umfasst über 200 einzelne Motive, zwei Rauminstallationen, vier Bücher, zwei DVDs, zwei Magazine sowie eine Zeitung und ist damit die umfangreichste Auswahl seit Bestehen des Projektes. Wie in den ersten drei Jahren bietet „gute aussichten“ damit eine einzigartige und im Detail oft überraschende Zusammenschau dessen, was in den letzten 12 Monaten an junger Fotografie in Deutschland entstanden ist.

Die Initiatorin Josefine Raab zur diesjährigen Auswahl: „Es gibt erkennbare Trends, aber keine große Richtung. Jeder „gute aussichten“-Jahrgang spiegelt mehr oder weniger starke Strömungen und Stilelemente wider. In den letzten Jahren beobachteten wir verstärkt Grenzgänge der Fotografie in andere Medien wie Film, Theater und Performance, medienkritische Auseinandersetzungen, Inszenierung und Selbstbefragungen, Raum und Landschaftsfotografie. Im Jahr der Documenta XII tauchen zum ersten Mal verstärkt soziale, kulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen in der jungen deutschen Fotografie auf, was in der diesjährigen Auswahl einen deutlichen Niederschlag gefunden hat.“

Die Deutschland-Premiere von „gute aussichten – junge deutsche fotografie 2007/2008“ fand in Köln im Forum für Fotografie statt.
Köln: Forum für Fotografie (26.10.2007 – 21.12.2007)
Hamburg: Haus der Photographie, Deichtorhallen (17.1. – 24.2.2008)
Burghausen: Haus der Photographie (6.3. – 4.5.2008)
Berlin: Martin-Gropius-Bau (17.5. – 14.7.2008)

Das 48-seitige „gute aussichten 2007/2008“ Spezial-Heft ist kostenlos im Martin-Gropius-Bau erhältlich.


09.05.2008 - 28.07.2008
Jewgeni Chaldej – Der bedeutende Augenblick. Eine Retrospektive

Pressemitteilung
Veranstalter
Ernst Volland und Heinz Krimmer
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
Ab 9. Mai 2008 ist im Martin-Gropius-Bau Berlin die erste große Retrospektive des russichen Fotografen Jewgeni Chaldej zu sehen. Jewgeni Chaldej, der Robert Capa Rußlands, hat als Fotograf umfassend über den 2. Weltkrieg, den Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion berichtet. Einige dieser Bilder sind weltberühmt und zu Ikonen der Fotogeschichte geworden. Chaldej ist nicht nur durch seine spektakulären Dokumentarfotografien des 2.Weltkrieges oder durch das zur Ikone gewordene Bild der inszenierten Flaggenhissung auf dem Deutschen Reichstag bekannt geworden, sondern auch durch jene Fotografien, die während der Potsdamer Konferenz und im Kontext des Nürnberger Prozesses entstanden sind. Die Retrospektive zeigt neben diesen historischen Aufnahmen bisher noch nicht veröffentliche Fotos aus dem Gesamtwerk Chaldejs sowie frühe Arbeiten aus den 30er Jahren bis hin zu seinem Spätwerk Ende der 80er Jahre.

1917 im Donezk Gebiet in der Ukraine geboren, bekam Chaldej mit 13 Jahren seine erste Kamera. 1936 wird er Fotoreporter bei der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS. Er begleitet den Zweiten Weltkrieg mit der Kamera seit dem 22. Juni 1941, dem Tag des Überfalls der deutschen Armee auf die Sowjetunion. Er wird zum Zeugen vieler Schlachten, vom Norden bei Murmansk bis ans Schwarze Meer.

Chaldej erlebte als Soldat und Fotograf den Rückzug der deutschen Truppen und dokumentiert den Vormarsch der russischen Soldaten auf Belgrad, Budapest, Wien und schließlich Berlin. Mit Unterbrechungen arbeitete er bis in die siebziger Jahre bei TASS und der „Prawda“. Er starb am 6. Oktober 1997.

Ziel der Retrospektive ist es, das Gesamtwerk in repräsentativer Auswahl erstmals zugänglich zu machen. Ausgestellt werden mehr als zweihundert Originalaufnahmen. Chaldej bereiste als Fotoreporter der TASS auch die ganze Sowjetunion. Er fotografierte den Bau von Staudämmen in Sibirien, die Ölfelder von Baku und die Weizenernte in der Ukraine, wie auch die politischen Herrscher jener Zeit.

Die Gesamtschau wird zeigen, wie das Werk Chaldejs auch das Spannungsverhältnis von Propaganda und Dokumentation widerspiegelt. In Essays des begleitenden Katalogs wird dieses Verhältnis kritisch untersucht. Zwischen freier Fotografie und Auftragsfotografie oszilliert das Werk Chaldejs.

Die Fotografien Chaldejs sind biografisch, historisch und ästhetisch mit der deutschen Geschichte eng verbunden. Die Ausstellung hat das Ziel, einem breiten Publikum in Deutschland und der Ukraine diese Verbindung bekannt zu machen. Chaldej war Jude und immer wieder Opfer von Antisemitismus; sein Vater und drei Schwestern wurden 1941 von deutschen Soldaten ermordet. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass Chaldejs Werk nicht unter Begriffen wie Propaganda oder Heroische Moderne zu subsumieren ist. Denn sein fotografischer Blick blieb stets auch auf das Leben einfacher Leute gerichtet.

Alle Fotos von Jewgeni Chaldej stammen aus der Sammlung Ernst Volland und Heinz Krimmer. Gezeigt werden in Ergänzung Aufnahmen der sowjetischen Kollegen Dimitri Baltermans und Georgi Petrussow.

Die Ausstellung wird anschließend in Kiew gezeigt.


14.03.2008 - 01.04.2008
Dani Karavan – Retrospektive

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele
in Zusammenarbeit mit dem Tel Aviv Museum of Art und den Staatlichen Museen zu Berlin – Nationalgalerie.
Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin.
Mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
Erstmals ist in Deutschland dem israelischen Künstler Dani Karavan eine große Retrospektive gewidmet. Die Ausstellung wird im Martin-Gropius-Bau gezeigt und entsteht in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Zuvor ist die Ausstellung im Tel Aviv Museum of Art zu sehen. Der Verein der Freunde der Nationalgalerie fördert die Ausstellung großzügig. Der Hauptstadtkulturfonds hat das Vorhaben ermöglicht. Die Ausstellung wird ein Beitrag zum 60. Geburtstag Israels sein.

Das Besondere der künstlerischen Arbeit von Dani Karavans ist es, Stadt- und Landschaftsräume auf neue und bemerkenswerte Weise erfahrbar und erlebbar zu machen. Er geht bei dieser gestalterischen Verwandlung immer von der Geschichtlichkeit des Ortes aus und entwickelt mit seinen komplexen Zeichensetzungen vielfältige gesellschaftliche, historische und politische Bezüge, die dem Betrachter durch eine ungewohnte und ästhetisch höchst verdichtete Gestaltgebung bewusst werden. Aus den Potentialen der Erinnerung transformiert er neue sinnliche und kommunikative Erfahrungsräume.

In diesem Prozess spielt der intensive Dialog zwischen Mensch, Natur und Kunst eine entscheidende Rolle, denn Karavan geht von der elementaren Auffassung aus: „Alles, was die Menschen wissen, geht auf die Natur zurück. Alle Formen, ob verborgen oder offen, finden sich in der Natur. Selbst Dinge, die nur in der Imagination oder im Unbewussten existieren, entstammen der Natur.“

Dani Karavan wurde 1930 in Tel Aviv geboren. Er studierte zunächst in Tel Aviv und in Jerusalem an der berühmten Bezalel Academy of Arts. Nach einigen Jahren im Kibbuz, dem Studium der Freskotechnik 1956/57 in Florenz und der Arbeit als Bühnenbildner für Theater- und Tanzkompanien wie die berühmte Martha Graham Dance Company begann Dani Karavan an großen Environments ortsspezifisch zu arbeiten. Sein erstes Hauptwerk, das 1968 vollendete Negev-Monument in Beersheba, trug ihm internationale Anerkennung ein. In Erinnerung an den Unabhängigkeitskrieg Israels 1947/48 schuf er ein machtvolles, tektonisches Skulpturengefüge, das in seiner archaischen Klarheit der streng geometrischen Formen zu einem beeindruckenden Signal der Behauptung in der kargen Wüstenlandschaft wurde.

Ein weiteres herausragendes Beispiel seiner künstlerischen Arbeit ist die Walter Benjamin gewidmete Arbeit „Passages“ (1990–1994) in Portbou an der spanisch-französischen Grenze, an dem Ort, wo sich Benjamin auf der Flucht vor den Nazis 1940 das Leben nahm. Der Besucher schreitet eine schmale Treppe herab, die in das felsige Hochufer eingelassen ist und scheinbar im Nichts endet. Der Blick, durch eine eingelassene Glasscheibe mit einem Ausspruch von Benjamin leicht verfremdet, ist auf das sich verändernde Meer gerichtet, das unmittelbar bewegtes Leben und endlose, ewige Weite gleichermaßen verkörpert. Die Realität wird zum Ort der Meditation.

Dani Karavan, der heute in Paris und Tel Aviv lebt, hat seitdem seine Arbeiten in vielen Ländern realisiert, so in Israel, Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, den USA, Korea, Japan und besonders in Deutschland. Seit seiner Teilnahme an der documenta 6 in Kassel 1977 ist Deutschland für Dani Karavan zu einem der wichtigsten Orte seiner künstlerischen Arbeit geworden, denn hier entstanden eine ganze Reihe bedeutender Werke für den öffentlichen Raum. Dazu gehören „Ma’alot“ in Köln (1979–1986), die „Straße der Menschenrechte“ (Way of Human Rights) in Nürnberg (1989–1993), „Mimaamakim“ in Gelsenkirchen (1997) und „Grundgesetz 49“ in Berlin (2002).

Die hohe internationale Wertschätzung von Dani Karavans Schaffens zeigt sich nicht zuletzt in der Verleihung des „Kaiserrings der Stadt Goslar“ 1996, der Mitgliedschaft des Ordens Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaften 1997, der Verleihung des „Praemium Imperiale“ in Japan 1998 und der Verleihung des Piepenbrock Preises für Skulptur 2004.

Die Ausstellung im 1. Obergeschoss des Martin-Gropius-Bau wird in 20 Räumen einen umfassenden Überblick über Dani Karavans Schaffen geben. Beginnend mit einem Einblick in die künstlerischen Anfänge werden alle wichtigen Werkphasen und ihre Hauptwerke vorgestellt.

Die großen Environments im öffentlichen Raum werden durch Modelle, Fotografien und beeindruckende Filme dokumentiert. In spannendem Kontrast dazu entwickelt Dani Karavan für die Ausstellung neue Installationen, die seine Arbeitsweise, den Umgang mit bestimmten Materialien und Metaphern veranschaulichen. Ausgehend von seiner Arbeitsweise, die Erinnerungspotentiale eines Ortes künstlerisch zu erschließen, reagiert der Künstler in Berlin auf die Spuren der faschistischen Vergangenheit, der Teilung der Stadt und ihrer Überwindung. So soll am Eingangsportal des Martin-Gropius-Bau, in unmittelbarer Nähe der einstigen Mauer, eine Arbeit zu dieser Thematik installiert werden.

Zur Ausstellung wird ein umfassender Katalog zu Dani Karavans Schaffen erscheinen, der einen Gesamtüberblick über seine verschiedenen Werkphasen enthält und den Ausstellungsrundgang kommentierend begleitet. Der Katalog erscheint in deutscher Sprache. Er wird in großen Teilen auf dem vom Tel Aviv Museum of Art herausgegebenen Katalog basieren, jedoch – der Berliner Ausstellung entsprechend – mit einer anderen Gliederung, einer Reihe neuer Textbeiträge und partiell anderem Bildmaterial versehen sein.


13.03.2008 - 26.05.2008
Macht und Freundschaft. Berlin–Sankt Petersburg 1800–1860

Pressemitteilung
Veranstalter
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und dem Staatlichen Museumsreservat Peterhof.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die GAZPROM Germania GmbH, unterstützt von Dussmann AG & Co. KGaA und der Deutschen Kreditbank AG

Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
Die Wiederentdeckung einer Epoche europäischer Geschichte
Selten war der deutsch-russische Kulturaustausch so intensiv wie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das lag zum einen an den politischen Konstellationen in Europa, zum anderen aber auch an den verwandtschaftlichen Bindungen zwischen dem preußischen und dem russischen Herrscherhaus. Mit faszinierenden Kunstschätzen und kulturgeschichtlichen Zeugnissen beleuchtet die Ausstellung erstmals umfassend diese besonderen Beziehungen zwischen Preußen und Russland.

Seit längerem bereitet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit Partnern wie der Staatlichen Eremitage St. Petersburg und dem Staatlichen Museumsreservat Peterhof sowie weiteren fünf russischen und zahlreichen in- und ausländischen Leihgebern die Ausstellung „Macht und Freundschaft. Berlin – St. Petersburg 1800-1860“ vor, die vom 13. März bis zum 26. Mai 2008 im Martin-Gropius-Bau Berlin zu sehen sein wird. Nach der wiederholten Konzentration auf Moskau wird der Blick nun auf jene Stadt gerichtet, die seit ihrer Gründung im Jahre 1703 als das „Fenster nach Europa“ galt und von 1712 bis 1917 die Hauptstadt des Russischen Reiches war.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Macht und Freundschaft. Berlin – St. Petersburg 1800–1860“ stehen die gleichermaßen von politischem Kalkül wie von intensiven kulturellen Aktivitäten geprägten Beziehungen zwischen Preußen und Russland. Die Napoleonischen Kriege und die in ihrem Ergebnis geschlossene „Heilige Allianz“ zwischen Russland, Preußen und Österreich, aber auch die revolutionären Ereignisse von 1830/31 und 1848 verliehen ihnen eine gesamteuropäische Dimension. Zwischen den Bündnispartnern im Kampf gegen Napoleon, Zar Alexander I., König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise, entwickelte sich eine persönliche Freundschaft. Durch die 1817 erfolgte Eheschließung des russischen Großfürsten Nikolai Pawlowitsch und nachmaligen Zaren Nikolaus I. mit Prinzessin Charlotte von Preußen, nach ihrem Übertritt zum orthodoxen Glauben Alexandra Feodorowna und russische Zarin, gewann sie zusätzlich einen geradezu privaten, von Zuneigung und Sympathie getragenen Charakter. Beide Ebenen, so wird in der Ausstellung zu erleben sein, bestimmten das kulturelle Klima in Berlin und St. Petersburg.

Besonderes Augenmerk gilt dem regen beiderseitigen künstlerisch-kulturellen Austausch, in den Architekten wie Wassily Stassow und Karl-Friedrich Schinkel, Intellektuelle wie Alexander von Humboldt und Wassily Shukowski, Maler wie Franz Krüger, Eduard Gaertner und Grigori Tschernetzow sowie Bildhauer wie Christian Daniel Rauch, Carl Friedrich Wichmann und Baron Peter (Pjotr) Clodt von Jürgensburg involviert waren. Der Ausbau der Kulturlandschaften und Sammlungen von Berlin und Potsdam, St. Petersburg und Umgebung weist bis heute viele Parallelen auf: In Potsdam wurde ein russisches Dorf, Alexandrowka, gebaut sowie eine russische Kirche; Berlin bekam seinen „Alexanderplatz“. Auf der anderen Seite ließ Nikolaus I. die berühmte Sommerresidenz Peterhof zu einer Kulturlandschaft nach Potsdamer Vorbild formen. Der Baukomplex der Römischen Bäder in Sanssouci wurde zur Vorlage für den Zarinnenpavillon, und in Sanssouci wie in Peterhof wurden die gleichen Skulpturen aufgestellt. Sichtbarstes Sinnbild preußisch-russischer Gemeinsamkeit waren die berühmten Petersburger Rossebändiger von Clodt, 1841 auf der Anitschkow-Brücke in St. Petersburg aufgestellt, deren Zwillinge 1844 vor das Berliner Stadtschloss gebracht wurden.

Bildnerische Zeugnisse auf Leinwand, Papier und Porzellan sowie Requisiten von höfischen Ereignissen wie dem Fest „Lalla Rookh“ 1821 in Berlin und dem „Fest der weißen Rose“ 1829 in Potsdam und der Parade von Kalisch 1835, aber auch die Reisezeichnungen von Friedrich Wilhelm IV. lassen eine Epoche lebendig werden, die politisch konservativ und dennoch von Vorboten der Moderne berührt war. Dazu gehört die einsetzende Trennung von „öffentlich“ und „privat“.

Sie manifestiert sich im Kontrast zwischen spätklassizistisch geprägten städtebaulichen Großprojekten einerseits und der biedermeierlich anmutenden Gestaltung der Wohnbereiche sowohl der Zaren- als auch der Königsfamilie, denen jeweils eigene Ausstellungsräume mit Architekturzeichnungen und Interieurdarstellungen gewidmet sein werden.


25.01.2008 - 21.04.2008
Karl Valentin. Filmpionier und Medienhandwerker

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele und Deutsches Filminstitut – DIF e.V. / Deutsches Filmmuseum.
Eine Ausstellung des Filmmuseums Düsseldorf und des Deutschen Filmmuseums Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Schloss Wahn
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio
Der Martin-Gropius-Bau zeigt eine Ausstellung über den bayrischen Komiker, Kabarettist, Autor und Filmproduzenten Karl Valentin. Karl Valentin, der als Valentin Ludwig Fey 1882 geboren wurde, verfügte bereits als Kind über beachtliches künstlerisches und handwerkliches Talent. In jeder seiner Wohnungen installierte er eine Werkstatt, in der er seine Bühnenrequisiten selbst herstellte. Unter anderem konstruierte er eine Jux-Treppe, die als „Frosch-Hüpfbahn“ erfolgreich auf dem Oktoberfest 1921 eingesetzt wurde. Diese Technik-Obsession, sichtbar in produktiven Objektverwandlungen bzw. Zweckentfremdungen von Handwerkszeug und Requisiten, durchzieht seine gesamte Werkgeschichte. Sie findet sich in der Film und Bühne multimedial verbindenden Inszenierung Der Flug zum Mond im Raketenflugzeug (1928), in Stummfilmen wie Der neue Schreibtisch (1913), Die Mysterien eines Frisiersalons (1923) und der Performance-Tonfilminszenierung In der Schreinerwerkstatt (1928).

Der Gastwirt Ludwig Greiner gab jedoch den Anstoß zu Valentins stärkstem künstlerischen Ausdruck: seinem Körper. Greiner porträtierte ihn 1908 als Skelett und lieferte ihm damit die Idee, aus seinem hageren Körper Kapital zu schlagen.

Als „armer magerer Mann“ bezog Valentin seitdem seine Gestalt und Physiognomie in seine sprachspielerischen Texte ein und wurde rasch zur Avantgarde der Münchner Volkssänger. Valentin Ludwig Fey mutierte zur „lebenden Karikatur“ und feierte fortan unter dem Künstlernamen Karl Valentin große Erfolge.

Von besonderer Bedeutung ist Valentins „zweite Hälfte“ Liesl Karlstadt, die in die Bühnen- und Filmgeschichte einging. Im gemeinsamen Engagement mit Valentin sang sie erstmals 1915 im Kabarett „Wien-München“ ihr bis heute berühmtes Chinesisches Couplet. Der Durchbruch gelang ihr mit der Figur des herrischen, dicken Kapellmeisters aus dem später verfilmten Stück Orchesterprobe (um 1918).

Trotz seiner Liebe zur Bühne galt von Anfang an Valentins ganz besondere Vorliebe dem Film. Handwerkliches Geschick wie auch das Interesse für die damals neuen Kommunikationsmittel Telefon, Film und Rundfunk führten 1912 zur Gründung einer eignen Filmgesellschaft. So drehte er im selben Jahr – noch vor Charles Chaplins Regiedebüt – seinen ersten Film Valentins Hochzeit. Bis 1937 folgten über 30 weitere Produktionen, u.a. der in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht entstandene surrealistische Film Die Mysterien eines Frisiersalons (1922) sowie Im Photoatelier (1932), Der verhexte Scheinwerfer (1934) und Der Antennendraht (1937).

An der Schwelle zum Tonfilm wurde Karl Valentin zum Experimentator. 1929 inszenierte der Medienkünstler hinter der Leinwand eines Münchner Kinos den „ersten deutschen Tonfilm“ In der Schreinerwerkstätte als Live-Ton-Performance. Valentin und Karlstadt sägten, lärmten und stritten zur stummen Projektion des Films, persönlich unsichtbar für die Kinozuschauer und doch anwesend auf der Leinwand. Mit dem Fremdenwagen durch München wurde im Mai 1929 uraufgeführt. Valentins Inszenierung entstand zu Beginn der Tonfilmära, als in ganz Deutschland erst sieben (!) Tonfilm-Projektoren im Kinoeinsatz waren. Neben Bühne und Film nutzte Karl Valentin 1928 ein weiteres Medium: Seine Monologe und Couplets erschienen auf Schallplatte. Schnell wurde Valentin, der seine magere Figur mittlerweile effektiv als Markenzeichen einsetzte, zum Werbeträger mehrerer Schallplattenfirmen.

Im Oktober 1934 eröffnete er schließlich in den Kellerräumen des Hotels Wagner sein Panoptikum. Die Sprachskepsis, seine Wortspiele, die ihn als Bühnen- und Filmkomiker berühmt gemacht hatten, wurden dort in Objektform festgehalten. Das Panoptikum war ein zwischen Heiterkeit und Grauen angesiedeltes Museum der Sinne und der Sinnestäuschungen, ein Ort, der die Realität des Alltags irreal und Irreales sinnlich erfahrbar machte. Es präsentierte zum Beispiel ein Kino, in dem Wachspuppen auf eine Vorstellung warteten, die nicht stattfand. Der Erfolg beim Publikum blieb jedoch aus. Das Unternehmen, zu dem Liesl Karlstadt viel Geld beigesteuert hatte, trieb den Komiker Ende 1935 an den Rand des finanziellen Ruins und Liesl Karlstadt in tiefe Depressionen, die zur zeitweiligen Trennung der Partner führten.

In der Nazizeit wurde beispielsweise sein Film Die Erbschaft (1936) wegen „Elendstendenzen“ verboten. Seine Filme thematisierten immer häufiger in tragisch-komischer Manier die alltäglichen Sorgen derjenigen Bevölkerungsschichten, die nicht in das idealtypische Bild der Nationalsozialisten vom Deutschen Bürger passten. Finanziell unter Druck, erklärte sich Valentin bereit, an zwei Werbetonfilmen des „Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes“ mitzuwirken.

Diese „Sparfilme“ gehörten neben seinem von der Bühne abgefilmten Sketch In der Apotheke (1941) zu seinen letzten Arbeiten. 1940 kam es mit der Schließung der „Ritterspelunke“ und nach einem Auftritt für das Winterhilfswerk im Circus Krone zum vorläufigen Abschied von der Bühne. 1945 träumte Valentin wieder von einem eigenen Filmatelier. Doch in der Nachkriegszeit war sein schwarzer Humor nicht mehr gefragt. Auch seine 1946 eingespielte Hörfunkserie Es dreht sich um Karl Valentin wurde wegen Hörerprotesten eingestellt.

Liest man die Filmkarriere Valentins aus seinen Rollenporträts, so debütierte er als „lebende Karikatur“ auf der Leinwand und verabschiedete sich als verelendeter Lumpenproletarier. Vom dürren Dandy mit Strohhut in Valentins Hochzeit (1912) bis zum arbeitslosen Lumpensammler im schlotternden Mantel in Die Erbschaft (1936) reicht das Repertoire seiner Figuren: ein Lebenslauf in absteigender Linie mit Korrespondenzen zu seiner eigenen Biografie.

Die Ausstellung entfernt sich bewusst von der biographisch fundierten Annäherung an Valentin als regional geprägter Volkssänger und Bühnenkomiker. Im Zentrum steht der komplexe Medienbezug seines Werks. Karl Valentins groteske Bühnen-, Film- und Sprachwelt, sein experimentelles, komisches Spiel mit Medieneffekten wird mit über 300 Exponaten illustriert. Zu sehen sind Fotos, Original-Handschriften, Typoskripte, Briefe, Zeichnungen, Plakate, Lichtbilder, Schallplatten und Filme.

Der Künstler starb am 9. Februar 1948 in seinem Haus in Planegg bei München, verarmt, halbverhungert und von vielen seiner Zeitgenossen so gut wie vergessen.


28.10.2007 - 14.01.2008
Vom Funken zum Pixel. Kunst + Neue Medien

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele
Ermöglicht durch die Kulturstiftung des Bundes
Kurator Richard Castelli
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio

Die Ausstellung „Vom Funken zum Pixel“ wird Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst vorstellen, die mit digitalen und interaktiven Medien in größeren Dimensionen arbeiten. Die technischen Gegebenheiten in diesem Gebiet haben dazu geführt, dass dieser Kunstbereich wie kaum ein anderer international angelegt ist. So werden in der Ausstellung Werke von renommierten und noch unbekannten Künstlerinnen und Künstlern, bzw. Künstlergruppen aus der ganzen Welt zu sehen sein. Werke von Pionieren und Werke, die erstmals in Europa oder Deutschland gezeigt werden oder eigens für den Martin-Gropius-Bau entwickelt werden, ermöglichen den Besuchern spektakuläre Entdeckungen künstlerischer Ausdrucksformen und radikal veränderter Wahrnehmungsbeziehungen zwischen Betrachter und bewegtem Bild. Immersive und interaktive Herangehensweisen kennzeichnen vielfach die künstlerischen Strategien.

Gezeigt werden Installationen von:
Romy Achituv (Israel): BeNowHere Interactive, 1997 (Deutschlandpremiere)
Gregory Barsamian (USA): The Scream, 1998. No, Never Alone, 1998
(Deutschlandpremieren)
Jean Michel Bruyère (Frankreich): Si Poteris Narrare, Licet, 2002
Jean Michel Bruyère (Frankreich): CaMg(CO3)2 (Dolomit), 2007 (Weltpremiere)
Du Zhenjun (China): Presumption, 2000 (Deutschlandpremiere)
Dumb Type (Japan): Voyages, 2002 (Europapremiere)
Brad Hwang (Korea/Deutschland): Time May Change Me /
I Can’t Change Time, 2007 (Weltpremiere)
KAI (Deutschland): Feuerkasten, 1991/2007
Ulf Langheinrich (Deutschland/Österreich): Hemisphere, 2006–2007
(Deutschlandpremiere)
Dirk Lüsebrink / Joachim Sauter (Art+Com) (Deutschland): Invisible Shape of
Things Past, 1996/2007 (Premiere der im Gropiusbau gezeigten Version)
Marie Maquaire (Frankreich), Tentative d’épuisement d’un lieu, Berlin, 2003
(Deutschlandpremiere)
Thomas McIntosh (Kanada): Ondulation, 2002 (Deutschlandpremiere)
David Moises (Österreich): Hanoscope, 2002 (Deutschlandpremiere)
Nam June Paik (Korea/USA): Candle TV, 1975
Christian Partos (Schweden): Visp, 2000. Striptease, 1998.
(Deutschlandpremiere) M.O.M, 2003.
Erwin Redl (Österreich/USA): FLOW Berlin, 2007 (Weltpremiere)
Jeffrey Shaw (Australien) / Sarah Kenderdine (Neuseeland):
PLACE-Hampi, 2006 (Deutschlandpremiere)
Pierrick Sorin (Frankreich): Quelques inventions remarquables, 2003
Shiro Takatani (Japan): Chrono, 2007
Shiro Takatani (Japan): Camera Lucida, 2005 (Europapremiere)
Saburo Teshigawara (Japan): Light Behind Light, 2004 (Deutschlandpremiere)

Nahezu alle Werke werden erstmalig in Berlin zu sehen sein.

Die Ausstellung wird von Richard Castelli (Paris) für den Martin-Gropius-Bau konzipiert und zeigt die Wechselwirkungen und den Zusammenhang von Kunst und elektronischen Medien. Die vier zentralen Begriffe der Ausstellung – Feuer und Elektrizität, Licht und Pixel – stehen paradigmatisch für diese Entwicklung und für „Zustände des Immateriellen“. Angefangen vom Feuer, der ersten vom Menschen gebändigten Energie, durchläuft die Ausstellung, parallel zur menschlichen Evolution die Stufen: Elektrizität, Licht und Pixel, das – wie ein Funke für das Feuer – den ‚Zellkern‘ des elektronischen Bildes darstellt. Das elektronische Bild ist Träger für eine andere Form der Energie, die keine fossilen Eigenschaften mehr aufweist: die Information, von der wir nicht sicher wissen, ob sie tatsächlich vom Menschen beherrscht wird.

Der prächtige Lichthof des Martin-Gropius-Bau wird von besonders eindrucksvollen Installationen dominiert. Unter anderem von einer Installation von Erwin Redl, der bereits die Fassade des Whitney Museums in New York umgestaltet hat. Er kreiert ein eigens für den Lichthof des Martin-Gropius-Bau in Auftrag gegebenes Werk, „FLOW Berlin 2007“. Es handelt sich dabei um eine große Lichtwelle aus 30.000 Leuchtdioden, die den menschlichen Wahrnehmungshorizont zu „entrealisieren“ sucht.

Weitere Beispiele von Premieren oder von spektakulären Installationen sind:

Eine neue elektrostatische Kreation vom Berliner Künstler Brad Hwang Time May Change Me / I Can’t Change Time. Zum Thema Licht zeigt der Choreograph und Performancekünstler Saburo Teshigawara ein faszinierendes Spiegel-Werk Light Behind Light. Thomas McIntosh’s Ondulation, ein Environment von Fließ- und Lichtwellen ist ein Spiel mit reflektiertem Licht, das zeigt wie man mit Musik und Tönen spielt.

Mit zwei interaktiven Kunstwerken vertreten ist Jean Michel Bruyère: dem „ifilm“ (für Jeffrey Shaw’s EVE Interactive Cinema) Si Poteris Narrare, Licet, einer interaktiven Filmreise, wo die im vorab registrierte und festgehaltene Zeit des montierten Films mit dem Echtzeitablauf seiner Geografie harmoniert. In der Uraufführung von CaMg(CO3)2 wird sich der Besucher in der Lounge eines Schamanen wieder finden, in einer extremen Mischung von Low- und Hightec.
Von Jeffrey Shaw, einem Pionier der digitalen Kinematographie, und Sarah Kenderdine zeigt die Ausstellung mit PLACE-Hampi, die interaktiven stereoskopischen Panoramen der Ruinen von Hampi, dem ‚Angkor Indiens‘.
Europapremiere hat Dumb Types, Voyages: ein Monolith von horizontal gerichteten Bildern, beeindruckend wie in Kubricks ‚2001: A Space Odyssey‘. Von Joachim Sauter und Dirk Lüsebrink (Art + Com) werden Architekturen, wie das Kunstmuseum Shanghai oder der Potsdamer Platz Berlin in digitalen Filmskulpturen The Invisible Shapes of Things Past in Szene gesetzt.

In dem ästhetischen Plasma von Ulf Langheinrich, Hemisphere, findet sich der Betrachter beherrscht, beschützt und zugleich angezogen von einer sich ständig verändernden granularen virtuellen Welt, die gleich zu implodieren scheint.

Wiewohl „Vom Funken zum Pixel“ den Aspekten der Evolution unserer Vorstellungen von Energie in ihren verschiedenen Stadien folgt, wird die Ausstellung erstaunlicherweise eine der zeitgenössischen Kunst sein und dafür eine Plattform und ein poetisches Feld der Betrachtung und Meditation bieten.

Katalog
Ein Katalog erscheint im Nicolai Verlag. (in deutscher Sprache)


13.10.2007 - 14.01.2008
Ursprünge der Seidenstraße
Schätze aus Nordwestchina (Xinjiang)

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele.
Eine Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen mit Curt-Engelhorn-Zentrum, Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau
Ermöglicht durch die Kulturstiftung des Bundes
Medienpartner RBB Inforadio, RBB Kulturradio

Sensationelle Funde der letzten Jahre aus Xinjiang, der nordwestlichsten Provinz Chinas, sind in der Ausstellung zu sehen. Das älteste Objekt ist 4000 Jahre alt. Im Zentrum stehen jene Menschen, die seit der Bronzezeit die Seidenstraßen rund um das Tarimbecken und die Wüste Taklamakan bewohnen. Die Taklamakan, die zweitgrößte Sandwüste der Erde, zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit extremer Trockenheit auf. Diese Trockenheit, mit der die Bewohner entlang der Seidenstraßen seit Jahrtausenden kämpfen müssen, ist der Grund für den einmaligen Erhaltungszustand der archäologischen Funde.
Den organischen Materialen wie Holz oder Textilien wurde Feuchtigkeit entzogen und ein Zersetzungsprozess nahezu unterbunden. Seid dem Ende des 19. Jahrhunderts sind die Forscher und Abenteurer entlang der Seidenstraßen unterwegs, um die Hinterlassenschaften dieser faszinierenden Kulturen zu entdecken. Die archäologischen Forschungen haben sich in jüngster Zeit maßgeblich intensiviert und professionalisiert; dabei tragen und treten sensationelle Objekte ans Tageslicht, die eindrucksvoll die kulturelle Vielfalt der Oasen des Tarimbeckens darstellen.
Niemals zuvor konnte man außerhalb Chinas eine solch umfangreiche Präsentation eindrucksvoller und vielgestaltiger Objekte sehen, die von den weit reichenden kulturellen Beziehungen der Bewohner entlang der Seidenstraße zeugen und beweisen, dass die Seidenstraßen keineswegs Einbahnstraßen waren: Einflüsse aus China sind ebenso dokumentiert wie die kulturelle Präsenz westlich-mediterraner, sibirischer und südasiatischer Kulturen.

Die Ausstellung besteht aus ca. 190 Grabungsfunden aus dem Tarimbecken. Darunter befinden sich Keramik- und Metallobjekte, aber auch Holz, Textilien und andere organische Funde, die trotz ihres Alters – das Spektrum reicht von der Bronzezeit bis in die Han-Dynastie des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts – durch ihren außergewöhnlich guten Erhaltungszustand den Ausstellungsbesucher in eindringlicher Form ansprechen. Die Ausstellung zeigt in Europa noch nie präsentierte Funde aus Xinjiang in einem unglaublich guten Erhaltungszustand. Sie vermittelt die Kenntnis von den Lebensformen und deren klimatische und kulturelle Grundlagen am südlichen und nördlichen Verlauf der Seidenstraße rund um das Tarimbecken und stellt die Vielzahl der Kulturen und kultureller Einflüsse im östlichen Zentralasien bis vor 2000 Jahren dar.

Katalog
Ursprünge der Seidenstraße.
Sensationelle Neufunde aus Xinjiang, China
Herausgegeben von Alfried Wieczorek und Christoph Lind
ca. 300 Seiten mit rund 300 farbigen Abbildungen
Museumsausgabe: ISBN: 978 3 8062 2160 2 € 24,90
Buchhandelsausgabe: € 29,90
Erscheint Oktober 2007 im Konrad Theiss Verlag, Stuttgart


05.10.2007 - 06.01.2008
Roswitha Hecke: Secret Views. Retrospektive von 1964 bis heute

Pressemitteilung
Veranstalter:
Berliner Festspiele
Ermöglicht durch den Sparkassen-Kulturfonds des DSGV

Pressekontakt:
Ute Weingarten
Tel.: (030) 25486-236 / Fax: (030) 25486-235
E-Mail: presse@gropiusbau.de / URL: www.gropiusbau.de

Medienpartner:
RBB Inforadio, RBB Kulturradio

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt eine facettenreiche Retrospektive der Foto¬grafin Roswitha Hecke. Ihre „verborgenen Blicke“ auf fremde Städte und Länder, in unbekannte Milieus, aber auch auf vertraute Menschen spiegeln ihre „geheimnis¬volle Sichtweise“ von der Kunst der Fotografie wider: Zuneigung zu den Foto¬gra¬fierten, Gespür für den richtigen Blick, Anteilnahme mit Staunen und Heiterkeit und eine unaufdringliche Nähe.

Für Roswitha Hecke, 1944 in Hamburg geboren, ist das Fotografieren Beruf und Berufung. Mit 18 beginnt sie eine Fotolehre. Drei Jahre später, nach Abschluss ihrer Ausbildung, lernt sie den Theaterregisseur Peter Zadek kennen. Während der sieben Jahre ihrer Beziehung fotografiert Roswitha Hecke Zadeks Inszenierungen exklusiv. Aufnahmen zahlreicher anderer Theateraufführungen und Filme reihen sich ein, darunter Inszenierungen von Werner Schroeter, Rainer Werner Fassbinder und in Paris Eric Rohmer. Zadeks Theaterarbeit dokumentiert Roswitha Hecke teilweise auch später noch. 2006 widmet sie dem Regisseur zum 80. Geburtstag eine Ausstellung “Oh du mein Zadek“.




Eine Konstante in Roswitha Heckes bewegtem Berufsleben, das sie durch viele Länder führt, ist die Freundschaft mit der Schauspielerfamilie Bennent, die sie seit 1967 bis heute fotografisch begleitet. Der mehrteilige Bennent-Zyklus bildet unter ihren Porträtaufnahmen vieler Künstler, Freunde und Weggefährten, darunter Paul Bowles, Ingrid Carven, Omar Sharif oder Andrés Segovia, einen Schwerpunkt der Ausstellung. Weitere Schwerpunkte sind ihre Milieustudien und Reisereportagen.

In Paris entstehen die Zyklen „Pigalle – Meine Strasse der Transvestiten“, das gerade auch als Buch erschienen ist, und Sonntagsszenen aus dem Bois de Bologne. „Quer durch Amerika” ist sie in den 70er Jahren mit dem Schriftsteller Wolf Wondratschek unterwegs, mit dem sie einige Jahre zusammen gelebt hat. Das „Dreamteam“ der modernen Reisereportage veröffentlicht u.a. das Buch „Menschen-Orte-Fäuste“. Durch Wondratscheks Liebe zum Boxsport findet die Künstlerin ihre eigene Faszination darin, Sportler im Boxmilieu fotografisch festzuhalten. Fasziniert ist sie auch von der Arbeit des Detektivs Roy Finer, den sie in seinem Alltag durch die Bronx begleitet. „Die Obdachlosen auf der Bowery“ sind ein weiteres Thema.

1978 veröffentlicht sie das Buch „Liebes Leben“ über die Züricher Prostituierte Irene. Es wird als bestes Fotobuch 1980 mit dem Kodak-Preis und 1982 als schönstes Buch von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet.

Weitere Reisen folgen: Barcelona, Italien, Mexiko, Indien und Marokko. In Tanger, Marokko verbringt sie mit ihren beiden Kindern drei abenteuerliche Jahre. 2002 zieht es Roswitha Hecke nach St. Peterburg auf Spurensuche nach der Herkunft ihrer Familie, während sie gleichzeitig in der Akademie für Bildende Künste in St. Petersburg lehrt. Heute lebt Roswitha Hecke in Hamburg.

Ausstellungen

2006 Ruhrtriennale „O du mein Zadek“
2005 Galerie Molitoris, Hamburg, „Secret Views“ Familie Bennent
Aplanat Galerie für Fotografie, Hamburg, „Secret Views“ Roy Finer
Aplanat Galerie für Fotografie, Hamburg, „Secret Views“ Im Dickicht der Fäuste
2004 NORD/LB art gallery, Hannover – „Detective Roy Finer“
2003 Kunstclub Hamburg, „Secret Views“ Hamburg für St Petersburg – St. Petersburg für Hamburg
2002 Contemporary Art Gallery, Basel „Pigalle“
Hamburg, Außenausstellung in der Speicherstadt „Secret Views”
2000 Kunsthaus Hannover, „New York City Faces“
1999 Galerie Levy, Madrid „Liebes Leben“
1998 Kunsthaus Hannover, „Augenlust – Erotische Kunst im 20. Jahrhundert“
1997 Libro Azul, Ibiza „Liebes Leben“ und „Mann für Mann“
1990 Olympus Galerie, Hamburg „Mann für Mann“
Prince Gallery, Kyoto „Liebes Leben“
1980 Fotoforum in der Fabrik, Hamburg „Liebes Leben“
1978 Galerie Levy, Hamburg „Liebes Leben“





Eintritt:
5 € / 3 € ermäßigt
Familienkarte 10 €
Gruppen (ab 10 Personen) p.P. 3 €
Schüler- und Studentengruppen (ab 5 Personen) p.P. 2 €

Öffentliche Führungen
So 15 Uhr
p.P. 3 € zzgl. Eintritt 3 €

Angemeldete Führungen für Gruppen und Schulklassen
Gruppen: Führungen (60 min.)
50 € zzgl. Eintritt p.P. 3 €
Führungen für Schulklassen und Studentengruppen (60 min.)
40 € zzgl. Eintritt von 2 €

Anmeldung für Führungen:
Kulturprojekte Berlin GmbH / Führungsdienst
Tel. (030) 24749-888; Fax (030) 24749-883
museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de
www.kulturprojekte-berlin.de


28.09.2007 - 06.01.2008
Eugène Atget - Fotografien

Pressemitteilung
Veranstalter
Berliner Festspiele
Eine Ausstellung der Bibliothèque Nationale de France
in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau
Anlässlich des 150. Geburtstages des französischen Fotografen Eugène Atget (1857–1927) wird ab 28. September 2007 eine große Retrospektive seiner Arbeiten im Martin-Gropius-Bau Berlin zu sehen sein. Die Ausstellung wurde von der Bibliothèque nationale de France zusammengestellt. Aus dem großen Oeuvre Atgets wurden 350 Werke ausgewählt.

Atget hat wie kein anderer Fotograf zwischen 1897 und 1927 das Alte Paris in seinen Bildern festgehalten. Seine Aufnahmen zeigen die Stadt in ihren unterschiedlichen Facetten: enge Gassen und Höfe im historischen Zentrum mit alten Gebäuden, die teilweise kurz vor dem Abriss stehen, prächtige Paläste aus der Zeit vor der Französischen Revolution, Brücken und Kais am Ufer der Seine, aber auch Geschäfte mit ihren Auslagen in den Schaufenstern. Er fotografierte Treppenhäuser und architektonische Details an den Fassaden und nahm Interieurs von Wohnungen auf. Sein Interesse galt auch der Umgebung von Paris.

Es entstanden zeitlos wirkende Aufnahmen von den Parks von Versailles, Saint-Cloud und Sceaux. Neben Architektur und dem städtischen Raum fotografierte er auch Straßenhändler, kleine Gewerbetreibende, Lumpensammler und Prostituierte sowie Jahrmärkte und Kirchweihfeste in den verschiedenen Stadtteilen. Auch die städtischen Außenbezirke und Randzonen, in denen oft Arme und Obdachlose hausten, wurden seine Bildmotive.

Atget, der seine Laufbahn als Schauspieler begonnen hatte und sich dann vergeblich als Maler versucht hatte, begann erst 1888 als Fotograf zu arbeiten. Er bot zunächst seine Aufnahmen, die er „Documents pour Artistes“ nannte, als Vorlagen für Künstler und Kunsthandwerker an. Ab 1898 widmete er sich zunehmend der systematischen Erfassung der baulichen Zeugnisse aus der Zeit vor 1789. Die Abnehmer dieser Fotografien wurden nun Institutionen wie die Bibliothèque historique de la Ville de Paris, die Bibliothèque nationale, aber auch Museen. Seine Tätigkeit fiel mit dem Bewusstsein zusammen, an einer Zeitenwende zur Moderne zu stehen. Daraus resultierten die Bemühungen von verschiedenen Institutionen, das Alte Paris im Zustand vor den baulichen Veränderungen festhalten zu lassen.

Atgets Aufnahmen unterscheiden sich von denen seiner Kollegen, die über die streng bauliche Dokumentation nicht hinausgehen, durch ihren Motivreichtum und durch eigenständige gestalterische Lösungen. Er wählte seine Sujets selbst. Oft verwendete er starke Lichtgegensätze, Schatten und Formüberschneidungen, die dem Bild Plastizität verleihen. Dabei benutzte er eine schwere Plattenkamera, ein Stativ und Glasnegative im Format 18 x 24 cm. Seine Ausrüstung wog um die 20 Kilogramm, die er ständig mit sich führte.

Mitte der zwanziger Jahre wurde Atget von jungen Avantgardekünstlern entdeckt. Man Ray, der wie er am Montparnasse wohnte, erwarb etwa vierzig Aufnahmen und veröffentlichte 1926 vier von ihnen in La Révolution surréaliste. Man Rays junge Assistentin, die Fotografin Berenice Abbott, besuchte den Fotografen mehrfach und kaufte von ihm Abzüge. Nach seinem Tod 1927 erwarb sie etwa 1.500 Negative und 10.000 der im Atelier verbliebenen Abzüge, brachte sie in die USA und widmete sich mit dem Galeristen Julien Levy vierzig Jahre lang der Aufgabe, dieses einmalige Werk bekannt zu machen. Ihr ist es zu verdanken, dass Atgets Fotografien einen beträchtlichen Einfluss auf amerikanische Fotografen wie Walker Evans oder Lee Friedlander hatten.

Berenice Abbott verkaufte ihre Kollektion 1968 an das Museum of Modern Art in New York, das in der Zeit zwischen 1981 und 1985 vier von John Szarkowski und Maria Morris Hambourg verfasste Kataloge herausbrachte. In Frankreich bemühten sich Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre Robert Desnos oder Pierre Mac Orlan darum, Atgets Oeuvre bekannt zu machen. Walter Benjamin rühmte Atget in seiner Fotografiegeschichte von 1931 als Vorläufer der surrealistischen Fotografie und begründete damit seine Anerkennung in Deutschland.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau umfasst sieben Kapitel. Ein besonderer Höhepunkt sind die von Atget selbst zusammengestellten Alben zu verschiedenen Themen wie Pariser Wohnungen, Schaufenster und Befestigungsanlagen. Die Aufnahmen stammen im wesentlichen aus den Beständen der Bibliothèque nationale de France und aus weiteren öffentlichen und privaten Sammlungen in Frankreich und im Ausland (Musée Carnavalet, Bibliothèque historique de la Ville de Paris, musée d’Orsay, Bibliothèque des Arts décoratifs, Museum of Modern Art of New York, Sammlung Première Heure, Sammlung Thérond u. a.).


13.08.2007 - 10.09.2007
Stille: Dirk Reinartz und Schüler

Pressemitteilung
Kuratiert von Christiane Gehner und Matthias Harder
Ermöglicht durch die Kunststiftung der HSH Nordbank
Der Ausstellungstitel „Stille“ charakterisiert die langsame wie überlegte fotografische Annäherung von Dirk Reinartz und seinen Schülern an die unmittelbare Umgebung sowie an die leisen Themen, die ihre innere Spannung oft erst auf dem zweiten Blick offenbaren.

Im März 2004 endete das Leben eines passionierten Fotografen und eines außergewöhnlichen Menschen, wie selten seinesgleichen zu finden war: Dirk Reinartz wurde nur 56 Jahre alt, und seine Zeit als Professor für Fotografie an der Kieler Muthesius-Kunsthochschule währte nur sechs Jahre. Kurze Zeit zuvor, im Januar 2004, stellte Dirk Reinartz seine Ausstellung „Inneren Angelegenheiten“ im Kunstverein Glückstadt aus; eine Übernahme aus dem Martin-Gropius-Bau Berlin.

Gleichzeitig befand er sich in Gesprächen mit der Kunststiftung der HSH Nordbank über ein größeres Ausstellungsprojekt mit Arbeiten von ihm und seinen Studenten. Nach seinem plötzlichen Tod geriet die von Reinartz bereits grob konzipierte Fotografieausstellung kurz in Vergessenheit, bis Christiane Gehner und Matthias Harder von der Kunststiftung gebeten wurden, dieses Ausstellungsprojekt in seinem Sinne weiterzuführen, was nun geschehen ist. Drei Jahre nach Reinartz’ Konzeption soll hier nicht nur den Diplomarbeiten, sondern auch aktuellen Projekten seiner ehemaligen Studenten ein Forum gegeben werden.

Doch am Beginn stehen Reinartz’ teilweise unpublizierte New York-Fotografien aus den Siebzigerjahren, als dieser so alt war wie seine Studenten, als sie für ihr Examen bei ihm arbeiteten. Die Bildgegenüberstellung von Lehrer- und Schülerarbeiten wäre sicherlich weitaus geringer ausgefallen, wenn Reinartz – bescheiden wie er war – selbst als Kurator fungiert hätte.

Den beiden berufenen Kuratoren jedoch erscheint, vor dem Hintergrund der geänderten Ausgangslage, gerade diese fotografische Spurensuche wichtig und reizvoll. Dirk Reinartz selbst ging durch eine intensive Ausbildungszeit bei Otto Steinert an der Essener Folkwang-Schule. Später stellte er seinen Schülern ähnliche Aufgaben in der eigenen Klasse an der Muthesiusschule, beispielsweise „Das Tier“.

Reinartz’ Student MARKUS STEFFEN hat sich für seine Diplomarbeit über Wettbewerbe auch unter Tierzüchtern und Hundefriseuren getummelt und überrascht mit kuriosen wie nachdenklichen Bildern.

Auch SVEN-ERIC SINDT wählte einen ungewöhnlichen Weg, um dieses Thema zu bearbeiten: er sammelte überfahrene Tiere ein und ließ sie beim Tierarzt röntgen.

Verschiedene Aspekte von Stille lassen sich in den Arbeiten der Schüler erkennen, z.B. bei CHRISTOPH EDELHOFFS Serie „Elektrorecycling“. Die Halde mit Computer-schrott verweist auf die Schnelllebigkeit von technischen Gebrauchsgegenständen, ohne die heute niemand mehr auskommt. THIES RÄTZKES Diplomarbeit „Kontrollbereich“ ist dagegen im innersten Sicherheitsbereich des Kernkraftwerkes Brokdorf entstanden. Das Muster der elektronischen Anzeigentafeln und die in Schutzanzügen vermummten Angestellten vermitteln die Idee verlangsamter Bewegungen und verstummter Geräusche.

Nicht alle Reinartz-Schüler sind in die gängigen Kategorien des Mediums einzuordnen. Die Bilder von MARTIN LEBIODA sind weder der Reportage, noch der konzeptionellen Dokumentarfotografie zuzuordnen. Auf seinen Reisen nach Indien und Afghanistan bediente er sich bewusst der Methode des „Derive“ (Umherschweifens), und dabei bezieht er sich auf die Situationisten der Fünfzigerjahre. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert war es beliebt, mit leicht verschobenem Kamerawinkel vom erhöhten Standpunkt Rundumsichten von bedeutenden Städten anzufertigen. BIRGIT RAUTENBERG nimmt diese gestalterische Idee mit ihren Landschaftspanoramen auf, die unter anderem in ihrer Schleswig-Holsteinischen Heimat entstanden sind. Sie untersucht mit diesen Bildserien die Veränderungen der natürlichen Oberflächenstruktur. Landschaftsbilder ganz anderer Art begegnen uns bei HOLGER STÖHRMANN in seiner Serie „Anonym“. Meist sind es unbelebte Nachtaufnahmen, dunkle Orte, etwa Autobahnraststätten, Parkplätze oder Kinos, wo sich Menschen, zum spontanen, doch geplanten Geschlechtsverkehr treffen. Da sie sich vorher nie begegnet sind, erkennen sie einander nur über bestimmte, vorher festgelegte Codes. Die norddeutschen Strandlandschaften von SONJA BRÜGGEMANN sowie ihre Nahansichten von Teppichen und Tapeten bilden ein subtiles Gegensatzpaar aus Distanz und Nähe, aus landschaftlicher Weite und bürgerlicher Enge. Für ihre Werkgruppe „Wie eh und je“ richtete sie ihre Kamera auf ihr persönliches Umfeld, das Elternhaus, wo sie Kindheitserinnerungen in der Gegenwart fotografierte.

Momente des Übergangs sind Thema von SUSANNE LUDWIG: Sie fotografiert Orte wie Fabrik- und Lagerhallen oder Büros von Firmen, die kurz zuvor Insolvenz anmelden mussten. Angefangen hat alles mit dem Nordischen Stahlwerk in Neumünster, wo die Fotografien im Chaos der räumlichen Entleerung und ökonomischen Abwicklung nach den Geschichten des Vergangenen suchte.

RALF MEYER spürte nach aufwändiger Recherche zahlreiche Gebäude aus dem Nationalsozialismus auf und schreibt mit dieser subtil angelegten, fotografischen Studie ein Stück deutscher Architekturgeschichte.

HEIKE MARIE KRAUSE ging nach dem Diplom bei Reinartz mit einem DAAD-Stipendium nach New York, wo ihre Portraitserie „Selves“ entstand: unterschiedliche, formatfüllende Mimikstudien des eigenen Gesichts. Was zunächst wie ein Filmstreifen wirkt, bleibt lückenhaft und offen für unsere Imaginationen. „Es ist wie es ist“ lautete der Ausspruch einer sehr jungen, offenbar überforderten Mutter von drei Kindern, von denen eines fremd untergebracht ist, und wurde auch von RANDI DUBORG als Titel ihrer Diplomarbeit gewählt. Darin untersucht sie Familienstrukturen jenseits der sozialen Netze unserer Gesellschaft.

Dirk Reinartz hat seinen Studenten entscheidende Impulse zur Professionalisierung geben können. Viele dieser eigenständigen fotografischen Positionen sind in Norddeutschland entstanden, also gewissermaßen vor der eigenen Haustür – ähnlich wie auch Reinartz selbst arbeitete. Diese stillen Bilder scheinen die Zeit anzuhalten und zugleich offene Gesellschaftsräume zu beschreiben.

Studenten
Birgit Rautenberg, Christoph Edelhoffs, Heike Marie Krause, Holger Stöhrmann, Markus Steffen, Martin Lebioda, Ralf Meyer, Randi Duborg, Sonja Brüggemann, Susanne Ludwig, Sven-Eric Sindt, Thies Rätzkes

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation im Steidl Verlag, herausgegeben von Christiane Gehner und Matthias Harder, mit Texten von Hubertus von Amelunxen, Ulf Erdmann Ziegler und den Herausgebern.

Ausstellung und Katalog wurden ermöglicht durch die Kunststiftung der HSH Nordbank. Der Katalog ist in der Buchhandlung Walther König erhältlich.


06.07.2007 - 01.10.2007
Im Zeichen des Goldenen Greifen - Königsgräber der Skythen

Pressemitteilung
Schirmherrschaft
Unter der Schirmherrschaft
von Bundespräsident Horst Köhler und Präsident Vladimir Putin

Veranstalter:
Deutsches Archäologisches Institut und Museum für Vor- und Frühgeschichte - Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
In Zusammenarbeit mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München. Gefördert durch das Auswärtige Amt.

Öffentlichkeitsarbeit der Staatliche Museen zu Berlin
Dr. Matthias Henkel
Tel: +49 (0) 30 266-2604
Fax: +49 (0) 30 2663025
E-Mail: m.henkel@smb.spk-berlin.de
URL: www.smb.museum

Pressekontakt der Staatlichen Museen zu Berlin:
Anne Schäfer-Junker
Tel: +49 (0) 30 2662629
Fax: +49 (0) 30 2662995
E-Mail: a.schaefer-junker@smb.spk-berlin.de
URL: www.smb.museum






Die Skythen und die mit ihnen verwandten nomadischen Völker prägten vom 8. bis 3. vorchristlichen Jahrhundert die Geschichte des eurasischen Steppenraums. In der

Ausstellung „Im Zeichen des Goldenen Greifen. Königsgräber der Skythen“ wird weltweit erstmals in derartig umfassender Weise die Geschichte und Kultur dieser
Reitervölker präsentiert, von ihren Ursprungsgebieten entlang des Jenissei bis an die Tore Mitteleuropas.

Damit werden die bereits lange vor der Nutzung der Seidenstraße bestehenden Fernbeziehungen zwischen Asien und Europa deutlich. Im Mittelpunkt der Schau stehen die bedeutendsten Fürstengräber der einzelnen Regionen mit ihren prachtvollen Ausstattungen sowie die großartigen Neuentdeckungen der letzten Jahre.

Archäologischer Sensationsfund
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet in seinen Historien über das im Süden Sibiriens zu lokalisierende Land der „goldhütenden Greifen“. In dieser Region führten in den Jahren 2000-2003 das Deutsche Archäologische Institut Berlin und die Staatliche Eremitage St. Petersburg gemeinsam Ausgrabungen durch.

In Aržan, nahe der russisch-mongolischen Grenze, wurde im „Tal der Könige“ ein Grabhügel untersucht, dessen Inhalt mit Tausenden Goldgegenständen eine der größten archäologischen Sensationen der letzten Jahre ist – In seiner Bedeutung kommt er durchaus dem Grab des Tutenchamun nahe.

Mumien aus dem Eis
In den Höhen des Altaigebirges gab der Dauerfrostboden weitere spektakuläre Funde frei: Allem voran sind es die tätowierten Mumien, die ihre Faszination auf den Besucher ausüben. Weltweites Aufsehen erregten auch die hervorragend erhaltene Kleidung, der prachtvoll verzierte Pferdeschmuck und andere Gegenstände aus Holz, Textil und Leder. Noch nie vorher war es möglich, diese Gegenstände aus vergänglichen Materialien so umfassend öffentlich zu zeigen.

Königsgräber der Skythen
Mächtige Grabhügel – Kurgane – prägen die eurasische Steppenlandschaft. In ihnen wurden Könige und Fürsten mit einem beeindruckenden Zeremoniell und prunkvollen Gegenständen aus Gold bestattet. Die wichtigsten dieser Grabkomplexe können in der Ausstellung präsentiert werden, vom „Goldenen Mann von Issyk“ in Kasachstan, einem Angehörigen der sakischen Kultur, über die sauromatischen Funde am südlichen Ural bis zu den prachtvollen Objekten aus den Kurganen östlich und nördlich des Schwarzen Meeres. Am Schluss der Ausstellung stehen Gegenstände aus Mittel- und Südosteuropa. Sie zeigen eindrücklich die Vielfalt der Verbindungen zwischen Europa und Asien, die bereits um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. im Rahmen eines ausgedehnten eurasischen Kulturkomplexes bestanden.




Im Brennpunkt der Wissenschaft
In den Fokus der Ausstellung rücken neben den archäologischen Hinter¬lassen¬schaften der Skythen auch die Ergebnisse der modernen Aus¬gra¬bungs¬technik, der naturwissenschaftlichen und anthropologischen Untersuchungen. Sie liefern zu¬nehmend sensationelle Erkenntnisse über die faszinierende Grab¬architektur, die Umweltbedingungen in den Steppenregionen, die Ernährung, Verwandt¬schafts¬beziehungen oder Krankheiten der Skythen.

Internationale Leihgeber
Das Zustandekommen dieser Ausstellung ist einer Vielzahl von Partnern zu ver¬danken: Museen und Institutionen aus Deutschland, dem Iran, Kasachstan, Ru¬mänien, verschiedenen Teilen Russlands, der Ukraine und Ungarn haben sich an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt. Unter ihnen sind auch Einrichtungen, deren einzigartige Objekte bisher nicht in Deutschland zu sehen waren.

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebildertes Begleitbuch. Auf ca. 320 Seiten werden die Beiträge namhafter Wissenschaftler aus allen beteiligten Ländern und hochwertige Fotos und Illustrationen das Thema der Ausstellung vertiefen. Damit wird der Katalog auf Jahre hinaus ein unerlässliches Standardwerk für Fachwelt und Öffentlichkeit.

Kontakt
Team Ausstellungsvorbereitung im
Museum für Vor- und Frühgeschichte:
Leitung: Dr. Manfred Nawroth
Museum für Vor- und Frühgeschichte
Schloss Charlottenburg – Langhansbau
Staatliche Museen zu Berlin
14059 Berlin
Tel +49 (0)30 326748-44
Fax +49 (0)30 326748-12
Email m.nawroth@smb.spk-berlin.de
mvf@smb.spk-berlin.de
www.smb.museum


Eintritt:
10 € / ermäßigt 5 €
Kombikarte:
Skythen/Angkor regulär 14 €
Skythen/Angkor ermäßigt 7 €


15.06.2007 - 10.09.2007
Cindy Sherman

Pressemitteilung
Foto: Untitled #66, 1980, Farbfoto, Auflage 5, 40,6 x 61 cm
Privatsammlung, © Cindy Sherman

Veranstalter:
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung des Jeu de Paume, Paris in Kooperation mit: Kunsthaus Bregenz, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek, Dänemark und Martin-Gropius-Bau, Berlin.
Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds

Kuratoren:
Régis Durand und Véronique Dabin

Medienpartner
RBB Inforadio, RBB Kulturradio

Informationen Martin-Gropius-Bau
Tel.: (030) 25486-0
Fax: (030) 25486-107
E-Mail: post@gropiusbau.de
URL: www.gropiusbau.de

Pressekontakt:
Ute Weingarten
Tel.: (030) 25486-236 / Fax: (030) 25486-235
E-Mail: presse@gropiusbau.de / URL: www.gropiusbau.de


Im Sommer 2007 zeigt der Martin-Gropius-Bau Berlin die große, vom Jeu de Paume in Paris erarbeitete Retrospektive „Cindy Sherman“. Die Werkschau umfasst Arbeiten der Künstlerin aus den Jahren 1975 bis 2005. Schon in ihren frühesten Arbeiten nahm Cindy Sherman fast ausschließlich ihre eigene Person als Modell und Gegenstand ihrer Inszenierungen.




Ihre erfundenen Personen stellt sie selbst mit Hilfe unterschiedlicher Accessoires wie Schminke, Kostüme oder Prothesen dar und fotografiert sie im Studio.
Die Figuren verkörpern kulturelle und gesellschaftliche Stereotype. Sie werden teils parodistisch, teils bissig, bisweilen auch brutal inszeniert, hinterfragt und in Anlehnung an die unterschied¬lichen Möglichkeiten der Darstellung abgebildet: Mittelseiten einer Illustrierten, Werbung, Filmkunst und klassische Malerei. Hierdurch wird eine subtile Analyse der individuellen, insbesondere der weiblichen Identität, spürbar, sowie der Fantasien, die sie hervorruft und der Mächte, denen sie ausgesetzt ist. Dieses Eintauchen in

ungewisse, konfliktvolle Bereiche, in denen die Identität des Individuums mit dem kollektiven Unbewussten, mit Stereotypen und symbolischer Macht ringt, erfolgt
mitunter spielerisch, zuweilen aber auch düster, so z.B. wenn Schrecken und Ekel evoziert oder entstellte, verstümmelte Körper dargestellt werden.

Régis Durand über das Werk von Cindy Sherman 1975-2006

„Bis auf wenige Ausnahmen werden die Werke Cindy Shermans sowohl in Büchern als auch in Ausstellungen in großen Serien präsentiert, ihrer Zusammengehörigkeit
entsprechend und meist in chronologischer Reihenfolge. Obwohl übergreifende thematische Stränge und Überschneidungen stets möglich sind (einige werden im Folgenden aufgezeigt), und die Abgrenzung einer jeden Serie manchmal fließend ist, können Serie und Chronologie als eine der Grundbedingungen der Arbeit dieser Künstlerin bezeichnet werden. Diese Konstellation ermöglicht es, sowohl die starke innere Kohärenz wie auch die ständige Weiterentwicklung der Arbeit nachzuvoll-ziehen.

Cindy Shermans künstlerischer Werdegang beeindruckt durch seine Strenge, Inno-vationskraft und beständige Vertiefung. Er verblüfft durch seinen Humor und durch seine Extravaganz, die jedoch auch über eine dunkle Seite verfügen. Diese hat ebenso mit der Ungreifbarkeit des ICHs zu tun wie mit der Allgegenwärtigkeit von Illusion und Tod. Das Werk, das sich an der Oberfläche zu bewegen scheint und mit Trugbildern spielt, hält der Betrachtung stand und bewahrt sein Geheimnis. Dieses Geheimnis ist aber nicht für jene geeignet, die meinen, durch besseren Informations-stand oder systematischeren Zugang Aufklärung zu erhalten. Vielmehr hat es mit der Identität des Menschen zu tun, mit seiner Fähigkeit, sich zu (er)kennen und zu ver-kennen, sich darzustellen und sich parallele Leben zu erfinden – einer Fähigkeit, über die kein anders Lebewesen verfügt.

Die Texte, die zwischen den einzelnen Teilen stehen, sollen die Struktur der Abfolge offen legen und die große Vielfalt hervorheben. Häufig wird die Figur, die hier als einzelner Akteur auftritt, auch als Subjekt bezeichnet. Dieser Begriff besagt, dass es sich nicht wirklich um die Künstlerin selbst handelt (das hieße, diese Arbeit auf einfache psychologische Aspekte oder im engsten Sinne autobiographische zu reduzieren), aber auch nicht um jede einzelne der Figuren, die sie inszeniert, und die sie mit einer sozialen oder psychischen Identität ausstaffiert, der wir durchaus Glaubwürdigkeit zuerkennen sollen, wie tiefgehend auch immer.“



Ausstellungskatalog in deutscher Sprache:
Cindy Sherman Katalog (Hardcover)
Preis: € 49,90, 319 Seiten
Im französischen Verlag Flammarion, ISBN: 2-0802-1051-3
Ausstellungskatalog in französischer Sprache: Cindy Sherman
Gemeinschaftsausgabe vom Verlag „Editions Flammarion“ und dem Jeu de Paume, Paris. Mit Texten von Jean-Pierre Criqui, Régis Durand, Carole-Anne Tyler
288 Seiten, 250 Illustrationen, Format 240 x 280 cm

Eintritt:
7 € / 5 € ermäßigt
Familienkarte 14 €
Gruppen (ab 10 Personen) p.P. 5 €
Schüler- und Studentengruppen (ab 5 Personen) p.P. 3 €

Öffentliche Führungen:
So 16 Uhr
p.P. 3 € zzgl. Eintritt p.P. 5 €

Angemeldete Führungen für Gruppen und Schulklassen
Gruppen: Führungen (60 min.)
50 € zzgl. Eintritt p.P. 5 €
Führungen für Schüler und Studentengruppen (60 min.)
40 € zzgl. Eintritt p.P. 3 €

Anmeldung für Führungen:
Museumsinformation Berlin
Tel. (030) 24749-888; Fax (030) 24749-883
museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de
www.kulturprojekte-berlin.de


05.05.2007 - 29.07.2007
Konservierung der Reliefs an den Tempeln von Angkor

Pressemitteilung
Foto: Temporär gesichertes Apsara Relief
© 1997, Hans Leisen

Veranstalter
Eine Ausstellung des German Apsara Conservation Project in Angkor, Fachhochschule Köln, Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft CICS
www.gacp-angkor.de

Ermöglicht durch das Auswärtige Amt
www.diplo.de/kulturerhalt
Zeitgleich mit der Ausstellung Angkor – Göttliches Erbe Kambodschas zeigt die Fachhochschule Köln den deutschen Beitrag zur Erhaltung der Tempel in Kambodscha. Die Ausstellung „Konservierung der Reliefs an den Tempeln von Angkor“ stellt das „German Apsara Conservation Project“ (GACP) in Angkor und seine Arbeit im Rahmen der internationalen Hilfe zum Erhalt des Weltkulturerbes Angkor unter dem Schirm der UNESCO vor. GACP wird aus Mitteln des Kulturerhalts-Programm des Auswärtigen Amts gefördert.
Seit 1995 erforscht und konserviert das „German Apsara Conservation Project“ (GACP) die berühmten Reliefs des Tempels Angkor Vat und vieler anderer Tempel.

In der Tempelanlage von Angkor, 1992 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen, sind noch über 100 größere Tempel auf einem Areal von ca. 400 km² erhalten. Sie wurden während der Zeit des Khmer-Großreiches vom 9.–13. Jh. n. Chr. von Gottkönigen erbaut. 1860 wurden sie im kambodschanischen Urwald von französischen Forschern für Europa wiederentdeckt. Seither haben sich viele Denkmalpfleger und Wissenschaftler um die Erhaltung und den Wiederaufbau dieser mit feinsten Bildhauerarbeiten geschmückten Monumentalbauten bemüht.

Der Tempel Angkor Vat aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts, eines der größten religiösen Bauwerke der Welt, ist fast flächendeckend mit wertvollen Steinreliefs geschmückt; die bildlichen Darstellungen nehmen eine Fläche von mehreren tausend Quadratmetern ein.

Die über 1850 Apsara- und Devata-Reliefs (Himmlische Tänzerinnen und Göttinnen), und die Giebelreliefs über den Portalen sind akut von der Zerstörung durch die Verwitterung bedroht. Aber auch die weltberühmten, bis zu 100 m langen Flachreliefs in den Galerien, sind in Teilen gefährdet. Der rapide Schadensverlauf und die bereits bei großen Teilen der Reliefs weit fortgeschrittene Zerstörung führten zur sofortigen Aufnahme von Notsicherungsmaßnahmen.

Nach umfangreicher wissenschaftlicher Untersuchung und Dokumentation laufen seit 1997 die Konservierungsarbeiten und große Bereiche der Reliefs konnten bereits vor dem endgültigen Zerfall gerettet werden. Daneben werden auch die Skulpturen im Tempel Angkor Vat inventarisiert und konserviert wie z.B. die „Ta Reach“ Skulptur (Vishnu Großskulptur im Eingangsbereich zum Angkor Vat).

Seit einiger Zeit hat sich der Arbeitsradius des GACP stark vergrößert, Erhaltungsarbeiten von Stein- und Stuckreliefs an vielen anderen Tempeln (z. B. Baphuan, Bayon, Preah Ko, Pre Rup, Lolei, East Mebon, Trapeang Phong, Bat Chum, Objekte auf dem Berg Kulen, in Ko Ker oder Phnom Bok) sind im Gange. Die von dem Projekt-Team entdeckten Wandmalereien im weit im Osten gelegenen Tempel Ko Ker (10. Jh.), fast eine Sensation für die kunsthistorische Bewertung der Architektur, wurden inzwischen photographisch erfasst. Materialien und Schäden wurden detailliert dokumentiert und untersucht.

Für die praktischen Arbeiten wurden inzwischen 27 kambodschanische Restauratoren und Dokumentationsspezialisten im Projekt ausgebildet. Deutsche Wissenschaftler verschiedener Disziplinen helfen mit ihrer Expertise, Studenten verschiedener Fachhochschulen und Universitäten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern – bereits über 60 – arbeiten im Rahmen von Praxissemestern, Internships und Diplomarbeiten im Projekt mit.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau führt mit Fotografien, Filmen und Texten in die komplexe und spannende Arbeit der Steinkonservierung ein. In den Filmen wird die konkrete restauratorische Arbeit vorgestellt und genauer erläutert. Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist die maßstabsgetreue Darstellung eines Giebelfeldes mit Baugerüst, das die Größenverhältnisse vor Ort anschaulich macht.

Das Projekt wird durch die Bundesrepublik Deutschland gefördert. Die Fachhochschule Köln, private Sponsoren, die Freunde des Angkor Konservierungs-Teams FAKT e.V. und Friends of Khmer Culture FOKCI, sowie die beteiligten Wissenschaftler unterstützen das Projekt.

Projektinitiator und -leiter: Prof. Dr. Hans Leisen
Fachhochschule Köln, Fakultät für Kulturwissenschaften
Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft CICS
Ubierring 40, 50678 Köln
E-Mail: JAEH.LEISEN@t-online.de

Ausstellungsrealisation:
Prof. Dr. Hans Leisen, CICS
Prof. Heiner Jacob & M A D Design (Marie-Helen Scheid, Anna Lipp, Daniela Schönherr), KISD


05.05.2007 - 29.07.2007
Angkor – Göttliches Erbe Kambodschas

Pressemitteilung
Foto: Vishnu auf der Weltenschlange
Westlicher Mebon, Angkor
Angkor-Periode, Baphuon-Stil, Mitte 11. Jh., Bronze, H. 122 cm
Nationalmuseum Kambodscha, Phnom Penh
© J. Gollings, St. Kilda, Australien

Veranstalter:
Berliner Festspiele. Eine Ausstellung der Kunst – und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds

Pressekontakt:
Ute Weingarten
Tel.: (030) 25486-236 / Fax: (030) 25486-235
E-Mail: presse@gropiusbau.de / URL: www.gropiusbau.de

Medienpartner: RBB Inforadio, RBB Kulturradio

Ab 5. Mai 2007 wird im Martin-Gropius-Bau Berlin die Ausstellung „Angkor – Gött¬liches Erbe Kambodschas“ gezeigt. Zum ersten Mal ist die weltberühmte alte Kunst der Khmer in einer großen Ausstellung in Berlin zu sehen. Seit ihrem Bekannt-werden in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat sie das kunstinteressierte Publikum Europas fasziniert und in Staunen versetzt.

Der Name Angkor steht seither für geheimnisvolle, ausgedehnte Tempelanlagen im Dschungel Kambodschas, die auch heute noch eine Vorstellung von ihrer einstigen Pracht geben können. Seit sich das Land in Folge der Pariser Friedensabkommen Anfang der 1990er Jahre politisch zu stabilisieren begann, wurde auch die Region von Angkor wieder für Reisende zugänglich. Die großartige Kultur des alten Khmer-reiches mit ihren zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert errichteten Bauten kehrte mehr und mehr in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zurück. Doch welcher Geist steht hinter den überwältigenden Tempelanlagen, welchen Gottheiten waren sie ge-weiht, auf Grund welcher sozialen und ökonomischen Struktur konnten sie errichtet werden? Wie sah die Gesellschaft aus, die derartige Leistungen zu vollbringen im Stande war? Welches Selbstverständnis hatten ihre Könige? Dies sind Fragen die sich jeder stellt, der das alte Kambodscha kennen lernen möchte.




Die Ausstellung bietet nicht nur die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Vielfalt der Kunst zu verschaffen, sondern greift auch wichtigste kulturgeschichtliche The¬men auf, so dass die Besucher auch eine Vorstellung vom historischen, sozialen und religiösen Kontext der Werke bekommen.

Angkor war der Mittelpunkt eines Reiches, das sich zu seiner Blütezeit im Westen über den Chao Praya (heutiges Thailand) hinaus, im Osten bis zur Annamitischen Bergkette (heutiges Vietnam), im Norden bis zum Mekong-Bogen (heutiges Laos) und im Süden bis zum Kap Kamau (heutiges Vietnam) erstreckte. Die Tiefebene am Großen See (Tonle Sap), in der Angkor liegt, eignete sich gut für den Reisanbau. Hölzer und Wild sowie Gold, Edelsteine und Seide beförderten den Handel, der über Tonle Sap und Mekong auch Meereszugang hatte. Eine gut organisierte Wasser-wirtschaft und ein ausgedehntes Netz von Kanälen regulierte die Bewässerung der Reisfelder. In dieser mit Naturschätzen gesegneten Umgebung entwickelte sich das Land zum damals mächtigsten Reich Südostasiens.

Rund 120 Steinplastiken, Bronzefiguren und Holzskulpturen sowie Silberarbeiten und Malereien werden aus dem Nationalmuseum in Phnom Penh nach Berlin kommen. Leihgaben aus dem Museum für Asiatische Kunst in Berlin und dem Musée national des Arts asiatique Guimet in Paris ergänzen das Bild. Der zeitliche Bogen spannt sich vom 7. Jahrhundert bis in die Neuzeit, denn es ist ein Anliegen der Ausstellung zu zeigen, auf welcher kulturellen Grundlage sich Angkor entwickelte und wie sein Erbe bis heute nachwirkt. Die frühesten überlieferten und in der Ausstellung präsen-tierten Kunstwerke stammen aus den Prä-Angkor-Reichen Funan und Zhenla im Süden und Nordosten des heutigen Kambodscha. Es handelt sich um buddhistische und brahmanische (hinduistische) Steinskulpturen, aus dem 7. und 8. Jahrhundert, die von großer Schönheit sind und eine erstaunliche künstlerische Perfektion zeigen. Sie stehen in der Tradition indischer Kunst und haben doch einen eigenen, unver-kennbaren Stil. Sandsteinstelen mit Inschriften vermitteln einen Eindruck von der überragenden Bedeutung der Epigraphie für unsere Kenntnis der Zeit. Bis zum 14. Jahrhundert bleibt sie die wichtigste Informationsquelle für alle Aspekte der Khmer-Kultur.

Die eigentliche Angkor-Epoche begann im 9. Jahrhundert mit der Verlegung des Machtzentrums nach Westen in die Nähe des Tonle Sap. Der erste Tempelberg aus Stein, umgeben von breitem Wassergraben und Umfassungsmauern, wurde als magisch-religiöses Zentrum des Reiches geweiht. Die Anlage folgte einer bis in das 13. Jahrhundert hinein verbindlichen kosmologischen Konzeption: Sie sah die Erde als ein von Gebirgsketten (Umfassungsmauern) umgebenes Viereck. Jenseits dieses Gürtels dehnen sich die mythischen Urozeane (Wassergraben) aus. In der Mitte des Vierecks bildet der Berg Meru, auf dem die Götter wohnen, die Weltachse (Tempel-berg). Der Haupttempel war oft von kleineren Schreinen umgeben, in denen Götter¬statuen aufgestellt wurden. Neben Architekturelementen wie Türstürzen mit Relief-darstellungen und Balustraden wird eine beeindruckende Anzahl von teilweise überlebensgroßen Stein- und Bronzefiguren aus diesen Tempeln in der Ausstellung zu sehen sein.

Gezeigt werden brahmanische wie auch buddhistische Kultbilder. Ihre stilistischen Varianten sind äußerst vielfältig. Sie reichen von imposanter Repräsentation,



eleganter Schlichtheit und mitreißender Dynamik bis zu tiefer Spiritualität.

Eines der großartigsten Werke ist eine selbst in ihrem fragmentarischen Zustand noch überwältigende Bronzefigur des Gottes Vishnu. Deutlich spiegeln sich Lebens-gefühl und Rollenverständnis der Auftraggeber im Stil wider.

Den für die Kunst Angkors so typischen Flachreliefs am gigantischen Tempelberg Angkor Wat (erbaut zwischen 1113 und 1150), der als die großartigste Schöpfung der Khmer-Architektur gilt, wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Als unbeweg-liche Kunstwerke können sie nur auszugsweise auf originalgroßen Fotofriesen und Gipsabgüssen präsentiert werden. Auf ein Ersatzmedium übertragen, vermitteln sie dennoch auf beeindruckende Weise die überbordende Phantasie und künstlerische Perfektion in der Darstellung epischer und mythischer Ereignisse.

Unter der Herrschaft des mahayana-buddhistischen Königs Jayavarman VII. (1181-circa 1218) erlebte Angkor eine letzte große Blütezeit. Seine Tempelbauten sind den buddhistischen Idealen Mitgefühl und Weisheit verpflichtet. Am deutlichsten ist dies an den Gesichtertürmen zu erkennen, die wie kein anderes architektonisches Phäno-men die späte Angkor Zeit prägen. Das verinnerlichte Lächeln auf den monumenta-len Gesichtern, das berühmte Lächeln Angkors, ist charakteristisch für diese Zeit.
Es findet sich auch auf den herausragenden Steinskulpturen und Bronzefiguren von Buddhas und Bodhisattvas, die in der Ausstellung gezeigt werden. Einzigartig darunter ist ein Porträtkopf aus poliertem Sandstein von Jayavarman VII., eine Rarität sondergleichen, denn außer den wenigen von ihm und vermutlich seiner Frau Jayarajadevi überlieferten Porträts gibt es keine Darstellungen individueller Persön-lichkeiten in Angkor.

Nach dem Tod dieses bedeutenden Herrschers setzte eine Stagnation ein und im 15. Jahrhundert wurde Angkor von den Khmer-Königen ganz verlassen. Sie gründeten eine neue Hauptstadt im östlichen Teil des Landes nahe dem Mekong. Die Staats-religion war nun der Theravada-Buddhismus mit Stupa und Pagode als religiösem Zentrum. Das indische Epos Ramayana, in der Angkor-Zeit vielfach dargestellt, blieb in seiner kambodschanischen Form (Reamker) weiterhin von größter Bedeutung als Träger religiösen Wissens. Nicht mehr in Stein gemeißelt, sondern auf die Innenwände der Pagoden gemalt und immer wieder erneuert, hat es bis in das 20. Jahrhundert hinein das künstlerische Schaffen Kambodschas geprägt. Eine Folge von Szenen des Reamker, Anfang des 20. Jahrhunderts in Tempera auf Leinwand gemalt, wird diese wichtige Tradition in der Ausstellung dokumentieren.
Angkor ist durch alle Jahrhunderte hindurch Bezugspunkt nationaler Identität geblieben. Sein Erbe prägt bis heute das Selbstverständnis der Kambodschaner.

Die parallel gezeigte Ausstellung „Konservierung der Tempel von Angkor, Kambodscha“ stellt das „German Apsara Conservation Project in Angkor, Kambodscha“ (GACP) und seine Arbeit vor. Seit 1995 ist das GACP der deutsche Beitrag im Rahmen der internationalen Hilfe zum Erhalt des Weltkulturerbes Angkor unter dem Schirm der UNESCO. Angkor ist dabei das größte internationale Erhal-tungsprojekt unter dem Schirm der UNESCO. Der Tempel Angkor Wat, eines der
größten religiösen Bauwerke der Welt, ist vom Sockel bis zu den Spitzen der Türme bildhauerisch bearbeitet. Besonders Apsara- und Devata-Reliefs (himmlische Tänze-



rinnen und Göttinnen), von denen sich allein über 1850 am Tempel befinden sowie die Tympanonaufbauten über den Portalen, sind akut von der Zerstörung durch Verwitterungsprozesse bedroht.

Die Ausstellung führt mit Fotografien, Filmen und Texten in die komplexe und span-nende Arbeit der Steinkonservierung ein. Auf der Basis der fotografischen Dokumen-tation der Reliefs wurden eine detaillierte Schadenserfassung und eine umfassende naturwissenschaftliche Untersuchung durchgeführt. In Filmen wird die konkrete restauratorische Arbeit vorgestellt und genauer erläutert. Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist die maßstabsgetreue Darstellung eines Giebelfeldes mit Bauge-rüst, das die Größenverhältnisse vor Ort anschaulich macht.

Die praktischen Arbeiten der multidisziplinären Projekte werden von inzwischen 27 im Projekt ausgebildeten kambodschanischen Restauratoren und Spezialisten für die Dokumentation ausgeführt. Deutsche Wissenschaftler verschiedener Disziplinen unterstützen das Projekt mit ihrer Expertise. Studenten verschiedener Fachhoch-schulen und Universitäten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern - bereits über 60 - arbeiten im Projekt mit.

Katalog:
Angkor – Göttliches Erbe Kambodschas
Ca. 336 Seiten mit ca. 260 Abbildungen;
Format 24,5 x 28 cm, Erschienen im Prestel Verlag
Museumsausgabe: 28 €, ISBN: 978-3-7913-6086-7
Buchhandelsausgabe: 59 €, ISBN: 978-3-7913-3697-8

Eintritt:
7 € / 5 € ermäßigt
Familienkarte 14 €
Gruppen (ab 10 Personen) p.P. 5 €
Schüler- und Studentengruppen (ab 5 Personen) p.P. 3 €

Öffentliche Führungen:
Sa und So 15 Uhr / per Person 3 € zzgl. Eintritt 5 €

Angemeldete Führungen für Gruppen und Schulklassen
Gruppen: Führungen (60 min.)
55 € zzgl. Eintritt p. Person 5 €
Führungen für Schulklassen und Studentengruppen (60 min.)
40 € zzgl. Eintritt von p. Person 3 €

Anmeldung für Führungen und Workshop für Kinder
Museumsinformation Berlin
Tel. (030) 24749-888; Fax (030) 24749-883
museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de
www.fuehrungsnetz.de

Audioguide: 4 € / ermäßigt 3 €


28.04.2007 - 13.08.2007
Ré Soupault (1901–1996)
Die Fotografin der magischen Sekunde

Pressemitteilung
Foto: Ré Soupault, Selbstportrait an Schießbude, im Hintergrund Gisèle Freund, Buenos Aires 1944
© Nachlass Ré Soupault / VG Bild-Kunst, Bonn 2007
Alle Rechte vorbehalten.

Veranstalter:
Eine Ausstellung der Berliner Festspiele
Ermöglicht durch den Hauptstadtkulturfonds
Kurator Manfred Metzner

Pressekontakt:
Ute Weingarten
Tel.: (030) 25486-236 / Fax: (030) 25486-235
E-Mail: presse@gropiusbau.de / URL: www.gropiusbau.de

Medienpartner: RBB Inforadio, RBB Kulturradio

Die Fotografin Ré Soupault steht im Zentrum der klassischen Moderne zwischen Berlin und Paris. Ré Soupault wurde 1901 als Meta Erna Niemeyer in Bublitz/Pom¬mern geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Seit ihrer Ausbildung am Bauhaus in Weimar (1921-1925) bei Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Paul Klee und anderen ist sie Teil der europäischen Avantgarde-Bewegungen der 1920er und 1930er Jahre. 1923/24 stellte sie mit dem schwedischen Avantgarde-Filmemacher Viking Eggeling dessen Film „Diagonal-Symphonie“ fertig.

In Paris lernt sie 1925 Man Ray und Fernand Léger kennen. Weimar verlässt sie endgültig 1925 und arbeitet als Modejournalistin für den Berliner Scherl-Verlag, u. a. für dessen Zeitschriften „Silberspiegel“ und „Sport im Bild“, auch als Korrespondentin in Paris. 1926 heiratet sie den Dadaisten und Maler Hans Richter. In ihrer Wohnung in der Trabenerstraße in Berlin trifft sich die internationale Avantgarde. Nach ihren journalistischen Arbeiten für den Scherl-Verlag, gründet sie in Paris 1928 das Modestudio „Ré Sport“ und führt dies bis 1934. Sie entwirft Prêt-à-Porter, kleidet



Frauen der Pariser Bohème ein und arbeitet eng mit Man Ray zusammen, der ihre Frühjahrs- und Herbst-Kollektionen fotografiert.

1933 lernt sie den Mitinitiator der Surrealismus-Bewegung Philippe Soupault („Die Magnetischen Felder“, zusammen mit André Breton) kennen, den sie 1936 heiratet. Sie gehört in Paris zum Künstler-Zirkel um Man Ray, Fernand Léger, Florence Henri, Gisèle Freund, Elsa Triolet, Helen Hessel, Max Ernst, Henryk Berlewi, Kiki, Foujita, Sonia und Robert Delaunay, André Kertesz, Alberto Giacometti. Philippe Soupault ist seit Ende der 1920er Jahre einer der bedeutendsten französischen Journalisten und arbeitet u. a. für VU, Excelsior, L’Intransigeant. Er überredet Ré seine Reportagen zu bebildern.

Ré Soupaults fotografisches Werk entsteht zwischen 1934 und 1952 auf Reisen in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Norwegen, Finnland, USA und Tunesien. Sie arbeitet von Beginn an mit einer 6x6 und 4x4 Rolleiflex-Kamera und einer Leica. Nach ihrer Flucht aus Tunis und einem vier¬jährigen Aufenthalt in Nord-, Mittel- und Südamerika lebt Ré Soupault ab 1948 in Basel, wo sie als Übersetzerin (u. a. Romain Rolland, Lautréamont, Tristan Tzara) arbeitet und bei Karl Jaspers studiert.

Seit Mitte der 1950er Jahre lebt die Künstlerin wieder in Paris und arbeitet bis zu ihrem Tod 1996 als Übersetzerin, Schriftstellerin, Filmemacherin, Hörspielautorin, Radio-Essayistin und Herausgeberin von Märchen-Anthologien. Reportagefotografie, Portraits und Alltagsszenen bestimmen ihr fotografisches Werk, das durch seine Geradlinigkeit, Klarheit, Vielfältigkeit und Zeitlosigkeit besticht. Kein Foto ist gestellt, „alles kam aus dem Leben“ (Ré Soupault). Das zunächst verloren geglaubte foto¬grafische Werk – es umfasst ca. 1500 Negative und ca. 150 vintage prints – wird erst Ende der 1980er Jahre wieder entdeckt.

Für den Martin-Gropius-Bau in Berlin ist eine große Retrospektive zum Werk der Ré Soupault geplant. Es ist ihre erste große Gesamtschau. Gezeigt werden etwa 250 Arbeiten, davon ein Viertel vintage prints. Viele der Arbeiten werden zum ersten Mal zu sehen sein, nach dem sie im Nachlass entdeckt wurden.

Katalog: Erscheint im Verlag „Das Wunderhorn“, Heidelberg ,
ISBN 978-3-88423-282-8 (Buchhandelsausgabe)
ISBN 978-3-88423-283-5 (Museumsausgabe)

Eintritt:
6 € / 4 € ermäßigt
Familienkarte 10 €
Gruppen ab 10 Prs. 4 € p.P
Schüler- und Studentengruppen (ab 5 Personen) 2 € p.P.




Angemeldete Führungen für Gruppen und Schulklassen
Gruppen: Führungen (60 min.)
50 € zzgl. Eintritt p.P. 4 €
Führungen für Schulklassen und Studentengruppen (60 min.)
40 € zzgl. Eintritt von 2 €

Anmeldung für Führungen:
Museumsinformation Berlin
Tel. (030) 24749-888; Fax (030) 24749-883
museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de
www.kulturprojekte-berlin.de


09.03.2007 - 28.05.2007
Brassaï (1899–1984)
Die große Retrospektive

Pressemitteilung
Bild: Liebespaar in einem kleinen Café, Quartier Italie, um 1932
© ESTATE BRASSAÏ – RMN / CNAC - MNAM

Veranstalter:
Berliner Festspiele
Eine Ausstellung des Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris

Pressekontakt:
Ute Weingarten
Tel.: (030) 25486-236 / Fax: (030) 25486-235
E-Mail: presse@gropiusbau.de / URL: www.gropiusbau.de

Medienpartner:
RBB Inforadio, RBB Kulturradio

Brassaï wurde als Gyula Halasz 1899 im damals ungarischen Brassó (heute Ru¬mänien) geboren. Er zog im Dezember 1920 zunächst nach Berlin, wo er an der Kunstakademie in Charlottenburg studierte und mit Künstlern wie Wassily Kandinsky, Oskar Kokoschka und László Moholy-Nagy zusammentraf. 1924 ließ er sich in Paris nieder, begann seine Laufbahn jedoch nicht als Fotograf, sondern arbeitete als Journalist vor allem für deutschsprachige Zeitschriften. Die Fotos zu seinen Artikeln machte oft der ungarische Fotograf André Kertész. Durch seine journalistische Tä-tigkeit fand er dann zur Fotografie. Er interessierte sich in dieser Zeit aber ebenso für Literatur und Bildhauerei. In Paris nahm er 1932 den Künstlernamen „Brassaï“ an, den er aus dem Namen seiner Heimatstadt herleitete.

Im gleichen Jahr veröffen¬tlichte Brassaï Paris de nuit („Paris bei Nacht“), ein Buch, das ihn weltberühmt machte. Mit seiner Voigtländer-Kamera beherrschte er als einer der ersten seiner Zeit die Nachtfotografie. Das Museum of Modern Art in New York nahm seine Arbeiten in die Jahrhundertausstellung Photography: 1839-1937 auf.

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau zeigt Fotografien aus der Zeit von 1932 bis 1960 und ist in verschiedene Kapitel unterteilt. So werden u.a. die Serie Paris bei Nacht (1932), Brassaïs Arbeiten für die surrealistische Zeitschrift Minotaure (1933-




1989), die Transmutationen und die Serie Graffiti (1960) zu sehen sein, des Weiteren Zeichnungen und Skulpturen.

Brassaï machte seine ersten Fotos genau zu einer Zeit, als der Surrealismus in Frankreich großen Einfluss hatte. Die Surrealisten versuchten das Unwirkliche und Traumhafte der gesellschaftlichen Realität sowie die Tiefen des Unbewussten
auszuloten und schrieben der Fotografie eine besondere Rolle bei der Wahr¬nehmung zu.

Brassaï wanderte in dieser Zeit nächtelang durch die Stadt, entweder allein oder in
Begleitung von Schriftstellern wie Henry Miller oder Raymond Queneau. Er zog die Nacht dem Tag vor, weil sie seiner Meinung nach Kräfte freisetzte, die tagsüber vom Verstand beherrscht werden. Seine Sympathie für die Surrealisten weckte anderer¬seits auch sein Interesse am „Primitiven“ und führte zur Fotoserie der „unfreiwilligen Skulpturen“ (sculptures involontaires). Fundstücke wie Fahrkarten, Seife, Streich¬holzheftchen oder Fingerhüte wurden für ihn zum Thema und nahmen in den Auf¬nahmen skulpturale Eigenschaften an. Bei den Transmutationen verwendete Brassaï belichtete Glasnegative als Rohmaterial für Zeichnungen, indem er Bilder in die Fotoplatten einritzte und sie ein zweites Mal belichtete.

Er gab vor allem Bildern von weiblichen Akten grafische Formen, indem er sie in Gitarren-, Geigen- oder Mandolinenfrauen verwandelte, was auf den Einfluss von Picasso hinweist. Die Motive für die Serie Graffiti fand Brassaï auf den verfallenen Häuserwänden der Stadt mit ihren zerkratzten und bekritzelten Oberflächen. Er sah einen Zusammenhang zwischen diesen zufälligen, anarchischen grafischen Äus¬serungen und Höhlenzeichnungen. In dieser Hinsicht weist seine Arbeit einen deutlichen Bezug zu künstlerischen Positionen wie der Art Brut von Jean Dubuffet und Jean Fautrier auf. Brassaï arbeitete zeitlebens weiter in anderen künstlerischen Disziplinen. Er schuf Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken, er schrieb literarische Werke und machte Filme. Sein künstlerisches Credo war, „etwas Neues und Packendes aus dem Banalen und Gewöhnlichen zu schaffen“, um den Alltag so abzubilden, als sähe man ihn zum ersten Mal.

1956 erhielt er für seinen Film »Tant qu'il y aura des bêtes« die Auszeichnung für den »Originellsten Film« beim Filmfestival in Cannes. Picasso, dessen Skulpturen Brassaï fotografierte, war besonders von seinen Zeichnungen beeindruckt. Die Gespräche mit Picasso, Conversations avec Picasso (1964), gehören zu Brassaïs wichtigen Veröffentlichungen, die 25 Bücher und zahllose Artikel umfassen.
Brassaï, Träger zahlreicher Auszeichnungen und Preise, starb am 7. Juli 1984 in Beaulieu-sur-Mer.

Die Ausstellung wurde vom Centre Georges Pompidou in Paris konzipiert und zusammengestellt. Der Katalog von Alain Sayag und Annick Lionel-Marie enthält Beiträge von Jean-Jacques Aillagon, Brassaï, Gilberte Brassaï, Roger Grenier, Henry Miller, Jacques Prévert, Klaus Albrecht Schröder und Werner Spies.




Katalog:
„Brassaï“ Hrsg. von Alain Sayag und Annick Lionel-Marie, 319 Seiten,
Brandstätter Verlag, Preis 38 € , ISBN: 3-85498-259-3 oder
ISBN: 978-3-85498-259-3

Eintritt:
7 € / 5 € ermäßigt
Familienkarte 14 €
Gruppen (ab 10 Personen) p.P. 5 €
Schüler- und Studentengruppen (ab 5 Personen) p.P. 3 €

Kombikarte:
Rondeau und Brassaï 8 € / 6 € ermäßigt

Führungen
Öffentliche Führungen
Samstag und Sonntag 15 Uhr
p.P 3 € zzgl. Eintritt p.P. 5 €

Angemeldete Führungen für Gruppen und Schulklassen
Gruppen: Führungen (60 min.)
50 € zzgl. Eintritt p.P. 5 €
Führungen für Schulklassen und Studentengruppen (60 min.)
40 € zzgl. Eintritt von p.P. 3 €

Anmeldung für Führungen:
Museumsinformation Berlin
Tel. (030) 24749-888; Fax (030) 24749-883
museumsinformation@kulturprojekte-berlin.de
www.kulturprojekte-berlin.de


09.03.2007 - 28.05.2007
Gérard Rondeau – Fotografien

Pressemitteilung
Bild: Louise Bourgeois, New York 1993
© Gérard Rondeau

Veranstalter
Berliner Festspiele.
In Zusammenarbeit mit der Botschaft der Republik Frankreich
und dem Institut français in Berlin
Der Martin-Gropius-Bau und das Institut français in Berlin präsentieren die erste Einzelausstellung mit über 150 Fotografien des berühmten französischen Fotografen Gérard Rondeau in Deutschland.

Gérard Rondeau stellt eine Auswahl seiner umfangreichen Porträtkunst vor. Seit vielen Jahren fotografiert er international bekannte Künstler, Musiker, Schriftsteller, Designer und Philosophen. In Berlin werden u.a. Fotografien von Louise Bourgeois, Georg Baselitz, Susan Sontag, Jürgen Habermas, Jacques Derrida, Jim Jarmusch und Carla Bruni zu sehen sein. Mit seinen eindrucksvollen Aufnahmen steht er in der Tradition des großen französischen Porträtfotografen Nadar, der von der geistigen und künstlerischen Elite seiner Zeit unvergessliche Bilder schuf.

Des Weiteren zeigt Rondeau einen Teil seiner langfristig angelegten Serie Hors cadre. Er wirft darin einen Blick hinter die Kulissen von großen Museen und zeigt wertvolle Kunstwerke „außerhalb des üblichen Rahmens“ während des Ausstellungsaufbaus oder -abbaus, verpackt, an die Wand gestellt oder während des Transports. Das Erhabene und Zeitlose trifft hier auf das Profane und Temporäre und es entstehen Bilder von einer besonderen Poesie.

Gérard Rondeau wurde 1953 Châlon-sur-Marne geboren und lebt in der Champagne. Er ist Mitglied der renommierten Fotoagentur VU und arbeitet seit über 20 Jahren als Fotojournalist und als Porträtist für die Tageszeitung Le Monde. Im Jahre 2005 präsentierte Rondeau die Serie Hors cadre in einer umfassenden Ausstellung im Grand Palais in Paris.

Gérard Rondeau wurde am 5. Februar 2007 von 3000 französischen Kulturjournalisten mit dem Preis „Französischer Künstler des Jahres“ im Rahmen des Globes de cristal 2007 ausgezeichnet.

Bibliographie Gérard Rondeaus:
J’ai sabré ce dernier siècle place royale, éditions Alibis, 2000
Rebeyrolle ou le journal d’un peintre. Coll. Photogalerie, Editions Ides et Calendes, 2000
L’Abbaye de Fontevraud, éditions Robert Laffont, 2001, préface de Chantal Colleu-Dumond
L’Echappée libre (Tour de France 2001), édition du Seuil, 2001, préface de Michel Onfray
Sur les lieux du regard. French Museums / Intimate Portraits Editions Artha, 2003
Antonin Artaud à Vile-Evrard Editions Le temps qu’il fait, texte d’Alice Becker-Ho, 2003
Les Fantômes du Chemin des Dames – Le Presbytère d’Yves Gibeau. Editions du Seuil, 2003
Voyages au Bénin, Editions L’Arganier, 2004.
Hors Cadre, RMN éditions, texte de Jean Clair et Christian Caujolle, 2005
Missions (Médecins du Monde) éditions du Seuil, 2005
Chroniques d’un portraitiste, texte de Philippe Dagen, Seuil 2006