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Galerie Guido W. Baudach

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Galerie Guido W. Baudach

Potsdamer Straße 85
D-10785 Berlin
Germany/Deutschland
Tel: +49 (0) 30 319 981 01
Fax: +49 (0) 30 319 981 03
galerie@guidowbaudach.com
www.guidowbaudach.com
Öffnungszeiten:
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Künstler der Galerie

Ausstellungen

Aktuelle und kommende Ausstellungen

15.09.2017 - 28.10.2017
The Cosmic Stage
Vernissage: 15.09.2017
Künstler: Markus Selg,

Pressemitteilung
Markus Selg
The Cosmic Stage
September 15 - October 28, 2017

Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, ihre siebte Einzelausstellung von Markus Selg anzukündigen.

Stell Dir vor, Du würdest an einem Theaterstück teilnehmen, das sehr präzise und in einem Moment die Idee des Du, als einzigartig denkendes Subjekt, und die Idee des Anderen, d.h. Deine Mitmenschen, Natur, Ökologie, den Kosmos, das ganze Universum miteinander verschmilzt.
Bei dieser Aufführung bist Du nicht allein Zuschauer, sondern Du wirkst aktiv an der Handlung mit, formst und verwandelst Dich, während Du Dich, ähnlich wie in Jorge Luis Borges’ Bibliothek von Babel, durch verschiedene geistige und materielle Räume bewegst. Diese Erfahrung kann transformativ sein, sie kann ein Tor zu einer anderen Dimension bilden, Deine Wahrnehmung der Realität dauerhaft verändern, ebenso Dein Verständnis der positiven und negativen Aspekte der Wirklichkeit, bewusst wie unbewusst, Dir aber auch aufzeigen, was sichtbar und was unsichtbar ist. Mythos und Erinnerung überlagern sich hier zu dicht geflochtenen Mustern, welche sich immer weiter vermischen und schließlich eins werden.

Das Drama selbst würde sich in mehreren Akten entfalten und auf einer Bühne stattfinden, einer Kosmischen Bühne, der Cosmic Stage.
Am besten beschreiben ließe sich der daraus zu gewinnende Erfahrungsreichtum als eine Reise mit verschiedenen Stationen, die den glücklichen Reisenden vom Chaos hin zu Klarheit führt. Schamanismus, Mystik und Alchemie werden mit mysteriösen Symbolen, futuristischer Bildsprache und psychedelischem Stil verschmolzen und rufen einen einzigartigen filmähnlichen Eindruck hervor.
Man sieht sich an andere kathartische Reisen erinnert: an die Irrfahrten des Odysseus aus Homers Ilias, an Dante Alighieris Göttliche Komödie, die von der Hölle ins Paradies führt, oder auch die alchemistische Transformation, die CG Jung im Konzept des Individuationsprozess erläutert. Jeder Akt hat einen drehbuchgemäßen Anfang und ein Ende, und die Aktfolge ist so konzipiert, dass Du schrittweise und mühelos durch den Transformationsprozess hindurchgeführt wirst. Am Ende eines jeden Akts vermag man einen Klang zu vernehmen, ein Zeichen des Übergangs zum nächsten Aufzug. Die Wesen, denen Du begegnen wirst, sind hybride, archetypisch, göttliche Boten der Wahrheit, deren jeweilige Bedeutung sich aus ihrem Neben-und Miteinander erschließt.
Stell Dir vor, diese Erfahrung würde ewig andauern, oder auch nur einen Augenblick. Die Zeit verschwimmt, Dein Körper schmerzt. Du bist Dir nicht sicher, ob das, was Du hier erlebt hast, real oder virtuell war, digital oder physisch, ob Deine Gefühle spontan waren oder induziert. Doch sobald Du wieder zu Dir kommst, Deine Augen öffnest und in Deinen Körper zurückkehrst, wird Dir bewusst, dass Du auf der Kosmischen Bühne, der Cosmic Stage getanzt hast.

Atme so viel Luft ein, wie Du kannst; halte Deinen Atem an.
Ich zähle bis 10. Wenn ich bei 10 bin, atme aus.
Ein tosendes Geräusch entsteht, wie eine Rakete, die in den Weltraum schießt.
Deine Seele ist davongeflogen.

The Cosmic Stage ist eine Einzelausstellung des Künstlers Markus Selg. Selgs künstlerische Praxis umfasst Skulptur, Performance, Digitaldruck, Ton, Film und Multimedia-Installationen. Sein Interesse gilt dem Auffinden und Schichten von Bildern und Gegenständen, deren unterschiedliche Geschichten, Kulturen und Geographien er miteinander in Beziehung setzt. Wie ein Forschungsreisender des 3. Jahrtausends sammelt Selg auf Reisen sowie mittels digitaler Aneignung alte Mythen und Symbole, driftet von Voodoo-Ritualen zu Schamanismus, oder beschwört Science-Fiction Welten herauf, in denen durch hochtechnologische Produktion Primitives in Psychedelik und Virtualität verwandelt wird. Dabei gehen Selgs Erzählungen oft über klassische Theaterformen hinaus. Sie sind komplex und stellen philosophische Fragen über das Verhältnis von Technologie und Spiritualität, individuellem Bewusstsein und kollektivem Unterbewussten, Archaischem und Gegenwärtigem; sie integrieren fundamentale Dichotomien durch Kontrastierung und rücken somit die Gleichzeitigkeit ins Blickfeld.
The Cosmic Stage ist ein immersives und kathartisches Erlebnis, das seitens des Publikums eine ebenso aktive wie phantasiereiche Teilhabe einfordert.

Attilia Fattori Franchini


Archiv

23.06.2017 - 02.09.2017
SiO2go
Vernissage: 23.06.2017
Künstler: Philipp Modersohn,

Pressemitteilung
Die Ausstellug wird bis zum 2. September verlängert (nach Vereinbarung)



Das Forschungszentrum SiO2go am Standort Berlin-Tiergarten zielt darauf ab, die verschiedenen Dimensionen skulpturaler Unsicherheit und Instabilität im Kontext geologischer, urbaner und künstlerischer Gestaltungsprozesse zu analysieren und evaluieren. Die Arbeit des Forschungszentrums betrifft die Dynamiken intraaktiver Materien insbesondere in ihrer Bedeutung für die physischen und kognitiven Infrastrukturen moderner Gesellschaften.



Die Antizipation von Zukünften im Umfeld neuartiger Risikoquellen zählt zu den Herausforderungen künstlerischer Recherche heute. Denn antizipative Zeitlichkeit ist ein Kernelement skulpturaler Unsicherheit selbst: urbane Sicherheitsarchitekturen nehmen die Ereignisse vorweg, zu deren Verhinderung sie entwickelt wurden, versetzen Bevölkerungen virtuell in den Katastrophenfall und gestalten die Gegenwart nach Maß der hierbei gewonnenen Erkenntnisse. Die virtuellen Bedrohungen sind somit Teil der sogenannten „kognitiven Infrastrukturen“ metropolitaner Räume und dokumentieren deren konstitutiven Zukunftsbezug.



Allerdings erschweren die verwendeten Materialien oftmals sichere Vorhersagen und damit auch den effektiven Einsatz materieller Vorrichtungen zu Präventionszwecken. SiO2go stützt sich auf den Ansatz der „Neuen Materialismen“, welcher die Forschungslandschaft in den letzten Jahren entscheidend bereichert hat. Demnach lassen Sicherheitsarchitekturen die Beobachter meist im Unklaren darüber, ob der Schadensfall bereits tatsächlich eingetreten ist. So liegen skulpturale Leitsysteme wie etwa Lauflichter bereits ab Werk unter Geröll, Sandsäcke tragen mit ihrer Befüllung auch die Fluten in sich. Zudem führen Druck, extreme Hitze und chemische Substanzen immer wieder zu unvorhergesehenen Materialreaktionen. In verschiedenen Testreihen werden solche Einwirkungen an Stoffen wie Glas, Beton, Silikon, Kunststoff und Erde im Forschungszentrum unter Laborbedingungen untersucht. Dabei kommt dem Siliziumdioxid eine Schlüsselstellung zu. SiO2 fungiert nicht nur als Baustoff in Beton und Sicherheitsglas, sondern liegt als Computerhardware auch den Kalkulationen der antizipativen Katastrophen- und Klimasimulationen zu Grunde. Materielle und kognitive Infrastrukturen kippen an diesem Punkt ineinander.



An solchen Hybridfiguren wird erkennbar, dass skulpturale Sicherheit und Unsicherheit ebenso wie intraaktive Materien keine beobachterunabhängigen Tatsachen sind. Damit steht auch der Glauben an die eigene, isolierte skulpturale Praxis im Forschungszentrum ebenso wie die Validität wissenschaftlicher Erkenntnis und die personale Identität der Mitarbeiter_innen zur Disposition. Umgekehrt ist es das Moment durchkreuzter Antizipationen und in den Experimentalraum eingedrungener „fremder“ Substanzen, vermittels dessen neue Ereignisse, Erkenntnisse und Anwendungen überhaupt möglich werden. Materie selbst ist ein epistemischer Agent. Entsprechend interessiert sich SiO2go auch für das Scheitern seiner Testreihen, durchlöchert den Raum mit verbackenen Fenstern, verstellten Türen sowie blass blinkenden Zeichen, – und schafft so Öffnungen auf ein Außen hin, das sich am ehesten als unvermessenes „Plasma“ bezeichnen lässt.



Für die Zukunft ist es von entscheidender Bedeutung, die Rolle künstlerischer Recherche bei der unwillkürlichen Erzeugung der Phänomene, die sie untersucht, fächerübergreifend zu erforschen. Das Forschungszentrum hat daher das Ziel, erstmals ein umfassendes Bild der Wirksamkeit und Performativität von SiO2go selbst zu gewinnen.



Daniel Falb



Philipp Modersohn, *1986 in Bremen, lebt und arbeitet in Berlin. Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Ku?nste, Berlin (2007-2013), Columbia Universität, New York (2009-2010) und der Philosophie an der Universität Potsdam (2006-2007). Ausgewählte Ausstellung sind: Die Punktierung der Sphärenarena, Correction Lines, Tiergarten, Berlin; Spacerologia, Park Manitiusa & Ego Gallery, Posen; Object and Environment, Galerie Guido W. Baudach, Berlin (2014); Tschajka 2, Haus am Lu?tzowplatz, Berlin; Meisterschülerausstellung, Universität der Künste, Berlin (2013); Handlungsbereitschaft II, Kunstsaele, Berlin; Thesis Show, Columbia Universität, New York; 5 seasons, Kleines Modehaus, Berlin; prelude, Junto Gallery, New York (2010); verbacken & verwittern, Oldenburger Kunstverein, Oldenburg, Germany.
In die Ausstellung


28.04.2017 - 10.06.2017
Bewegtes Ich
Vernissage: 28.04.2017
Künstler: Jürgen Klauke,


11.03.2017 - 15.04.2017
M E T A M O R P H O S I S
Vernissage: 10.03.2017
Künstler: Fuchs Habima, Helbig Thomas, Jerez Renaud, Lemsalu Kris, Ramirez Mary Audrey,

Pressemitteilung
Der Begriff „Metamorphosis“ stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet in etwa Verwandlung, Veränderung, Umgestaltung. Im Bereich der Biologie bezeichnet er die kontroverse, mehrere Stadien umfassende Entwicklung bestimmter Lebewesen, wie z.B. von Fröschen oder Schmetterlingen, von der Larve zum finalen Tier. Im Prozess der Verwandlung erhält die anfängliche Gestalt eine völlig neue Identität.



In der um das Jahr 8.n.Ch. verfassten gleichnamigen Dichtung des römischen Autors Ovid werden Geschichten von den Verwandlungen der Götter, Heroen, Menschen, Pflanzen und Tiere erzählt. Zum Leitmotiv wählte Ovid die Idee des essentiellen Übergangs von einem Zustand in den anderen, wobei er antike Mythen, wie jenen von der Nymphe Daphne, die vor den Nachstellungen des Gottes Apollo fliehend sich in Lorbeer verwandelt, in epische Bilder transformiert. Die Bestimmung des menschlichen Daseins wird von Ovid als Folge gegenseitiger Verflechtungen aller Lebewesen und Göttern gesehen, eine poetische Fiktion einer allumfassenden kosmischen Ordnung.



Im Surrealismus erfährt der Begriff „Metamorphosis“ eine Wiedergeburt. Auf dem berühmten Spruch des Comte de Lautréamont basierend, wonach die Begegnung einer Nähmaschine mit dem Regenschirm auf einem Seziertisch unerwartete Emotionen und Visionen hervorruft, wollen die Surrealisten mit Konfrontationen von wesensfremden Dingen die üblichen Zusammenhänge zerstören und die unbewussten Vorstellungsebenen befreien. Die so entstehenden, plötzlichen mit neuen Inhalten aufgeladenen Bilder sollen den scheinbar logischen Strukturen des üblichen „Sehens“ eine surreale, hellseherische Wahrnehmung entgegen setzen.



„Der Teufel, sage ich, bewahre die surrealistische Idee davor, jemals ohne Metamorphosen auskommen zu wollen“, postuliert André Breton 1930 in „Second Manifeste du Surréalisme“.



Für die an der Ausstellung Metamorphosis teilnehmenden Künstler und Künstlerinnen spielen die Beziehungen zwischen dem Mythischen und Weltlichen wie auch die surrealistische Unversöhnlichkeit zwischen dem Bewussten und Unbewussten eine eher geringere Rolle. Sie sind jedoch auf individuelle Art und Weise in ihren Werken mit den Verwandlungen von Formen, Materialien, Körpern, Ideen und Substanzen beschäftigt. Die Regie der Ausstellung konzentriert sich auf die dreidimensionalen Werke der beteiligten Künstler, wodurch die spezifische Rolle der Verwandlung als gestalterisches Prinzip in den einzelnen Arbeiten deutlich zum Ausdruck kommt. Die Auswahl umfasst fünf zeitgenössische Positionen aus fünf europäischen Ländern.



Die tschechische Künstlerin Habima FUCHS (*1977, Ostrov) ist Bildhauerin, Zeichnerin und Keramikerin, beteiligt sich an Filmen und Installationen. Ihre Aufenthaltsorte wechseln zwischen Tschechien, Deutschland, Frankreich und Italien, eigentlich führt sie das Leben einer Kulturnomadin. Den Stoff für ihre Arbeiten entnimmt sie Mythen und Legenden unterschiedlicher Herkunft, wobei sie sich hauptsächlich mit spirituellen Inhalten beschäftigt. Ihre „Futurologisten“ nehmen die Position von meditierenden Buddhas an. In der keramischen Skulptur Pratyupanna, 2014, die in der Galerie Baudach gezeigt wird, verwandelt sich eine mächtige Schlange mit einer Anzahl von Tentakeln in ein bedrohliches Lebewesen, das an die unter Wasser domestizierten Anemonen erinnert. Aus dem festen Körper der Schlange entwickeln sich schließlich 84 Einzelteile. Der so multiplizierte Körper ermöglicht, den Worten der Künstlerin zufolge „eine bessere und komplexere Wahrnehmung“ der Umwelt. Eine eher „humane“ Metamorphose erfährt in Transformations / Wild Abundance, 2012 die kauernde weibliche Figur mit maskenhaftem Gesicht, die ihr überdimensionales Geschlecht wie Schild und Angriffswaffe zugleich vor sich her trägt. Sie ist die „Baubo“ - Fruchtbarkeitsidol und Dämon in einem.



Thomas HELBIG (*1967, Rosenheim) ist ein deutscher Maler, Zeichner und Bildhauer. Zu Beginn seiner Karriere nutzte Helbig das formale Potential der Moderne, um mit deren Formvokabular zu spielen und es gleichzeitig zu dekonstruieren. Seine collagierten Skulpturen aus den letzten Jahren zeigen eine andere Art der Transformation des benutzten Materials. Dabei bedient er sich aus dem Fundus der ausrangierten, weggeworfenen Dinge, aus dem Zivilisationsmüll, wie auch aus den Regalen der Deko-Abteilungen von Warenhäusern, die kitschige Skulpturen, Vasen oder Spielzeuge aus Kunststoff feilbieten. Deren meist hohle Formen zerbricht Helbig und verschweißt die Bruchteile zu neuen Objekten, die er anschließend bemalt. Erkennbare Elemente wie Hände, Köpfe, Brüste oder Füße tauchen neben Fragmenten von anonymen Skulpturen, Spielzeugen und Masken auf.



Es entstehen Assemblagen von starker symbolischer Wirkung. Mit vagen Andeutungen erinnern sie an ihre eigene Vergangenheit, verunklären sie jedoch und peilen neue Zusammenhänge an. Bezüge zu Star-Wars-Filmen stellen sich ebenso ein, wie jene zum Vokabular des mit Helbigs Biografie verbundenem süddeutschen Barock, eine Anmutung, die in den letzten Skulpturen durch die Verwendung von farbigen Stoffen, wie etwa rotem Samt, unterstrichen wird. Eher noch als Religiosität blitzt hier aber jener absurde Humor auf, der an die „Beunruhigenden Musen“ der „metaphysischen“ Szenerien eines Giorgio de Chirico denken lässt.



Der französische, in Paris und Basel lebende Künstler Renaud JEREZ (*1982, Narbonne) hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Autor verstörender Installationen und Assemblagen aus Metall, Draht, Bleirohren, isolierten Kabeln und anderem industriellen Material gemacht. Obwohl er die „virtuellen Realitäten“ des Internets durchaus reflektiert, verlässt er sich in seinen Skulpturen hauptsächlich auf die sinnlich greifbaren Dinge, mit der Absicht, diese in ihren Strukturen zu enthüllen.

Es geht ihm, mit seinen eigenen Worten, um „bodies contaminated by consumerism“, zu dessen Quellen die Produktion und der Konsum von Video-Spielen, Science-Fiction-Filmen und computergesteuerten Avataren gehören. In all dem, was die virtuelle Phantasie in Massen frei setzt, entdeckt Jerez den Stoff für seine Werke. Er arbeitet mit Gegensätzen: einerseits schafft er aus dem zivilisatorischen Schrott und Abfall die „Cyborgs“ der virtuellen Welten, andererseits enthüllt er die biologische Infrastruktur der menschlichen Körper als Maschine, die der Virtualität zum Trotz immer noch als Träger der Kommunikation zwischen Mensch und Welt funktioniert. Im Zuge der Metamorphose von einem Zustand in den anderen weisen Jerez‘ Androiden und Roboter auf ihre biologische Vergangenheit hin, entwerfen jedoch auch ein dystopisches Modell einer verkehrten Evolution, in der sich die Erzeugnisse des Menschen verselbständigen und in eine fremdartige Anti-Welt verwandeln.



Die estnische Künstlerin Kris LEMSALU (*1985, Tallinn) ist Keramikerin und arbeitet bevorzugt mit den Medien Installation und Performance. Anlässlich der Frieze in New York 2015 verharrte sie mehrere Stunden lang auf dem Bauch liegend unter einem riesigen keramischen Schildkrötenpanzer. Zu sehen waren nur ihre nackten Füße, Hände und ein Haarschopf, ein Manifest der Einsamkeit, Isolation und Verdrängung des Individuums innerhalb der heutigen Gesellschaft und speziell des Kunstbetriebes. Die in der Galerie Baudach gezeigte Skulptur Car2Go, 2016 ist eine komplexe Installation aus mehreren Teilen. Zunächst sieht man einen „Engel“, dessen Flügel aus den beiden Seitentüren eines Autos bestehen. Sein mit einer blauen Bettdecke verhüllter „Körper“ lässt in der Mitte den Blick frei auf zwei keramische Wolfsköpfe und darunter prangende, entblößte Frauenbrüste, die von zwei Händen gehalten werden; ein Gegensatz, der religiöse wie auch existentielle Konnotationen evoziert. Kleine Figuren mit gelben Regenschirmen in der Umgebung beziehen sich indirekt auf die Demokratiebewegung „Umbrella Movement“ in Hongkong. Zugleich klingt hier das Erlebnis einer Begräbnisprozession armer Menschen in Sri Lanka mit, die Kris Lemsalu verfolgen konnte. Car2Go wurde von der Künstlerin bei der Erstpräsentation zum Gegenstand einer Performance umgewandelt. Dabei umarmte sie die Engelsgestalt, um langsam zu deren Füßen herunter zu gleiten; eine eher tragische, an die Beweinung Marias am Kreuze gemahnende Geste oder ein Kommentar zur aktuellen politischen Lage schlechthin.



Die aus Luxemburg stammende und in Deutschland lebende Künstlerin Mary-Audrey RAMIREZ (*1990, Luxemburg) studierte Multimedia an der Universität der bildenden Künste in Berlin. Im Zentrum ihres Interesses stehen skulpturale Arbeiten und Installationen. Für ihre früheren zweidimensionalen Bilder entwickelte sie eine besondere Technik: Mit Hilfe einer Nähmaschine schuf sie auf einer Leinwand oder Rupfen lineare Gebilde, die zunächst spontan entstanden, um sich im Laufe des Nähens in lesbare Konfigurationen zu verwandeln. Es sind rätselhafte, von Menschen und Tieren bevölkerte Szenerien, deren Akteure sich miteinander verweben und in metamorphischen Begegnungen ihre Identität wechseln. Leben, Empathie und Sexualität begegnen der Gewalt und dem Tod, Tiere greifen andere an und werden selbst gefressen. Diese düsteren Szenarien werden jedoch spielerisch gebrochen und ins Märchenhafte überführt. Seit 2013 entstehen plastische Arbeiten, meist thematisch auf die Übergänge zwischen dem Antropomorphen und Animalischen konzentriert. Bei ihren Recherchen entdeckte Mary-Audrey Ramirez für sich die Welt des in Europa immer noch existierenden Volksbrauchtums, besonders jener bei ländlichen Fasnachten und Karnevalsritualen getragenen Masken und Kostüme, mit denen sich Menschen in Tiere, Pflanzen und wilde Geister verwandeln. In einigen ihrer Performances und skulpturalen Werke bezieht sie sich auf diese Inspiration. Große und kleine Tiere wie Flamingos, Pelikane, Hängebauchschweine, Tapire, Rochen und Füchse treten bei Ramirez wie in „Alice in Horrorland“ in doppelbödigen Rollen auf. Sie nehmen menschliche Verhaltensweisen an, verharren jedoch in der eigenen animalischen Welt, die ihnen letztlich die Oberhand über den Menschen gewährt.



Zdenek Felix, Februar 2017


21.01.2017 - 04.03.2017
10,000 hours
Vernissage: 20.01.2017 18 Uhr
Künstler: Tamina Amadyar,

Pressemitteilung


Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, ihre zweite Einzelausstellung von Tamina Amadyar zu präsentieren. Unter dem Titel 10,000 hours zeigt in Berlin lebende Künstlerin eine Serie von Gemälden, die um die Jahreswende 2016/17 entstanden sind und eine konsequente Weiterentwicklung ihrer bisherigen malerischen Praxis darstellen.



10.000 Stunden (oder 416 Tage) gelten nach der These des Publizisten Malcolm Gladwell als Zeitraum, den ein junger Erwachsener aufbringen muss, um eine erlernte Fähigkeit durch Übung zur Meisterschaft zu bringen. Die Ausstellung stellt diese Vorstellung in Frage. Seit ihrem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie überträgt Tamina Amadyar persönliche Erinnerungen an Räume und Orte in das Medium der Malerei und führt dabei verschiedene Stilrichtungen vom abstrakten Expressionismus über Minimalismus und Pop-Art bis hin zur zeitgenössischen Abstraktion zusammen. Ihre aus der Erinnerung mit selbstgemischten Farben und breitem Pinsel auf ungrundierter Leinwand ausgeführten Raumbilder haben gleichwohl universellen Charakter. Zudem stellen sie trotz aller Reduktion der Darstellung stets die Frage nach dem, was dahinter, im Verborgenen liegt. Die Antwort darauf überlässt Tamina Amadyar dem Betrachter. In Verbindung mit einer Pinselführung, die als Teil des künstlerischen Ausdrucks deutlich sichtbar ist und zudem bewusste Aussparungen auf der Leinwand zulässt, verleiht die daraus resultierende formale Spannung zwischen Setzung und Offenheit der Malerei von Tamina Amadyar eine ganz eigene Qualität, welche insbesondere in ihren jüngsten Arbeiten deutlich hervortritt. Zwar führen die einzelnen Werke teils konkrete Ortsbezeichnungen im Titel an, doch erscheinen die gemalten Erinnerungen daran mehr denn je als innere Bilder. Dabei tritt das Lineare, Statische stärker in den Hintergrund und macht dem Freien, Dynamischen Platz. Was sich zeigt, sind Bilder, die, wenngleich sie auch auf einer dem Malprozess vorhergehenden Erfahrung beruhen, eine solche auch aus ihrer reinen Betrachtung selbst heraus ermöglichen.





Tamina Amadyar wurde 1989 in Kabul geboren und studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Sie erhielt u.a. folgende Stipendien: Hooper Projects Los Angeles (2015), Helmut E. Kreutzer Stiftung (2013-2014), Rölfs Partner Stipendium (2013), Stipendium der Heinrich-Böll Stiftung e.V. (2009-2015). 2016 wurde sie zudem für die Forbes Liste „30 under 30“ ausgewählt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin.


12.11.2016 - 14.01.2017
Morbidezza
Vernissage: 11.11.2016
Künstler: Thilo Heinzmann,

Pressemitteilung
Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, die achte Einzelausstellung von Thilo Heinzmann mit der Galerie zu präsentieren. Unter dem Titel Morbidezza zeigt Heinzmann zwölf neue Bilder. Erstmals sind hier die drei Werkgruppen, Pigmentbilder, Aicmos und Colour Aicmos, zusammen zu sehen.



Die Pigmentbilder bestechen durch die Leichtigkeit ihrer Komposition sowie durch ihre sinnliche Komplexität. Ungebundene Pigmente sind hier direkt auf ein in eigener Weise verändertes Leinengewebe gebracht. So ungegenständlich diese Bilder sind, so sehr feiern sie den Akt des Malens selbst.



Innerhalb der Ausstellung fungieren die Pigmentbilder als Klammer für zwei weitere Werkgruppen – beide auf industriell hergestellten, weißbeschichteten Aluminium-Wabenplatten ausgeführt. Diese Aicmos und Colour Aicmos benannten Bilder weisen Spalten und Öffnungen auf, wie bereits frühere entsprechende Arbeiten Heinzmanns. Jedoch mit dem Unterschied, dass bei den Aicmos ein neuer Charakter der Schnitte, zu welchen nun auch Rillen, Kerben, Kratzer, Dellen und Kuhlen hinzukommen, den Arbeiten zu einer direkteren Bildsprache verhilft. Wie sich hier Zeit und Geschwindigkeit einschreiben, ist in seinem Duktus jenem Mal-Prozess nicht unähnlich, an dessen Ende auch die Pigmentbilder stehen. Heinzmann gelingt es, das Lebendige der malerischen Geste in die Trägheit des industriellen Bildträgers zu zwingen. Der frappierenden Offenheit dieser Bilder steht die Entschiedenheit gegenüber, die aus den in ihnen anzutreffenden malerischen Setzungen spricht. Dergestalt fordern sie den Betrachter ganz unmittelbar zu einer Positionierung heraus.



Die gezeigten Colour Aicmos hingegen, bei denen Heinzmann mit verschiedenen Pigmenten gefärbte Kunstharze auf das Aluminium bringt, folgen einer anderen Konzeption: Hier begegnet man leuchtend-glänzenden Farbschlieren auf matt-weißer Fläche, die teilweise in die Schnitte, Spalten und Schlitze hineingelaufen sind. Die Kompositionen wirken ungezwungen, aber nie unkontrolliert. Sie spielen mit der Einbildungskraft des Betrachters, verführen mit ihrer Materialität, Modernität, Direktheit und Schönheit.
In die Ausstellung


16.09.2016 - 31.10.2016
Single
Vernissage: Friday, 16 September 2016, 6 - 9pm
Künstler: Yves Scherer,

Pressemitteilung
Guido W. Baudach is pleased to present Yves Scherer`s second exhibition at the gallery.



Titled Single, the show is less a take on celebrity culture and the influence of the internet on our everyday life that we saw in his exhibition Closer in 2014 but an intimate and quite personal reflection of what it means not to be in a serious romantic relationship with someone. With an invitation image that features the artist as a semi-nude in front of a pink backdrop, the exhibition here at the same time is used as a tool or a medium to find the matching other half as it is a take on the role of the male in our society.



Lacking the sophisticated production of earlier series, the sculptures presented here instead have a very immediate and readymade feel to it. Culling materials from his everyday life Scherer here waves together life-style products with discarded and ephemeral materials, fur and stuffed animals with kitchen appliances and bathroom gear. Found and appropriated objects are arranged into larger compositions or almost space collages. These pieces are figurative though. It’s people, snapshots of types or characters that make the life game as a single which are portrayed here. And while there’s an Iphone in hand, numbers on the wall and a flatscreen playing, african masks as well as materials like plaster, jute and wood take these figures to a look or point which stands beyond a specific spatial or temporal structure, but at their best emanates a sort of idiosyncratic contemporaneity. At the same time it’s uneasy contradictions in material combinations, the subject matter and the partially animal origin of the works which add a sometime slapstick as well as a more profound humor that lays over the exhibition as a whole.

The paintings on the other hand have a different feel to it: Almost uniform in color they oscillate between backdrop and fully articulated piece. It seems as if Scherer is himself trying to find their position in relation to the figures - as well as the audience. Although for the Number Paintings (2016) for example this is quite clear: Casually sprayed on panels the paintings that feature Scherer’s american phone number the pieces work as a sort of pick-up paper, a note with your number on which you give to the guy or girl you catch a glimpse from in the subway, before disappearing back into the comforting realm of the alone. Or it could be writing it on the arm of someone, with the pink color as an indicator for flesh. This connection is made strongest with Lamp (2016), a work produced in collaboration with Wilddogs International, which - along works like Bachelor or Tatami (both 2016) - bridges the sculptural language with the painterly gestures in the show into one of Scherer’s signature environments.



While Single here so far was discussed as an absence or deficiency, the show is at many points an exact celebration of the time spent alone and with all the casual partners along the way. It’s in the far back of the space that there are images of personal friends of the artist, depicting them on the trip to the swiss countryside. And reading from Here with me (2016), a video work that is shown on a large screen in the middle of the room, where the artist himself is seen trapped in a hostile place, only covered in a piece of fabric and kidnapped by a faceless villain, it’s the love and the ties between friends that saves the day.



Yves Scherer (b. 1987 in Solothurn, CH) is based in New York City. He graduated with an M.A. in Sculpture from London’s Royal College of Art in 2014 and also holds a B.A. in Sciences of Culture from the University of Lucerne. Recent solo exhibitions and projects include: East of Eden, Galerie Guido W. Baudach, Berlin (2016); Snow White and the Huntsman, José Garcia, Mexico City (2016); Couples, Studiolo, Milan (2015); Honey Moon, Swiss Institute New York (2015), Where Is The Love, ExoExo, Paris (2015); Days at Sea, Carl Kostyal, London (2015); Little Mermaid, Art Parcours, Basel (2015); Closer, Galerie Guido W. Baudach, Berlin (2014); Coney Island, S.A.L.T.S., Basel (2014).


04.06.2016 - 23.07.2016
East of Eden
Vernissage: 03.06.2016, 18 Uhr
Künstler: Grear Patterson, Yves Scherer


29.04.2016 - 23.07.2016
Andy Hope 1930
Black Fat Fury Road
Künstler: Andy Hope


15.03.2016 - 16.04.2016
Maya Bloch
Life goes on without me
Künstler: Maya Bloch


27.04.2013 - 01.06.2013
Thilo Heinzmann
Künstler: Thilo Heinzmann


09.03.2013 - 19.04.2013
Melancholia (Systema Saturnium)
Björn Dahlem
Künstler: Björn Dahlem


19.01.2013 - 02.03.2013
group show
Heinzmann Johnson Zipp
Künstler: Thilo Heinzmann, Rashid Johnson, Thomas Zipp


Bestand

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